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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Ian fing an, den Kopf zu schütteln, und hielt dann stöhnend inne.

»Ah! Gott, mein Kopf platzt gleich! Ich weiß es nicht, Mann. Sie hat es uns nicht gesagt. Nur, dass er wichtig war und sie ihn um jeden Preis haben musste.« Er hatte das letzte Wort kaum hervorgebracht, als er sich in einem Hustenanfall verlor, der bis jetzt der schlimmste war; er klang wie ein bellender Hund.

»Hör besser auf zu red–«, begann ich, wurde aber durch ein leises Plumpsen an der Tür unterbrochen.

Ich erstarrte augenblicklich, das feuchte Tuch immer noch in meiner Hand. Lord John lehnte sich schnell aus dem Bett und zog eine Pistole aus einem seiner Reitstiefel, die auf dem Boden standen. Mit dem Finger auf den Lippen gebot er Stille und deutete kopfnickend auf Jamies Pistolen. Ich begab mich geräuschlos zur Anrichte und ergriff eine davon. Der glatte, solide Schaft in meiner Hand beruhigte mich.

»Wer ist da?«, rief Lord John mit erstaunlich kräftiger Stimme.

Es kam keine Antwort außer einer Art Kratzen und einem schwachen Winseln. Ich legte die Pistole mit einem Seufzer hin und schwankte zwischen Verärgerung, Erleichterung und Belustigung.

»Es ist dein verflixter Hund, Ian.«

»Seid Ihr sicher?« Lord John sprach leise und zielte immer noch unbeweglich mit der Pistole auf die Tür. »Es könnte ein Trick der Indianer sein.«

Ian drehte sich angestrengt um, so dass er der Tür zugewandt war.

»Rollo!«, rief er, und seine heisere Stimme überschlug sich dabei.

Heiser oder nicht, Rollo kannte die Stimme seines Herrn; draußen erklang ein tiefes, hocherfreutes »WARF!«, gefolgt von wildem Kratzen in etwa einem Meter Höhe.

»Böser Hund«, sagte ich und beeilte mich, die Tür zu öffnen. »Hör auf damit, oder ich mache einen Bettvorleger aus dir oder einen Mantel oder irgend so etwas.«

Indem er dieser Drohung genau die Aufmerksamkeit schenkte, die sie verdiente, sprang Rollo an mir vorbei in das Zimmer. Überschäumend vor Freude, hoben seine hundertfünfzig Pfund von der Fußbodenmitte ab und landeten direkt auf dem Rollbett, das gefährlich schwankte und dessen Nahtstellen protestierend quietschten. Er ignorierte den erstickten Schrei des Bettinsassen und leckte Ian wie verrückt über Gesicht und Unterarme – obwohl Ian Letztere als völlig inadäquate Verteidigungsmaßnahme gegen den sabbernden Ansturm hochwarf.

»Böser Hund«, sagte Ian, während er völlig wirkungslose Versuche unternahm, Rollo von seiner Brust herunterzuschieben, und trotz seines Unwohlseins hilflos kicherte. »Böser Hund, sage ich – Platz, Sir!«

»Platz, Sir!«, wiederholte Lord John streng. Rollo, der sich bei der Demonstration seiner Zuneigung unterbrochen sah, drehte sich mit angelegten Ohren zu Lord John um. Er zog die Lippe hoch und erlaubte John, einen klaren Blick auf den Zustand seiner hinteren Zähne zu werfen. Lord John fuhr auf und hob ruckartig die Pistole.

»Runter mit dir, a dhiobhuil!«, sagte Ian und stieß Rollos Hinterteil an. »Nimm deinen haarigen Hintern aus meinem Gesicht, du verrückter Köter.«

Rollo verbannte Lord John augenblicklich aus seinen Gedanken und tappte auf dem Rollbett herum. Er drehte sich dreimal um sich selbst und knetete das Bettzeug mit den Pfoten, bevor er sich neben den Körper seines Herrn fallen ließ. Er leckte Ian das Ohr und legte mit einem tiefen Seufzer die Schnauze zwischen seinen großen, schmutzigen Pfoten auf das Kissen.

»Möchtest du, dass ich ihn herunterhole, Ian?«, bot ich an und betrachtete Rollos Pfoten. Ich hatte keine Ahnung, wie ich einen Hund von Rollos Größe und Temperament bewegen sollte, außer, indem ich ihn mit Jamies Pistole erschoss und seinen Kadaver vom Bett zerrte, daher war ich sehr erleichtert, als Ian den Kopf schüttelte.

»Nein, lass ihn nur, Tante Claire«, sagte er leicht krächzend. »Er ist ein lieber Kerl. Nicht wahr, a charaid?« Er legte die Hand auf den Hals des Hundes und drehte seinen Kopf, so dass seine Wange auf Rollos dicken Nacken gebettet war.

»Na gut.« Mit langsamen Bewegungen und einem wachsamen Blick auf die reglosen gelben Augen näherte ich mich dem Bett und strich Ian das Haar glatt. Seine Stirn war immer noch heiß, doch ich glaubte, dass das Fieber ein wenig gesunken war. Wenn es in der Nacht brach, was gut möglich war, dann würde ihm wahrscheinlich heftiges Zittern folgen – und dann konnte es sein, dass Ian Rollos warme Pelzmassen sehr gelegen kamen.

»Schlaf gut.«

»Oidche mhath.« Er schlief schon halb, versank in lebhaften Fieberträumen, und sein »Gute Nacht« war kaum mehr als ein Murmeln.

Ich bewegte mich still im Zimmer umher und räumte die Resultate meiner Tagesarbeit auf; einen Korb frisch gesammelter Erdnüsse, die ich waschen, trocknen und einlagern würde; ein Blech, das ich flach mit getrocknetem Ried ausgelegt und mit einer Schicht Schweinefett bedeckt hatte, um daraus Binsenlichter zu machen. Ein Gang in die Vorratskammer, wo ich die Biermaische umrührte, die in einem Bottich fermentierte, den Quark ausdrückte, aus dem ich Frischkäse herstellte, und den Brotteig flach schlug, den ich am Morgen in Laibe teilen und backen würde, wenn der kleine Steinofen, den wir in die Seitenwand der Feuerstelle eingebaut hatten, von der Hitze des schwach brennenden Feuers in der Nacht genügend erwärmt war.

Ian schlief fest, als ich in den zentralen Raum zurückkam; Rollos Augen waren ebenfalls geschlossen, obwohl sich bei meinem Eintreten eine gelbe Spalte auftat. Ich warf Lord John einen Blick zu; er war wach, sah sich aber nicht um.

Ich setzte mich auf die Bank am Feuer und holte den großen Wollkorb mit seinem schwarz-grünen Indianermuster hervor – Sonnenesser hatte Gabrielle diese Flechtart genannt.

Zwei Tage, seit Jamie und Willie aufgebrochen waren. Zwei Tage zum Dorf der Tuscarora. Zwei Tage zurück. Falls nichts geschah, das sie aufhielt.

»Unsinn«, murmelte ich vor mich hin. Nichts würde sie aufhalten. Sie würden bald zu Hause sein.

Der Korb war mit Strängen aus gefärbter Wolle und Leinenfäden gefüllt. Manche hatte Jocasta mir geschenkt, manche hatte ich selbst gesponnen. Der Unterschied war nicht zu übersehen, doch selbst das knotige, wenig elegant aussehende Garn, das ich produzierte, war nicht völlig unbrauchbar. Keine Strümpfe oder Jerseys; vielleicht konnte ich einen Teewärmer stricken – so etwas war wohl hinreichend formlos, um mein Unvermögen zu tarnen.

Jamie war schockiert und belustigt gewesen, als er herausgefunden hatte, dass ich nicht stricken konnte. Die Frage hatte sich in Lallybroch nie gestellt, weil dort Jenny und die Dienstmädchen Stricksachen für alle herstellten. Ich hatte Aufgaben in der Kräuterkammer und im Garten übernommen und war über die einfachsten Flickarbeiten hinaus niemals mit Handarbeiten in Berührung gekommen.

»Du kannst überhaupt nicht stricken?«, sagte er ungläubig. »Und wie bist du dann in Boston zu deinen Winterstrümpfen gekommen?«

»Gekauft«, sagte ich.

Er hatte sich ausgiebig auf der Lichtung umgesehen, auf der wir gesessen und das halbfertige Blockhaus bewundert hatten.

»Da ich hier nirgendwo einen Laden sehe, lernst du es wohl besser, aye?«

»Wahrscheinlich.« Ich beäugte misstrauisch den Strickkorb, den Jocasta mir geschenkt hatte. Er war gut ausgestattet, mit drei langen Rundstricknadeln aus Draht in verschiedenen Größen und einem gefährlich aussehenden Nadelspiel aus Elfenbein, die Nadeln schlank wie Stilette, von dem ich wusste, dass es auf irgendeine geheimnisvolle Weise dazu diente, Sockenfersen zu wenden.

»Ich bitte Jocasta, es mir zu zeigen, wenn wir das nächste Mal nach River Run kommen. Vielleicht nächstes Jahr.«

Jamie schnaubte kurz und nahm sich eine Nadel und ein Wollknäuel.

»Es ist wirklich nicht schwierig, Sassenach. Sieh mal – so schlägt man Maschen auf.« Er zog den Faden aus seiner geschlossenen Faust hervor, legte ihn in einer Schlaufe um seinen Daumen, ließ diese auf die Nadel gleiten und schlug mit raschen, sparsamen Bewegungen in Sekundenschnelle eine lange Maschenreihe auf. Dann gab er mir die andere Nadel und ein Wollknäuel. »Da – versuch’s mal.«

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