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Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten

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Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten
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„Kaggi-Karr !" krächzte der Vogel, der sich etwas beruhigt zu haben schien.

„Hab keine Angst, der böse Junge soll dich nicht bekommen", fuhr Elli fort, ,,ich werde

deinen Flügel heilen, und du wirst wieder frei fliegen können."

Da entdeckte Elli ein Blatt, das um das Bein des Vogels gewickelt war.

Geschickt löste sie den Faden, und als sie das Blatt entfaltete, überkam sie eine dumpfe

Unruhe.

„Onkel Charlie, schau nur!" rief sie aus.

Die beiden betrachteten im letzten Licht des Vages das Blatt und sahen eine eingekratzte Zeichnung. Sie zeigte zwei Köpfe: einen kugelrunden mit runden Augen, viereckiger, pflasterähnlicher Nase und breitkrempigem Spitzhut und einen anderen mit langer Nase und trichterförmigem Hut. Die Zeichnung bestand aus wenigen Strichen, war aber sehr klar.

Elli fiel vor Staunen fast um.

„Onkel Charlie", schrie sie, „das sind ja der Scheuch und der Eiserne Holzfäller!"

Bei näherer Betrachtung der Zeichnung entdeckten sie auf ihr mehrere gerade Linien, die

sich in rechten Winkeln schnitten.

„Was kann das bedeuten, Onkel Charlie?" fragte Elli.

Dem erfahrenen Seemann war nun alles klar.

„Tausend Anker!" rief er. „Deine Freunde sind hinter Gittern! Es ist ihnen etwas zugestoßen, und sie bitten dich um Hilfe !"

„Kaggi-Karr, Kaggi-Karr!" krächzte der Vogel, und Charlie Black hätte jetzt selbst vor Gericht beschwören können, daß diese Laute, in die menschliche Sprache übersetzt, nichts anderes als „Ja, ja" bedeuteten.

,,Bei allen Masten und Segeln der Wett!" brüllte er. „Diese Krähe würde uns viel Interessantes erzählen, wenn sie sprechen könnte!"

Aber in Kansas können die Vögel nicht sprechen, und es dauerte lange, ehe Elli erfuhr, was dem Scheuch und dem Eisernen Holzfäller zugestoßen, welches Unglück über sie hereingebrochen war.

DURCH DIE WÜSTE

In dieser Nacht schlief man im Hause des Farmers John fast überhaupt nicht. Elli bat Vater und Mutter, sie in das Wunderland ziehen zu lassen, und Charlie Black war bereit, sie zu begleiten. Er war auf Abenteuer versessen, und hier winkte eine Reise, mit der verglichen die nach der Insel Kuru-Kusu eine Spazierfahrt gewesen war. Der Matrose brannte darauf, das Wunderland mit eigenen Augen zu sehen, in dem die kleinen Käuer und Zwinkerer lebten, und den Strohmann, dem Goodwin ein kluges Gehirn aus Kleie und Nadeln gegeben hatte, den Eisernen Holzfäller mit dem seidenen Herzen, die sprechenden Tiere und die herrliche Smaragdenstadt.

Es war natürlich nicht leicht, den Farmer und seine Frau zu überreden, denn John und Anna wollten sich um keinen Preis von ihrem Töchterchen trennen. Aber Ellis Tränen und die Überredungskunst Onkel Charlies taten das Ihre, und schließlich willigten sie ein. Die Reisevorbereitungen nahmen nicht viel Zeit in Anspruch. Charlie Black und Elli fuhren zunächst in die Nachbarstadt, wo James Goodwin eine Gemischtwarenhandlung hatte.

Der ehemalige Zauberer war sehr erfreut, Elli wiederzusehen, und als sie ihm sagte, daß

der Seemann ihr Onkel sei, begrüßte Goodwin auch diesen sehr herzlich.

Elli erzählte ihm von der sonderbaren Botschaft aus dem Wunderland und zeigte ihm die

Zeichnung.

Goodwin, der vom vielen Sitzen im Laden dick geworden war, betrachtete aufmerksam den sonderbaren Brief und stellte schließlich stolz fest:

„Ich bin überzeugt, daß diese Idee vom klugen Scheuch stammt. Von wem hat er aber sein Gehirn? Von mir natürlich!

Du wirst zugeben müssen, Elli, daß ich als Zauberer gar nicht so übel war?"

„Ja", gab Elli zu und fragte: „Werden Sie uns ins Wunderland begleiten, um mit uns den

Eisernen Holzfäller und den Scheuch zu befreien'?"

Diese Frage hatte Goodwin nicht erwartet. Er dachte lange nach, ehe er antwortete: „Nein, ich fahr nicht mit! Ich will mit den Zauberern und Zauberinnen und mit der ganzen Zauberei nichts mehr zu tun haben!"

Charlie Black sagte flüsternd zu seiner Nichte, ein solch feiger Weggefährte würde ihnen auf ihrer gefahrvollen Reisen nur hinderlich sein, und Elli nickte.

Am Morgen brachen Charlie Black und Elli mit dem Hündchen Totoschka und der Krähe auf. Sie schlugen die gleiche Richtung nach Nordosten ein, in die der Sturm vor mehr als einem Jahr das Häuschen mit Elli und Totoschka fortgetragen hatte. Nachts schliefen sie auf freiem Feld in einem doppelwandigen Zelt, das Charlie aus wasserdichter Seide genäht hatte. Wenn man es aufblies, konnte es auch als Floß dienen. Auf diese Weise überquerten unsere Freunde die Flüsse, die auf ihrem Wege lagen. Nach vielen Tagen machten sich Anzeichen der nahen Wüste bemerkbar. Heiße Winde schlugen den Wanderern entgegen, die Brunnen und Quellen wurden immer seltener. Bei jeder Rast füllte Charlie die Wasserflaschen nach. Sanddünen mit spärlichem Gras tauchten auf, aus dem die häßlichen Köpfe riesiger Eidechsen hervorlugten.

Sie waren so schrecklich anzusehen, daß selbst der tapfere Totoschka sie nicht anzugreifen wagte. Am Tage war es unerträglich heiß, nachts entsetzlich kalt. Schließlich erreichte die kleine Schar den letzten Wald, der auf dem Wege zum Wunderland lag. Hinter diesem Wald begann die große Wüste. An eine Fußwanderung durch das unübersehbare Sandmeer war nicht zu denken, und Charlie beschloß daher, ein Wüstenschiff zu bauen.

Im Wald fand er das geeignete Material dafür, und Werkzeug hatte er ja immer bei sich. Der Seemann zimmerte ein Schiff mit hohem Mast, niedrigen Bordwänden und breiten Rädern. Als es fertig war, rollte er es mit Ellis Hilfe aus dem Walde hinaus. Vor den Wanderern dehnte sich, soweit das Auge reichte, die Große Wüste, heimlich und feierlich in ihrer Stille. Ein leichter Wind trieb gelbe Sandkörnchen über die sanft gewellte Fläche. Der Seemann nahm die Mütze ab. „Wie das Meer . . .", sagte er leise.

Ellis Augen waren vor Schreck geweitet. Sie hatte die Wüste zwar schon einmal überquert, aber damals war sie in ihrem Häuschen durch die Wolken geflogen, hatte geschlafen und war erst im Lande der Käuer wieder erwacht. Wie würde die Wüste sie jetzt empfangen:' „Da sind wir nun", rief Charlie munter. „Ich hab mich mit dem Meer herumgeschlagen, jetzt wollen wir's mit der Wüste versuchen, um so mehr, als sich die beiden wie Bruder und Schwester ähneln."

Nun hieß es, auf den richtigen Wind warten, denn ein Holzkarren mit Segel kann doch nicht wie ein Schiff auf dem Meer bei jedem Wind die gewünschte Richtung einhalten. Charlie pflanzte im Sand einen Wetterhahn auf, und jeden Morgen ging Elli nachsehen, in welcher Richtung der Wind blies.

Unsere Wanderer brauchten nicht lange zu warten. Schon nach drei Tagen stellte sich ein flotter Nordost ein, der sich immer mehr verstärkte.

Am Abend pflegten Charlie und Elli ihr Gepäck, mit Ausnahme der wenigen Sachen, die sie für das Nachtlager brauchten, auf das Schiff zu laden. Auch heute befanden sich das Fäßchen Trinkwasser, der Proviant und was sie sonst noch mitführten an Bord. Charlie hißte das Segel, in das er das Zelttuch umgewandelt hatte, und der Karren setzte sich in Bewegung.

„Onkel Charlie, aber das ist ja ein richtiges Zaubertuch!" rief Elli bewundernd aus. „Wie hast du gesagt?"

„Ein Zaubertuch, man kann es ja verwandeln, wie man will!"

„Das trifft zu", sagte der Seemann, „wir wollen das Tuch von jetzt an auch so nennen." Der Wind blähte das Segel, an dessen Mast Ellis kariertes Kopftuch wie eine Fahne flatterte, und der Karren rollte, in eine Wolke feinen Sandes gehüllt, leicht dahin. Charlie holte aus einer seiner zahlreichen Taschen zwei Brillen hervor, deren Gläser von einem dichten Netz umrandet waren, das sich an das Gesicht anschmiegte und die Augen gegen den Staub schützte. Nun konnten der Seemann und seine Nichte alles gut sehen, nur sprechen durften sie nicht, denn kaum taten sie den Mund auf, so war er schon voller Sand. „Nicht sprechen!" rief Onkel Charlie, dessen ganze Aufmerksamkeit dem Segel galt. Der Karren bewegte sich mit großer Geschwindigkeit. Kapitän Charlie riß das Segel nach rechts oder links herum, wenn es einen Hügel oder Graben zu umfahren galt.

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