Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Er hatte ihre Ermahnungen ignoriert und sich Felicia in der klaren Absicht genähert, sich mit Gewalt einen weiteren Mehlsack von dem Haufen hinter ihr zu nehmen.
»An dieser Stelle gab Jamie es auf, mit ihm zu argumentieren, und hat ihn geschlagen«, sagte ich.
Er hatte anfangs gezögert, es zu tun, da Mueller fast siebzig ist, hatte aber seine Meinung rapide geändert, als sein erster Schlag von Muellers Kinn abprallte, als bestünde es aus gut abgelagertem Eichenholz.
Der alte Mann war auf ihn losgegangen wie ein in die Enge getriebener Keiler, worauf Jamie ihn so fest wie möglich erst in den Magen und dann auf den Mund geboxt hatte. Damit hatte er Mueller niedergeschlagen und sich die Fingerknöchel an den Zähnen des alten Mannes aufgerissen.
Mit einer an Woolam gerichteten Bemerkung – der Quäker war und daher Gewalt ablehnte – hatte er Mueller dann an den Beinen gepackt und den benommenen Bauern nach draußen gezerrt, wo einer von Muellers Söhnen geduldig im Wagen wartete. Jamie hatte den alten Mann am Kragen hochgehievt, ihn gegen den Wagen gedrückt und ihn dort festgehalten. Er hatte freundlich auf Deutsch auf ihn eingeredet, bis Mr. Woolam – der das Mehl hastig umverpackt hatte – herausgekommen war und unter dem bohrenden Blick des alten Mannes fünf Säcke in den Wagen geladen hatte.
Mueller hatte sie zweimal sorgfältig durchgezählt, sich dann an Jamie gewandt und sich würdevoll bedankt. Dann war er neben seinem verblüfften Sohn auf den Wagen gestiegen und davongefahren.
Grey kratzte an den Überresten seines Ausschlags herum und lächelte.
»Ich verstehe. Also schien er es nicht übelgenommen zu haben?«
Ich schüttelte kauend den Kopf und schluckte dann.
»Überhaupt nicht. Er war die Liebenswürdigkeit in Person, als ich auf den Hof kam, um bei Petronellas Geburt zu helfen.« Die erneute Erkenntnis, dass sie nicht mehr lebte, schnürte mir die Kehle zu, und ich verschluckte mich am bitteren Geschmack der Löwenzahnblätter, als mir die Galle im Hals aufstieg.
»Hier.« Grey schob mir den Alekrug über den Tisch zu.
Ich trank in vollen Zügen, und die saure Kühle linderte für einen Augenblick die tiefere Bitternis meines Gemüts. Ich stellte den Krug hin und saß einen Augenblick lang mit geschlossenen Augen da. Ein frisch duftender Luftzug wehte vom Fenster herein, doch die Sonne wärmte die Tischplatte unter meinen Händen. All die kleinen Freuden körperlicher Existenz waren immer noch mein, und ich war mir ihrer umso akuter bewusst, als ich wusste, dass sie anderen so abrupt genommen worden waren – anderen, die sie kaum geschmeckt hatten.
»Danke«, sagte ich und öffnete die Augen.
Grey beobachtete mich mit einem Ausdruck tiefen Mitgefühls.
»Man sollte nicht meinen, dass es einen so mitnimmt«, sagte ich in dem plötzlichen Bedürfnis, eine Erklärung zu versuchen. »Sie sterben hier so leicht. Vor allem die Jüngeren. Es ist nicht so, als hätte ich das nicht schon öfter erlebt. Und es gibt so selten etwas, das ich tun kann.«
Ich spürte etwas Warmes auf meiner Wange und stellte überrascht fest, dass es eine Träne war. Er griff in seinen Ärmel, zog ein Taschentuch hervor und reichte es mir. Es war nicht sonderlich sauber, aber das kümmerte mich nicht.
»Ich habe mich manchmal gefragt, was er in Euch sieht«, sagte er in betont harmlosem Tonfall. »Jamie.«
»Oh, wirklich? Wie schmeichelhaft.« Ich schniefte und putzte mir die Nase.
»Als er anfing, von Euch zu sprechen, hielten wir Euch beide für tot«, erläuterte er. »Und Ihr seid zwar zweifellos eine schöne Frau, doch von Eurem Aussehen hat er nie gesprochen.«
Zu meiner Überraschung ergriff er meine Hand und hielt sie sachte in der seinen.
»Ihr habt seinen Mut«, sagte er.
Das brachte mich zum Lachen, wenn auch nur halbherzig.
»Wenn Ihr nur wüsstet«, sagte ich.
Er antwortete nicht darauf, sondern lächelte schwach. Sein Daumen fuhr leicht über die Knöchel meiner Hand, und seine Berührung war leicht und warm.
»Er würde sich niemals vor etwas drücken, nur weil er Angst vor aufgeschürften Knöcheln hat«, sagte er. »Und Ihr auch nicht.«
»Das kann ich gar nicht.« Ich holte tief Luft und wischte mir die Nase ab; die Tränen waren versiegt. »Ich bin Ärztin.«
»Das stimmt«, sagte er und hielt inne. »Ich habe Euch noch nicht für mein Leben gedankt.«
»Das war nicht ich. Es gibt wirklich nicht viel, das ich im Fall einer solchen Krankheit tun kann. Alles, was ich tun kann, ist … da zu sein.«
»Ein bisschen mehr als das«, sagte er trocken und ließ meine Hand los. »Wollt Ihr noch Ale?«
Ich begann meinerseits deutlich zu sehen, was Jamie in Lord John sah.
Der Nachmittag verstrich ruhig. Ian warf sich stöhnend hin und her, doch am späten Nachmittag war der Ausschlag voll entwickelt, und sein Fieber schien etwas zu sinken. Er würde sicher noch nichts essen wollen, doch vielleicht konnte ich ihn dazu bewegen, etwas Milchsuppe zu sich zu nehmen. Der Gedanke erinnerte mich daran, dass es fast Zeit zum Melken war, und mit einem geflüsterten Wort zu Lord John stand ich auf und legte meine Stopfarbeit beiseite.
Ich öffnete die Tür des Blockhauses, trat hinaus und prallte direkt auf Gerhard Mueller, der im Eingang stand.
Muellers Augen waren rötlich braun und schienen stets mit einer inneren Intensität zu brennen. Dank der verletzlichen Durchsichtigkeit der Haut, die sie umgab, brannten sie jetzt noch heller. Seine tiefliegenden Augen fixierten mich, und er nickte, einmal, dann noch einmal.
Mueller war zusammengeschrumpft, seit ich ihn das letzte Mal gesehen hatte. Alles Fleisch war von ihm abgefallen; er war immer noch ein Hüne, doch jetzt bestand er mehr aus Knochen denn aus Muskeln, ausgezehrt und uralt. Seine Augen waren gebannt auf die meinen gerichtet, der einzige Lebensfunke in einem Gesicht, das aussah wie verschrumpeltes Papier.
»Herr Mueller«, sagte ich. In meinen Ohren klang meine Stimme ruhig; ich hoffte, sie hörte sich für ihn genauso an. »Wie geht es Euch?«
Der alte Mann stand schwankend vor mir, als würde ihn der Abendwind jeden Moment umpusten. Ich wusste nicht, ob er sein Reittier verloren oder es unterhalb des Abhangs zurückgelassen hatte, doch ich sah keine Spur von einem Pferd oder Maultier.
Er trat einen Schritt auf mich zu, und ich trat unwillkürlich einen zurück.
»Frau Klara«, sagte er mit einem bittenden Unterton in der Stimme.
Ich hielt inne, denn ich wollte Lord John rufen, zögerte aber. Er würde mich nicht mit meinem Vornamen anreden, wenn er mir etwas antun wollte.
»Sie sind tot«, sagte er. »Mein Mädchen. Mein Kind.« Tränen quollen plötzlich in den blutunterlaufenen Augen auf und rollten ihm langsam durch die wettergegerbten Furchen seines Gesichtes. Das Elend in seinen Augen war so unmittelbar, dass ich seine große, von der Arbeit gezeichnete alte Hand in die meine nahm.
»Ich weiß«, sagte ich. »Es tut mir leid.«
Er nickte erneut, und sein alter Mund arbeitete dabei. Er ließ sich von mir zu der Bank neben der Tür führen, wo er sich so plötzlich hinsetzte, als wäre ihm jegliche Kraft aus den Beinen gewichen.
Die Tür ging auf, und John Grey kam heraus. Er hatte seine Pistole in der Hand, ließ sie aber sofort in sein Hemd gleiten, als ich den Kopf schüttelte. Der alte Mann hatte meine Hand nicht losgelassen; er zog daran und zwang mich, mich neben ihn zu setzen.
»Gnädige Frau«, sagte er, drehte sich unvermittelt und umarmte mich. Er drückte mich fest an seinen schmutzigen Rock. Tonloses Weinen schüttelte ihn, und obwohl ich wusste, was er getan hatte, legte ich meine Arme um ihn.
Er roch fürchterlich, sauer, nach Alter und Trauer, dazu Bier und Schweiß und Schmutz, und irgendwo unter all den anderen Gerüchen lag der Gestank getrockneten Blutes. Ich schüttelte mich, gefangen in einem Netz aus Mitleid, Schrecken und Abscheu, doch ich konnte mich nicht zurückziehen.