In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
Wütend zwang Rand Lews Therin zurück, bis er nur noch ein gedämpftes Summen darstellte. Obwohl nur Min einen gewissen Enthusiasmus gezeigt hatte, hatte er darüber nachgedacht, die Frauen auf ihrem Ritt zu begleiten. Nynaeve und Alivia hatten den Grund für ihren Ausritt nicht preisgeben wollen, obwohl der Morgenhimmel den Regen verheißen hatte, der jetzt draußen niederging. Es war nicht das erste Mal, dass sie gegangen waren. Um die Quelle zu fühlen, wie er vermutete. Um von der Einen Macht zu trinken, und wenn auch nur für kurze Zeit. Nun, er konnte es ertragen, die Macht nicht lenken zu können. Er ertrug die Abwesenheit der Quelle. Er konnte das! Er musste es, damit er die Männer töten konnte, die versucht hatten, ihn umzubringen.
Das ist nicht der Grund! brüllte Lews Therin und überwand Rands Versuche, ihn zum Verstummen zu bringen. Du hast Angst! Wenn die Krankheit dich übermannt, während du versuchst, das Zugangs-Ter'angreal zu benutzen, könnte es dich töten oder Schlimmeres! Es könnte uns alle töten!, stöhnte er.
Wein spritzte über Rands Handgelenk und tränkte seinen Ärmel. Vorsichtig löste er den Griff um den Becher. Der war von Anfang an nicht ganz rund gewesen, und er glaubte nicht, dass er ihn so verbogen hatte, dass es auffallen würde. Er hatte keine Angst! Er weigerte sich, sich von der Angst berühren zu lassen. Licht, am Ende würde er sterben müssen. Das hatte er akzeptiert.
Sie haben versucht, mich umzubringen, und dafür will ich sie tot sehen, dachte er. Wenn das etwas dauert, nun, vielleicht wird die Krankheit bis dahin vorbei sein. Soll man dich doch zu Asche verbrennen, ich muss bis zur Letzten Schlacht überleben. In seinem Kopf lachte Lews Therin noch unkontrollierter als zuvor.
Ein weiterer großer Mann schwankte herein, und zwar durch die Tür zum Stallhof, die sich am Fuß der Treppe im hinteren Teil des Raumes befand. Er schüttelte Regentropfen von seinem Umhang, warf die Kapuze zurück und ging auf den Durchgang zum Frauenraum zu. Mit dem höhnisch verzerrten Mund, der scharf geschnittenen Nase und dem verächtlichen Blick, mit dem er die Leute an den Tischen betrachtete, ähnelte er Torval, aber sein Gesicht verriet, dass er zwanzig Jahre älter war, und er schleppte dreißig Pfund mehr Fett herum. Er schaute durch den gelben Torbogen und rief mit einer hohen, pedantischen Stimme, die einen starken illianischen Akzent aufwies. »Frau Gallger, ich reise am Morgen ab. In aller Frühe, also erwarte ich nicht, dass mir der morgige Tag berechnet wird!« Torval war Taraboner.
Rand nahm seinen Umhang, ließ den Becher auf dem Tisch stehen und schaute nicht zurück.
Der mittägliche Himmel war grau und kalt, und falls der Regen nachgelassen hatte, war nicht viel davon zu bemerken, und da die böigen Seewinde ihn vor sich hertrieben, reichte er aus, um fast jeden von der Straße zu vertreiben. Rand hielt den Umhang mit einer Hand fest, sowohl um die Zeichnungen in seiner Tasche zu schützen als auch den Rest von ihm trocken zu halten, und mit der anderen hielt er die Kapuze vor den Windstößen fest. Die vom Wind vorwärts gepeitschten Regentropfen trafen sein Gesicht wie Eisperlen. Eine einsame Sänfte passierte ihn, das Haar der Träger hing ihnen nass auf den Rücken und ihre Stiefel traten in tiefe Pfützen auf dem Pflaster. Ein paar Leute schleppten sich in ihre Umhänge gehüllt die Straße entlang. Es waren noch einige Stunden Tageslicht übrig, aber er ging an den Gasthäusern Drei Herzen der Ebene und Drei Damen aus Maredo vorbei, ohne einzutreten. Er redete sich ein, dass es am Regen lag. Das war nicht das richtige Wetter, um ein Gasthaus nach dem anderen abzusuchen. Aber er wusste, dass es eine Lüge war.
Eine kleine pummelige Frau in einem dunklen Umhang kam die Straße entlang und hielt plötzlich auf ihn zu. Als sie vor ihm stehen blieb und den Kopf hob, sah er, dass es Verin war.
»Hier steckt Ihr also«, sagte sie. Regentropfen fielen in ihr erhobenes Gesicht, aber sie schien es nicht zu bemerken. »Eure Wirtin meinte, Ihr wolltet zum Avharin hinaufgehen, sie war sich jedoch nicht sicher. Ich fürchte, Frau Keene schenkt dem Kommen und Gehen ihrer männlichen Gäste keine große Aufmerksamkeit. Und hier stehe ich jetzt mit völlig durchnässten Schuhen und Strümpfen. Als Mädchen bin ich ja gern im Regen spazieren gegangen, aber im Laufe der Zeit hat es irgendwie seinen Reiz verloren.«
»Hat Cadsuane Euch geschickt?«, fragte er und bemühte sich, nicht hoffongsvoll zu klingen. Nach Alannas Abreise hatte er sein Zimmer im Haupt der Ratsherrin behalten, damit Cadsuane ihn finden konnte. Er würde wohl kaum ihr Interesse wecken, wenn sie die Gasthäuser nach ihm durchsuchen musste. Vor allem, da sie keinerlei Anzeichen gezeigt hatte, dass sie ihn suchen würde.
»O nein, das würde sie niemals tun.« Die Vorstellung schien Verin zu überraschen. »Ich glaubte nur, Ihr würdet vielleicht gern die Neuigkeit erfahren. Cadsuane macht mit den Mädchen einen Ausritt.« Sie runzelte nachdenklich die Stirn und legte den Kopf schief. »Obwohl ich Alivia wohl nicht als Mädchen bezeichnen sollte. Eine bemerkenswerte Frau. Bedauerlicherweise viel zu alt, um Novizin zu werden; o ja, wirklich sehr bedauernswert. Sie saugt förmlich alles in sich auf, was man ihr beibringt. Ich glaube, sie kennt fast jede Möglichkeit, wie man etwas mit der Macht zerstören kann, aber da hört ihr Wissen auch schon auf.«
Er zog sie zur Straßenseite, wo die überhängende Dachkante eines einstöckigen Gebäudes etwas vor dem Regen schützte, wenn auch nicht unbedingt vor dem Wind. Cadsuane war mit Min und den anderen unterwegs? Das musste nichts zu bedeuten haben. Er hatte schon früher erlebt, dass Aes Sedai von Nynaeve fasziniert waren, und Min zufolge interessierten sie sich noch mehr für Alivia. »Welche Neuigkeit, Verin?«, fragte er leise.
Die rundliche kleine Aes Sedai blinzelte, als hätte sie vergessen, dass es eine Neuigkeit gab, dann lächelte sie unvermittelt. »Oh, ja. Die Seanchaner. Sie sind in Illian. Nicht in der Stadt, das noch nicht; kein Grund, blass zu werden. Aber sie haben die Grenze überschritten. Sie errichten an der Küste und im Landesinneren befestigte Lager. Ich verstehe nur wenig von militärischen Dingen. Wenn ich ein Geschichtsbuch lese, überspringe ich die Schlachten immer. Aber ich glaube, dass die Stadt ihr Ziel ist. Eure Schlachten scheinen sie nicht besonders aufgehalten zu haben. Darum lese ich nie etwas über Schlachten. Sie scheinen auf lange Sicht gesehen nie etwas zu verändern, sondern immer nur für kurze Zeit. Geht es Euch gut?«
Er zwang sich, die Augen zu öffnen. Verin spähte wie ein dicker Spatz zu ihm hoch. Die ganzen Kämpfe, all die Toten, Männer, die er getötet hatte, und es hatte nichts verändert. Gar nichts!
Sie irrt sich, murmelte Lews Therin in seinem Kopf. Schlachten können die Geschichte verändern. Er klang darüber nicht erfreut. Das Problem liegt nur darin, dass man manchmal nicht vorhersagen kann, wie sich die Geschichte verändert, bis es zu spät ist.
»Verin, wenn ich zu Cadsuane ginge, würde sie mit mir sprechen? Über etwas anderes als meine Manieren, die ihr nicht gefallen? Das scheint nämlich alles zu sein, was ihr am Herzen liegt.«
»Oh, mein Lieber. Ich fürchte, Cadsuane ist in vielerlei Hinsicht eine Traditionalistin, Rand. Ich habe nie gehört, dass sie einen Mann als hochmütig bezeichnet, aber ...« Sie legte gedankenverloren einen Finger an die Lippen, dann nickte sie, und Regentropfen rannen ihr das Gesicht hinunter. »Ich glaube, sie wird sich anhören, was Ihr zu sagen habt, wenn Ihr den schlechten Eindruck ungeschehen machen könnt, den Ihr bei ihr hinterlassen habt. Oder wenn ihr ihn zumindest so gut verwischt, wie es Euch möglich ist. Nur wenige Schwestern lassen sich von Titeln oder Kronen beeindrucken, Rand, und Cadsuane noch weniger als andere, die ich kenne. Sie interessiert sich viel mehr dafür, ob Leute Narren sind oder nicht. Wenn Ihr Cadsuane beweisen könnt, dass Ihr kein Narr seid, wird sie zuhören.«