Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Krieg und Frieden - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Krieg und Frieden
1 ... 180 181 182 183 184 185 186 187 188 ... 486
Перейти на страницу:

»Den 9. Dezember.

Ich hatte einen Traum, aus dem ich mit bebendem Herzen erwachte. Mir träumte, ich wäre in Moskau, in meinem Haus, im großen Sofazimmer, und aus dem Salon kam Osip Alexejewitsch zu mir herein. Ich erkannte sofort, daß mit ihm bereits der Vorgang der Wiedergeburt stattgefunden hatte, und eilte ihm entgegen. Ich küßte sein Gesicht und seine Hände; aber er sagte: ›Hast du wohl bemerkt, daß ich ein anderes Gesicht habe?‹ Ich betrachtete ihn, ohne ihn aus meinen Armen zu lassen, und sah, daß sein Gesicht jugendlich war, daß er aber keine Haare auf dem Kopf hatte und seine Gesichtszüge vollständig verändert waren. Ich sagte zu ihm: ›Ich hätte Sie trotzdem erkannt, wenn ich Ihnen zufällig begegnet wäre‹, und dachte dabei: ›Habe ich damit auch die Wahrheit gesagt?‹ Und plötzlich sah ich, daß er wie ein Toter dalag; dann kam er allmählich wieder zu sich und ging mit mir in das große Arbeitszimmer; in der Hand hatte er ein großes Buch, geschrieben, in Folio. Ich sagte zu ihm: ›Das habe ich geschrieben.‹ Und er antwortete mir durch eine Neigung des Kopfes. Ich schlug das Buch auf und fand in ihm auf allen Seiten schöne Zeichnungen. Und ich wußte, daß diese Bilder das Liebesleben der Seele und ihres Geliebten darstellten. Und ich erblickte auf diesen Seiten das schöne Bild eines zu den Wolken auffliegenden Mädchens in durchsichtigem Kleid und mit durchsichtigem Körper. Und ich wußte, daß dieses Mädchen nichts anderes war als eine Darstellung des Hohen Liedes. Und während ich diese Zeichnungen betrachtete, hatte ich das Gefühl, daß ich damit etwas Schlechtes beginge; aber ich konnte mich von ihnen nicht losreißen. O Gott! Hilf mir! O mein Gott! Wenn es Dein Werk ist, daß ich Dir so fern bin, so geschehe Dein Wille; wenn ich dies aber selbst verschuldet habe, so lehre mich, was ich tun soll. Ich muß an meiner Lasterhaftigkeit zugrunde gehen, wenn Du mich ganz verläßt!«

XI

Die finanziellen Verhältnisse der Familie Rostow hatten sich während der zwei Jahre, die sie auf dem Land verlebt hatte, nicht gebessert.

Obwohl Nikolai Rostow, seinem Vorsatz getreu, still bei seinem Regiment in der entlegenen kleinen Garnison weiterdiente und verhältnismäßig wenig Geld ausgab, war doch der ganze Zuschnitt des Lebens in Otradnoje derart, daß die Schulden in jedem Jahr unaufhaltsam wuchsen; ganz besonders wirkte übrigens zu diesem bedauerlichen Resultat auch die Art mit, in welcher Dmitri die Geschäfte führte. Die einzige Rettung, die sich dem alten Grafen noch darbot, war augenscheinlich der Staatsdienst, und so reiste er denn nach Petersburg, um sich eine Stelle zu suchen, und nahm auch gleich seine Familie mit, um während des Stellensuchens gleichzeitig seinen Mädchen, wie er sich ausdrückte, zum letztenmal ein bißchen Amüsement zu verschaffen.

Bald nach der Ankunft der Familie Rostow in Petersburg hielt Berg um Wjeras Hand an, und sein Antrag wurde angenommen.

Obwohl Rostows in Moskau zur besten Gesellschaft gehörten, übrigens ohne selbst zu wissen und darüber nachzudenken, zu welcher Gesellschaft sie gehörten, war doch in Petersburg ihr Gesellschaftskreis ein gemischter und nicht streng begrenzter. In Petersburg waren sie Provinzler, und dieselben Leute, welche die Familie Rostow in Moskau gastfreundlich aufgenommen hatte, ohne ihre Gäste nach deren Zugehörigkeit zu einem bestimmten Gesellschaftskreis zu fragen, trugen nun in Petersburg Bedenken, sich zu der Familie Rostow herabzulassen.

Rostows lebten in Petersburg ebenso gastfrei wie in Moskau, und ihre Soupers bildeten einen Sammelpunkt für die verschiedenartigsten Persönlichkeiten; da kamen Nachbarn aus der Gegend von Otradnoje, alte, unbemittelte Gutsbesitzer mit Töchtern, ein Hoffräulein namens Peronskaja, Pierre Besuchow und der in Petersburg angestellte Sohn eines Kreispostmeisters. Von den männlichen Gästen wurden einige im Rostowschen Haus in Petersburg sehr bald Hausfreunde: erstens Boris, ferner Pierre, den der alte Graf zuerst auf der Straße getroffen und mit sich nach Hause geschleppt hatte, und drittens Berg, der ganze Tage bei Rostows zubrachte und der ältesten Komtesse Wjera alle die Aufmerksamkeiten erwies, die ein junger Mann überhaupt einer jungen Dame erweisen kann, um deren Hand er anzuhalten beabsichtigt.

Berg hatte wirklich etwas dadurch erreicht, daß er allen Leuten seine bei Austerlitz verwundete rechte Hand zeigte und dabei erzählte, wie er den (in Wirklichkeit völlig unnützen) Degen in die Linke genommen habe. Er hatte dieses Ereignis allen mit solcher Beharrlichkeit und mit so bedeutsamem Ernst berichtet, daß alle an die Zweckmäßigkeit und Verdienstlichkeit dieser Tat glaubten und Berg für Austerlitz zwei Auszeichnungen erhielt.

Auch im Finnischen Krieg war es ihm geglückt, sich hervorzutun. Er hatte einen Granatsplitter, der einen Adjutanten in der Nähe des Oberkommandierenden getötet hatte, aufgehoben und diesen Granatsplitter dem hohen Vorgesetzten gebracht. Ebenso wie nach Austerlitz erzählte er auch von diesem Ereignis allen so lange und so beharrlich, daß auch hierbei alle von der Notwendigkeit und Nützlichkeit dieser Handlungsweise überzeugt waren und Berg auch für den Finnländischen Krieg mit zwei Auszeichnungen bedacht wurde. Im Jahre 1809 war er Hauptmann bei der Garde, hatte mehrere Orden und übte in Petersburg einige besonders einträgliche Funktionen aus.

Obgleich einige Ungläubige lächelten, wenn man ihnen gegenüber von Bergs Verdiensten sprach, so mußte doch jeder zugeben, daß Berg ein pflichttreuer, tapferer, bei seinen Vorgesetzten vorzüglich angeschriebener Offizier war, ein ehrenhafter junger Mann, der eine glänzende Laufbahn vor sich hatte und in der Gesellschaft sogar schon jetzt eine gesicherte Stellung einnahm.

Vier Jahre zuvor hatte Berg einmal im Parkett des Theaters in Moskau einen deutschen Kameraden getroffen, diesem Wjera Rostowa gezeigt und zu ihm auf deutsch gesagt: »Die soll meine Frau werden«, und von dem Augenblick an hatte auch sein Entschluß festgestanden, sie zu heiraten. Jetzt nun in Petersburg stellte er Erwägungen an über die Situation der Familie Rostow und über die seinige, gelangte zu dem Resultat, daß der richtige Zeitpunkt gekommen sei, und machte seinen Antrag.

Bergs Antrag wurde zunächst mit einem Erstaunen aufgenommen, das für ihn nicht schmeichelhaft war. Anfangs erschien es den Rostows sonderbar, daß der Sohn eines geringen livländischen Edelmannes um die Hand einer Komtesse Rostowa anhielt; aber die hervorragendste Charaktereigenschaft Bergs bestand in einer so naiven, gutherzigen Selbstgefälligkeit, daß die Rostows unwillkürlich zu dem Gedanken kamen, dies müsse wohl für Wjera eine gute Partie sein, da er selbst so fest davon überzeugt sei, daß das junge Mädchen an ihm eine gute, eine sehr gute Partie mache. Außerdem waren die Vermögensverhältnisse der Rostows stark zerrüttet (das konnte dem Bewerber ja nicht unbekannt sein), und was die Hauptsache war: Wjera war schon vierundzwanzig Jahre alt; sie hatte alle möglichen Bälle und Gesellschaften besucht; aber obwohl sie unstreitig ein schönes, kluges Mädchen war, hatte sich bisher noch niemand um sie beworben. So wurde denn Bergs Antrag angenommen.

»Sehen Sie wohl«, sagte Berg zu seinem Kameraden, den er nur deshalb seinen Freund nannte, weil er wußte, daß alle Menschen Freunde haben. »Sehen Sie wohl, ich habe alles sorgfältig erwogen und würde nicht heiraten, wenn ich nicht alles bedacht hätte und irgend etwas dagegen spräche. Aber es ist alles in Ordnung: mein Papa und meine Mama sind jetzt versorgt; ich habe ihnen eine Pacht in den Ostseeprovinzen verschafft; und ich werde in Petersburg bei meiner Sparsamkeit ganz gut auskommen, da ich mein Gehalt habe und meine künftige Frau ihr Vermögen. Wir werden ganz gut leben können. Ich heirate nicht um des Geldes willen; das würde ich für eine unanständige Denkungsart halten; aber das ist erforderlich, daß die Frau etwas in die Ehe mitbringt und ebenso der Mann. Ich habe mein Gehalt und sie ihre Konnexionen und einige, wenn auch nicht bedeutende Mittel. Das fällt in unserer Zeit schon einigermaßen ins Gewicht, nicht wahr? Aber die Hauptsache ist doch: sie ist ein schönes, achtbares Mädchen und liebt mich …«

1 ... 180 181 182 183 184 185 186 187 188 ... 486
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)