Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Das Mädchen stammte zweifellos aus einem bäuerlichen Volk, denn es kümmerte sich sofort um die Tiere; es gab Remi zu verstehen, dass Eber und Bache getrennt untergebracht werden mussten, und noch am selben Tag wurde der Schweinestall gebaut. Das Kalb war groß genug, um die Milch seiner Mutter nicht mehr zu benötigen, die es aus Genusssucht oder Bequemlichkeit noch immer trank. Remis neue Gefährtin flocht aus Pflanzenfasern Körbe von so feiner Beschaffenheit, dass sie die Milch so gut auffangen konnten wie ein Gefäß aus Holz oder Steingut; sie sammelte die Eier ein und unterteilte die Hühner in Legehennen und Bruthennen, so dass nie Mangel an frischen Eiern und Küken bestehen würde.
Doch weit wichtiger war Evas Entdeckung, dass die Schlingpflanze, die überall ringsum wuchs, Betel war. Da sie auch mit Mais und Weizen vertraut war, unterwies sie Remi darin, Mais anzupflanzen und Weizen zu säen.
Die neuen Arbeiten, die Remi erlaubten, das junge Mädchen nicht aus den Augen zu verlieren, sagten ihm sehr zu. Eva weilte seit kaum zwei Monaten in seinem Haus. Remi lernte, die Getreidemühle zu benutzen, und lehrte die Frau des Hauses backen. Die Butter und der Käse, die sie bald aus der überschüssigen Milch gewann, mehrten das Wohlergehen des Haushalts.
Sie verstand sich darauf, aus Aloefasern Netze und Angelruten zu flechten und weitere Gerätschaften für den Fischfang zu fertigen, der schon bald zu ihrer Nahrung beitrug. Zu guter Letzt erkannte Remi, dass die Meierei so groß geworden war, dass man sie ohne Hilfe nicht mehr betreiben konnte, und er beschloss, nach dem nur fünfzehn Meilen entfernten Taungu zu fahren, um zu sehen, ob er dort ein paar Neger kaufen oder ein paar Dienstboten anwerben konnte.
Außerdem wollte er sich erkundigen, ob sich der Betel, den Eva hergestellt hatte, gewinnbringend verkaufen ließ, denn eine beträchtliche Menge dieses Betels war ohne Weiteres jedes Jahr zu erwirtschaften.
Eines Morgens wurde das Pferd nicht auf die Weide gelassen, sondern gesattelt, aufgezäumt und von Remi bestiegen, doch er musste feststellen, dass die Stute, die es gewohnt war, ihren Gefährten zu begleiten, die Reise mitmachen wollte; sie wurde ebenfalls gesattelt und gezäumt, und dann wurde das Zauntor geöffnet.
Doch nun stellte sich Eva vor die Toröffnung, streckte die Arme aus, als Remi an ihr vorbeireiten wollte, brach in Tränen aus und wiederholte immer wieder einige der wenigen Wörter Französisch, die sie beherrschte: »Mit dir, mit dir, mit dir!«
Remi, den es ohnehin schwer angekommen war, seine Eva mehrere Tage lang ganz allein zurückzulassen, fürchtete, dass ihr in seiner Abwesenheit ein Leid angetan werden könne. Bei einem Überfall wäre sie nicht in der Lage gewesen, die kleine Siedlung gegen Angreifer zu verteidigen. Und wenn Remi sich schon entscheiden musste, wollte er lieber Gefahr laufen, Haus und Tiere zu verlieren als seine Eva. Folglich versteckte er Gewehre und Munition, die er als seinen kostbarsten Besitz betrachtete, in einer Felsspalte, denn mit ihrer Hilfe konnte er sich wiederbeschaffen, was ihm möglicherweise gestohlen wurde. Um die Tiere musste er sich keine Sorgen machen – sie waren es gewohnt, sich ihre Nahrung selbst zu suchen. Aus seinem Geldversteck nahm er fünfundzwanzig Louisdor mit.
Erleichtert, mit Geist und Herz nicht zurückblicken zu müssen, überließ er seine kleine Meierei dem Schutz Gottes. Remi besaß einen Kompass, den er benutzte, um die Richtung nach Taungu einzuschlagen. Nebenflüsse des Sittangs mussten überquert werden. Remi wollte eine Furt suchen, doch seine junge Freundin bedeutete ihm, dies sei unnötig, denn sie könne schwimmen. Die beiden näherten sich dem Ufer, nahmen einander an der Hand und trieben ihre Pferde in den Fluss.
Am Abend desselben Tages erreichten sie Taungu.
In Ortschaften fern den großen Städten verwenden die Peguaner kein Münzgeld, sondern kleine Barren, die man nach ihrem Klang darauf untersucht, ob sie aus reinem Gold bestehen oder aus einer Legierung, denn für gewöhnlich dient in Birma mit seinen Silberminen reines Gold nur zum Vergolden der Pagodendächer.
Und nun erwies sich, wie nützlich Eva für Remi sein konnte: Sie sprach Birmanisch und würde für ihn dolmetschen; zudem gab es eine Vielzahl kleiner Dinge, die sie für ihre entstehende Siedlung benötigten, an die Remi jedoch niemals gedacht hätte.
Am wichtigsten aber war, dass Evas Betel großen Anklang fand und als Tauschwährung für den Kauf aller Vorräte ausreichte und dass die Händler, die ihn erstanden, eine nächste Lieferung bestellten, die in drei Monaten erfolgen konnte.
Beim nächsten Mal musste Eva sich nicht nach Taungu aufmachen, denn der Händler wollte die Lieferung persönlich in der Siedlung abholen, die auf diese Weise den Namen »Land des Betels« erhielt.
Remi kaufte zwei Neger und zwei Negerinnen. Zwei junge Männer, die sich auf den Reisanbau verstanden, wurden angestellt und zwei Frauen, die Eva bei der Tierhaltung und der Herstellung des Betels helfen sollten.
Zuletzt wurden zwei Wasserbüffel erstanden, Männchen und Weibchen, die einen Pflug ziehen sollten, den Remi zu bauen beabsichtigte. Eine Pflugschar aus Teakholz würde die eiserne Pflugschar ersetzen.
Die Rückreise nahm drei Tage in Anspruch, weil die Dienerschaft und die Tiere nur im Schrittempo den Pferden folgen konnten. Der Fluss wurde ohne Zwischenfälle überquert, und man gelangte in Sichtweite der kleinen Behausung.
Kaum hatten die Tiere ihre Besitzer erkannt, sprangen Hund und Hündin ihnen entgegen, gefolgt von den anderen Tieren bis auf den Hahn, der auf dem Zaun sitzen blieb, die Hühner, die weiter ihre Küken begluckten, und Kater und Katze, die so gravitätisch wie ägyptische Gottheiten links und rechts neben der Tür thronten.
Nichts war während der Abwesenheit ihrer Herrschaft vorgefallen, und im Haus wie draußen war alles unangetastet.
Froh über das gute Ende seiner Reise, streckte Remi die Arme aus, um dem Himmel zu danken. Eva, die glaubte, er habe die Arme für sie geöffnet, warf sich unschuldig an seine Brust. Remi drückte sie an sein Herz, und zum ersten Mal fanden sich ihre Lippen, und sie wechselten einen Kuss.
Von diesem Augenblick an wich Remis Menschenscheu nach und nach, er las nicht mehr im Robinson, und die einzige Spur der Lektüre war die, dass einer der zwei Neger den Namen Freitag erhielt.
Von diesem Augenblick an wurde auch die Arbeit verteilt, jeder hatte seine Aufgabe, und die Tage verliefen gleichförmiger.
Remi baute seinen Pflug, spannte seine Ochsen davor und pflügte ein Dutzend Morgen Land, das er bestellte.
Neben einem so schwierigen Werkstück wie einem Pflug war eine Egge ein wahres Kinderspiel. Remi eggte sein Dutzend Morgen, und der Weizen gedieh.
Einer der jungen Männer, die er als Helfer für die Landarbeit angestellt hatte, entdeckte eine sumpfige Stelle, die sie mit Gräben durchzogen und zum Reisfeld machten.
Der Zweite, der sich in der Jagd und im Fischfang geschickt zeigte, wurde mit der Verköstigung des Haushalts beauftragt; da es Wild und Fische im Überfluss gab, verwendete er seine freie Zeit darauf, einer der Negerinnen bei Anbau und Kultivierung der Betelpflanzen zu helfen, in die Remi so große Hoffnungen setzte.
Eva und die zweite Negerin sorgten für die Tiere und den Haushalt.
Dank der zusätzlichen Arbeitskräfte nahm die kleine Kolonie einen raschen Aufschwung. Die Neger, die zuvor unter Zwang nur unwillig unter Schlägen gearbeitet hatten, arbeiteten hier, wo sie eher wie Diener als wie Sklaven ernährt und behandelt wurden, von morgens bis abends, und alle Mienen waren fröhlich bis auf die des Hausherrn; der Grund für Remis finstere Miene war nicht mehr die Menschenscheu, sondern ein schlimmeres Übel, nämlich die Liebe.
Eva ihrerseits liebte Remi mit ganzem Herzen und in aller Unschuld. Weder ihre Zärtlichkeiten noch ihre Worte ließen daran den geringsten Zweifel. Doch gerade diese Erwiderung seiner Gefühle schnitt ihm ins Herz; hätte Eva ihn nicht geliebt, ihm nichts davon gesagt, dann wäre Remi Manns genug gewesen, seine Liebe zu bezwingen; doch die eigene Liebe und Evas Liebe zu bezwingen, ging über seine Kräfte.