Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Gewiß; Sie sagten mir leise, ich sollte mich nicht entfernen.
Haben Sie die Symptome des Übels wahrgenommen, dem Frau von Saint‑Meran erlegen ist?
Sicher. Frau von Saint‑Meran hat in Zwischenräumen von einigen Minuten drei aufeinander folgende schwere Anfälle gehabt. Als Sie ankamen, keuchte siebereits seit mehreren Minuten; sie hatte sodann eine Krise, die ich für einen Nervenanfall hielt; doch ich fing an, wirklich zu erschrecken, als ich gewahrte, wie sie sich auf ihremBette mit starren Gliedern und steifem Halse erhob. Da erkannte ich an ihrem Gesichte, daß die Sache ernster sein mußte, als ich glaubte. Als die Krise vorüber war, suchte ich in Ihren Augen zu lesen, aber vergebens. Sie hielten den Puls, Sie zählten die Schläge, und die zweite Krise trat ein, ehe Sie mich wieder anblickten. Diese zweite Krise war furchtbarer als die erste, die Nervenzuckungen wiederholten sich, der Mund zog sich zusammen und wurde ganzblau. Bei der dritten verschied sie. Ich hattebereitsbei der ersten den Starrkrampf erkannt; Siebestätigten mich in dieser Meinung.
Ja, vor allen Anwesenden, versetzte der Doktor; doch nun sind wir allein…
Mein Gott, was wollen Sie mir sagen?
Daß die Symptome des Starrkrampfes und der Vergiftung durch vegetabilische Stoffe ganz dieselben sind.
Herr von Villefort sprang auf, doch nach einem Augenblick der Unbeweglichkeit und des Stillschweigens fiel er wieder auf seineBank und sagte: Oh! mein Gott, Doktor, bedenken Sie auch, was Sie sagen?
Morel wußte nicht, ober träumte oder wachte.
Hören Sie, sagte der Doktor, ichbin mir des Gewichtes meiner Erklärung und des Charakters des Mannes, dem gegenüber ich sie abgebe, völligbewußt.
Sprechen Sie mit demBeamten oder mit dem Freunde? fragte Villefort.
Mit dem Freunde, mit dem Freunde allein in diesem Augenblick; die Ähnlichkeit zwischen den Symptomen des Starrkrampfes und denen der Vergiftung durch vegetabilische Substanzen ist so groß, daß ich nur zögernd unterzeichnen würde, was ich da sage. Ich wiederhole Ihnen auch, daß ich mich nicht an denBeamten, sondern an den Freund wende. Dem Freunde also sage ich: Während der drei Viertelstunden der Krisis studierte ich den Todeskampf, die Krämpfe, den Tod der Frau von Saint‑Meran; nach meiner Überzeugung ist sie nun nicht nur vergiftet gestorben, sondern ich vermöchte auch zu sagen, welches Gift sie getötet hat.
Mein Herr!
Alles hat sich gezeigt, Schlafsucht, unterbrochen durch Nervenkrisen, Überreizung des Gehirns, Starre der Zentralteile des Nervensystems: Frau von Saint‑Merau ist einer starken Dosis Strychnin oderBrucin unterlegen, die man ihr, nehme ich an, auf Zufall, vielleicht aus Irrtum, beigebracht hat.
Oh! das ist unmöglich! rief Villefort, die Hand des Doktors ergreifend; mein Gott, ich träume, es ist furchtbar, solche Dinge von einem Manne, wie Sie sind, zu hören! Im Namen des Himmels flehe ich Sie an, lieber Doktor, gestehen Sie mir, daß Sie sich täuschen können.
Allerdings kann ich dies, doch ich glaube es nicht.
Doktor, haben Sie Mitleid mit mir, seit einigen Tagenbegegnen mir so unerhörte Dinge, daß es mir vorkommt, als müßte ich ein Narr werden.
Hat noch jemand außer mir Frau von Saint‑Meran gesehen?
Niemand.
Hat manbei dem Apotheker eine Arznei holen lassen, die nicht von mir verordnet worden ist?
Nein.
Hatte Frau von Saint‑Meran Feinde?
Ich kenne keine.
Hatte jemand ein Interesse an ihrem Tode?
Mein Gott! Nein; meine Tochter ist ihre einzige Erbin, Valentine allein… Oh! wenn mir ein solcher Gedanke käme,… ich würde mich erdolchen, um mein Herz zubestrafen, daß es einen solchen Gedanken hatte hegen können.
Oh, teurer Freund! rief Herr d'Avrigny, Gott verhüte, daß ich irgend jemand anklage; verstehen Sie wohl, ich spreche nur von einem Zufall, von einem Irrtum. Doch Zufall oder Irrtum, es ist eine Tatsache, die ganz leise zu meinem Gewissen spricht und verlangt, daß mein Gewissen ganz laut mit Ihnen spreche. Forschen Sie nach!
Bei wem? wie? worüber?
Hören Sie! Sollte sich nichtBarrois, der alte Diener, getäuscht und der Frau von Saint‑Meran irgend einen Trank gegeben haben, der für seinen Herrnbestimmt war?
Wie könnte denn ein für Herrn Noirtierbereiteter Trank Frau von Saint‑Meran vergiften?
Das ist ganz einfach; Sie wissen, daßbei einzelnen Krankheiten die Gifte als Heilmittel dienen; die Lähmung ist eine dieser Krankheiten. Vor ungefähr drei Monaten entschloß ich mich, nachdem ich alles angewendet hatte, um Herrn Noirtier Stimme undBewegung wiederzugeben, ein letztes Mittel zu versuchen; seit drei Monatenbehandle ich ihn mitBrucin; so waren in dem letzten Tranke, den ich ihm verschrieb, sechs Zentigramm enthalten. Sechs Zentigramm ohne Wirkung auf die gelähmten Organe des Herrn Noirtier, an die er sich überdies durch stufenweise Dosen gewöhnt hatte, sechs Zentigramm genügen, um jede andere Person zu töten.
Mein lieber Doktor, esbesteht keine Verbindung zwischen der Wohnung des Herrn Noirtier und der der Frau von Saint‑Meran, und nie istBarrois in das Zimmer meiner Schwiegermutter gekommen. Schließlich muß ich Ihnen auch sagen, Doktor, obgleich ich weiß, daß Sie der geschickteste undbesonders der gewissenhafteste Mann von der Welt sind, obgleich unter allen Umständen Ihr Wort für mich eine Fackel ist, die mich leitet, wie das Licht der Sonne, — so ist es doch, trotz dieser Überzeugung, für mich einBedürfnis, mich auf den Satz: Irren ist menschlich, zu stützen.
Hören Sie, Villefort, sagte der Doktor, gibt es einen von meinen Kollegen, zu dem Sie so viel Zutrauen haben, wie zu mir?
Warum? Was wollen Sie damit sagen?
Rufen Sie ihn, ich teile ihm mit, was ich gesehen, was ich wahrgenommen habe, und wir nehmen die Öffnung der Leiche vor.
Und Sie werden die Spuren des Giftes finden?
Nein, nicht des Giftes, ich habe das nicht gesagt, sondern wir werden die Reizung des Systemsbestätigt finden, die unleugbare Asphyxie erkennen und Ihnen sagen, lieber Villefort: Liegt Nachlässigkeit zu Grunde, sobewachen Sie Ihre Dienerschaft, — geschah die Tat aus Haß, sobewachen Sie Ihre Feinde.
Oh, mein Gott! was schlagen Sie mir da vor, d'Avrigny? entgegnete Villefort ganz niedergebeugt. Sobald ein anderer in das Geheimnis gezogen ist, wird eine Untersuchung notwendig, und eine Untersuchungbei mir, unmöglich! Dennoch, fuhr der Staatsanwalt, den Arzt unruhig anschauend, fort, dennoch, wenn Sie es durchaus verlangen, werde ich es tun. Ich muß in der Tat wohl der Sache auf den Grund gehen, mein Charakter heischt es. Doch Sie sehen mich zum voraus von Traurigkeit erfüllt, Doktor, auf mein Haus nach so vielen Schmerzen diesen Flecken zu werfen! Oh! für meine Frau und meine Tochter ist das der Tod; und ich, Doktor, Sie wissen, ein Mann gelangt nicht dahin, wo ichbin, ein Mann ist nicht fünfundzwanzig Jahre Staatsanwalt gewesen, ohne sich viele Feinde zuzuziehen; die Zahl der meinigen ist groß.. Wird diese Geschichte ruchbar, so ist das ein Triumph für diese Feinde, der sie vor Freuden jubeln läßt und mich mit Schmachbedeckt. Doktor, verzeihen Sie mir diese weltlichen Gedanken. Wenn Sie Priester wären, würde ich, es nicht wagen, Ihnen dies zu sagen; aber Sie sind ein Mensch, Sie kennen die anderen Menschen; Doktor, nicht wahr, Sie haben mir nichts gesagt?
Mein lieber Herr von Villefort, antwortete der Doktor erschüttert, meine erste Pflicht ist Menschlichkeit. Ich hätte Frau von Saint‑Meran gerettet, wenn es in der Macht der Wissenschaft gelegen hätte, dies zu tun; aber sie ist tot, und ich schulde alle meine Kunst den Lebenden. Begraben wir in die tiefste Tiefe unserer Herzen dieses furchtbare Geheimnis! Sollte aber jemand den Schleier lüften, so mag man immerhin mein Schweigen meiner Unwissenheit zur Last legen. Suchen Sie jedoch trotzdem, suchen Sie eifrig, mein Freund, denn esbleibt vielleicht nicht hierbei… Und wenn Sie den Schuldigen gefunden haben, so werde ich Ihnen sagen: Sie sindBeamter, tun Sie, was Sie wollen.