Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten
- Автор: Волков Александр Мелентьевич
- Серия: smaragdenstadt #2
- Язык: немецкий
- Жанр: Сказки народов мира
Электронная книга - «Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten». Краткое содержание книги:
„Onkel Charlie, wir wollen das Bauer öffnen! Schau nur, wie der arme Vogel sich quält!" schlug Elli vor.
„Der arme Vogel!" knurrte der Seemann. „Er allein ist an unserem Unglück schuld, und
jetzt will er sich davonmachen!"
„Onkelchen, tu doch nicht so! Du hast ja ein gutes Herz!"
Charlie öffnete das Bauer, nahm die Krähe in die Hand und warf sie empor:
„Flieg, tückischer Vogel, falls dich der Zauberfelsen nicht festhält!"
Die Krähe setzte sich auf Ellis Schulter und krächzte ihr etwas ins Ohr. Dann schwang sie
sich mit leichtem Flügelschlag in die Lüfte und verschwand in der Ferne. Der Seemann
staunte:
„Bei allen Zauberern und Hexen, sie steuert leicht ihren Kurs! Aber wie kommt es bloß,
daß der Stein sie nicht zurückhält'"'
Elli dachte einen Augenblick nach und sagte:
„Warum soll er sie auch halten, wo sie doch aus dem Wunderland ist!"
Charlie schmunzelte, während das Mädchen fortfuhr:
„Mir scheint, die Krähe wollte uns sagen, wir sollen die Hoffnung nicht aufgeben." „Schon möglich."
Der Lebensmittel- und vor allem der Wasservorrat verringerten sich zusehends. Die heiße Wüstenluft verursachte schrecklichen Durst. Charlie bemühte sich, die Rationen einzuschränken, aber Elli bat immer wieder so inständig um einen Schluck Wasser, daß der alte Seemann, dessen Herz sich vor Mitleid verkrampfte, es ihr nicht abschlagen konnte. Und wenn sie mit Wonne getrunken hatte, machte Totoschka Männchen, blickte zu Charlie empor und wedelte mit dem Schwanz. Der Seemann gab auch ihm zu trinken. Während Charlie die Rationen für Elli und Totoschka erhöhte, kürzte er die seinen. Er wurde immer magerer, sein Gesicht fiel ein, und die Haut bedeckte sich mit zahllosen tiefen Runzeln.
Am siebenten Tag war das Fäßchen leer, gegen Mittag gab es keinen Tropfen Wasser mehr. Elli hatte vor Erschöpfung das Bewußtsein verloren, der abgehärtete Seemann aber hielt sich. Als er sich einmal unter Aufbietung seines ganzen Willens aufraffte, um Ausschau zu halten, glaubte er in der Ferne einen schwarzen Punkt zu sehen, der sich zu bewegen schien. Charlie rieb sich die Augen . . . Was konnte sich in dieser schrecklichen toten Wüste schon bewegen? . . . Aber der Punkt wuchs und kam immer näher. „Die Krähe, bei allen Klippen von Kuru-Kusu, es ist die Krähe!" schrie Charlie mit einer Kraft, die er sich nicht mehr zugetraut hatte.
Der alte Seemann wußte natürlich nicht, was ihnen die Rückkehr der Krähe nützen würde,
fühlte aber, daß sie nicht ohne Grund kam. Jetzt war sie schon ganze nahe. Charlie sah, daß
sie schwer mit den Flügeln arbeitete, um sich in der Luft zu halten.
Es war, als ob sie etwas zur Erde drückte. Doch was konnte das sein? Da entdeckte das
scharfe Auge des Seemanns eine riesige Weintraube im Schnabel der Krähe.
„Trauben!" schrie Charlie freudig. „Elli, steh auf, wir sind gerettet!"
Elli aber hörte nichts.
Da setzte sich die Krähe schon neben den Karren in den Sand. Charlie nahm ein paar Trauben und zerdrückte sie zwischen den halbgeöffneten Lippen Ellis. Der kühle Saft rann ihr in den Mund, und sie schlug sogleich die Augen auf. „Onkel Charlie, was ist das? Wasser?"
„Besser als Wasser, mein Kind, es sind Trauben. Und weißt du, wer sie gebracht hat? Die Krähe!"
„Kaggi-Karr", rief die Krähe, als verstehe sie, daß von ihr die Rede ist.
Elli erhob sich ein wenig und stützte sich auf die Ellbogen. Da bemerkte sie das Hündchen,
das ohnmächtig dalag.
„Totoschka, mein Liebling'. Du bist ja fast verdurstet..."
Drei Beeren reichten, um das Hündchen zum Leben zurückzurufen. Es öffnete die Augen und begann mit dem Schwänzchen zu wedeln.
Als der Kapitän seine Mannschaft gerettet sah, nahm auch er ein paar Trauben zu sich. Die großen gelben Beeren zergingen auf der Zunge und stillten Hunger und Durst. „Ja, das nenn ich Trauben!" schnalzte der Seemann. „Solche hat es nicht einmal auf Kuru-Kusu gegeben!"
Er nahm die Krähe in die Hand und streichelte ihre struppigen schwarzen Federn.
„Ein kluger Vogel, das muß man sagen! Und ich alter Räucherhering war böse, als du
fortflogst. Wenn du uns jetzt noch belehren würdest, wie wir die Zauberkraft des Steins
brechen sollen, würde ich sagen, du bist der klügste Vogel auf der Welt."
Statt einer Antwort pickte die Krähe eine Weintraube auf und schielte mit ihren schwarzen
Augen verschmitzt zum Seemann hinauf.
Sie deutet auf die Trauben, das ist klar, dachte Charlie, aber was können die uns helfen? Nur unsere Qualen neben diesem verdammten Stein verlängern . . . Die Krähe begann über den Sand zu hüpfen und blickte sich dabei dauernd nach Charlie um, als fordere sie ihn auf, ihr zu folgen.
Der Seemann erhob sich und ging in Richtung der Berge. Welch ein Wunder! Er konnte jetzt so leicht und frei gehen, als hätte er nicht eine ganze Woche gehungert und kraftlos im Sande gelegen. Auch das hatten also die Trauben bewirkt!
„Donnerwetter!" brummte der Seemann. „So was ist mir noch nicht vorgekommen! Na, wir sollen doch mal sehen,
Da war schon die Stelle, wo er und Elli jedesmal erschöpft zu Boden gesunken waren. Jetzt aber schritt Charlie mühelos weiter.
„Hurra, hurra!" schrie er aus Leibeskräften. „Elli, komm, wir sind gerettet!" Verständnislos kam Elli herbeigeeilt, und dann erst begriff sie den Sinn seiner Worte. „Onkel, lieber Onkel, wir müssen uns beeilen!"
„Richtig, mein Kind. Wer weiß, wie lange die Zauberkraft der Trauben anhält!" Sie warfen eilig das Allernotwendigste in ihre Rucksäcke, nahmen das Zelt und verließen den entsetzlichen Ort. Toto schka sprang munter vor ihnen her, und die Krähe wies ihnen den Weg.
Nach etwa drei Meilen war der verzauberte Felsen nicht mehr zu sehen, und die Wanderer machten Rast. Jeder bekam ein paar Trauben, dann ging es mit neuen Kräften weiter. An diesem Tag schafften sie die Hälfte des Weges zu den Bergen.
Als sie am nächsten Morgen aufwachten, war die Krähe fort. Sie brauchten sich indessen nicht lange den Kopf über ihr Verschwinden zu zerbrechen, denn bald war sie, neue Trauben im Schnabel, wieder da.
„Donnerwetter?" rief Charlie. „Wer hätte gedacht, daß ich jemals auf so sonderbare Art und Weise versorgt werde!" und verteilte die saftigen Beeren an seine Gefährten.
Sie kamen zu einem Tal, in dem ein schneller Bach rauschte, der hoch in den von ewigem Schnee bedeckten Bergen seinen Anfang nahm. An den Ufern wuchsen Obstbäume. Die Wanderer tranken gierig das klare, kalte Wasser und betraten dann eine grüne Wiese, die mit zahllosen unbekannten Blumen übersät war. Hier erwarteten sie wunderbare Erlebnisse.
Die Krähe legte feierlich den Kopf auf die Seite und sagte mit sehr klarer Stimme: „Kaggi-Karr !"
„Das haben wir schon gehört!" ließ sich - nicht gerade liebenswürdig - Totoschka vernehmen.
„Gehört, aber nicht verstanden!" bemerkte die Krähe spitz. „Das ist nämlich mein Name. Ich habe die Ehre, mich vorzustellen: Kaggi-Karr, Erste Abschmeckerin in der Schloßküche am Hofe des Weisen Scheuchs, des Herrschers der Smaragdenstadt!" „Ach, bitte um Verzeihung! Hat mich sehr gefreut. Mein Name ist Totoschka!" Das Hündchen verneigte sich förmlich.