Der Dagon-Zyklus, Band 2
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Год: 1991
- Язык: немецкий
- Год: Weltbild Verlag
- ISBN: 3-86047-343-3
- Жанр: Ужасы
Электронная книга - «Der Dagon-Zyklus, Band 2». Краткое содержание книги:
Das Leben hatte ihn nicht verlassen. Es hatte sich verwandelt! Um ein Haar hätte mich mein Entsetzen selbst das Leben gekostet, denn der peitschende Strang schien meine Nähe zu wittern wie ein Bluthund die Beute: Ein gut oberarmdicker Strang der gräßlichen Masse spaltete sich ab, zuckte mit einer schlängelnden Bewegung nach oben und versuchte, sich um meine Beine zu wickeln. Im letzten Moment wich ich ihm aus, machte ein paar hastige Schwimmbewegungen, um aus seiner unmittelbaren Reichweite zu kommen, und hielt in sicherem Abstand wieder inne. Der schwarze Schlangenarm zuckte noch eine Weile hin und her und senkte sich dann wieder auf die Masse der Leuchtalgen herab, um damit fortzufahren, sie zu absorbieren.
Ich wollte mich umwenden, um vollends wegzuschwimmen, tat es aber dann doch nicht, als mir etwas auffiel. Der Strang kam aus der Dunkelheit, aus der ungefähren Richtung, in der die NAUTILUS und die gewaltige Hauptmasse des Dinges lagen - und wenn ich die schwarze Linie in Gedanken verlängerte, kam ich auf einen Punkt, der ziemlich genau am Rande des Kraters liegen mußte.
Und plötzlich wußte ich, wo ich Dagon finden würde. Es war der einzige logische Ort.
Hastig kontrollierte ich noch einmal meinen Luftvorrat - er reichte noch für gute zehn Minuten, und das war mehr Zeit, als ich vermutlich brauchte -, zog meine Harpune aus dem Gürtel und schwamm los.
»Ist er fort?«
Howards Stimme drang nur verzerrt unter dem geschlossenen Helm hervor, und die bizarre Akustik der halb mit Wasser gefüllten Tauchkammer verzerrte sie noch mehr, bis sie kaum noch Ähnlichkeit mit einer menschlichen Stimme hatte. Nemo schauderte. »Ja«, sagte er, leise und ohne Howard oder seinen hünenhaften Begleiter direkt anzusehen. »Wie du gesagt hast.«
»Dann ist es gut«, murmelte Howard. »Ich hoffe, er hat Glück.«
»Dagon hat ihn hier herunter gelassen«, sagte Nemo. »Er wird ihn auch wieder gehen lassen.«
Howard sah ihn an und schien etwas sagen zu wollen, aber dann nickte er bloß, wandte sich um und streckte auffordernd die Hand in Rowlfs Richtung aus. »Das Kabel.«
»Seid bloß vorsichtig«, sagte Nemo warnend, als Rowlf das armdicke, mit schwarzem Kautschuk isolierte Kabel aus seiner Halterung löste und Howard reichte. »Eine Berührung, und ...«
Er sprach nicht weiter, aber das war auch nicht nötig. Die beiden Männer vor ihm wußten so gut wie er, wie gefährlich der harmlos aussehende, schwarze Schlauch war. »Viel Glück«, sagte Nemo leise.
Aber das hörten weder Howard noch Rowlf unter ihren geschlossenen Helmen. Und wenige Sekunden später war Nemo allein in der Tauchkammer.
Aber er blieb noch lange und reglos stehen und starrte auf das glitzernde Wasser hinunter, in dem die beiden ungleichen Männer verschwunden waren. Er fragte sich, ob er sie jemals wiedersehen würde.
Und wenn, dann in welcher Welt...
Der Weg war nicht weit, aber er wurde zu einem Alptraum. Der See unter mir war schwarz, durchdrungen von glitzernden schwarzen Strängen, die den Sand wie ein gräßliches Spinnennetz bedeckten, furchtbares Nicht-Leben, das sich gegen alle Naturgesetze bewegte und immer wieder wie in Krämpfen zuckte und zitterte. Vielleicht hätte ich den Anblick ertragen, hätte ich nicht gewußt, was es war, das ich da unter mir sah. So aber war es furchtbar.
Ich war in Schweiß gebadet, als ich den Krater erreichte, ein gutes Stück von der Stelle entfernt, an der ich das erste Mal hinuntergetaucht war. Der schwarze Hauptstrang der Amöbenmasse ringelte sich zwanzig Fuß unter mir dahin und ver schmolz mit der Schwärze am Grunde des Schachtes, und unter ihm bewegten sich Dagons Kinder. Ich packte meine Waffe fester und ließ mich ein zweites Mal in die Tiefe fallen. Der Protoplasmastrang führte schier endlos weit in die Tiefe hinab. Ein paarmal kamen mir Kaulquappen-Monster nahe, aber die Bestien zogen sich jedes Mal hastig wieder zurück, wenn ich meine Harpune hob, als spürten sie die Gefahr, die von der Waffe ausging. Nun, ich hatte gesehen, wie furchtbar Nemos Harpunen unter Dagons Kreaturen gewütet hatten, und konnte die Bestien verstehen. Schon die geringste Berührung der Harpunenspitze löste sie auf wie eine tödliche Säure. Auch das war etwas, wonach ich Nemo vergessen hatte zu fragen.
Aber im Moment gab es Wichtigeres. Ich gab mich damit zufrieden, Dagons Killerquappen mit der Harpune auf Distanz zu halten und folgte dem Protoplasmastrang.
Wie ich erwartet hatte, verschwand er nach einer Strecke von einer guten viertel Meile in einer Höhlenöffnung, die jäh in der Kraterwand aufklaffte, und wie ich gehofft hatte, war der Felsspalt groß genug, daß ich hineinschwimmen konnte, ohne mit der tödlichen Masse in Berührung zu kommen.
Trotzdem begann mein Herz wie rasend zu hämmern, als ich in den Tunnel hineinschwamm, nicht einmal einen Yard über der schwarzen Amöbenmasse und in dem sicheren Bewußtsein, daß meine erste falsche Bewegung zugleich auch meine letzte sein würde.
Der Tunnel zog sich etwa hundert Schwimmstöße weit waagerecht dahin, knickte plötzlich nach oben weg und wurde zu einem senkrechten Schacht, der so steil in die Höhe führte wie der Schacht zuvor hinab. Ich folgte ihm.
Es gab ein paar mehr als nur unangenehme Augenblicke, als der Stollen plötzlich so eng wurde, daß ich mich auf Handbreite an dem schwarzen Killergewebe vorbeitasten mußte, um überhaupt noch von der Stelle zu kommen, aber dann verbreiterte sich der Schacht jäh, und mit einem Male schwamm ich in einem gewaltigen, nur zur Hälfte mit Wasser gefüllten Saal, fünfeckig wie beinahe alles hier unten und von grünleuchtenden Algen erfüllt.
Erleichtert schwamm ich die letzten Yards nach oben, durchstieß die Wasseroberfläche und sah mich mißtrauisch um. Der schwarze Strang, der jetzt viel mehr Ähnlichkeit mit einer finsteren Wurzel als mit einer Schlange hatte, wand sich wenige Yards neben mir aus dem Wasser, kroch ein Stück weit die Wand empor und verschwand in einem weiteren, allerdings nicht mehr mit Wasser gefüllten Tunnel. In respektvollem Abstand zu meinem bizarren Wegweiser kletterte ich aus dem Wasser und ließ mich auf dem schmalen felsigen Sims, der den Raum umgab, zu Boden sinken. Meine Hände zitterten so heftig, daß ich Mühe hatte, mein Atemgerät auszuschalten und den Helm abzuschrauben.
Die Kälte traf mich wie Eis, und bei den ersten Atemzügen glaubte ich, meine Lungen würden verbrennen. Minutenlang blieb ich hocken und wartete, bis die Schmerzen und die Schwäche wenigstens halbwegs vorüber waren, dann fuhr ich fort, den Anzug abzulegen. Ich brauchte sehr lange dazu, und als ich endlich, zitternd vor Kälte und Kraftlosigkeit, am Eingang des Tunnels stand, fühlte ich mich nackt und schutzlos. Obwohl ich gesehen hatte, wie wenig Sicherheit die Monturen gegen Dagons lebenfressendes Ungeheuer boten, hatte mir das bizarre Kleidungsstück doch ein Gefühl des Schutzes gegeben. Ich verscheuchte auch diesen Gedanken, nahm meine Harpune zur Hand und betrat den Gang.
Er war nicht sehr lang. Schon nach wenigen Dutzend Schritten teilte sich der Stollen in zwei unterschiedlich große Gänge auf. Der schwarze Strang verschwand in dem kleineren, während der andere Stollen leer zu sein schien und an seinem Ende ein verlockendes Licht leuchtete. Ich dachte an die Geschichte, in der der Teufel den Weg zur Hölle mit Gold gepflastert hatte, zuckte mit den Achseln - und betrat den breiteren Gang.
Nach einer Weile hörte ich Stimmen, und als ich mich dem hellen Fleck am Ende des Ganges näherte, erkannte ich, daß er in einem weiten, domartig gewölbten Saal endete. Seine Architektur ähnelte der der unterseeischen Stadt; alles war fünfeckig und mit Hieroglyphen und Fresken bedeckt, was mich in meiner Überzeugung bestärkte, mich in einer unterirdischen Fortsetzung der Tempelstadt zu befinden.
Dann sah ich Dagon.
Er stand, mit dem Rücken zu mir und tief über einen altarähnlichen - und natürlich fünfeckigen - Steinblock gebeugt, da, und ein Stück neben ihm stand ein nacktes, dunkelhaariges Mädchen, Jennifer.