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Der Graf von Sainte-Hermine

Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:

Hector de Sainte-Hermine sitzt zwischen den Stühlen: Er hat geschworen, seine Familie zu rächen, die von der Französischen Revolution ausgelöscht wurde, doch irgendwie begeistert ihn dieser Napoleon Bonaparte auch, der Frankreich nun mit großem Enthusiasmus regiert. Seine Zerrissenheit führt ihn in die entlegensten Ecken der Welt, als Freibeuter, Abenteurer und schließlich als Waffengefährte Napoleons in die Schlacht von Trafalgar. Der letzte und unvollendete Roman von Alexandre Dumas wartet mit allem auf, was man vom Großmeister der Mantel-und-Degen-Geschichten erwartet: Rasante Kampfszenarien und romantisch-sehnsüchtigen Liebesgeschichten wechseln sich ab mit politischen und philosophischen Ausführungen. Erst 1990 wurde die Manuskripte des als Fortsetzungsroman angelegten Buchs entdeckt, der französische Forscher Claude Schopp puzzelte die Einzelteile zusammen. Er versah die Erzählung dann auch mit einem Anhang, der dem scheinbar auf ewig unvollendeten Roman doch noch ein würdiges Ende setzt. Spannender Lesestoff, der bald verfilmt werden dürfte - wahrscheinlich mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
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Die Geduld und Willenskraft, deren es bedurft hatte, diese Dinge an so abgelegenem Ort zu versammeln, grenzte ans Unglaubliche, doch Hingabe und Dankbarkeit sind unerschöpflich in ihrer Findigkeit!

Die übrige Möblierung – Betten, Spiegel, Wandbehänge – war englischer Machart und kam aus Kalkutta. Die Söhne des Alten waren zweimal nach Indien und bis über den Ganges hinaus gereist und hatten mit eigens zu diesem Zweck gemieteten Schiffen in das Herrenhaus all diese Gegenstände gebracht, die nicht allein dem Notwendigen dienten, sondern auch dem Luxus.

Guillaume Remi, der Zimmermann war, hatte jedes seiner Kinder ein Handwerk erlernen lassen. Der eine war Möbeltischler geworden, der andere Schlosser, der dritte Landwirt.

Dieser dritte Sohn, den wir noch nicht kennengelernt haben, hieß Justin, und er befand sich auf Tigerjagd; einer seiner Büffel war von einem Tiger angefallen worden, der beim Fressen gestört worden war, und Justin hatte sich nahe den Resten des Büffels auf die Lauer gelegt. In seiner Eigenschaft als Landwirt und als Jäger war er dafür zuständig, den Haushalt mit Wild zu versorgen, und im Notfall waren alle drei Söhne brauchbare Soldaten, die sich überall auf der Welt als gute Schützen bewiesen hätten.

Seit Remi von dem bevorstehenden Kommen des Vicomte und seiner Töchter erfahren hatte, war der Tisch für sie gedeckt geblieben, damit sie sahen, dass man sie erwartete, zu welcher Tages- oder Nachtzeit sie auch eintreffen mochten, und Gläser und Porzellan wurden jeden Tag entstaubt und poliert.

Adda fiel die Aufgabe zu, die jungen Damen zu ihrem Zimmer zu bringen. Sie kamen aus dem Staunen nicht heraus: Wo sie eine Hütte mit Strohdach oder Lehmdach erwartet hatten, waren sie auf ein Herrenhaus gestoßen, in dem das Notwendige so reichhaltig vorhanden war, dass es fast an Überfluss grenzte.

Die jungen Männer wurden von Jules und Bernard zu ihren Räumen gebracht.

Jules hatte in Kalkutta seine Lehre gemacht und sprach Englisch, und deshalb war er dem englischen Kapitän zugeteilt worden.

Bernard, der neben dem Französischen nur einen Dialekt beherrschte, der auf Sumatra und der Halbinsel Malaysia gesprochen wird, war für René zuständig.

Und damit man uns nicht missverstehe: Die Wendungen »zugeteilt« und »zuständig« bezeichnen keinerlei Tätigkeit, die sich der des Dienstbotenstandes vergleichen ließe, und die Söhne Remis besaßen im Bewusstsein ihres Werts einen ungeschliffenen Stolz, der ihnen die Höflichkeit eines Gastgebers und nicht eines Dieners verlieh. Von Anfang an waren René und Bertrand gute Freunde. Sir James war von hochmütigerem Naturell, und es dauerte einige Zeit, bis er sich mit Jules arrangierte.

Nach einer halben Stunde wurden die Neuankömmlinge zu Tisch gerufen.

Als die Gäste das Speisezimmer betraten, fanden sie nur vier Gedecke vor. Vater, Söhne und Tochter standen an der Wand.

»Adda«, sagte Hélène mit ihrer sanften Stimme, »außer dem Gedeck Ihre Bruders, der auf der Jagd ist, fehlen vier weitere Gedecke.«

Adda sah Hélène erstaunt an. »Mademoiselle«, sagte sie, »ich verstehe Sie nicht.«

»Ein Gedeck für Ihren Vater«, sagte Hélène in beinahe gebieterischem Ton, »zwischen meiner Schwester und mir, eines für Sie zwischen diesen zwei Herren, eines zu meiner Rechten und zur Linken Janes für Ihre zwei anwesenden Brüder und ein fünftes Gedeck für Ihren Bruder, der noch auf der Jagd weilt. Ich wagte sogar zu behaupten, dass Monsieur René mir nicht widerspräche, wenn ich sagte, es würde ihn freuen, seinen Freund Monsieur François mit ihm zu Tisch sitzen zu sehen; François hat heute einen Tiger erlegt und dabei eine Gelassenheit und Selbstverständlichkeit bewiesen wie der geübteste Jäger; wer aber einen Tiger zu erlegen versteht, der hat es meiner Ansicht nach auch verdient, an jedem Tisch Platz zu nehmen, sogar an dem eines Kaisers.«

»Aber Mademoiselle«, wandte der alte Mann ein, indem er vortrat, »warum wollen Sie die Schranken zwischen Dienern und Herrschaft niederreißen? Sie können sie leugnen, doch wir werden sie niemals vergessen.«

»Meine Freunde«, sagte Hélène, »unter uns gibt es weder Diener noch Herren, denn das hat mein Vater mir beharrlich versichert. Wenn wir Sie um Ihre Gastfreundschaft bitten, erheben Sie sich von Ihrem Tisch, Sie empfangen uns, doch ist das Gastfreundschaft? Wir wollen keinen Einfluss auf Ihre Zeiteinteilung oder Ihre Gewohnheiten nehmen, doch wir bitten Sie, uns heute Abend die Ehre zu erweisen, mit uns zu speisen.«

»Wenn Mademoiselle es verlangt«, sagte Remi, »gehorchen wir ihr, Adda.«

Und er schlug auf ein Tamtam, dessen lautes Dröhnen die Diener herbeirief, und vier Neger präsentierten sich.

»Befehlen Sie«, sagte Remi zu Hélène.

Hélène befahl, fünf weitere Gedecke aufzulegen, und zeigte, wo sie aufgelegt werden sollten.

Die zwei Schwestern rückten auseinander, so dass der Greis zwischen ihnen sitzen konnte; seine zwei Söhne setzten sich zu Hélènes rechter und Janes linker Seite. Die beiden Franzosen waren ebenfalls auseinandergerückt, und mit französischer Galanterie bot René Adda einen Stuhl an.

Dann wurde François gerufen, der nach ein wenig Zieren sah, dass ihm keine Wahl blieb, und sich dareinschickte, gegenüber dem Gedeck des abwesenden Jägers Platz zu nehmen.

Erst da beachteten die Besucher Adda; ihre Schönheit war so außergewöhnlich, dass sogar die zwei Französinnen einen leisen Ruf der Bewunderung ausstießen.

Mit ihren großen schwarzen Augen, ihrem leicht bräunlichen Teint, ihren glatten schwarzen Haaren, die an Rabengefieder erinnerten, mit ihren kirschroten Lippen und ihren Zähnen wie Perlen war Adda die Verkörperung einer indischen Venus; ihre Arme und Hände waren vom Ebenmaß einer Statue, und gekleidet war sie in einen Sari aus bengalischer Seide, dessen dünne Falten keine der Beschönigungen europäischer Gewänder erlaubten. Solche Gewänder legen die Bildhauer über den Marmor ihrer Statuen, Gewänder, die alle Liebesgeheimnisse verraten, welche die Keuschheit ihnen anvertraut. Addas Anmut war von jener Art, wie sie nicht nur Frauen, sondern auch wilde Tiere auszeichnet. Sie hatte sowohl etwas vom Schwan als auch von der Gazelle und daneben Feuer und Geist zutiefst französischer Prägung. Sie war das glanzvolle Ergebnis der Kreuzung zweier Rassen.

Niemand wäre auf den Gedanken verfallen, Adda Komplimente zu ihrer Schönheit zu machen. Man bewunderte sie wortlos.

Die vier Negerdiener hatten soeben den ersten Gang abgetragen, als die Hunde wieder laut zu bellen begannen.

Alle blickten erstaunt auf, doch Remi sagte: »Beachten Sie sie nicht, es ist nur Justin, der nach Hause kommt.«

Mit einem Mal schwoll das Geheul der Hunde an. Die Brüder nickten einander zu.

»Hat er den Tiger erlegt?«, fragte René.

»Ja«, erwiderte Remi, »und er bringt sein Fell mit, was die Hunde in Raserei versetzt.«

In diesem Augenblick wurde die Zimmertür geöffnet, und der älteste der drei Brüder, ein schöner junger Mann von herkulischer Gestalt, mit rotblondem Haupthaar und Bart, erschien auf der Schwelle, gekleidet in einen Kittel nach gallischer Art, der ihm bis zu den Knien reichte und gegürtet war, und wie auf einem antiken Bildnis mit dem Kopf des Tigers bekrönt, dessen Tatzen sich über seiner Brust kreuzten.

Diese Erscheinung war so fremdartig und unerwartet, und der Anblick dieses Antlitzes, an dem die Blutstropfen des Tiers hinabrannen, war so gebieterisch, dass alle Anwesenden sich erhoben.

Justin jedoch verneigte sich an der Tür, ging auf Hélène zu, beugte ein Knie und sagte: »Mademoiselle, seien Sie so gnädig, den Fuß auf diesen Teppich zu setzen, den ich Ihrer würdiger wünschte.«

71

Das irdische Paradies

Im Jahr 1780 und ungefähr fünfundzwanzig Jahre vor dem oben Berichteten war der Vicomte de Sainte-Hermine als Kapitän der Victoire mit einem Geheimauftrag zu dem König von Pegu entsandt worden, der sein Reich kurz zuvor von dem Reich Ava abgespalten hatte. Sein Auftrag war, am Golf von Bengalen, das heißt am Westufer des neuen Königreichs, ein Territorium von sieben oder acht Meilen Ausdehnung zwischen dem Fluss Metra und dem Meer zu finden, um dort eine französische Kolonie zu errichten. König Ludwig XVI. hatte Waffen, Geld und sogar französische Ingenieure angeboten, um dem neuen Königreich in den Sattel zu helfen.

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