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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Ich – wir – haben eine Tochter«, sagte ich.

Er riss die Augen auf.

»Wir?«, fragte er scharf. »Das Mädchen ist Jamies Tochter?«

»Nennt sie nicht ›das Mädchen‹«, sagte ich, unsinnigerweise aufgebracht. »Ihr Name ist Brianna, und ja, sie ist Jamies Tochter.«

»Entschuldigung«, sagte er sehr steif.

»Ich wollte Euch nicht beleidigen«, fügte er einen Augenblick später in sanfterem Tonfall hinzu. »Ich war überrascht.«

Ich sah ihn direkt an. Ich war zu müde, um den Takt zu wahren.

»Und vielleicht ein bisschen eifersüchtig?«

Er hatte das Gesicht eines Diplomaten; hinter dieser Fassade gutaussehender Liebenswürdigkeit konnte alles Mögliche vor sich gehen. Doch ich starrte ihn weiter an, und er ließ die Maske fallen – ein Blitz der Erkenntnis erleuchtete die hellblauen Augen, versetzt mit widerwilligem Humor.

»Ach so. Noch etwas, das wir gemeinsam haben.« Seine Scharfsinnigkeit erschreckte mich, obwohl ich es hätte kommen sehen sollen. Es ist immer etwas verwirrend, wenn man feststellt, dass man Gefühle, die man sicher verborgen glaubte, in Wirklichkeit auf dem Präsentierteller vor sich herträgt.

»Jetzt erzählt mir nicht, dass Ihr Euch darüber keine Gedanken gemacht habt, als Ihr Euch entschlossen habt hierherzukommen.« Meine Teetasse war leer; ich stellte sie beiseite und griff wieder nach meinem Wollstrang.

Er studierte mich einen Moment lang mit zusammengekniffenen Augen.

»Doch, ich habe mir darüber Gedanken gemacht«, sagte er schließlich. Er ließ seinen Kopf auf das Kissen fallen, und sein Blick fixierte die niedrige Balkendecke. »Aber wenn ich so menschlich – oder so engstirnig – war, es in Kauf zu nehmen, Euch vor den Kopf zu stoßen, indem ich William herbrachte, so bitte ich Euch auch, mir zu glauben, dass ein solcher Affront nicht der Grund meines Kommens war.«

Ich legte das fertige Wollknäuel in den Korb und nahm mir einen anderen Strang, den ich über der Lehne eines Korbstuhls ausbreitete.

»Ich glaube Euch«, sagte ich, den Blick fest auf den Strang gerichtet. »Wenn auch nur deshalb, weil der Aufwand mir ziemlich groß erscheint. Aber was war der Grund?«

Ich spürte an seiner Bewegung, dass er mit den Achseln zuckte; die Laken raschelten.

»Er liegt doch auf der Hand – damit Jamie den Jungen sehen konnte.«

»Und ein anderer liegt auch auf der Hand – damit Ihr Jamie sehen konntet.«

Die Stille im Bett war geladen. Ich hielt meinen Blick auf das Garn gerichtet und drehte das Knäuel, während ich den Strang abwickelte, auf und ab, vor und zurück, ein kompliziertes Gewirr, das am Ende eine perfekte Kugel ergeben würde.

»Ihr seid eine bemerkenswerte Frau«, sagte er schließlich sehr ruhig.

»Ach ja?«, sagte ich, ohne aufzublicken. »Inwiefern?«

Er lehnte sich zurück; ich hörte wieder sein Bettzeug rascheln.

»Ihr nehmt weder Rücksicht, noch macht Ihr irgendwelche Umschweife. Ich glaube wirklich nicht, dass ich jemals einem Menschen begegnet bin, dessen Direktheit vernichtender war – Mann oder Frau.«

»Das habe ich mir aber nicht ausgesucht«, sagte ich. Ich erreichte das Ende des Fadens und steckte ihn ordentlich in das Knäuel. »Ich bin so geboren.«

»Ich auch«, sagte er ganz leise.

Ich gab keine Antwort; ich hatte nicht das Gefühl, dass er beabsichtigt hatte, dass ich es hörte.

Ich stand auf und ging zum Schrank. Ich nahm drei Gläser heraus: Katzenminze, Baldrian und wilden Ingwer. Ich holte den Marmormörser herunter und kippte die getrockneten Blätter und Wurzelstückchen hinein. Ein Wassertropfen fiel vom Kessel herab und verdampfte zischend.

»Was macht Ihr da?«, fragte Lord John.

»Einen Aufguss für Ian«, sagte ich und wies mit einem Nicken auf das Rollbett. »Den gleichen, den ich Euch vor vier Tagen gegeben habe.«

»Ah. Wir haben auf dem Weg von Wilmington von Euch gehört«, sagte Grey. Seine Stimme war jetzt beiläufig, er machte Konversation. »Es scheint, als wären Eure Fähigkeiten in der Gegend gut bekannt.«

»Mm.« Ich stampfte und mahlte, und der starke, würzige Geruch des wilden Ingwers erfüllte das Zimmer.

»Man sagt, Ihr seid eine Beschwörerin. Wisst Ihr, was das ist?«

»Alles Mögliche, von einer Hebamme oder Ärztin bis hin zu einer Zauberin oder Hellseherin«, sagte ich. »Je nachdem, wer es sagt.«

Er machte ein Geräusch, das wie Gelächter klang, und schwieg dann eine Zeitlang.

»Ihr glaubt also, dass ihnen nichts passiert.« Es war eine Aussage, aber eigentlich stellte er eine Frage.

»Ja. Jamie hätte den Jungen nicht mitgenommen, wenn er es für gefährlich gehalten hätte. Das wisst Ihr doch sicher, wenn Ihr ihn auch nur ein bisschen kennt?«, fügte ich hinzu und sah ihn an.

»Ich kenne ihn«, sagte er.

»Aha«, sagte ich.

Er schwieg einen Moment, und man hörte nur, wie er sich kratzte.

»Ich kenne ihn so gut – oder glaube es zumindest –, dass ich es riskiere, William allein mit ihm fortgehen zu lassen. Und dass ich mir sicher bin, dass er William nicht die Wahrheit sagt.«

Ich schüttelte das grüngelbe Pulver auf ein kleines Quadrat aus Baumwollgaze und band es ordentlich zu einem kleinen Beutel zusammen.

»Nein, das wird er nicht, da habt Ihr recht.«

»Und Ihr?«

Ich sah ihn aufgeschreckt an.

»Ihr glaubt wirklich, dass ich das tun würde?« Er betrachtete einen Augenblick lang sorgfältig mein Gesicht und lächelte dann.

»Nein«, sagte er. »Danke.«

Ich schnaubte kurz und ließ den Arzneibeutel in die Teekanne fallen. Ich stellte die Kräutergefäße zurück und setzte mich wieder mit der vermaledeiten Wolle hin.

»Es war großzügig von Euch – Willie mit Jamie gehen zu lassen. Sehr tapfer«, fügte ich etwas widerstrebend hinzu. Ich sah auf; er starrte auf das lederverhangene Fenster, das als dunkles Rechteck sichtbar war, als könne er hindurchblicken und dahinter zwei Menschen Seite an Seite im Wald sehen.

»Jamie hält jetzt schon seit vielen Jahren mein Leben in der Hand«, antwortete er leise. »Ich kann ihm Williams anvertrauen.«

»Und was, wenn Willie sich besser an einen Stallknecht namens MacKenzie erinnert, als Ihr glaubt? Oder zufällig einen genauen Blick auf sein eigenes Gesicht und auf Jamies wirft?«

»Zwölfjährige Jungen bestechen nicht unbedingt durch die Schärfe ihrer Wahrnehmung«, sagte Grey trocken. »Und ich glaube nicht, dass ein Junge, der sein ganzes Leben in der sicheren Annahme verbracht hat, der neunte Graf von Ellesmere zu sein, auf den Gedanken käme, dass er in Wirklichkeit der außereheliche Nachkomme eines schottischen Stallknechtes sein könnte – oder dass er sich mit diesem Gedanken lange befassen würde, wenn es doch geschähe.«

Ich wickelte schweigend meine Wolle auf und lauschte dem Knistern des Feuers. Ian hustete wieder, wachte aber nicht auf. Der Hund hatte sich bewegt und lag jetzt zusammengerollt als dunkler Fellberg neben seinen Beinen.

Ich wickelte das zweite Knäuel fertig auf und begann ein neues. Noch eins, und der Aufguss würde durchgezogen sein. Wenn Ian mich noch nicht brauchte, würde ich mich dann hinlegen.

Grey hatte so lange geschwiegen, dass es mich überraschte, als er wieder zu sprechen begann. Als ich zu ihm hinüberschaute, sah er mich nicht an, sondern starrte nach oben und suchte erneut zwischen den rauchgefleckten Balken nach einer Vision.

»Ich habe Euch gesagt, dass ich Gefühle für meine Frau empfunden habe«, sagte er leise. »Das habe ich auch. Zuneigung. Vertrautheit. Loyalität. Wir kannten uns ein Leben lang; unsere Väter waren befreundet; ich kannte ihren Bruder. Sie hätte gut meine Schwester gewesen sein können.«

»Und war sie damit zufrieden – Eure Schwester zu sein?«

Er warf mir einen Blick zu, der irgendwo zwischen Verärgerung und Interesse lag.

»Es muss sehr unbequem sein, mit einer Frau wie Euch zusammenzuleben.« Er schloss den Mund, konnte es aber nicht dabei belassen. Er zuckte ungeduldig mit den Achseln. »Ja, ich glaube sie ist mit ihrem Leben zufrieden gewesen. Sie hat nie gesagt, dass es nicht so war.«

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