Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
Dahinter waren in dem Tagebuch drei Blätter freigelassen; dann war folgendes eingetragen:
»Ich hatte ein langes, lehrreiches Gespräch unter vier Augen mit Bruder W., der mir den Rat gab, mich an Bruder A. anzuschließen. Es wurde mir trotz meiner Unwürdigkeit vieles enthüllt. Adonai ist der Name des Weltschöpfers. Elohim ist der Name dessen, der alles regiert. Der dritte Name ist unaussprechlich und bedeutet das All. Die Unterredungen mit Bruder W. stärken, erfrischen und kräftigen mich bei der Wanderung auf dem Weg zur Tugend. Wenn er anwesend ist, ist kein Raum für einen Zweifel. Der Unterschied der armseligen Lehre der profanen Wissenschaften von unserer heiligen, alles umfassenden Lehre ist mir klar: die menschlichen Wissenschaften zergliedern alles, um es zu begreifen; sie töten alles, um es zu betrachten; in der heiligen Wissenschaft unseres Ordens dagegen ist alles einheitlich, alles wird in seiner Zusammengehörigkeit und im Zustand des Lebens erkannt. Die Dreieinigkeit – drei Urelemente der Dinge – Schwefel, Quecksilber und Salz. Der Schwefel ist von öliger und feuriger Beschaffenheit; in Verbindung mit dem Salz ruft er durch seine feurige Natur in dem Salz ein heißes Verlangen hervor, mittels dessen das Salz das Quecksilber anzieht, erfaßt, festhält und mit ihm vereint neue, eigenartige Körper hervorbringt. Das Quecksilber ist eine flüssige, flüchtige, geistige Substanz. – Christus, der Heilige Geist, Er.«
»Den 3. Dezember.
Ich wachte erst spät auf und las in der Heiligen Schrift, aber ohne rechte Empfindung. Dann verließ ich mein Schlafzimmer und ging im Saal auf und ab. Ich wollte nachdenken; aber statt dessen stellte mir meine Einbildungskraft ein Begebnis wieder vor Augen, das schon vier Jahre zurückliegt. Als Herr Dolochow nach meinem Duell mit ihm mir einmal in Moskau begegnete, sagte er zu mir, er hoffe, daß ich mich jetzt trotz der Abwesenheit meiner Gattin in vollständiger Seelenruhe befände. Ich antwortete ihm damals nicht. Jetzt nun erinnerte ich mich an alle Einzelheiten dieser Begegnung und gab ihm im Geist die bösesten, bissigsten Antworten. Erst als ich merkte, daß ich in heftigen Zorn geraten war, kam ich zur Besinnung und verscheuchte diesen Gedanken; aber ich bereute diese Verirrung nicht in hinreichendem Maß. Nachher kam Boris Drubezkoi und begann allerlei Tagesereignisse zu erzählen; ich war gleich von seinem Eintritt an mißgestimmt über seinen Besuch und sagte ihm einige unfreundliche Worte. Er erwiderte etwas darauf. Ich brauste auf und sagte ihm eine Menge Unartigkeiten und sogar Grobheiten. Er schwieg jetzt, und nun erst, wo es zu spät war, erkannte ich den von mir begangenen Fehler. O Gott, ich verstehe schlechterdings nicht, mit ihm umzugehen. Die Ursache davon ist meine Eigenliebe. Ich glaube über ihm zu stehen und werde dadurch weit schlechter als er; denn er zeigt meiner Grobheit gegenüber eine freundliche Nachsicht, ich dagegen nähre gegen ihn eine arge Geringschätzung. O Gott, gib, daß ich in seiner Anwesenheit mehr Erkenntnis für meine Schlechtigkeit habe und mich so benehme, daß auch er davon Nutzen haben kann. Nach dem Mittagessen legte ich mich zum Schlafen hin, und in dem Augenblick, als ich einschlief, hörte ich deutlich eine Stimme, die mir in das linke Ohr sagte: ›Dein Tag.‹
Ich träumte, daß ich im Dunkeln ginge und plötzlich von Hunden umringt sei; aber ich ging ohne Furcht weiter; plötzlich packte mich ein kleiner Hund mit den Zähnen am linken Schenkel und ließ mich nicht los. Ich begann ihn mit den Händen zu würgen. Aber kaum hatte ich ihn losgelassen, als mich ein anderer, größerer, biß. Ich hob ihn in die Höhe, und je höher ich ihn hob, um so größer und schwerer wurde er. Und auf einmal kam Bruder A., faßte mich unter den Arm, nahm mich mit sich fort und führte mich zu einem Gebäude; um in dieses Gebäude hineinzugelangen, mußte man über ein schmales Brett gehen. Ich trat darauf; das Brett bog sich, rutschte ab und fiel, und ich versuchte auf einen Zaun zu klettern, an dessen obere Kante ich nur so eben mit den Händen heranreichte. Nach großen Anstrengungen zog ich meinen Körper so herüber, daß die Beine auf der einen Seite hingen und der Oberkörper auf der andern. Ich blickte um mich und sah, daß Bruder A. auf dem Zaun stand und auf eine große Allee und einen Garten hinwies; und in dem Garten war ein großes, schönes Gebäude. Ich erwachte. Herr Gott, großer Baumeister der Natur! Hilf mir, die Hunde, meine Leidenschaften, abzuschütteln und namentlich die letzte von ihnen, die die Kräfte aller früheren in sich vereinigt, und hilf mir, daß ich in jenen Tempel der Tugend eintrete, dessen Anblick ich im Traum genießen durfte.«
»Den 7. Dezember.
Mir träumte, Osip Alexejewitsch saß bei mir in meinem Haus, und ich freute mich darüber sehr und wollte ihn bewirten. Ich plauderte ohne Unterbrechung mit fremden Leuten, und auf einmal fiel mir ein, daß ihm das nicht gefallen könne, und ich wollte an ihn herantreten und ihn umarmen. Aber sowie ich näher herankam, sah ich, daß sein Gesicht sich verwandelte und jung wurde, und er sagte leise etwas zu mir aus der Ordenslehre, so leise, daß ich es nicht verstehen konnte. Dann gingen wir alle aus dem Zimmer hinaus, und hier begab sich nun etwas Wunderliches: wir saßen oder lagen auf dem Fußboden. Er sagte etwas zu mir. Aber ich wollte ihm gern meine tiefe Empfindung zeigen und begann, ohne auf seine Reden hinzuhören, mir den Zustand meines inneren Menschen vorzustellen, und wie mich die Gnade Gottes überschattete. Und die Tränen traten mir in die Augen, und es war mir angenehm, daß er das bemerkte. Aber er blickte mich zornig an und sprang, seine Rede abbrechend, auf. Ich wurde ängstlich und fragte, ob das, was er gesagt habe, sich auf mich bezogen hätte; aber er antwortete nichts und zeigte mir wieder ein freundliches Gesicht, und nun befanden wir uns auf einmal in meinem Schlafzimmer, wo das zweischläfrige Bett steht. Er legte sich auf den Rand des Bettes, und in mir wurde ein brennendes Verlangen rege, ihn zu liebkosen und mich ebenfalls dort hinzulegen. Und er fragte mich: ›Sagen Sie wahrheitsgemäß: welches ist die größte Leidenschaft, die Sie besitzen? Haben Sie sie erkannt? Ich glaube, daß Sie sie schon erkannt haben.‹ Ich wurde über diese Frage verlegen und antwortete, meine größte Leidenschaft sei die Trägheit. Er schüttelte mißtrauisch den Kopf. Meine Verlegenheit wurde noch größer, und ich antwortete ihm, ich lebte zwar nach seinem Rat wieder mit meiner Frau zusammen, aber wir lebten nicht als Mann und Frau. Darauf erwiderte er, ich dürfe meine Frau meiner Liebkosungen nicht berauben, und gab mir zu verstehen, daß das meine Pflicht sei. Aber ich antwortete, daß ich mich schämte, das zu tun, und auf einmal war alles verschwunden. Und ich wachte auf und mußte an die Worte der Heiligen Schrift denken: ›Das Leben war das Licht der Menschen, und das Licht scheinet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen.‹ Osip Alexejewitschs Gesicht war ganz jugendlich und hell gewesen. An diesem Tag erhielt ich einen Brief von meinem Wohltäter, in dem er mir von den Pflichten der Ehe schreibt.«