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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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Ächzend beugte er sich vor, um das Pergament mit den vielen Runen zu betrachten. Tage, Nächte, Zyklen hatte er an der Zauberformel gearbeitet. Nur noch ein letztes Zeichen fehlte, um sie zu vervollständigen.

Er lächelte. Der gewöhnliche Sterbliche, der selten mit Kräften dieser Art zu tun hatte, hegte Scheu vor allem, was mit Zauberei zu tun hatte. Für die schlichten Gemüter war es nicht einfach, die Verflechtungen der Elemente zu verstehen. Ein Bauer sprach ängstlich von »Wunder« und »Hexerei«, für Lot-Ionan war es das Ergebnis einer Abfolge von komplizierten Gesten und Worten.

Und genau um diesen Ablauf ging es. Mit ihm stand und fiel alles. Eine falsche Silbe, eine undeutliche Betonung, eine abweichende Geste mit der Hand oder eine zu schnelle Bewegung mit dem Zauberstab, ja, selbst nicht korrekt gezeichnete Zauberkreise bedeuteten das Ende eines Spruches und lösten im ungünstigsten Fall gar eine Katastrophe aus.

Er kannte Beispiele, bei denen unvorsichtige Schüler schwerste Verletzungen erlitten oder albtraumhafte Kreaturen beschworen hatten, ohne es zu beabsichtigen. Dann riefen sie stets kleinlaut nach ihm, auf dass er den Schaden begrenze.

Lot-Ionan war geduldig mit ihnen, schließlich hatte er vor zweihundertsiebenundachtzig Zyklen genau wie sie begonnen. Jetzt trug er den Titel Magus, was die Menschen als Meistermagier übersetzten.

Zweihundertsiebenundachtzig Zyklen. Seine Hand mit den vielen Altersflecken verharrte mitten in der Bewegung; die wachen hellblauen Augen suchten in dem Gewirr aus Schränken, Regalen und Bücherborden nach einem Spiegel und fanden die reflektierende Oberfläche einer Vase.

Er musterte seine faltigen Züge, die grauweißen Haare, den grauen Bart, in dem unzählige Tintenflecke zu sehen waren. Ich bin alt geworden. Wurde ich auch weiser?, fragte er sich.

Das hellbeige Gewand wies unzählige Flicken auf, aber er mochte sich von dem bequemen Stück nicht trennen. Im Gegensatz zu manchen seiner Zunftbrüder und -Schwestern achtete er nicht sonderlich auf sein Äußeres. Der einzige Anspruch, den er an seine Garderobe stellte, war die Gemütlichkeit.

In einem stimmte der alte Gelehrte mit dem gemeinen Volk überein: Magie war überaus gefährlich. Das war der Grund, warum er sich in Stollen zurückzog: Wenn ihm wirklich ein Versuch misslang, so schadete er keinem seiner Untertanen.

Doch der Magus tauchte nicht nur aus uneigennützigen Gründen ab. Unter der Erde hatte er vor den Menschen und deren alltäglichen Sorgen seine Ruhe; er überließ es ausgesuchten Stellvertretern, den so genannten Magistern, die Angelegenheiten und Streitigkeiten im Herrschaftsgebiet zu regeln.

Sein Reich Ionandar nahm Teile von Gauragar und Idoslân in Beschlag, dort, wo das südöstliche der insgesamt sechs Magiefelder lag. Die allerersten Zauberer hatten die Kraft in der Erde bemerkt, die sich in gewissem Maß auf sie hatte übertragen lassen. War das Gespeicherte aufgebraucht gewesen, hatten sie sich durch die Felder mit neuer Energie aufgeladen. Sie hatten das wertvolle Land beschlagnahmt, es in sechs Gebiete aufgeteilt und gegen die weltlichen Herrscher verteidigt, die gegen die Kraft der Zauberer nichts aufzubieten gehabt hatten. Eine Generation von Königen nach der anderen hatte es in Kauf genommen, dass Teile ihrer Reiche Fremden gehörten.

Diese Magiefelder gaben den Magi ihre Macht. Das Verständnis und das Können der Zauberer waren im Lauf der Zeit gewachsen, bis sie imstande waren, durch Formeln, Runen und Sprüche die schönsten, schrecklichsten und heilsamsten Effekte heraufzubeschwören.

Konzentriere dich auf die Formel, rief er sich zur Ordnung. Gewissenhaft streifte er die Spitze des Gänsekiels am Tintenfass ab und malte vorsichtig das Symbol des Elements Feuer auf das Blatt. Es kam auf jeden Strich an, die kleinste Unachtsamkeit würde all die Arbeit zunichte machen.

Es gelang. Zufrieden erhob er sich.

»Das wäre geschafft, alter Junge«, murmelte er erleichtert. Die Formel stand. Funktionierte sie so, wie er es sich anhand der Anordnung der Runen erhoffte, würde er in der Lage sein, Magie wahrzunehmen, egal ob sie in Gegenständen, in Personen oder in Tieren steckte. Doch ehe er von der Theorie zur Anwendung wechselte, verlangte es ihn nach einer Belohnung.

Lot-Ionan schlurfte zum ältesten seiner Geräteschränke, nahm das Fläschchen mit dem Totenkopf aus dem dritten Regal und gönnte sich einen großen Schluck.

Das abschreckende Emblem hatte nichts zu sagen. Auf diese Weise bewahrte er den guten, starken Branntwein vor begierigen Schlünden. Die Vorsichtsmaßnahme hatte der Zauberer nicht ohne Grund getroffen, denn gerade seine älteren Schüler gönnten sich nur allzu gern ein feines Tröpfchen. Er teilte bereitwillig sein Wissen, nicht aber seinen kostbaren Alkohol. Die Ursprungsfässer dieses Jahrgangs waren schon lange leer, was das Fläschchen umso beschützenswerter machte.

Plötzlich erschütterte eine gewaltige Explosion die Grundfeste der unterirdischen Behausung. Gesteinsbröckchen rieselten von der Decke und beschmutzten den Tisch, und die zahllosen Behälter hüpften in den Gestellen, dass ihre Deckel klirrten. Alles in dem völlig überfrachteten Zimmer geriet in Aufruhr.

Der Großmagier stand starr vor Schreck. Das offene Tintenfass tanzte auf der Stelle, neigte sich leicht - und kippte. Ein Zauberspruch, um dem Verhängnis Einhalt zu gebieten, kam zu spät, und so ergoss sich der gesamte Inhalt über das kostbare Pergament. Die sorgfältig gemalten Schriftzeichen verschwanden in einer Flut schwarzer Tinte.

Fassungslos verharrte Lot-Ionan auf der Stelle. »Bei Palandiell der Schöpferin!«, entfuhr es ihm, und seine freundliche Miene verfinsterte sich, denn er ahnte, woher das Erdbeben stammte. Lot-Ionan stürzte den restlichen Brandwein hinunter, drehte sich auf dem Absatz herum und stürmte zur Tür hinaus.

Er flog förmlich durch die dunklen Stollen, vorbei an Zimmern und Gängen seiner Behausung. Mit jedem Schritt, den er tat, erhöhte sich eine Wut darüber, dass all die Anstrengungen nun dahin waren.

Voller Zorn erreichte er die Tür zum Experimentierzimmer, hinter der man seltsame Geräusche vernahm. Ein halbes Dutzend seiner Famuli hatten sich davor eingefunden und tuschelten. Niemand wagte es, in den Raum zu schauen.

»Ehrenwerter Magus«, begrüßte ihn Jolosin voller Ehrfurcht. »Wir kamen zu spät! Ich habe gesehen, wie der Zwerg in das Laboratorium ging und...«

»Aus dem Weg!«, befahl Lot-Ionan erbost und entriegelte die Tür.

Das teure Laboratorium glich einem Schlachtfeld, auf dem sich wahnsinnige Alchimisten ausgetobt hatten. Kleine Gegenstände schwebten frei in der Luft, hier und da schwelten Brände. Kostbare Elixiere liefen aus den zerstörten Flakons; sie rannen die Regale hinab, um sich am Boden zu einer stinkenden Brühe zu vermischen.

Der Schuldige kauerte in der Ecke des Raumes, einen umgedrehten Kessel als Schutz gegen die Detonationen vor sich geschoben. Die Finger steckten in den Ohren, die Augen hatte er fest geschlossen. Trotz der verbrannten Haare und des rauchenden Stoppelbarts war es unzweifelhaft Tungdil Bolofar.

Es knallte wieder. Blaue Funken schossen durch den Raum und verfehlten den Magus nur knapp.

»Was geht hier vor?!«, schrie der Magus wutentbrannt, doch der Zwerg reagierte nicht, weil er ihn ganz offensichtlich nicht hören konnte. »Tungdil Bolofar, ich rede mit dir!«, rief der Magus, so laut er konnte.

Verwundert sah sich der Zwerg um und erblickte die schmächtige Gestalt des Zauberers, der eine drohende Haltung eingenommen hatte. Umständlich erhob er sich aus seiner Deckung.

»Ehrenwerter Magus, ich war es nicht«, beteuerte er, und seine Augen richteten sich funkelnd auf Jolosin, der zusammen mit den anderen Schülern am Eingang stand und Überraschung heuchelte.

Lot-Ionan wandte sich zu dem Zauberschüler um.

»Ich?«, entgegnete der Famulus übertrieben erstaunt. »Wie sollte das vonstatten gehen? Die Tür war verriegelt. Ihr habt es selbst gesehen.«

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