Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]
- Автор: Виндж Вернор (Вернон) Стефан
- Серия: Qeng Ho (de) #2
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-87063-8
- Переводчик: Erik Simon
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]». Краткое содержание книги:
›Eine Tiefe am Himmel‹ wurde mit dem Hugo Gernsback Award und dem John W. Campbell Award als bester Roman des Jahres ausgezeichnet.
Natürlich antwortete Nau nicht sofort. Das Signal von der Hand musste aus dem Funkschatten zu einer Relaisstation geschickt werden und dann über eine Entfernung von fünf Lichtsekunden nach L1. Jede Antwort würde mindestens weitere fünf Sekunden für den Rückweg brauchen.
Exakt nach zehn Sekunden lächelte Nau. »Hervorragend. Wir werden den Arbeitsrhythmus hier so anpassen, dass alle frisch sind, wenn es am meisten zu tun gibt. Viel Glück Ihnen allen dort unten, Ritser. Wir verlassen uns auf Sie.«
Es gab noch ein paar Runden im ihrem Tanz der Täuschung; dann war Nau weg. Brughel bestätigte, dass die gesamte Kommunikation jetzt lokal lief. »Die Startcodes müssten jeden Moment losgehen, Herr Phuong.« Brughel grinste. »Noch zwanzig Kilosek, und wir rösten ein paar Spinnen.«
Shepry Tourer starrte mit offenem Mund auf den Radarbildschirm. »Es ist… es ist ganz so, wie Sie gesagt haben. Achtundachtzig Minuten, und da kommt es wieder von Norden!«
Shepry kannte eine Menge Mathe und arbeitete fast seit einem Jahr für Nedering. Gewiss verstand er die Prinzipien des Satellitenflugs. Aber wie die meisten Leute war er immer noch baff angesichts des Gedankens, dass ›ein Stein hochgeworfen wird und nie herunterkommt‹. Der Kuppli gluckste immer vor Vergnügen, wenn ein Nachrichtensatellit zu der Zeit und bei dem Azimut, wie die Mathe es vorhergesagt hatte, über den Horizont stieg.
Was Nedering heute Nacht getan hatte, war eine Vorhersage von anderer Größenordnung, und er war ebenso beeindruckt wie sein Assistent — und hatte viel größere Angst. Sie hatten nur zwei oder drei deutliche Radaraufnahmen vom schmalen Ende des Nordlichts. Das Ding hatte seinen Flug verlangsamt, obwohl es sich noch weit außerhalb der Atmosphäre befand. Die Luftverteidigung in Weißenberg war von dem Bericht nicht beeindruckt gewesen. Nedering hatte eine langjährige Beziehung zu diesen Leuten, aber heute Nacht behandelten sie ihn wie einen Fremden, als ihre automatisch erstellte Antwort ihm für seine Information dankte und versicherte, man werde der Sache nachgehen. Das weltweite Netz war voller Gerüchte über eine Kernexplosion in großer Höhe. Aber das war keine Bombe gewesen. Als es nach Süden entschwand, schien es sich auf einer niedrigen Umlaufbahn zu befinden… und jetzt kam es von Norden her wieder, genau zur rechten Zeit.
»Glauben Sie, dass wir es diesmal sehen können? Es wird fast genau über uns hinwegfliegen.«
»Ich weiß nicht. Wir haben kein Gerät, das wir schnell genug schwenken können, um es beim Überflug zu verfolgen.« Er ging wieder zur Treppe. »Vielleicht könnten wir das Dreizentimeterrohr nehmen.«
»Ja!« Shepry rannte um ihn herum…
»Schnall deinen Atmer fest! Pass auf die Energieleitungen auf!«
… und war verschwunden, polterte die Stufen hinauf.
Aber der kleine Kuppli hatte Recht! Es blieben keine zwei Minuten mehr, bis sich das Objekt direkt über ihnen befand, und dann noch ein paar, und es würde verschwunden sein. Hm. Vielleicht reichte die Zeit nicht einmal mehr für das Fernrohr. Nedering hielt inne, schnappte sich ein Vierer-Okular von seinem Schreibtisch. Dann lief er hinter Tourer die Treppe hinauf.
Oben ging ein leichter Windhauch; eine Kälte, scharf wie der Biss eines Tarants, drang sogar durch seine elektrischen Beinkleider hindurch. In etwa siebzig Minuten würde die Sonne aufgehen, so trüb ihr Licht auch war, und der beste Teil seiner Beobachtungszeit würde vorüber sein. Diesmal spielte es einfach keine Rolle. Diese Nacht hatte sich aus der guten kalten Welt eine günstige Gelegenheit erhoben.
Es blieb höchstens noch eine Minute, bis das Rätsel über ihnen war. Es musste jetzt ein gutes Stück über dem Horizont stehen und südwärts auf sie zu gleiten. Nedering ging um die runde Wand der Hauptkuppel herum und starrte nach Norden. In der Gerätekammer nebenan hörte er Shepry mit dem Dreizentimeterrohr kämpfen, dem kleinen Teleskop, das sie den Touristen zeigten. Er müsste dem Kind helfen, aber es blieb wirklich keine Zeit.
Vertraute Sternbilder erstreckten sich kristallklar bis hinab zum Horizont. Diese Klarheit war es, die aus der kleinen Insel für Obret Nedering wahrlich ein Paradies machte. Es müsste einen Funken reflektierten Sonnenlichts geben, der langsam am Himmel aufstieg. Er würde sehr schwach sein; die tote Sonne war so trüb. Nedering starrte und starrte, schaute angespannt nach der geringsten Bewegung aus… Nichts. Vielleicht hätte er beim Radar bleiben sollen, vielleicht verpassten sie jetzt ihre einzige Gelegenheit, wirklich gute Daten zu bekommen. Shepry kam jetzt mit dem Dreizentimeterrohr aus der Kammer. Er mühte sich ab, um es auszurichten. »Helfen Sie mir!«
Sie hatten beide falsch geraten. Die gute Gelegenheit war vielleicht ein Engel, aber ein wankelmütiger. Obret wandte sich wieder Shepry zu, ein wenig verlegen, dass er ihn ignoriert hatte. Natürlich beobachtete er noch immer den Himmel, den Bereich kurz vor dem Zenit, wo es einen winzigen Lichtflecken geben müsste. Ein Stück Schwärze huschte über die glühende Ansammlung im Sternhaufen des Räubers. Ein Stück Schwärze. Etwas… Riesengroßes.
Alle Würde vergessend, ließ sich Nedering auf die Seite fallen und hob das Vierer-Okular an seine Minderaugen. Aber heute Nacht hatte er weiter nichts zur Verfügung… Er drehte sich langsam, verfolgte dem erahnten Kurs am Himmel und betete, sein Ziel wiederzufinden.
»Herr Doktor? Was ist los?«
»Shepry, schau nach oben… schau einfach nach oben.«
Der Kuppling verstummte für eine Sekunde. »Oh!«
Obret Nedering hörte nicht hin. Er hatte das Ding im Gesichtsfeld des Vierers und widmete seine ganze Aufmerksamkeit der Aufgabe, es zu verfolgen, es zu sehen und sich einzuprägen. Und was er sah, war ein Fehlen von Licht, ein Schatten, eine Silhouette, die über die galaktische Schwade von Sternenwolken raste. Es überspannte fast einen Viertelgrad. In der Lücke zwischen Sternenwolken war es wieder unsichtbar… und dann sah er es wieder eine Sekunde lang. Nedering hatte fast eine Vorstellung von seiner Form: ein gedrungener Zylinder, der nach unten zeigte, mit einer Andeutung von etwas Komplexem, das mittschiffs herausragte.
Mittschiffs.
Der Rest seiner Bahn führte vor lockeren Sternbildern vorbei zum Südhorizont hinab. Nedering versuchte vergebens, es die ganze Strecke über zu verfolgen. Wenn es nicht den Räuber-Haufen durchquert hätte, hätte er es vielleicht überhaupt nicht erfasst. Danke, gute Gelegenheit!
Er setzte das Vierer ab und stand auf. »Wir wollen noch ein paar Minuten aufpassen.« Was mochte noch für Kram mit diesem Ding einherfliegen?
»Oh, bitte, lassen Sie mich nach unten gehen und das ins Netz geben«, sagte der Kuppling. »Über hundertfünfzig Kilometer hoch und so groß, dass ich seine Form erkennen konnte. Es muss eine halbe Meile lang sein!«
»In Ordnung. Mach los!«
Shepry verschwand die Treppe hinab. Drei Minuten vergingen. Vier. Ein Schimmer glitt über den südlichen Horizont, höchstwahrscheinlich ein Nachrichtensatellit der Tief-S Serie. Nedering steckte das Vierer-Okular in die Tasche und stieg langsam die Treppe hinab. Diesmal würde ihm die Luftverteidigung zuhören müssen. Ein guter Teil von Nederings Vertragsgeldern kam vom Einklang-Geheimdienst; er wusste von den Schwebsatelliten, die die Sinnesgleichen neuerdings zu starten begonnen hatten. Das Ding ist nicht von uns und nicht von den Sinnesgleichen. Und seine Ankunft macht unsere ganze Kriegführung zu kleinem Gezänk. Die Welt war so nah an einem Atomkrieg gewesen. Und nun… was? Er erinnerte sich, wie sich der alte Unterberg über die ›Tiefe am Himmel‹ ausgelassen hatte. Aber Engel sollten aus der guten kalten Welt kommen, nie vom leeren Himmel.