Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Eine Frage beginnt sich auf den Mienen meiner Leser zu malen, die da lautet: Warum...?
Und bevor sie ausgesprochen wird, will ich sie beantworten: Weil Remi als wackerer Mann und guter Christ, ehelicher Sohn des Mathurin Remi und der Claudine Perrot, um nichts in der Welt seinen ältesten Sohn zum Ahnvater illegitimer Sprösslinge machen wollte.
Sein innerer Kampf zwischen Versuchung und Gewissen wogte am erbittertsten, als eines Abends die Hunde anschlugen – nicht aufgeregt, als gelte es eine Gefahr zu melden, sondern sanft, gewissermaßen brüderlich, als wollten sie einen Freund anmelden. Remi ging öffnen. An die Tür klopfte in der Tat ein Bruder, denn es war ein Mönch, ein französischer Jesuit, der in China das Wort Gottes predigen wollte und dort höchstwahrscheinlich den Tod finden würde.
»Seid doppelt willkommen, Pater«, begrüßte Remi ihn freudig, »denn Sie bringen uns gewiss mehr, als wir Ihnen je vergelten könnten.«
»Was kann ich Ihnen Außergewöhnliches bringen, meine lieben Kinder?«, fragte der Mann Gottes.
»Sie bringen dem jungen Mädchen das Seelenheil und mir das Glück; sie ist Heidin, Sie werden sie heute Abend taufen; ich liebe sie, und Sie werden uns morgen trauen.«
Die christliche Unterweisung der Frischbekehrten dauerte nicht lange. Sie wurde gefragt, ob sie an einen anderen Gott als den Gott Remis glaube, und sie sagte Nein. Sie wurde gefragt, ob sie in der gleichen Religion wie Remi leben und sterben wolle, und sie sagte Ja.
Am selben Abend verkündete Remi, dass der nächste Tag ein Feiertag sein werde, an dem nicht gearbeitet werden solle. Dann führte er den Jesuitenpater auf einen kleinen Hügel, auf dem ein Kreuz stand, vor dem Remi morgens und abends fromm seine Andacht verrichtete. »Pater«, sagte er zu dem Priester, »dort werden Sie uns morgen den Segen geben, und ich gebe Ihnen mein Wort, dass dort eine Kapelle stehen wird, bevor ein Jahr vergangen sein wird.«
Am Tag darauf wurde in Anwesenheit der zwei Neger, der zwei Negerinnen und der zwei Peguaner zwischen Remi und Eva das Band der Ehe geschlossen.
Die Taufe ging der Eheschließung unmittelbar voraus, so dass Eva gar keine Zeit gehabt hatte, gegen eines der beiden Sakramente zu sündigen, nicht einmal in Gedanken.
Am selben Tag setzte der Jesuit seine Reise fort, nachdem er nach alter Sitte den Herrn und die Herrin des Hauses, die Diener, die Tiere und das Haus gesegnet hatte.
Die Tiere hatten nicht auf den Segen gewartet, um sich fortzupflanzen. Das Kalb war zu einem stattlichen Stier herangewachsen, das Wasserbüffelweibchen hatte ein Junges bekommen, die Stute ein Fohlen, die Katzen hatten sechs Kätzchen, die Hunde zehn Welpen, der Schweinenachwuchs ließ sich gar nicht mehr zählen, und Schweinchen, die im Wald ausgesetzt worden waren, wurden dort zu Wildschweinen.
Der Zeitpunkt nahte, an dem der Betelhändler kommen wollte; er brachte weitere Händler mit, die sich sehr zufrieden mit den Ertragserwartungen der Plantage zeigten. Der Händler, mit dem Remi sich verständigt hatte, brachte das vereinbarte Geld mit, doch da der Ertrag das Dreifache dessen betrug, was man ausgemacht hatte, erlöste Remi damit nicht neuntausend Talks, sondern weit mehr, denn die zwei anderen Händler hatten sich in weiser Voraussicht mit Säcken voll der kleinen Goldbarren versehen, die in Birma als Währung dienen.
Die Händler schlugen Remi ein Abkommen vor: Sie erklärten sich bereit, ihm jedes Jahr fünfzehntausend Talks zu bezahlen, und er sollte ihnen für zwölftausend Talks Betel liefern und für den Rest Mais, Reis und Weizen. Fiele die Ernte eines der Getreide zu mager aus, stünde es Remi frei, den Unterschied in Betel zu begleichen.
Die Händler erklärten sich bereit, zwei Wasserbüffel, vier Neger, zwei Negerinnen und zwei Peguaner für Remis Siedlung zu schicken. Einer der Peguaner musste Schlosser sein, der andere Möbeltischler.
Neun Monate und ein paar Tage nach der Abreise des wackeren Jesuiten wurde Eva von einem Jungen entbunden, der auf den Namen Justin getauft wurde. Eine der Negerinnen war Hebamme, und sie erledigte ihre Aufgabe mit Bravour.
In der Kapelle auf dem Hügel, wo Remi getraut worden war, taufte er mit eigener Hand sein erstes Kind; offenbar brachte es ihm Glück, dass er sein Gelübde gehalten hatte, denn im Jahr darauf und im übernächsten Jahr wurden zwei weitere Söhne auf die Namen Jules und Bernard getauft.
Dann vergingen drei Jahre, und ein Mädchen erhielt den Namen Adda.
Unterdessen blühte die kleine Kolonie weiter; mehr als eine Meile Landes wurde inzwischen bebaut. In der Faktorei waren achtzehn Bedienstete und Sklaven beschäftigt, ganz abgesehen von einem Dutzend Negerkinder und kleiner Mestizen, die je nach ihrem Alter mitarbeiteten oder, wenn sie dafür zu jung waren, mit den Kätzchen und Welpen spielten und die Hühner jagten.
Remis Ältester war für den Beruf des Landwirts sowie für Fischfang und Jagd bestimmt. Bernard, der zweite, ging bei dem Schlosser in die Lehre, und der jüngste Sohn Jules war Lehrling des Möbeltischlers, den Remis Vertragspartner zu ihm geschickt hatten.
Es erübrigt sich, den wachsenden Wohlstand der kleinen Kolonie im Einzelnen nachzuzeichnen. Es kam jedoch eine Zeit, als die Hütten nicht mehr ausreichten, und Remi beschloss, an ihrer Stelle ein großes Herrenhaus zu errichten, das Haus des Vicomte, und um dieses Haus herum kleinere Häuser für sich selbst und alle anderen Angestellten oder Bediensteten.
Remi entwarf das Haus, das für den Vicomte bestimmt war, und alle legten bei seinem Bau mit Hand an, als stünde das Kommen des Vicomte bevor; die jüngeren Söhne konnten unter Anleitung ihrer Meister ebenfalls mitarbeiten. Remi verwendete seine ganze Zimmermannskunst auf das Herstellen der Deckenbalken und Verandaböden. Und während Eva das Innere des Hauses mit Stoffen bespannte, die man aus Prome, Pegu und sogar aus Kalkutta hatte kommen lassen, wurde das übrige Dorf erbaut, das mehr als fünfzehn Häuser zählte.
Zwei Jahre dauerte es, dieses große Werk zu vollbringen; doch da der Wohlstand der Kolonie beständig wuchs und man fünfzehntausend bis achtzehntausend Talks – anders gesagt, an die sechzigtausend Francs – aus den Einkünften auf den Bau verwenden konnte, ging die Arbeit noch schneller vonstatten, als man jemals erwartet hätte.
Remis drei Söhne waren zu schönen und kräftigen jungen Männern und gewandten Schützen herangewachsen.
Zweimal war die kleine Kolonie von Räubern überfallen worden; doch aus den vier Blockhäusern an den vier Ecken der Anlage war den Briganten ein Willkommen bereitet worden, das ihnen jede Lust auf einen neuerlichen Besuch vergällt hatte.
Vor allem Justin war der Schrecken aller Räuber menschlicher wie tierischer Herkunft. Sprach sich herum, dass im Umkreis von drei Meilen ein Tiger oder ein Panther gesichtet worden war, schulterte Justin sein Gewehr, steckte sich die Axt seines Vaters in den Gürtel und kam erst wieder, wenn die Raubkatze erlegt war.
Als er nun das Speisezimmer betrat, das Tigerfell über Kopf und Schultern geworfen, und jenen begegnete, die seit so langer Zeit erwartet worden waren, hatte er soeben seinen elften Tiger zur Strecke gebracht. Ein Jahr zuvor hatte ein großes Unglück die stattliche Familie und die Bediensteten und Sklaven der kleinen Kolonie heimgesucht: Remis Ehefrau, die Mutter der drei schönen jungen Männer und des schönen Mädchens, war gestorben.
73
Das Begräbnis des Vicomte de Sainte-Hermine
Da wir nun wissen, wie es zu der Plantage des Vicomte de Sainte-Hermine im Land des Betels kam, können wir den Faden unserer Erzählung wieder aufnehmen.
Wir müssen unseren Lesern nicht eigens vor Augen führen, welche Wirkung der Anblick dieser patriarchalischen Familie, die zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts die Sitten und Gebräuche der Araber aus biblischen Zeiten pflegte, auf die zwei Schwestern, Sir Asplay und René ausübte.