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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Oh! Dank, Dank, Doktor! sagte Villefort mit unsäglicher Freude, ich habe nie einenbesseren Freund gehabt, als Sie.

Und er erhobsich, alsbefürchte er, der Doktor könnte von seinem Zugeständnis zurücktreten, und zog ihn nach den Hause fort. — Sie verschwanden.

Morel streckte, als müßte er Atem schöpfen, den Kopf aus dem Gebüsche hervor, und der Mondbeleuchtete sein Gesicht, das sobleich war, daß man es für ein Gespenst hätte halten können.

Gottbeschützt mich offenbar, aber auf eine furchtbare Weise! sagte er. Doch Valentine! Valentine! arme Freundin! wird sie so vielen Schmerzen widerstehen? Während er diese Worte sprach, schaute er abwechselnd das Fenster mit den roten Vorhängen an. Das Licht war fast völlig von dem Fenster mit den roten Vorhängen verschwunden. Ohne Zweifel hatte Frau von Villefort die Kerzen ausgelöscht, und die Nachtlampe allein sandte ihren Schein an die Scheiben.

Am Ende des Gebäudes sah er dagegen eines von den drei Fenstern mit den weißen Vorhängen sich öffnen. Die auf dem Kamin stehende Kerze warf nach außen einige Strahlen ihresbleichen Lichtes, und es lehnte sich einen Augenblick jemand mit dem Ellenbogen auf denBalkon.

Morelbebte; es kam ihm vor, als hätte er ein Schluchzen gehört.

Man darf sich nicht darüber wundern, daß die sonst so mutige und kräftige, nun aber durch diebeiden stärksten menschlichen Leidenschaften, die Liebe und die Furcht, erschütterte und überspannte Seele dergestalt geschwächt war, daß sie abergläubischen Sinnestäuschungen unterlag.

Obgleich Maximilian unmöglich von Valentine wahrgenommen werden konnte, kam es ihm vor, als würde er von dem Schatten am Fenster gerufen; sein gestörter Geist sagte es ihm, sein glühendes Herz wiederholte es. Dieser doppelte Irrtum wurde unwiderstehlich; er trat aus seinem Versteck hervor und setzte, auf die Gefahr hin, gesehen zu werden, oder Valentine zu erschrecken, mit zwei Sprüngen über dasBlumenbeet, erreichte die Reihe von Orangenbäumen, die sich vor dem Hanse ausdehnte, gelangte auf die Stufen der Freitreppe, stieg diese rasch hinauf und stieß an eine Tür, die sich ohne Widerstand vor ihm öffnete.

Valentine hatte ihn nicht gesehen; ihre zum Himmel aufgeschlagenen Augen folgten einer silbernen Wolke, die, einem aufsteigenden Schatten ähnlich, an dem Azur hinglitt; ihr poetischer, überwallender Geist sagte ihr, es sei die Seele ihrer Großmutter.

Morel durchschritt das Vorhaus und fand das Treppengeländer. Auf den Stufen ausgebreitete Teppiche dämpften seinen Tritt; übrigens war er zu jenem Grade von Überspannung gelangt, wo ihn selbst das Erscheinen des Herrn von Villefort nicht erschreckt hätte. Sollte sich dieser zeigen, so war Morel entschlossen, sich ihm zu nähern, seine Liebe zu gestehen und um die Einwilligung des Staatsanwalts zubitten. Morel war verrückt.

Zum Glück sah er niemand.

Jetzt kam ihm die Kenntnis, die er durch Valentine vom Innern des Hauses gewonnen hatte, zu statten. Er gelangte ohne Unfall oben auf die Treppe, und hier deutete ihm ein Schluchzen, über dessen Quelle er keinen Zweifel hegte, den Weg an, dem er zu folgen hatte. Er wandte sich um; eine etwas geöffnete Tür ließ den Schein des Lichtes und den Ton einer seufzenden Stimme zu ihm dringen. Im Hintergrunde eines Alkovens, unter dem weißen Tuche, das ihren Kopfbedeckte und ihre Form hervorhob, lag die Tote, schrecklicher noch in Morels Augen seit der Enthüllung des Geheimnisses, die ihm durch Zufall zuteil geworden war.

Neben demBette kniete Valentine, den Kopf in die Kissen eines Polsterstuhls vergraben. Man sah, wie sich ihr Körper von Zeit zu Zeit durch das Schluchzen emporhob; ihre starren Hände hielt sie gefaltet.

Valentine war vom offengebliebenen Fenster weggegangen undbetete ganz laut in Tönen, die auch das unempfindlichste Herz gerührt haben müßten; die Worte entschlüpften ihren Lippen, rasch, unzusammenhängend, unverständlich, so sehr preßte ihr derbrennende Schmerz die Kehle zusammen. Der Mond, der durch die Öffnung der Vorhänge glitt, ließ den Schein der Kerze erbleichen und übergoß mit seiner fahlen Farbe dieses trostloseBild.

Morel konnte dem Schauspiel nicht widerstehen, er war von keiner musterhaften Frömmigkeit und auch nicht so leicht empfänglich für gewöhnliche Eindrücke, aber Valentine weinend, leidend, vor seinen Augen die Hände ringend… das vermochte er nicht still zu ertragen. Er stieß einen Seufzer aus, flüsterte einen Namen, und der in Tränen gebadete, marmorbleiche Kopf hobsich empor und wandte sich ihm zu.

Valentine erblickte ihn und zeigte kein Erstaunen. In einem von der höchsten Verzweiflung erfüllten Gemüte ist kein Raum für geringere Regungen. Morel reichte seiner Freundin die Hand. Statt jeder Entschuldigung, warum sie ihn nicht aufgesucht, deutete sie auf den unter dem weißen Tuche liegenden Leichnam und fing wieder an zu schluchzen.

Keines von ihnen wagte im ersten Augenblick, in diesem Zimmer zu reden. Jedes zögerte, das Stillschweigen zubrechen, das der Tod, der mit dem Finger auf den Lippen irgendwo im Winkel stand, aufzuerlegen schien.

Valentine wagte es zuerst und sagte: Freund, wiebist du hierher gekommen? Ach! ich würde dir sagen: Sei willkommen, wenn dir nicht der Tod die Tür dieses Hauses geöffnet hätte.

Valentine, erwiderte Morel mit zitternder Stimme und gefalteten Händen, ich war seit halbneun Uhr da; ich sah dich nicht kommen; die Unruhe erfaßte mich, ich sprang über die Mauer, drang in den Garten und hörte Stimmen, die über das unselige Ereignis sprachen.

Was für Stimmen? fragte Valentine.

Morelbebte, denn die Unterredung des Herrn d'Avrigny mit Herrn von Villefort trat vor seinen Geist, und er glaubte durch das Leichentuch die gekrümmten Arme, den steifen Hals, dieblauen Lippen der Vergifteten zu sehen.

Die Stimmen IhrerBedienten haben mich von allem unterrichtet, sagte er.

Doch hier erscheinen, heißt uns zu Grunde richten, mein Freund, versetzte Valentine ohne Schreck und ohne Zorn.

Vergibmir, sagte Morel mit demselben Tone, ich will mich entfernen.

Nein, man würde dirbegegnen, bleibe.

Doch wenn man käme?…

Das Mädchen schüttelte den Kopf und entgegnete: Es wird niemand kommen, sei unbesorgt, hier ist unsere Schutzwache. Und sie deutete auf die durch das Tuch sich abdrückende Form des Leichnams.

Doch, ichbitte dich, sage mir, was ist mit Herrn d'Epinay geschehen? fragte Morel.

Herr Franz kam, um den Vertrag zu unterzeichnen, gerade in dem Augenblick, wo meine gute Großmutter den letzten Seufzer aushauchte.

Ach! rief Morel mit einem Gefühle selbstsüchtiger Freude, denn erbedachte, daß dieser Tod Valentines Verheiratung auf unbestimmte Zeit verzögerte.

Doch was meinen Schmerz verdoppelt, fuhr das Mädchen fort, als sollte dieses Gefühl auf der Stelle seine Strafe erhalten, ist der Umstand, daß meine gute Großmutter sterbendbefohlen hat, diese Heirat sobald als möglich zu vollziehen. Mein Gott! im Glauben, mich zubeschützen, handelte auch sie gegen mich.

Hörst du! sagte Morel.

Die jungen Leute schwiegen.

Man hörte, wie eine Tür sich öffnete und Tritte denBoden des Ganges und die Stufen der Treppe krachen ließen.

Es ist mein Vater, der sein Kabinett verläßt, sagte Valentine.

Und den Doktor zurückbegleitet, fügte Morelbei.

Woher weißt du, daß es der Doktor ist? fragte Valentine erstaunt.

Ich setze es voraus, sprach Morel.

Valentine schaute den jungen Mann an.

Man hörte indessen, daß die Tür, die auf die Straße führte, wieder zugeschlossen wurde. Herr von Villefort drehte den Schlüssel auch in der Tür zum Garten um und stieg dann die Treppe hinauf.

Im Vorzimmerblieber einen Augenblick stehen, ohne Zweifel überlegend, ober in seine Wohnung oder in das Zimmer der Frau von Saint‑Meran gehen sollte; Morel warf sich hinter einen Türvorhang. Valentine machte keineBewegung; es schien, als sei der höchste Schmerz über gewöhnlicheBefürchtungen erhaben.

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