Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Schließlich ließ er los und sah auf einmal John Grey, der neben uns stand und sich nicht sicher war, ob er eingreifen sollte oder nicht. Bei seinem Anblick fuhr der alte Mann zusammen.
»Mein Gott!«, rief er im Tonfall des Entsetzens aus. »Er hat Masern!« Die Sonne sank schnell und tauchte den Eingang in blutiges Licht. Sie traf Grey voll ins Gesicht, hob die dunklen Flecken in seinem Gesicht hervor und überzog seine Haut mit Rot.
Mueller drehte sich zu mir hin und nahm wie wild mein Gesicht zwischen seine großen, schwieligen Hände. Seine Daumen schabten über meine Wangen, und ein Ausdruck der Erleichterung zeigte sich in seinen eingesunkenen Augen, als er sah, dass meine Haut immer noch glatt war.
»Gott sei Dank«, sagte er, ließ mein Gesicht los und begann, in seinem Rock herumzukramen. Dabei sagte er etwas auf Deutsch, so drängend und so leise, dass ich nur ab und zu ein Wort verstehen konnte.
»Er sagt, er hatte Angst, zu spät zu kommen, und ist froh, dass es nicht so ist«, sagte Grey, als er meine Bestürzung sah. Er betrachtete den alten Bauern mit skeptischer Abneigung. »Er sagt, er hat Euch etwas mitgebracht – irgendeinen Talisman. Er wird den Fluch abwenden und Euch vor der Krankheit schützen.«
Der alte Mann zog einen in Stoff gewickelten Gegenstand aus den Tiefen seines Rockes und legte ihn mir in den Schoß, wobei er weiter auf Deutsch vor sich hin brabbelte.
»Er dankt Euch für die Hilfe, die Ihr seiner Familie geleistet habt – er meint, Ihr seid eine gute Frau, die ihm nicht weniger am Herzen liegt als seine Schwiegertöchter – er sagt, dass …« Mueller faltete den Stoff mit zitternden Händen auseinander, und die Worte erstarben in Greys Kehle.
Ich öffnete meinen Mund, tat aber keinen Laut. Ich muss mich unwillkürlich bewegt haben, denn der Stoff rutschte plötzlich auf den Boden und gab das weißmelierte Haarbüschel frei, an dem immer noch eine kleine Silberverzierung hing. Daneben lag ein Lederbeutel, und die Spechtfedern waren blutbefleckt.
Mueller redete immer noch, und Grey versuchte, es zu übersetzen, doch ich nahm diese Worte kaum wahr. In meinen Ohren hallten die Worte wider, die ich vor einem Jahr gehört hatte, unten am Fluss, in Gabrielles sanfter Stimme, als sie für Nayawenne übersetzte.
Ihr Name bedeutete »Es mag sein; es wird geschehen«. Jetzt war es geschehen, und der einzige Trost, der mir blieb, waren ihre Worte. »Sie sagt, Ihr sollt Euch keine Vorwürfe machen; Krankheiten werden von den Göttern gesandt. Es wird nicht Eure Schuld sein.«
Kapitel 29
Die Beinhäuser
Jamie roch den Rauch schon lange, bevor das Dorf in Sicht kam. Willie sah, wie er erstarrte, spannte sich ebenfalls im Sattel an und sah sich argwöhnisch um.
»Was«, flüsterte der Junge. »Was ist los?«
»Ich weiß nicht.« Er sprach leise, obwohl es keinerlei Anzeichen dafür gab, dass ihnen jemand nah genug war, um sie zu hören. Er schwang sich vom Pferd und übergab Willie die Zügel, wobei er mit dem Kopf auf einen von Kletterpflanzen überwucherten Felsvorsprung deutete, dessen Fuß hinter einem Gebüsch verborgen war.
»Bringt die Pferde hinter den Felsen«, sagte er. »Dort ist ein Wildwechsel, der zu einem Fichtenhain führt. Versteckt Euch zwischen den Bäumen, und wartet da auf mich.« Er zögerte, denn er wollte dem Jungen keine Angst einjagen, doch es war nicht zu ändern.
»Wenn ich bis Anbruch der Dunkelheit nicht zurück bin«, sagte er, »brecht sofort auf. Wartet nicht bis zum Morgen; reitet zu dem kleinen Fluss zurück, den wir gerade überquert haben, wendet Euch nach links, und folgt dem Fluss, bis Ihr zu einem Wasserfall kommt – Ihr könnt ihn hören, auch wenn es dunkel ist. Hinter den Fällen ist eine kleine Höhle; die Indianer benutzen sie auf der Jagd.«
Ein kleiner weißer Rand umgab die blauen Regenbogenhäute des Jungen. Jamie fasste ihn fest am Bein, knapp über dem Knie, um ihm seine Anweisungen einzuprägen, und er spürte, wie ein Zittern den langen Oberschenkelmuskel durchlief.
»Bleibt dort bis zum Morgen«, sagte er, »und wenn ich bis dahin nicht zu Euch gestoßen bin, geht heim. Seht zu, dass Ihr am Morgen die Sonne auf Eurer linken Seite habt und nachmittags auf Eurer rechten, und gebt Eurem Pferd in zwei Tagen die Zügel; ich denke, dann seid Ihr unserem Zuhause so nah, dass es den Weg findet.«
Er holte tief Luft und überlegte, was er sonst noch sagen sollte, doch es gab nichts.
»Gott sei mit Euch, mein Junge.« Er lächelte Willie so ermutigend zu, wie er konnte, schlug dem Pferd auf die Kruppe, damit es sich in Bewegung setzte, und wandte sich dem Brandgeruch zu.
Er war nicht der normale Geruch von Dorffeuern; nicht einmal der großen, zeremoniellen Feuer, von denen Ian ihm erzählt hatte, bei denen sie ganze Bäume in der Feuergrube mitten im Dorf verbrannten. Diese waren so groß wie Maifeuer, sagte Ian, und er wusste, wie laut und heiß ein solches Feuer war. Das hier war viel größer.
Mit großer Vorsicht schlug er einen weiten Bogen und erreichte schließlich einen Hügel, von dem er, wie er wusste, das Dorf überblicken konnte. Doch er sah es schon, als er aus dem Schutz des Waldes heraustrat. Graue Qualmwolken wälzten sich von den glimmenden Überresten aller Langhäuser des Dorfes in die Höhe.
Ein dichtes, bräunliches Leichentuch aus Rauch hing über dem Wald, soweit das Auge reichte. Er holte schnell Luft, hustete und zog sich hastig eine Falte seines Plaids über Mund und Nase, während er sich mit der freien Hand bekreuzigte. Es war nicht das erste Mal, dass er brennendes Fleisch roch, und bei der Erinnerung an die Scheiterhaufen von Culloden brach ihm der kalte Schweiß aus.
Der trostlose Anblick, der sich unter ihm ausbreitete, ließ ihn Böses ahnen, doch er durchforschte den Nebel, der ihm in den Augen brannte, blinzelnd, aber sorgfältig nach Lebenszeichen. Nur der wabernde Rauch bewegte sich und glitt, geisterhaft vom Wind getrieben, zwischen den geschwärzten Häusern hindurch. Waren es die Cherokee oder die Creek auf einem Raubzug aus dem Süden gewesen? Oder einer von den verbliebenen Algonquinstämmen im Norden, die Nanticoke oder Tuteloe?
Ein Windstoß ließ ihm den Gestank verkohlten Fleisches mit voller Wucht ins Gesicht schlagen. Er beugte sich vor, um sich zu übergeben, und versuchte, die Bilder der verbrannten Katen und ermordeten Familien zu verdrängen, die er nicht vergessen konnte. Als er sich aufrichtete und sich den Mund an seinem Ärmel abwischte, hörte er in der Ferne einen Hund bellen.
Er wandte sich um und stieg schnell den Hügel hinab, immer auf das Geräusch zu. Sein Herz schlug schneller. Wer auf Raubzug ging, nahm keine Hunde mit. Wenn es Überlebende des Massakers gab, dann würden die Hunde ihnen gehören.
Dennoch bewegte er sich so leise wie möglich voran und wagte es nicht, laut zu rufen. Das Feuer brannte noch keinen ganzen Tag; die Hälfte der Wände stand noch. Wer auch immer es angezündet hatte, war zweifellos noch in der Nähe.
Es war ein Hund, der ihn begrüßte; ein großer, gelblicher Mischling, von dem er wusste, dass er Ians Freund Onakara gehörte. Da er sich in seinem vertrauten Revier befand, bellte der Hund nicht und stürzte auch nicht auf ihn zu, sondern blieb mit angelegten Ohren wie angewurzelt im Schatten einer Kiefer stehen und knurrte. Er ging langsam auf das Tier zu und streckte ihm die Faust hin.
»Balach math«, murmelte er ihm zu. »Steh. Wo sind denn deine Leute?«
Immer noch knurrend, streckte der Hund die Schnauze vor und schnüffelte an der Hand, die ihm hingehalten wurde. Seine Nüstern zuckten, und er entspannte sich ein wenig und kam näher, als er Jamie wiedererkannte.
Er spürte eine menschliche Präsenz mehr, als dass er sie sah, und blickte beim Aufstehen in das Gesicht des Hundebesitzers. Onakara hatte sich das Gesicht mit weißen Streifen bemalt, die ihm vom Haar bis zum Kinn reichten, und die Augen hinter den weißen Balken waren tot.