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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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Doch sie war ein Mensch, der sich nicht zwingen ließ. Ihre Lippen pressten sich fest zu einer schmalen Linie zusammen, als formten sie ein Siegel. Schließlich öffneten sie sich widerstrebend, um drei knappe Worte entweichen zu lassen.

»Kommt darauf an«, sagte sie, und ihre Lippen schlossen sich wieder.

Jamie rieb sich das Gesicht, dann hob er den Kopf, bereit zur nächsten Runde.

»Ich habe doch gesehen, wie du mit Randall ins Haus gegangen bist«, bohrte er hartnäckig weiter. »Und nach dem, was er hinterher zu mir gesagt hat … Woher weiß er denn, dass du ein Muttermal auf der Brust hast?«

Sie prustete heftig. »Weißt du noch alles, was sich an diesem Tag ereignet hat, oder hat es dir der Hauptmann mit dem Säbel ausgeprügelt?«

»Natürlich weiß ich das noch! Das werde ich wohl kaum vergessen!«

»Dann erinnerst du dich vielleicht, dass ich dem Hauptmann an einem gewissen Punkt das Knie in den Schritt gerammt habe?«

Jamie zog argwöhnisch den Kopf ein. »Aye.«

Jenny lächelte überlegen.

»Also schön, wenn deine Frau – du könntest mir wenigstens ihren Namen sagen, Jamie, du hast wirklich keine Manieren –, jedenfalls, wenn sie mit dir so verfahren würde – und du hättest es verdient –, meinst du, du wärst ein paar Minuten später in der Lage, deine ehelichen Pflichten zu erfüllen?«

Jamie, der den Mund schon geöffnet hatte, um etwas zu sagen, schloss ihn abrupt. Einen langen Augenblick starrte er seine Schwester an, dann zuckte es sacht in seinem Mundwinkel.

»Kommt darauf an«, sagte er. Wieder zuckte sein Mund. Er hatte vornübergebeugt auf dem Sessel gesessen, doch jetzt lehnte er sich zurück und musterte sie mit der skeptischen Miene eines jüngeren Bruders, der von seiner Schwester ein Märchen erzählt bekommt und sich eigentlich zu alt findet, um darüber zu staunen, es aber trotzdem beinahe glaubt.

»Wirklich?«, fragte er.

Jenny wandte sich Ian zu. »Hol das Laken, Ian«, befahl sie.

Jamie hob beide Hände und ergab sich. »Nein. Nein, ich glaube dir. Es ist nur … die Art, wie er sich verhalten hat, nachdem …«

Jenny lehnte sich nun ihrerseits zurück und lehnte sich entspannt an Ians Arm, ihren Sohn so dicht an sich gedrückt, wie ihr Bauch es zuließ, ganz die gnädige Siegerin.

»Nun, nach allem, was er da vor dem Haus von sich gegeben hatte, konnte er wohl kaum vor seinen Männern zugeben, dass er nicht dazu imstande gewesen war, oder? Er musste zumindest den Anschein wahren, nicht wahr? Und«, räumte sie ein, »ich muss sagen, dass es ziemlich unangenehm gewesen ist; er hat mich geschlagen und mir das Kleid zerrissen. Er hat es so krampfhaft versucht, dass er mich halb besinnungslos geprügelt hat. Und bis ich wieder zu mir gekommen war und meine Blöße bedeckt hatte, waren die Engländer fort und hatten dich mitgenommen.«

Jamie seufzte tief auf und schloss kurz die Augen. Seine breiten Hände ruhten auf seinen Knien, und ich bedeckte die eine sacht mit der meinen. Er nahm meine Hand, öffnete die Augen und lächelte mir schwach zu, ehe er sich wieder an seine Schwester wandte.

»Also schön«, sagte er. »Aber ich möchte eines wissen, Jenny: Wusstest du, dass er dir, äh, nichts tun würde, als du mit ihm gegangen bist?«

Sie schwieg einen Moment, doch ihr Blick wich nicht vom Gesicht ihres Bruders, und schließlich schüttelte sie den Kopf, den Hauch eines Lächelns auf den Lippen.

Sie hob die Hand, um sich Jamies Widerrede zu verbitten, und die Möwenflügel ihrer Augenbrauen hoben sich fragend. »Wenn dein Leben ein angemessener Preis für meine Ehre ist, kannst du mir sagen, warum meine Ehre kein angemessener Preis für dein Leben ist?« Ihre Brauen zogen sich zu der gleichen finsteren Miene zusammen, die auch ihr Bruder trug. »Oder willst du mir sagen, dass ich dich nicht genauso lieben darf, wie du mich liebst? Denn dann, Jamie Fraser, sage ich dir hier und jetzt, es ist nicht wahr!«

Diese Schlussfolgerung verschlug Jamie, der den Mund geöffnet hatte, um ihr ins Wort zu fallen, plötzlich die Sprache. Er schloss verdattert den Mund, und seine Schwester nutzte ihren Vorteil aus.

»Denn ich liebe dich, selbst wenn du ein dickköpfiger, begriffsstutziger, hirnloser Trottel bist. Und ich lasse es nicht zu, dass du tot vor meinen Füßen liegst, nur weil du zu stur bist, um einmal im Leben deinen Mund zu halten!«

Blaue Augen blickten in blaue Augen, dass die Funken nur so sprühten. Jamie schluckte die Beleidigungen mühsam herunter und rang um eine sachliche Antwort. Er schien einen schweren Entschluss zu fassen.

Schließlich ergab er sich in sein Schicksal und richtete sich auf.

»Also gut, es tut mir leid«, sagte er. »Ich hatte unrecht, und ich bitte dich um Entschuldigung.«

Er und seine Schwester saßen da und starrten sich an, doch die Absolution, auf die er hoffte, erfolgte nicht. Sie betrachtete ihn nur gründlich und biss sich auf die Lippe, blieb aber stumm. Schließlich verlor er die Geduld.

»Ich habe doch gesagt, es tut mir leid! Was willst du denn noch von mir?«, fragte er. »Soll ich vor dir auf die Knie fallen? Ich tue es, wenn ich muss, aber rede mit mir!«

Sie schüttelte langsam den Kopf, die Unterlippe immer noch zwischen die Zähne geklemmt.

»Nein«, sagte sie schließlich, »ich lasse nicht zu, dass du in deinem eigenen Haus auf die Knie fällst. Aber steh mal auf.«

Jamie erhob sich, und sie setzte das Kind auf das Sofa, stand umständlich auf und durchquerte das Zimmer, um sich vor ihn zu stellen.

»Zieh dein Hemd aus«, befahl sie.

»Nein!«

Sie riss ihm das Hemd aus dem Kilt und machte Anstalten, es zu öffnen. Wenn er keinen gewaltsamen Widerstand leisten wollte, würde er wohl oder übel gehorchen oder sich entkleiden lassen müssen. So würdevoll er konnte, trat er zurück und zog sich mit verkniffenem Gesichtsausdruck das Hemd aus.

Sie trat hinter ihn und betrachtete seinen Rücken. Dabei trug ihr Gesicht die gleiche betont ausdruckslose Miene, die ich auch von Jamie kannte, wenn er ein starkes Gefühl verbarg. Sie nickte, als hätte sie die Bestätigung für eine lang gehegte Vermutung gefunden.

»Nun ja, und wenn du ein Narr gewesen bist, Jamie, hast du anscheinend dafür bezahlt.« Sie legte ihm sanft die Hand auf den Rücken, um die schlimmsten Narben zu verdecken.

»Das sieht so aus, als hätte es weh getan.«

»So war es auch.«

»Hast du geweint?«

Die Hände an seinen Seiten ballten sich unwillkürlich zu Fäusten. »Ja!«

Jenny stellte sich wieder vor ihn und sah ihn an, das spitze Kinn erhoben, die Katzenaugen groß und leuchtend. »Ich auch«, bekannte sie leise. »Jeden Tag, seit sie dich mitgenommen haben.«

Wieder war das eine Gesicht ein Spiegel des anderen, doch diesmal waren ihre Mienen so, dass ich mich erhob und leise durch den Flur zur Küche ging, um sie allein zu lassen. Bevor die Küchentür hinter mir zuschwang, sah ich noch, wie Jamie die Hände seiner Schwester ergriff und leise etwas auf Gälisch sagte. Sie schritt in seine Umarmung, und sein kräftiger heller Kopf beugte sich zu ihrem dunklen hinunter.

Kapitel 27

Der letzte Grund

Wir fielen wie die Wölfe über das Abendessen her, zogen uns in ein großes, luftiges Schlafzimmer zurück und schliefen tief und fest. Als wir am Morgen aufstanden, hätte die Sonne schon hoch am Himmel gestanden, wenn der Himmel nicht mit Wolken verhangen gewesen wäre. Ich konnte allerdings erkennen, dass es schon spät war, weil sich das Haus hellwach anfühlte und seine Bewohner bereits gut gelaunt am Werk waren – und weil verlockende Aromen die Treppe heraufdrifteten.

Nach dem Frühstück machten sich die Männer fertig, um einige Pächter zu besuchen, die Zäune in Augenschein zu nehmen, sich um einen defekten Wagen zu kümmern und sich ganz allgemein einen schönen Tag zu machen. Sie standen im Flur, um sich die Röcke anzuziehen, als Ian Jennys großen Korb auf dem Tisch unter dem Spiegel entdeckte.

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