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El Silbador

Электронная книга - «El Silbador». Краткое содержание книги:

In Spanien nennt man ihn El Silbador — der Pfeifer, denn Michel Baum beherrscht die Kunst des Pfeifens vollendet. Nicht selten verdankt er dieser Kunst Rettung aus Not und Gefahr. Unbändiger Freiheitsdrang ist es, der ihm das Leben in der geknechteten Heimat unerträglich macht; unbändiger Freiheitsdrang treibt ihn von Abenteuer zu Abenteuer. Eine Schar ungleicher Gefährten, darunter die zwielichtige Gräfin Marina und der treue Riese Ojo, sammeln sich um ihn.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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So beschloß er, erst diesen aufzusuchen, um ihm ein

paar tröstende Worte zu sagen, wenn es ihm schon auf andere Weise nicht möglich war, seine Qualen, die er ja letzten Endes durch sein, Michels, Verschulden erduldete, zu lindern. Wie erstaunte Michel, als er den Schäfer nicht auf der Lagerstatt, sondern auf einem Traggestell in Tücher gewickelt wiederfand.

Tot, schoß es ihm blitzartig durch den Kopf. Man hatte die Leiche bereits eingewickelt, um sie abzuholen und zu begraben.

Ein Gedanke durchzuckte Michel. Wie, wenn man sich nicht mehr die Mühe gemacht hatte, die Tür der Zelle zu verschließen, da man ja sicher sein konnte, daß ein Toter nicht entfliehen konnte?

Mit ein, zwei raschen Schritten stand Michel an der Tür und stemmte sich vorsichtig dagegen. Sie gab nach.

Michel dachte sofort an das offene Gangloch in der Zelle. Es mußte unbedingt verschlossen werden, bevor er einen Ausbruchsversuch unternahm. In seiner eigenen Zelle war alles in Ordnung.

Der Stein war schnell in seine alte Lage gebracht. Und nun hinderte ihn nichts mehr, den Versuch zu wagen. Den Grafen würde man schon irgendwie benachrichtigen können. Die Herrschaften auf dem Schloß sollten sich über den Silbador noch wundern, wenn dieser erst seine Waffen oder einen entsprechenden Ersatz wiederhatte.

Dann stand Michel auf dem Gang. Sein Atem ging hastig. Nirgends war ein Laut zu hören. Schritt für Schritt tastete sich der Ausbrecher in der Dunkelheit voran, fest entschlossen, sich auf keinen Fall wieder einsperren zu lassen. Lieber tot als jahrelang in diesem Verlies schmachten.Weiter oben verzweigte sich der Gang. Unentschlossen blieb Michel stehen. Warum hatte er sich nicht vom Grafen die genaue Lage schildern lassen? Wie hätte er andererseits gestern wissen sollen, daß ihm bereits heute die Freiheit winkte!

Da erinnerte er sich an das, was der Graf von einem Gang erzählt hatte, der an der vierten Zelle, durch eine dicke Steinwand von dieser getrennt, hinaus ins Gebirge führte.

Schnell lief er wieder zurück.

Jetzt stand er vor Pedros Verließ. Ein Stück weiter war die vierte Tür. Dann kam eine fünfte. Sie war verschlossen. Aber so sehr er sich auch bemühte, er konnte kein Loch finden, in das man einen Schlüssel hätte einführen können. Dicht neben dieser Tür lag ein Stein auf dem Boden. Er hatte dieselbe Größe wie jener, der zum Verschluß des Verbindungsganges gehörte. Michel ließ sich auf die Knie nieder. Er durfte keine Zeit verlieren. Jeden Augenblick konnten die Wächter kommen, um die Leiche zu holen, die sicherlich noch in der Nacht der Erde überantwortet werden sollte.

Der Stein flog zur Seite. Michel steckte den Arm in das Loch. Seine Finger fanden den Einschnitt. Es war alles genau so wie in der Zelle. Nur drehte sich in diesem Fall nicht eine Steinplatte im Boden um ihre eigene Achse, sondern die Tür schwang zurück. Vielleicht kannte diesen Durchlaß außer dem gefangenen Grafen und dessen Vater niemand im Schloß. Als die Tür offen stand, legte Michel den Verschlußstein wieder über das Loch und trat in den finsteren Gang. Vorsichtig, ohne ein Geräusch zu verursachen, drückte er die Türe hinter sich zu. Aufatmend ging er

Schritt für Schritt weiter. Die stickige Luft wurde immer klarer, ein Zeichen, daß er sich dem Ausgang näherte. Dann war sternklarer Himmel über ihm, kühle Nachtluft umfing ihn wie eine köstliche Erquickung, ein verschlafener Vogel flatterte. — Frei!

Nachdem Graf Villaverde y Bielsa bis ungefähr gegen Mitternacht gewartet hatte, hielt er die Einsamkeit nicht länger aus. Er stieg in den Gang hinunter und ging zur Zelle Michels. Vorsichtig, Zentimeter um Zentimeter, bewegte er den Steinquader von seinem Platz. Als alles zum Aufstieg bereit war, fragte er leise in die Dunkelheit: »Hallo, Senor Baum, hört Ihr mich?«

Keine Antwort. Er fragte noch einmal. Seine Stimme wurde lauter. Dann stieg er hinauf. Jeden Millimeter tastete er ab. Von dem Gefangenen war keine Spur zu finden. Kopfschüttelnd zog er sich zurück. Was mochte das bedeuten?

Der Graf hastete in seine eigene Zelle. Dort preßte er das Ohr auf die Klappe in der Tür. So konnte man, wenn auch nur gedämpft, wahrnehmen, was draußen vor sich ging. Da hörte er Schritte den Gang hinunterkommen. Sie hielten vor der Tür links neben ihm, wo der Schäfer Pedro lag.

Er hörte, wie einer den anderen fragte:

»Hat sie dir gesagt, wo wir die Leiche einbuddeln sollen?«

»Ja, hinter den Ställen, bei den Wirtschaftsgebäuden. Los, pack an!«

Dann entfernten sich die Schritte, und es war still wie in jeder Nacht der vergangenen zwei Jahre.

»Das war Pedros Leiche«, murmelte Esteban und ließ sich auf seiner Pritsche nieder. Wo mochte nur Michel Baum sein?

Plötzlich sprang der Graf wie von einer Natter gestochen auf. Hatte er nicht genau gehört, daß die Wächter sich mit der Leiche entfernt hatten, ohne daß ein Schlüsselgeräusch zu vernehmen gewesen war? War die Zellentür nebenan offen?

Hastig machte er sich an die Arbeit. Minuten später stand er drüben im Gang. Gerade wollte er die Tür öffnen, als von draußen der Schlüssel in das Schloß gesteckt wurde. Er hörte noch das Geräusch des sich vorschiebenden Riegels. Dann war es mit seiner Kraft vorbei. Er streckte die geballte Faust zum Himmel empor und schluchzte:

»Sei verflucht, Gott! Was habe ich dir getan, daß du mir den letzten Ausweg aus dieser Hölle verwehrst?«

Taumelnd stieg er hinunter in den Gang.

Tränen rannen ihm über die eingefallenen Wangen, als er wieder auf seiner Pritsche lag. Langsam verdämmerte die Nacht. Die ersten Lichtfinger des heraufkommenden Tages drangen durch das vergitterte Fensterchen seiner Zelle.

Ein, zwei Stunden mochten seit Beginn des Tages vergangen sein, da wurde plötzlich hastig das Guckloch an seiner Tür aufgerissen. Draußen hörte man aufgeregte Stimmen und hastiges Hin-und Herlaufen.

»Gott sei Dank«, vernahm er die Stimme des Wächters, »der ist noch da.«

Mit einem Satz war der Graf auf den Beinen.

»Was ist los?« fragte er den Wächter.

Der war so verwirrt, daß er bereitwilligst Auskunft gab.

»Der Silbador ist uns durch die Lappen gegangen in der letzten Nacht.«

Silbador, überlegte der Graf, damit konnte man nur Michel Baum meinen.

In ihm frohlockte alles. Als sich die Klappe wieder geschlossen hatte, fiel er auf die Knie und betete inbrünstig zu Gott, den er vor ein paar Stunden verflucht hatte, er möge ihn durch den Silbador freiwerden lassen.

Wie wandelbar der Mensch doch in seinen Stimmungen ist!

Das ganze Schloß Villaverde hallte wider von der hysterischen Stimme der Gräfin. Pferde wurden gesattelt. Musketen wurden ausgeteilt. Marina schrie ihre Diener an. »Wer mir den Kopf des Silbador bringt, dem zahle ich tausend Pesetas in Gold!« Tausend Pesetas für einen Kopf. Salome hatte einst den Tanz der Schleier für einen Kopf tanzen müssen. Man konnte ihr den Lohn ohne weiteres versprechen; denn man hatte ja den Mann, der zu dem Kopf gehörte.

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