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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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»Schweigt! Beide!«, rief Lot-Ionan. Angesichts des kostspieligen Durcheinanders drohte der letzte Rest seiner Fassung zu schwinden, und das war seit zehn Zyklen nicht mehr vorgekommen. »Ich habe genug von eurem Kleinkrieg in meinem Stollen!«, sagte er aufgebracht, und sein Bart mit den vielen Tintenflecken geriet in Wallung.

Der Zwerg dachte gar nicht daran, klein beizugeben, und stemmte sich mit beiden Beinen fest gegen den Boden. »Ich habe nichts getan«, wiederholte er starrköpfig.

Der Zauberer zwang sich, seine Ruhe wieder zu finden, für die er so berühmt war, und setzte sich auf eine eisenbeschlagene Truhe, die Arme vor der Brust verschränkt.

»Hört gut zu, ihr zwei. Es ist mir gleichgültig, wer der Auslöser der Katastrophe war. Ich hasse Unterbrechungen in meiner Arbeit, und eine Wiederholung dieser Explosion, die mir das Werk von Sonnenumläufen, wenn nicht sogar eines ganzen Zyklus verdorben hat, kann ich schon gar nicht gebrauchen. Also werde ich dafür sorgen, dass es in den Gängen ruhiger wird.«

»Ehrenwerter Magus, Ihr wollt den Kurzen doch nicht etwa von hier verbannen?«, täuschte Jolosin Mitgefühl vor.

»Schweig, Famulus! Über deinen Anteil in diesem Drunter und Drüber sprechen wir noch, doch zuerst möchte ich Ruhe in meinem Zuhause haben. Je eher, desto besser.« Er schaute den Zwerg an. »Ich schulde einem alten Freund die Rückgabe von ein paar Dingen.« Tungdil schwante bei diesen Worten Übles. »Du, mein dienstbarer Geist, wirst diesen kleinen Botengang für mich übernehmen.

Du hast eine Stunde Zeit, deine Ausrüstung zusammenzupacken und dich marschbereit zu machen. Komm anschließend zu mir, dann gebe ich dir die Sachen. Sei auf eine lange Wanderung vorbereitet, Tungdil.«

Der Zwerg verbeugte sich höflich und eilte aus dem Raum. Mit dieser Wendung der Ereignisse hatte er nicht gerechnet. Ein kleiner Fußmarsch bedeutete keine wirkliche Strafe, seine kräftigen Beine würden ihn mit Leichtigkeit über die Wege und Pfade tragen. Vielleicht treffe ich Zwerge. So eine Strafe lasse ich mir gefallen, dachte er im Stillen.

Der Magier schaute seinem gedrungenen Gehilfen nach und wartete, bis er verschwunden war, dann wandte er sich Jolosin zu. »Du wolltest Tungdil eins auswischen, Famulus. Ich kenne dich zu gut«, sagte er ihm ins Gesicht. »Solange ihr beide an einem Ort seid, habe ich keine Ruhe. Aber ich möchte, dass sich das ändert. Bis Tungdil wieder zurück ist, wirst du beim Kartoffelschälen über deine Bosheit nachdenken, und bete zu Palandiell, dass er sich beeilt.«

Der Mund des jungen Mannes öffnete sich zum Protest.

»Sollte ich jetzt auch nur eine Klage von dir oder in den kommenden Tagen von Frala und der Köchin über dich hören, kannst du deine Sachen packen und verschwinden, Jolosin.« Die Kiefer des Famulus schlossen sich rasch. »Ach, und bevor du deinen Dienst in der Küche antrittst«, der Magus deutete auf das Wirrwarr, das einst das Laboratorium gewesen war, »räumst du hier auf.«

Mit einer energischen Handbewegung scheuchte er die anderen Zauberschüler hinaus, während er sich erhob, einen Besen aus der Ecke nahm und ihn dem Zauberschüler in die Hand drückte.

»Natürlich wirst du es allein tun und erst frei kommen, wenn hier sauber ist«, verabschiedete er sich und schritt zum Ausgang. »Blitzsauber.«

Die Tür fiel zu, und der Riegel fuhr geräuschvoll ins Schloss.

II

Das Geborgene Land, das Zwergenreich des Zweiten,

Beroїn, im Winter des 6233sten Sonnenzyklus

Gundrabur wollte aus seinem Vorhaben nicht länger ein Geheimnis machen und reichte seinem Berater besagten Brief. »Hier. Absender ist Lot-Ionan der Geduldige, wie ihn die Bewohner in seinem Zauberreich Ionandar nennen.«

Mit dem Namen konnte Balendilín etwas anfangen. Der Magus lebte im mittleren Osten des Geborgenen Landes und galt als ein Menschenmagier, der die Einsamkeit liebte. Die meiste Zeit verbrachte er in einem seiner unterirdischen Stollen, um neue Formeln und Sprüche fernab von jeglicher Störung zu entwickeln.

»In seiner Gesellschaft befindet sich etwas sehr Ungewöhnliches: ein Zwerg. Ein einzelner Zwerg«, erklärte der Großkönig. »In der Botschaft war die Rede davon, dass Lot-Ionan ihm vor vielen Zyklen unter seltsamen Umständen begegnet sei und ihn aufgezogen habe. Nun will er wissen, ob ein Stamm den Zwerg vermisst. Er will seine Familie ausfindig machen.«

Balendilín überflog die Zeilen. »Wissen wir etwas über den Zwerg?«

»Die Angelegenheit ist rätselhaft und spannend zugleich«, meinte Gundrabur. »In den letzten zweihundert Zyklen habe ich nie davon gehört, dass unseren Clans ein Kind abhanden gekommen wäre.«

»Und nun möchtest du das Mündel des Zauberers als verschollenen Anwärter auf den Thron darbieten?«, mutmaßte Balendilín zweiflerisch und legte den Brief auf den Ratstisch. »Wie soll das gelingen? Wenn er bei den Langen aufwuchs, hat er nicht den blassesten Schimmer, was es bedeutet, ein Kind des Schmiedes zu sein. Aus den Clans des Stamms der Vierten wird ihn sicherlich niemand unterstützen, und es liegen keine Beweise vor, dass er wirklich zu ihnen gehört.«

Der Großkönig ging langsam zum Beratungstisch und nahm auf dem Königsstuhl seines Stammes Platz, bevor die Beine ihm den Dienst versagten.

»Mag sein«, erwiderte er angestrengt. »Mag sein, Freund, aber bis er hier ist und die Sache nicht geklärt wurde, können sie den Thron nicht besetzen. Selbst wenn ich sterbe, sind sie zum Warten gezwungen.« Er schaute seinen Berater ernst an. »Wenn Vraccas’ Hammer mich niederschmettert, ehe der Zwerg eingetroffen ist, liegt es an dir, einen Krieg zu verhindern und unser Volk vor Schaden zu bewahren.«

Balendilín presste den Mund zusammen. »Du wirst nicht so rasch von der Erde gehen, deine Lebensesse glüht hell und feurig, da bin ich mir sicher.«

»Du bist ein schlechter Lügner, wie alle Zwerge«, lachte Gundrabur und legte ihm die Hand auf die Schulter. »Dennoch müssen wir beide von nun an mit falschen Zungen reden, um unser Volk vor diesem unsinnigen Krieg zu bewahren, der unser Untergang sein könnte. Wir werden lügen wie die Kobolde, Balendilín. Ausnahmsweise benötigen wir die Uneinigkeit der Clans«, schwor er seinen Vertrauten ein. »Und nun komm. Ich brauche deinen wachen Verstand. Es geht darum, ein festes Netz aus Unwahrheiten zu flechten, in dem sich Gandogar und Bislipur auf dem Weg zu meinem Thron verfangen, bis wir ihnen den Krieg ausgetrieben haben.«

Balendilín half dem König auf. Er konnte sich zwar nicht im Geringsten ausmalen, dass dieser Plan gelänge, doch er hielt den Mund verschlossen.

Als Gandogar am nächsten Morgen erwachte und wie alle Mitglieder der Gesandtschaften zur Fortsetzung der Beratungen in die Halle gerufen wurde, eilte er gut gelaunt los. Er rechnete damit, dass ihn Gundrabur dem Rat als Nachfolger empfehlen würde. Anschließend würde das Gremium abstimmen, und damit säße er schon bald auf dem Thron.

Die Frieden stiftende Rede des Großkönigs hatte ihn verärgert, doch inzwischen war der Groll verflogen. Der Alte, der in all den Jahren nichts getan hatte, um in den geschichtlichen Aufzeichnungen der Zwerge besonders in Erscheinung zu treten, würde in naher Zukunft in Bedeutungslosigkeit verschwinden. Einem sterbenden Greis konnte er nicht böse sein.

Gandogar betrat die Halle und nahm seinen Platz ein; Bislipur stellte sich hinter ihn. Die Ränge füllten sich schnell mit den übrigen Mitgliedern der Clanabordnungen.

Einige der Zwerge warfen ihm aufmunternde Blicke zu und klopften dabei auf die Axtköpfe. Es war nicht als Drohung gemeint, sondern sollte ihm sagen, dass sie seine Kriegspläne offen unterstützten.

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