In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
»Dann sagt ihr ...« Er holte tief Luft. Licht, am liebsten hätte er Kisman und Dashiva und all die anderen mit bloßen Händen erwürgt! »Sagt ihr, dass ich Far Madding morgen verlassen werde, und ich hoffe, dass sie mich als meine Beraterin begleitet.« Den ersten Teil kommentierte Lews Therin mit einem erleichterten Seufzen; wäre er mehr als eine Stimme gewesen, hätte Rand gesagt, dass er beim zweiten Teil erstarrte. »Sagt Ihr, ich akzeptiere ihre Bedingungen. Ich entschuldige mich für mein Benehmen in Cairhien und werde mein Möglichstes hon, in Zukunft auf meine Manieren zu achten.« Das zu sagen fiel gar nicht schwer. Nun ja, ein bisschen schon, aber falls sich Min nicht irrte, brauchte er Cadsuane, und Min irrte sich nie bei dem, was sie sah.
»Also habt Ihr gefunden, was Ihr hier suchtet?« Er blickte sie stirnrunzelnd an und sie lächelte zurück und tätschelte seinen Arm. »Falls Ihr in dem Glauben nach Far Madding gekommen wärt, Ihr könntet die Stadt erobern, indem Ihr verkündet, wer Ihr seid, wärt Ihr sofort wieder abgereist, nachdem Euch klar wurde, dass Ihr hier die Macht nicht benutzen könnt. Also konnte es sich nur darum handeln, etwas oder jemanden zu finden.«
»Vielleicht habe ich gefunden, was ich brauchte«, sagte er kurz angebunden. Nur das nicht, was er wollte.
»Dann kommt heute Abend in den Barsalla-Palast oben auf den Höhen, Rand. Jeder kann Euch sagen, wie er zu finden ist. Ich bin wirklich fest davon überzeugt, dass sie Euch anhören wird.« Sie rückte den Umhang zurecht und schien die Feuchtigkeit der Wolle zum ersten Mal zu bemerken. »Du meine Güte. Ich muss ins Trockene. Ich schlage vor, Ihr tut das auch.« Sie drehte sich um, verharrte dann aber und sah noch einmal über die Schulter. Ihre dunklen Augen blinzelten nicht. Plötzlich klang sie alles andere als gedankenverloren. »Ihr könntet es viel schlechter treffen, als Cadsuane zur Beraterin zu haben, Rand, aber ich bezweifle, dass Ihr eine bessere finden würdet. Falls sie zustimmt und Ihr wirklich kein Narr seid, werdet Ihr auf ihren Rat hören.« Sie rauschte durch den Regen davon und sah dabei fast aus wie ein stolzer Schwan.
Manchmal macht mir diese Frau Angst, murmelte Lews Therin, und Rand nickte. Cadsuane machte ihm keine Angst, aber sie machte ihn misstrauisch. Jede Aes Sedai, die ihm nicht den Treueid geleistet hatte, machte ihn misstrauisch, mit Ausnahme von Nynaeve. Und selbst bei ihr war er sich nicht immer sicher.
Auf den zwei Meilen Rückweg zum Haupt der Ratsherrin ließ der Regen nach. Dafür frischte der Wind auf, und das Schild über der Tür, auf dem das strenge Antlitz einer Frau mit dem juwelenbesetzten Diadem der Ersten Ratsherrin abgebildet war, schwang quietschend an seiner Halterung hin und her. Der Schankraum war kleiner als im Goldenen Rad, dafür war die Wandtäfelung poliert und mit Schnitzereien verziert, und die Tische unter den roten Deckenbalken standen nicht so eng beieinander. Der Durchgang zum Frauenraum war rot gestrichen und die Verzierungen sahen wie verspielte Spitzenklöppelei aus, genau wie die Simse der Marmorkamine. Im Haupt der Ratsherrin befestigten die Diener ihr langes Haar mit Silberspangen. Nur zwei von ihnen waren zu sehen; sie standen in der Nähe der Küchentür. An den Tischen saßen nur drei Männer, alles ausländische Händler, die weit auseinander saßen und in ihren Wein starrten. Möglicherweise sogar Konkurrenten, denn gelegentlich rutschte der eine oder andere auf seinem Stuhl herum und bedachte die anderen beiden mit einem Stirnrunzeln. Einer von ihnen, ein grauhaariger Mann, trug einen dunkelgrauen Seidenmantel, und ein schlanker Bursche mit einem finsteren Gesicht hatte einen roten Stein von der Größe eines Taubeneis im Ohr. Das Haupt der Ratsherrin beherbergte die wohlhabenderen ausländischen Händler und davon gab es in Far Madding derzeit nicht viele.
Die Uhr auf dem Kaminsims des Frauenraums — Min hatte erzählt, dass sie ein Silbergehäuse aufwies — schlug mit kleinen Glöckchen die Stunde, als er den Schankraum betrat, und er hatte den Umhang noch nicht richtig ausgeschüttelt, als auch schon Lan eintrat. Der Behüter schüttelte den Kopf, sobald er Rands Blick bemerkte. Nun, Rand rechnete mittlerweile auch nicht mehr damit, sie zu finden. Selbst für einen Ta'veren war das vermutlich ein Ding der Unmöglichkeit.
Sobald sie beide dampfende Becher voller Wein empfangen und es sich auf der langen roten Bank vor einem der Kamine bequem gemacht hatten, berichtete er Lan von seiner Entscheidung und den Gründen, weshalb er sie getroffen hatte. Einen Teil der Gründe. Den wichtigen Teil. »Wenn ich sie in dieser Minute in den Händen hätte, würde ich sie umbringen und mein Heil in der Flucht suchen, aber sie umzubringen ändert nichts. Zumindest nicht genug«, korrigierte er sich und sah stirnrunzelnd in die Flammen. »Ich kann noch einen Tag in der Hoffnung hier verbringen, sie morgen zu finden. Oder auch noch Wochen. Monate. Aber die Welt wartet nicht auf mich. Ich dachte, ich hätte sie mittlerweile erledigt, aber die Geschehnisse eilen bereits dem weit voraus, womit ich gerechnet habe. Und das gilt nur für die Geschehnisse, von denen ich weiß. Licht, was mag alles geschehen, von dem ich nichts weiß, nur weil ich keinen Kaufmann darüber beim Wein habe klagen hören?«
»Du kannst niemals alles wissen«, sagte Lan ruhig. »Und ein Teil von dem, was du erfährst, ist immer falsch. Vielleicht sogar der wichtigste Teil. Ein Teil der Weisheit liegt darin, dies zu wissen. Ein Teil des Mutes besteht darin, trotzdem weiterzumachen.«
Rand schob die Stiefel näher ans Feuer. »Hat Nynaeve dir gesagt, dass sie und die anderen sich mit Cadsuane treffen? Sie machen gerade einen Ausritt.« Oder befanden sich auf dem Rückweg. Er konnte fühlen, dass sich Min näherte. Sie würde nicht mehr lange fort sein. Noch immer versetzte sie etwas in große Aufregung, ein Gefühl, das ständig auf und ab schwankte, so als versuchte sie es zu unterdrücken.
Lan lächelte, was ohne Nynaeves Anwesenheit nur selten vorkam. Das Lächeln erreichte allerdings nicht seine Augen. »Sie hat mir verboten, es dir zu sagen, aber da du es bereits weißt... Sie und Min haben Alivia auf ihre Seite gezogen. Falls es ihnen gelingt, Cadsuanes Interesse zu wecken, wollen sie sie möglicherweise dir näher bringen. Sie haben herausgefunden, wo sie wohnt, und sie gebeten, sie zu unterrichten.« Das Lächeln verblasste und ließ ein Gesicht zurück, das aus Stein hätte gemeißelt sein können. »Meine Frau hat für dich ein Opfer gebracht, Schafhirte«, sagte er leise. »Ich hoffe, du wirst das nicht vergessen. Sie will nicht viel darüber sagen, aber ich glaube, Cadsuane behandelt sie, als wäre sie noch immer eine Aufgenommene oder gar eine Novizin. Du weißt, wie schwer das für Nynaeve zu ertragen wäre.«
»Cadsuane behandelt alle und jeden, als wären sie Novizen«, murmelte Rand. Hochmut? Licht, wie sollte er nur mit dieser Frau umgehen? Und doch musste er einen Weg finden. Sie saßen schweigend da und starrten ins Feuer, bis ihre nach vorn geschobenen Stiefelsohlen zu qualmen anfingen.
Der Bund warnte ihn, und er wandte den Kopf in genau dem Augenblick, als Nynaeve in der Tür zum Stallhof erschien, gefolgt von Min und Alivia; sie schüttelten den Regen von ihren Umhängen, richteten die Reitröcke und bedachten die feuchten Stellen mit einer Grimasse, als hätten sie erwartet, bei diesem Wetter ausreiten zu können, ohne nass zu werden. Wie gewöhnlich trug Nynaeve ihr juwelenbesetztes Ter'angreal, Gürtel und Halskette, Armreife und Ringe und das seltsame Angreal, das sich aus Armreifen und Ring zusammensetzte.