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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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In diesem Moment wurde sie vom Auftauchen eines kleinen Kindes abgelenkt, und sie entfernte sich von ihrem Bruder, ohne seine Bestürzung zu bemerken.

Sie nahm den Jungen bei der Hand und führte ihn mit ein paar leisen Worten der Ermunterung ins Zimmer. Der Kleine hielt sich scheu zurück, steckte sich den tröstenden Daumen in den Mund und verschanzte sich hinter den Röcken seiner Mutter, um von dort aus neugierig zu uns Fremden aufzublicken.

Es war nicht zu leugnen, dass sie seine Mutter war. Er hatte ihre dichten schwarzen Locken und ihre aufrechten Schultern geerbt, auch wenn sein Gesicht nicht das ihre war.

»Das ist der kleine Jamie«, sagte sie und blickte stolz auf den Jungen hinunter. »Und das ist dein Onkel Jamie, mo chridhe, von dem du deinen Namen hast.«

»Nach mir? Du hast ihn nach mir benannt?« Jamie sah aus wie ein Boxer, der gerade einen Treffer in den Magen kassiert hat. Er wich vor Mutter und Kind zurück, bis er an einen Sessel stieß, und ließ sich hineinfallen, als versagten ihm die Beine. Er barg das Gesicht in den Händen.

Jetzt hatte seine Schwester begriffen, dass etwas nicht stimmte. Sie berührte zögernd seine Schulter.

»Jamie? Was ist denn, mein Bester? Ist dir nicht gut?«

Da blickte er zu ihr auf, und ich konnte sehen, dass er Tränen in den Augen hatte.

»Musstest du das tun, Jenny? Meinst du, dass ich nicht genug gelitten habe für das, was geschehen ist – was ich habe geschehen lassen –, dass du Randalls Bastard auch noch meinen Namen geben musst, als ewigen, lebenden Vorwurf?«

Jennys Gesicht, das ohnehin blass war, verlor jetzt den letzten Rest an Farbe.

»Randalls Bastard?«, sagte sie ausdruckslos. »Du meinst Jonathan Randall? Den Rotrockhauptmann?«

»Aye, den Rotrockhauptmann. Wen sollte ich denn sonst meinen, zum Kuckuck? Ich vermute, du erinnerst dich an ihn?« Jamie hatte so weit zu seiner üblichen Selbstbeherrschung zurückgefunden, dass er zu einer sarkastischen Bemerkung imstande war.

Jenny fixierte ihren Bruder scharf, eine Augenbraue argwöhnisch hochgezogen.

»Hast du den Verstand verloren, Mann?«, erkundigte sie sich. »Oder hast du unterwegs zu viel getrunken?«

»Ich hätte nie zurückkommen sollen«, murmelte er. Dann erhob er sich stolpernd und versuchte, an ihr vorbeizukommen, ohne sie zu berühren. Doch sie wich nicht von der Stelle und packte ihn am Arm.

»Du darfst mich gern korrigieren, Bruder, wenn ich mich irre«, sagte Jenny langsam, »aber ich habe den Eindruck, dass du sagen willst, dass ich für Hauptmann Randall die Hure gespielt habe, und ich frage mich gerade, was für Maden du im Hirn hast, dass du so etwas sagst?«

»Maden, was?!« Jamie wandte sich ihr zu, den Mund zu einer bitteren Linie verzogen. »Ich wünschte, es wäre so; ich läge lieber tot im Grab, als mit anzusehen, was aus meiner Schwester geworden ist.« Er ergriff ihre Schultern, schüttelte sie sacht und rief: »Warum, Jenny, warum? Dass du dich für mich ruiniert hast, war Schande genug, um mich fast umzubringen. Aber das …« Er ließ die Hände sinken, eine Geste der Verzweiflung, mit der er ihren Bauch nachzeichnete, der sich anklagend unter ihrem leichten Hemdkleid wölbte.

Abrupt wandte er sich zur Tür, und eine ältere Frau, die mit dem Kind auf dem Arm aufmerksam zugehört hatte, wich alarmiert zurück.

In seinem aufgewühlten Zustand wurde sie von Jamie jedoch überhaupt nicht wahrgenommen. »Ich hätte nicht herkommen sollen. Ich werde wieder gehen.«

»Du wirst nichts dergleichen tun, Jamie Fraser«, sagte seine Schwester scharf. »Nicht ehe du mir zugehört hast. Also setz dich, dann erzähle ich dir von Hauptmann Randall, da du es ja wissen willst.«

»Ich will es doch gar nicht wissen! Ich will nichts davon hören!« Als sie auf ihn zuging, wandte er sich abrupt dem Fenster zu, das auf den Hof hinausblickte. Sie folgte ihm und sagte »Jamie …«, doch er wies sie mit einer heftigen Handbewegung ab.

»Nein! Sprich mich nicht an! Ich habe doch gesagt, ich kann es nicht ertragen, es zu hören!«

»Och, tatsächlich?« Sie betrachtete ihren Bruder, der breitbeinig am Fenster stand, die Hände auf der Fensterbank liegen hatte und ihr hartnäckig den Rücken zukehrte. Sie biss sich auf die Lippe, und ihr Gesicht nahm eine berechnende Miene an. Sie bückte sich blitzschnell, und ihre Hand fuhr ihm wie eine angreifende Schlange unter den Kilt.

Jamie stieß einen Schrei der Entrüstung aus und stand vor Schrecken aufrecht da. Er versuchte, sich umzudrehen, erstarrte aber, da sie offensichtlich fester zugepackt hatte.

»Das ist die Stelle, an der man Männer zur Vernunft bringt«, sagte sie mit einem hinterlistigen Lächeln zu mir, »und Tiere zähmt. Da helfen keine Worte, solange man sie nicht bei den Eiern hat. Gut, du kannst mir jetzt anständig zuhören«, sagte sie zu ihrem Bruder, »oder ich kann ein bisschen drehen. Also?«

Mit rotem Kopf stand er reglos da und atmete heftig durch die zusammengebissenen Zähne. »Ich höre dir zu«, sagte er, »und dann drehe ich dir den Hals um, Janet! Lass mich los!«

Kaum hatte sie das getan, als er auch schon zu ihr herumfuhr.

»Was zur Hölle glaubst du, was du hier machst?«, wollte er wissen. »Willst du mich vor meiner eigenen Frau blamieren?« Jenny ließ sich von seiner Entrüstung nicht beeindrucken. Sie stellte sich aufrecht hin und betrachtete ihren Bruder und mich sardonisch.

»Nun, wenn sie deine Frau ist, sind ihr deine Eier vermutlich besser vertraut als mir. Ich habe sie ja nicht mehr zu Gesicht bekommen, seit du alt genug bist, dich allein zu waschen. Bisschen gewachsen, wie?«

Jamies Gesicht durchlief eine ganze Reihe alarmierender Veränderungen, während die Gebote des zivilisierten Benehmens mit dem primitiven Impuls eines älteren Bruders rangen, seiner Schwester eine Ohrfeige zu verpassen. Schließlich siegte die Zivilisation, und so würdevoll er konnte, knurrte er: »Lass meine Eier aus dem Spiel. Und dann erzähl mir von Randall, da du ja sonst keine Ruhe gibst. Verrate mir, warum du meine Anordnungen nicht befolgt hast und du es vorgezogen hast, dich selbst und deine Familie zu entehren.«

Jenny stemmte die Hände in die Hüften und richtete sich kampfbereit zu voller Größe auf. Sie verlor die Geduld zwar nicht so schnell wie er, doch es gab mit Sicherheit eine Grenze.

»Oh, deine Anordnungen nicht befolgt, wie? Das ist es, was an dir nagt, Jamie, nicht wahr? Du weißt alles besser, und wenn wir nicht tun, was du sagst, enden wir alle in Sack und Asche.« Sie plusterte sich wütend auf. »Und wenn ich an dem Tag getan hätte, was du gesagt hast, hättest du tot vor dem Haus gelegen, sie hätten Vater gehängt oder ins Gefängnis gesteckt, weil er Randall umgebracht hätte, und das Land wäre an die Krone gefallen. Ganz zu schweigen davon, dass mir ohne Haus und Familie nichts anderes übriggeblieben wäre, als auf der Straße zu betteln, um zu überleben.«

Jamie war jetzt nicht mehr bleich, sondern rot vor Zorn.

»Aye, also hast du dich lieber verkauft, statt zu betteln! Ich wäre lieber in meinem Blut gestorben und an Vaters Seite zur Hölle gefahren, das weißt du ganz genau!«

»Aye, ich weiß! Du bist ein Idiot, Jamie, das warst du immer schon!«, gab seine Schwester entnervt zurück.

»Du hast gut reden! Nicht nur, dass du deinen guten Namen ruiniert hast und meinen noch dazu, du musst deine Ehrlosigkeit auch noch der ganzen Nachbarschaft vorführen!«

»So sprichst du nicht mit mir, James Fraser, und wenn du noch so sehr mein Bruder bist! Wie meinst du das ›meine Ehrlosigkeit‹? Du Dummkopf, du …«

»Wie ich das meine? Wo du hier herumläufst wie eine aufgeblasene Kröte?« Er zeichnete ihren Bauch mit einer verächtlichen Handbewegung nach.

Sie trat einen Schritt zurück, holte aus und ohrfeigte ihn mit aller Kraft. Der Schlag warf seinen Kopf nach hinten und hinterließ einen weißen Abdruck ihrer Finger auf seiner Wange. Er hob langsam die Hand an die Stelle und starrte seine Schwester an. Ihre Augen glitzerten gefährlich, und ihr Busen hob und senkte sich. Ihr Wortschwall kam zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

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