Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten
- Автор: Волков Александр Мелентьевич
- Серия: smaragdenstadt #2
- Язык: немецкий
- Жанр: Сказки народов мира
Электронная книга - «Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten». Краткое содержание книги:
Der Dickwanst bekam unter dem strengen Blick seines Herrschers einen roten Kopf und
murmelte:
„Urfin der Erste, mächtiger König der Smaragdenstadt und der angestoßenen Länder, Herr der Stiefel, die ins Weltall treten . . ." „Schlecht, sehr schlecht!" sagte Urfin streng und wandte sich an den nächsten. „Sagen Sie's, Herr Aufseher der Läden, der städtischen Händler und der Bauchläden der Marktweiber!" Stotternd sprach der Höfling:
„Ihr Name ist Urfin der Erste, Herrschaftskönig der Smaragdenstadt und der umgestoßenen Länder, Herr der Stiefel, die aus dem Weltall treten . . ."
Da hörte man ein ersticktes Husten der Eule, die vor verhaltenem Lachen zu bersten drohte.
Zornrot jagte Urfin die Höflinge aus dem Saal.
Wieder sann er mehrere Stunden und entschied sich schließlich für folgenden Titeclass="underline" „Urfin der Erste, der mächtige König der Smaragdenstadt und des ganzen Wunderlandes." Er ließ die Hofleute rufen, die die Prüfung diesmal gut bestanden. Der neue Titel wurde dem Volk verkündet mit der Warnung, jede Entstellung werde als Landesverrat angesehen und streng geahndet.
Aus Anlaß der Titelverleihung sollte ein grandioses Volksfest stattfinden. Ruf Bilan und General Lan Pirot wußten, daß kein Einwohner der Stadt und Umgebung freiwillig zu diesem Fest kommen würde, und trafen daher Maßnahmen. Nachts vor dem Fest, als alle Bürger noch schliefen, gingen die Holzköpfe in die Häuser, rissen die Leute aus dem Schlaf und schleppten sie auf den Schloßplatz. Dort konnten sie ganz nach Belieben weiterschlafen oder wach bleiben, aber den Platz durfte niemand verlassen. Als Urfin in prächtiger Königstracht auf dem Balkon des, Schlosses erschien, stand eine Menge Volk auf dem Platz. Man hörte aber nur ein schwaches „Hurra", das Urfins Kumpane und seine Holzsoldaten anstimmten.
In diesem Augenblick setzte das Orchester ein. Es war aber nicht das Orchester, dessen liebliches Spiel das ganze Land bewundert hatte. Die Musikanten hatten sich trotz aller Drohungen geweigert zu spielen, und Urfin ließ ihre Instrumente unter die Hofleute und Holzsoldaten verteilen. Die letzteren erhielten Schlaginstrumente - Trommeln und Pauken - und die Hofleute Blasinstrumente - Trompeten, Flöten und Klarinetten. Aber wie kläglich spielte dieses auf Befehl der Obrigkeit zusammengewürfelte Orchester! Die Trompeten krächzten, die Klarinetten heulten, die Flöten fauchten wie wilde Katzen, und die Trommeln und Pauken kamen jedesmal aus dem Takt. Die Holzköpfe hämmerten so beflissen auf die Trommeln ein, daß die Felle platzten, und bald gaben sie keinen Laut mehr von sich. Die bronzenen Becken zerbrachen und schepperten heiser. Heiterkeit bemächtigte sich des Volkes. Die Leute preßten die Hände vor den Mund, konnten aber das Lachen nicht unterdrücken, das schallend aus ihnen hervorbrach. Manche fielen sogar um und wanden sich wie in Krämpfen.
Der Hofchronist schrieb später, daß diese Heiterkeit von der Freude herrührte, die das ganze Volk über die Thronbesteigung des mächtigen Königs Urfin des Ersten empfunden hatte.
Nach der Zeremonie wurden alle Anwesenden zu einem Schmaus in das Königsschloß geladen.
Gingema hatte seinerzeit mit Vergnügen die üblichen Gerichte der Zauberer - Mäuse und Blutegel - gegessen, Urfin aber konnte es trotz des Zuredens der Eule nicht über sich bringen, auch nur einen Blutegel oder eine Maus zu verzehren. Er hatte sich statt dessen aber einen Trick ausgedacht:
Noch vor dem Schmaus bestellte er den Koch Baluol zu einer längeren Unterredung unter vier Augen. Als der Dicke fortging, schnitt er schreckliche Grimassen, und es kostete ihn ungeheure Anstrengung, ein Lachen zu unterdrücken. Er hätte viel darum gegeben, jemanden in das Geheimnis einweihen zu dürfen, das ihm Urfin anvertraut hatte. Er hütete sich aber, es auszuplaudern, denn Urfin hatte ihm das unter Todesstrafe verboten. Baluol schickte die Küchenjungen fort, verschloß die Türen und bereitete die Speisen, die der Herrscher gefordert hatte.
Der Schmaus ging seinem Ende entgegen, die Hofleute hatten schon unzählige Gläser auf die Gesundheit ihres Herrschers geleert.
Urfin saß zu Häupten des Tisches auf Goodwins Thron, der aus dem Thronsaal herbeigeschafft worden war, damit jedermann die Größe des Eroberers sehe. Die Smaragden waren
längst überall herausgebrochen worden, nur die im Thron eingefaßten hatte man nicht angerührt, und jetzt ließ ihr Gefunkel das finstere Gesicht des Diktators noch abstoßender erscheinen.
Auf der Lehne des Throns hockte mit schläfrig zusammengekniffenen Augen die Eule. Daneben stand Meister Petz, der die Anwesenden scharf im Auge behielt. Er war bereit, sich aufjeden zu stürzen, der es dem Herrscher gegenüber an Respekt fehlen lassen sollte. Plötzlich tat sich die Tür auf, und herein trat der Koch mit zwei Tellern auf einem goldenen Tablett.
„Die Lieblingsspeisen Eurer Majestät!" meldete er laut und stellte das Tablett vor den König hin.
Den Hofleuten drehte sich der Magen um, als sie die Speisen sahen. Auf einem Teller türmten sich geräucherte Mäuse mit geringelten Schwänzchen, auf dem anderen lagen schwarze schlüpfrige Blutegel. Urfin sagte:
„Wir Zauberer haben einen besonderen Geschmack, und er wird euch einfachen Menschen vielleicht etwas merkwürdig vorkommen . . ." Meister Petz brummte:
„Ich möchte den Kerl sehen, dem der Geschmack unseres Herrschers merkwürdig vorkommet!"
Grabesstille herrschte im Saal, als Urfin mehrere geräucherte Mäuse hintereinander verzehrte und dann einen Blutegel, der sich unter seinen Fingern wand, an den Mund führte.
Alle Anwesenden blickten zu Boden, ausgenommen den Obersten Zeremonienmeister Ruf Bilan, der den Herrscher unterwürfig anstarrte.
Wie würden sich die Zuschauer dieses Schauspiels gewundert haben, hätten sie das Geheimnis des Königs und seines Kochs gekannt! Die Zauberspeisen waren nämlich nur eine geschickte Fälschung: Baluol hatte die Mäuse aus zartem Kaninchenfleisch zubereitet und die Blutegel aus süßem Schokoladeteig gebacken, und wenn diese sich wanden, so nur dank den flinken Fingern Urfins.
Urfin wollte durch dieses Schauspiel zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Erstens der Eule vortäuschen, daß er jetzt ein echter Zauberer sei, und zweitens seine Untertanen in Angst und Staunen versetzen.
Beides gelang ihm. Die Eule, die bei Kerzenlicht schlecht sah, fiel auf den Schwindel herein und nickte beifällig. Auch auf die Hofleute und Räte verfehlte das Schauspiel seine Wirkung nicht.
Nach dem Schmaus erzählten sie zu Hause ihren Angehörigen, was sie gesehen und gehört
hatten, und dabei fehlte es, natürlich nicht an Übertreibungen.
Bald verbreitete sich das Gerücht im Lande, der Zauberer Urfin habe beim Festmahl
lebende Eidechsen und Schlangen gegessen, und das erfüllte die Bürger mit Abscheu und
Entsetzen.
Drei Tage nach dem Schmaus legte der Hofchronist eine große Abhandlung vor, in der er unumstößlich bewies, daß Urfin ein direkter Nachfahre der alten Könige sei, die einst über das ganze Wunderland geherrscht hatten.
Daraus zog der Chronist zwei wichtige Schlüsse. Erstens, daß Urfin nach verbrieftem Recht das Erbe der alten Herrscher angetreten habe, und zweitens, daß die Zauberinnen Stella und Willina rechtswidrig Urfins Erblande an sich gerissen hätten, aus welchem Grunde die dreisten Landräuberinnen mit Krieg überzogen und vertrieben werden müßten. Als Lohn für sein Werk erhielt der Chronist einen silbernen Becher, der einem Kaufmann weggenommen und noch nicht an die Schatzkammer des Schlosses abgeliefert worden war.