Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]
- Автор: Виндж Вернор (Вернон) Стефан
- Серия: Qeng Ho (de) #2
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-87063-8
- Переводчик: Erik Simon
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Eine Tiefe am Himmel [A Deepness in the Sky - de]». Краткое содержание книги:
›Eine Tiefe am Himmel‹ wurde mit dem Hugo Gernsback Award und dem John W. Campbell Award als bester Roman des Jahres ausgezeichnet.
Sie waren jetzt über der Meerenge; aus dieser Höhe gesehen, war das gebrochene Meereseis ein kompliziertes Muster von Rissen.
Es erklang ein Ruf von einem der Kommunikationstechniker. »He! Habt ihr das gesehen!«
Hrunkner hatte nicht die Bohne gesehen.
»Ja! Aber ich bin noch dran. Überprüfen!«
»Jawohl.«
Auf ihren Gittern vor Unnerbei beugten sich die Techniker über ihre Bildschirme, tasteten und schalteten. Lichter flackerten rings um sie, doch Unnerbei konnte die Worte auf ihren Schirmen nicht lesen — und das Darstellungsformat hatte nichts mit denen gemein, an die er gewöhnt war.
Hinter sich sah er, dass sich Viktoria Schmid von ihrem Gitter erhoben hatte und eindringlich zusah. Anscheinend war ihre Ausrüstung nicht mit der der Techniker verkoppelt. Tja. Soviel zur ›Gott gleichen Sicht‹, die er sich vorgestellt hatte.
Nach einer Weile hob sie eine Hand, gab einem von ihnen ein Zeichen. Der Bursche antwortete. »Sieht aus, als ob jemand mit Kernwaffen angefangen hat, Frau General.«
»Hm«, sagte Schmid. Unnerbeis Bildschirm hatte nicht einmal geflackert.
»Es war sehr weit entfernt, wahrscheinlich überm Nordmeer. Da, ich richte ein Unterfenster für Sie ein.«
»Und für Feldwebel Unnerbei bitte.«
»Ja, Frau General.« Der Südende-Bericht vor Hrunkner wurde plötzlich von einer Karte der Nordküste ersetzt. Farbige Kreise breiteten sich konzentrisch um einen Punkt zwölfhundert Kilometer nördlich der Paradies-Insel aus. Ja, das alte Tankdepot der Basser, ein nutzloser Brocken untermeerisches Gebirge, außer wenn man über das Eis hinweg militärisch vorgehen wollte. Das war wirklich weit entfernt, von der Stelle aus, wo sie sich momentan befanden, fast die andere Seite der Welt.
»Nur eine Detonation?«, sagte Schmid.
»Ja, in sehr großer Höhe. Ein Impulsangriff… nur dass es nicht mehr als eine Megatonne war. Wir erstellen diese Karte anhand von Satelliten und von Analysen an der Nordküste und in Weißenberg.« Beschriftungen verteilten sich über das Bild, bibliographische Zeiger auf die Netzadressen, die zur Analyse beitrugen. Ha! Es gab sogar einen Augenzeugenbericht von der Paradies-Insel — dem Code nach zu urteilen, ein Akademie-Observatorium.
»Was haben wir eingebüßt?«
»Keine militärischen Verluste, Frau General. Zwei kommerzielle Satelliten sind nicht mehr zu erreichen, aber das kann vorübergehend sein. Das war kaum ein Schlag.«
Was dann? Ein Test? Eine Warnung? Unnerbei starrte auf den Bildschirm.
Es lag noch kein Jahr zurück, dass Jau Xin hier gewesen war, damals aber mit einem Sechsmann-Boot, das sich in weniger als einem Tag heran- und wieder fortgeschlichen hatte. Heute verwaltete er die Pilotenarbeit auf der Unsichtbare Hand, einem Sternenschiff von einer Million Tonnen.
Dies war die wahre Ankunft der Eroberer — auch wenn diesen Eroberern weisgemacht wurde, sie seien Retter. Neben Jau saß Ritser Brughel auf dem Platz, der einst dem Krämer-Kapitän gehört hatte. Der Hülsenmeister ließ einen endlosen Strom trivialer Befehle ab — man könnte meinen, er versuche die Piloten selber zu verwalten. Sie waren über dem Nordpol der Arachna heruntergekommen, hatten die Atmosphäre gestreift und mit einem einzigen starken Schub abgebremst, fast tausend Sekunden bei mehr als einem g. Das Bremsmanöver hatte über offenem Ozean stattgefunden, weit entfernt von den Bevölkerungszentren der Spinnen, doch für die wenigen, die es gesehen hatten, musste es enorm hell gewesen sein. Jau sah, wie sich das Glühen auf Eis und Schnee unter ihnen spiegelte.
Brughel schaute zu, wie sich die Eiswüste vor ihnen entrollte. Sein Mund war von einem intensiven Gefühl zusammengezogen. Abscheu, weil er so viel sah, was total wertlos war? Triumph, weil er auf einer Welt eintraf, die er mitbeherrschen würde? Wahrscheinlich beides. Und hier auf der Brücke drangen sowohl Triumph als auch der Wille zur Gewalttat in seinem Ton durch, sogar in den Worten. Tomas Nau musste vielleicht den Schwindel daheim bei L1 aufrechterhalten, doch hier warf Ritser Brughel seine Beschränkungen ab. Jau hatte die Korridore gesehen, die zu Brughels Privaträumen führten. Die Wände waren ein ständiges Wirbeln von Rosa, auf schwere, bedrohliche Art sinnlich. Keine Personalbesprechungen fanden bei diesen Korridoren statt. Auf dem Weg von L1 hatte er gehört, wie Brughel vor Hülsenkorporal Anlang mit der besonderen Delikatesse prahlte, die er zur Feier des bevorstehenden Sieges aus dem Eisschrank holen würde. Nein, denk nicht dran. Du weißt jetzt schon zu viel.
Die Stimmen von Xins Piloten sprachen in sein Ohr und bestätigten, was er auf seinem Kursbildschirm schon sah. Er schaute zu Brughel auf und sagte mit der Förmlichkeit, die dem anderen zu gefallen schien: »Brennschluss, Herr Hülsenmeister. Wir sind in einer Polarbahn, Höhe einhundertundfünfzig Kilometer.« Einen Deut tiefer, und sie würden Schneeschuhe brauchen.
»Wir sind über Tausende von Kilometern hinweg zu sehen gewesen, Herr Hülsenmeister.« Xin ergänzte seine Worte mit einem besorgten Blick. Er hatte die ganze Reise von L1 her den naiven Idioten gespielt. Es war ein gefährliches Spiel, doch bisher hatte es ihm etwas Spielraum verschafft. Und vielleicht gibt es eine Möglichkeit für mich, Massenmord zu vermeiden.
Brughels Grinsen signalisierte selbstgefällige Überlegenheit. »Natürlich sind wir gesehen worden, Herr Xin. Der Trick ist, es sie sehen zu lassen — und dann die Art zu verfälschen, wie sie die Information deuten.« Er öffnete eine Sprechverbindung zum Blitzkopf-Deck der Hand. »Herr Phuong! Haben Sie unsere Ankunft getarnt?«
Bil Phuongs Stimme kam aus dem Blitzkopf-Frachtraum der Hand. Der war, als Jau das letzte Mal hineingeschaut hatte, ein Irrenhaus gewesen, aber Phuong klang gelassen: »Wir haben die Lage im Griff, Hülsenmeister. Ich habe drei Gruppen dazu abgestellt, Satellitenberichte zu fälschen. L1 sagt, sie sehen gut aus.« Das musste Ritas Gruppe sein, die mit Bil redete. Sie würde jetzt jeden Augenblick dienstfrei bekommen, um, wie Nau wahrscheinlich behaupten würde, vor der harten Arbeit eine Erholungspause zu machen. Jau wusste seit einem Tag, dass die ›Flaute‹ stattfinden sollte, wenn das Morden begann.
Phuong fuhr fort: »Ich muss Sie warnen, Herr Hülsenmeister. Über kurz oder lang werden die Spinnen durchblicken. Unsere Tarnung wird höchstens hundert Kilosek halten, und weniger, wenn jemand da unten schlau ist.«
»Danke, Herr Phuong. Das sollte allemal genügen.« Brughel lächelte Jau nichtssagend an.
Ein Teil ihrer den Horizont umfassenden Sicht verschwand, und an seiner Stelle erschien Tomas Nau bei L1. Der Leitende Hülsenmeister saß mit Ezr Vinh und Pham Trinli in der Hütte im Seepark. Sonnenlicht funkelte auf dem Wasser hinter ihnen. Dies dürfte ein öffentliches Gespräch sein, das alle Gefolgsleute und alle von der Dschöng Ho sehen konnten. Nau schaute über die Brücke der Hand, und sein Blick schien Ritser Brughel zu finden.
»Glückwunsch, Ritser. Sie sind gut positioniert. Rita sagt mir, dass Sie bereits eine enge Synchronisation mit den planetaren Netzen erreicht haben. Wir haben unsererseits ein paar gute Neuigkeiten. Die Geheimdienstchefin des Einklangs ist zu Besuch in Südende. Ihr Widerpart bei den Sinnesgleichen ist schon dort. Wenn es nicht zu unglücklichen Zwischenfällen kommt, musste es noch eine Weile friedlich bleiben.«
Nau klang aufrichtig und wohlmeinend. Das Erstaunliche war, dass Ritser Brughel fast ebenso glatt war. »Jawohl, Herr Hülsenmeister. Ich treffe die Vorbereitungen für die Mitteilung und die Übernahme der Datennetze in…« — er brach ab, als überprüfe er seinen Zeitplan — »… in einundfünfzig Kilosek.«