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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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»Halt du den Mund«, sagte ich und grub meine Daumen in die Muskeln vor seinen Ohren. »Du bist krank.«

»Argk!«, sagte er, erschlaffte aber gehorsam, wobei die mit Liesch gefüllte Matratze laut unter seinem dünnen Körper raschelte. »Schon gut, Tante Claire, aber wer? Du kannst nicht einfach so Fetzen erzählen und dann erwarten, dass ich schlafe, ohne den Rest zu erfahren. Oder kann sie das?« Er öffnete seine Augen einen Spaltbreit, um an Lord John zu appellieren, der ihm mit einem Lächeln antwortete.

»Ich trage keine Verantwortung mehr in dieser Angelegenheit«, versicherte mir Lord John. »Vielleicht solltest du allerdings in Betracht ziehen«, wandte er sich mit größerer Bestimmtheit an Ian, »dass die Geschichte möglicherweise jemanden belastet, den deine Tante schützen möchte. In diesem Fall wäre es unfein, auf Details zu bestehen.«

»Och, das kann gar nicht sein«, versicherte ihm Ian, die Augen fest geschlossen. »Onkel Jamie würde niemals jemanden umbringen, es sei denn, er hätte guten Grund dazu.«

Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Lord John leicht erschrocken zusammenfuhr. Offensichtlich war ihm der Gedanke nie gekommen, dass es Jamie gewesen sein könnte.

»Nein«, versicherte ich ihm, als ich sah, dass sich seine hellen Augenbrauen zusammenzogen. »Er war es nicht.«

»Also, ich war es auch nicht«, sagte Ian selbstsicher. »Und wen könnte Tante Claire sonst schützen wollen?«

»Du schmeichelst dir, Ian«, sagte ich trocken. »Aber da du darauf bestehst …«

Mit meiner Zurückhaltung hatte ich in der Tat Ian schonen wollen. Kein anderer konnte durch die Geschichte Schaden nehmen – der Mörder war tot und Mr. Willoughby höchstwahrscheinlich auch, umgekommen im tiefen Dschungel der Hügel Jamaicas, obwohl ich aufrichtig hoffte, dass es nicht so war.

Doch es war noch jemand in die Geschichte verwickelt; die Frau, die ich als Geillis Duncan kennengelernt und später unter dem Namen Geillis Abernathy wiedergetroffen hatte. In ihrem Auftrag war Ian aus Schottland entführt worden, dann in Jamaica gefangen gehalten worden und Dinge hatte erlitten, von denen er uns erst in letzter Zeit zu erzählen begonnen hatte.

Doch es sah so aus, als gäbe es jetzt kein Zurück mehr – Ian war so widerspenstig wie ein Kind, das auf seiner Gutenachtgeschichte besteht, und Lord John saß im Bett wie ein Streifenhörnchen, das mit vor Interesse leuchtenden Augen auf Nüsse wartet.

Und so lehnte ich mich mit dem makaberen Drang, mit »Es war einmal« zu beginnen, an die Wand, Ians Kopf immer noch auf dem Schoß, und begann die Geschichte vom Gut Rose Hall und seiner Herrin, der Hexe Geillis Duncan, vom Reverend Archibald Campbell und seiner seltsamen Schwester Margaret, vom Unhold von Edinburgh und der Fraserprophezeiung und von einer Nacht voller Feuer und Krokodilsblut, in der die Sklaven von sechs Plantagen am Ufer des Yallahs River sich erhoben und ihre Herren gemeuchelt hatten, angestachelt von Ishmael, dem Houngan.

Von den späteren Ereignissen in der Höhle von Abandawe auf Haiti sagte ich nichts. Ian war sowieso dabei gewesen. Und diese Geschehnisse hatten nichts mit dem Mord an Mina Alcott zu tun.

»Ein Krokodil«, murmelte Ian. Seine Augen waren geschlossen, und sein Gesicht hatte sich unter meinen Fingern weiter entspannt, trotz der grauenvollen Natur meiner Geschichte. »Du hast es wirklich gesehen, Tante Claire?«

»Ich habe es nicht nur gesehen, ich bin daraufgetreten«, bestätigte ich ihm. »Oder vielmehr, ich bin daraufgetreten, und dann habe ich es gesehen. Hätte ich es zuerst gesehen, wäre ich in die andere Richtung gelaufen, darauf kannst du Gift nehmen.«

Aus dem Bett erklang ein leises Lachen. Lord John kratzte sich am Arm und lächelte.

»Ihr müsst das Leben hier äußerst langweilig finden, Mrs. Fraser, nach Euren Abenteuern auf den Westindischen Inseln.«

»Ab und zu ein bisschen Langeweile würde mir gar nichts ausmachen«, sagte ich voller Sehnsucht.

Unwillkürlich blickte ich auf die verriegelte Tür. Dort hatte ich Ians Muskete hingestellt, die ich aus dem Maisspeicher mitgebracht hatte, als ich ihn geholt hatte. Jamie hatte sein Gewehr mitgenommen, doch seine Pistolen lagen auf der Anrichte, geladen und schussbereit, wie er sie für mich zurückgelassen hatte, und Munitionskiste und Pulverhorn waren ordentlich daneben arrangiert.

Es war gemütlich in der Blockhütte. Der Feuerschein flackerte golden und rot auf den grobrindigen Wänden, und die Luft war erfüllt vom warmen Nachklang der Düfte von Eichhörncheneintopf und Kürbisbrot, gewürzt mit dem bitteren Aroma des Weidentees. Ich strich mit den Fingern über Ians Kinn. Noch kein Ausschlag, doch die Haut war angespannt und heiß – immer noch sehr heiß, trotz der Weidenrinde.

Von Jamaica zu erzählen, hatte mich zumindest ein wenig von meiner Sorge um Ian abgelenkt. Kopfschmerzen waren kein ungewöhnliches Symptom, wenn jemand die Masern hatte; doch schwere und anhaltende Kopfschmerzen schon. Meningitis und Enzephalitis waren gefährliche – und nur allzu gut mögliche – Komplikationen dieser Krankheit.

»Was macht der Kopf?«, fragte ich.

»Ein bisschen besser«, sagte er. Er hustete und kniff die Augen zu, als die Stöße seinen Kopf schüttelten. Er hielt inne und öffnete sie ein Stückchen; dunkle, fieberglühende Schlitze. »Mir ist furchtbar heiß, Tante Claire.«

Ich glitt vom Rollbett herab und wrang ein Tuch in kühlem Wasser aus. Ian rührte sich leicht, als ich ihm über das Gesicht wischte, und seine Augen waren wieder geschlossen.

»Mrs. Abernathy hat mir gegen die Kopfschmerzen Amethyste zu trinken gegeben«, murmelte er schläfrig.

»Amethyste?« Ich erschrak, ließ meine Stimme aber leise und beruhigend klingen. »Du hast Amethyste getrunken?«

»In Essig zerstampft«, sagte er. »Und Perlen in süßem Wein, aber die waren fürs Bett, hat sie gesagt.« Sein Gesicht sah rot und geschwollen aus, und auf der Suche nach Erleichterung drehte er die Wange auf das kühle Kissen. »Sie hatte eine Menge Ahnung von Steinen, die Frau. Sie hat Smaragdpulver in der Flamme einer schwarzen Kerze verbrannt und mir den Schwanz mit einem Diamanten eingerieben – um ihn steif zu halten, hat sie gesagt.«

Aus dem Bett erklang ein leises Geräusch, und ich blickte auf und sah, dass sich Lord John auf seinen Ellbogen gestützt hatte, die Augen weit aufgerissen.

»Und haben die Amethyste gewirkt?« Ich wischte Ian sanft mit dem Tuch über das Gesicht.

»Der Diamant hat gewirkt.« Er machte den zaghaften Versuch, nach der Art von Heranwachsenden obszön zu lachen, doch es ging in einen heftigen, rasselnden Husten über.

»Keine Amethyste hier, fürchte ich«, sagte ich. »Aber es gibt Wein, wenn du welchen möchtest.« Er wollte, und ich half ihm beim Trinken – stark mit Wasser verdünnt –, dann ließ ich ihn auf das Kissen zurücksinken, rot und mit schweren Augen.

Lord John hatte sich ebenfalls hingelegt und beobachtete uns, das dichte, lose blonde Haar hinter sich auf dem Kissen ausgebreitet.

»Das war es, was sie von den Jungen wollte, weißt du?«, sagte Ian. Seine Augen waren fest gegen das Licht geschlossen, doch er konnte eindeutig irgendetwas sehen, und wenn es nur in den Nebeln der Erinnerung war. Er leckte sich die Lippen; sie fingen an auszutrocknen und aufzuspringen, und seine Nase begann zu laufen.

»Sie hat gesagt, dass der Stein im Inneren eines Jungen wuchs – der, den sie wollte. Sie hat aber gesagt, dass es ein Junge sein musste, der noch nie einem Mädchen beigewohnt hatte, das war wichtig. Wenn er das getan hatte, dann würde der Stein irgendwie nicht richtig sein. Wenn er einen h-huh-hatte.« Er hielt inne, um zu husten, und endete atemlos mit triefender Nase. Ich hielt ihm ein Taschentuch hin, damit er sie putzen konnte.

»Was wollte sie mit dem Stein?« Lord Johns Gesicht trug einen Ausdruck des Mitgefühls – er wusste nur zu gut, wie es Ian im Augenblick ging –, doch die Neugier gebot ihm die Frage. Ich protestierte nicht; ich wollte es ebenfalls wissen.

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