Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Willie lachte nicht – der Junge lachte nur selten –, doch er lächelte und ergriff die Weidenrute mit der frisch gebundenen Fliege.
»Ist der Zeitpunkt jetzt gut, was meint Ihr, Mr. Fraser?« Er beschattete seine Augen und blickte über das Wasser. Sie standen im kühlen Schatten eines Hains aus Schwarzweiden, doch die Sonne stand immer noch über dem Horizont, und das Wasser des Baches glitzerte wie Metall.
»Aye, Forellen fressen bei Sonnenuntergang. Seht Ihr die Pünktchen auf dem Wasser? Der Teich wird gerade lebendig.«
Die Oberfläche des Teiches war unruhig; das Wasser selbst lag still da, doch es breiteten sich Dutzende kleiner Wellenringe aus. Sie überschnitten einander, Ringe aus Licht und Schatten, die sich in endloser Folge ausbreiteten und brachen.
»Die Ringe? Ja. Sind das Fische?«
»Noch nicht. Es sind Mücken und Schnaken, die aus ihren Larven ausschlüpfen und die Wasseroberfläche durchbrechen, um in die Luft zu steigen – die Forellen sehen sie dann und kommen, um sie zu fressen.«
Ohne Vorwarnung schoss ein Silberstreifen in die Luft und fiel platschend zurück. Willie schnappte nach Luft.
»Das war ein Fisch«, sagte Jamie überflüssigerweise. Er fädelte rasch seine Angelschnur durch die geschnitzten Führungen, band eine Fliege an der Schnur fest und trat vor. »Jetzt seht her.«
Er zog den Arm zurück und beugte das Handgelenk, vor und zurück. Mit jedem Kreisen seines Unterarms verlängerte er die Schnur, bis er mit einem Schwung seines Handgelenkes sie in einer weiten, trägen Schlinge fliegen ließ und die Fliege niederschwebte wie eine kreisende Mücke. Er spürte den Blick des Jungen auf sich und war froh, dass es ein guter Wurf gewesen war.
Er ließ die Fliege einen Moment lang treiben und beobachtete sie – in der glitzernden Helle war sie schwer zu sehen –, dann begann er langsam, die Schnur einzuholen. Blitzschnell ging die Fliege unter. Der Ring, der bei ihrem Verschwinden entstand, hatte noch nicht einmal begonnen, sich auszubreiten, als es fest an der Schnur ruckte und er als Antwort ein wütendes Ziehen spürte.
»Da ist einer! Da ist einer!« Er konnte Willie hören, der aufgeregt hinter ihm am Ufer tanzte, aber seine ganze Aufmerksamkeit galt dem Fisch.
Er hatte keine Spule, nur den Zweig mit dem Rest seiner Angelschnur. Er zog die Spitze der Rute weit zurück, ließ sie wieder nach vorn fallen und wickelte die lose Schnur mit einer schwungvollen Handbewegung auf. Noch einmal Schnur aufwickeln, dann ein verzweifelter Ansturm, der ihn die ganze gewonnene Schnur kostete und mehr.
Zwischen den blitzenden Lichtfunken konnte er nichts sehen, doch das Zerren und Ziehen, das seine Arme durchfuhr, war so gut wie Sicht; ein Zittern, so lebendig wie die Forelle selbst, als hielte er das Tier in Händen, das hin und her schlug und sich wand und kämpfte …
Frei. Die Schnur erschlaffte; einen Moment lang stand er da, während die Vibrationen des Kampfes in seinen Armen verebbten, und atmete die Luft ein, an die er im Eifer des Gefechtes nicht gedacht hatte.
»Sie ist entwischt! Oh, so ein Pech, Sir!« Willie stieg am Ufer herunter, die Angel in der Hand, das Gesicht voll offener Sympathie.
»Glück für den Fisch.« Jamie grinste, immer noch von seinem Kampf erregt, und wischte sich mit der feuchten Hand über das Gesicht. »Willst du es versuchen, Junge?« Zu spät fiel ihm ein, wie er den Jungen eigentlich hätte anreden sollen, doch Willie war zu aufgeregt, um den Ausrutscher zu bemerken.
Willie bog seinen Arm zurück, das Gesicht zu einer entschlossenen Grimasse verzogen, blinzelte auf das Wasser und ließ sein Handgelenk mit einem mächtigen Ruck herumschwingen. Die Rute flog ihm aus den Fingern und segelte elegant in den Teich.
Der Junge gaffte ihr nach und wandte sich dann mit einem Ausdruck äußerster Bestürzung an Jamie, der gar nicht erst versuchte, das Lachen zu unterdrücken. Der junge Graf machte ein durch und durch verblüfftes und nicht besonders zufriedenes Gesicht, doch einen Augenblick später kringelten sich die Winkel seines breiten Mundes in die Höhe, und er gestand ironisch sein Missgeschick ein. Er wies auf die Angel, die in etwa drei Metern Entfernung vom Ufer dahintrieb.
»Verscheuche ich nicht die ganzen Fische, wenn ich sie holen gehe?«
»Doch. Nehmt meine; ich hole die andere später zurück.«
Willie leckte sich die Lippen und biss konzentriert die Zähne zusammen, als er die neue Angel fest in die Hände nahm und sie mit kleinen Peitschenschlägen und Rucken ausprobierte. Er drehte sich zum Teich um, wiegte seinen Arm vor und zurück und ließ dann fest sein Handgelenk zuschnappen. Er erstarrte, und die Spitze der Angel bildete eine perfekte Verlängerung seines Armes. Die lose Schnur wickelte sich um die Angelrute und drapierte sich um Willies Kopf.
»Ein wunderbarer Wurf, Milord«, sagte Jamie und rieb sich fest mit dem Knöchel über den Mund. »Aber ich glaube, wir müssen erst eine neue Fliege daran festmachen, aye?«
»Oh.« Langsam entspannte sich Willies starre Haltung, und er sah Jamie verlegen an. »Daran habe ich nicht gedacht.«
Etwas ernüchtert durch seine Fehlversuche, gestattete der Graf, dass Jamie eine neue Fliege an der Angel befestigte und ihn dann beim Handgelenk nahm, um ihm zu zeigen, wie man die Angel richtig auswarf.
Er stellte sich hinter Willie und ergriff dessen rechtes Handgelenk, wobei er Willies schlanken Arm und seine vorstehenden Knöchel bewunderte, die zukünftige Größe und Kraft verhießen. Die Haut des Jungen war mit kühlem Schweiß bedeckt, und sein Arm fühlte sich fast genauso an wie das Zittern der Forelle an der Schnur, gespannt und muskulös, lebendig unter seinen Fingern. Dann riss sich Willie los, und für einen Augenblick war er verwirrt und verspürte ein seltsames Verlustgefühl, als ihr kurzer Kontakt abriss.
»Das ist nicht richtig«, sagte Willie und wandte sich um, um ihn anzusehen. »Ihr habt mit der linken Hand geworfen. Ich habe Euch gesehen.«
»Aye, aber ich bin Linkshänder, Milord. Die meisten Männer würden die Angel mit der Rechten auswerfen.«
»Linkshänder?« Willies Mund verzog sich wieder nach oben.
»Ich kann die meisten Tätigkeiten mit der linken Hand besser ausführen als mit der rechten, Milord.«
»Ich habe mir gedacht, dass es das heißt. Ich bin genauso.« Bei dieser Aussage machte Willie ein sehr zufriedenes und leicht verschämtes Gesicht. »Meine – meine Mutter hat gesagt, es gehört sich nicht, und dass ich lernen sollte, die andere zu benutzen wie ein Gentleman. Aber Papa hat nein gesagt und dafür gesorgt, dass ich mit der linken Hand schreiben durfte. Er hat gesagt, es spielt keine große Rolle, wenn ich mit dem Gänsekiel ungeschickt aussehe; wenn es ums Kämpfen mit dem Schwert ginge, wäre ich im Vorteil.«
»Euer Vater ist ein weiser Mann.« Sein Herz verkrampfte sich mit einem Gefühl irgendwo zwischen Eifersucht und Dankbarkeit – doch die Dankbarkeit überwog bei weitem.
»Papa ist Soldat gewesen.« Willie stellte sich ein wenig gerader hin und richtete voll unbewusstem Stolz seine Schultern auf. »Er hat in Schottland gekämpft, beim Auf– oh.« Er hustete, und sein Gesicht errötete leicht, als ein Blick auf Jamies Kilt fiel und ihm klarwurde, dass er sich wahrscheinlich gerade mit einem besiegten Teilnehmer ebendieser Auseinandersetzung unterhielt. Er spielte an der Angelrute herum und wusste nicht, wohin er blicken sollte.
»Aye, ich weiß. Da bin ich ihm zum ersten Mal begegnet.« Jamie achtete darauf, seine Stimme von jeglicher Belustigung frei zu halten. Er fühlte sich versucht, dem Jungen zu erzählen, unter welchen Umständen diese erste Begegnung stattgefunden hatte, doch das wäre eine armselige Belohnung gewesen für das unbezahlbare Geschenk, das John ihm gemacht hatte, diese wenigen, kostbaren Tage mit seinem Sohn.