Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Trink ihn nicht selbst«, hatte sie beiläufig gesagt, als sie ihm den Tee gab. »Er enthält Lavendel.«
Eigentlich hatte er damit keine Probleme, wenn er gewarnt war. Nur, wenn ihn dann und wann ein unerwarteter Lavendelhauch traf, dann fuhr ihm eine Welle der Übelkeit durch den Unterleib. Claire hatte diese Wirkung zu oft an ihm erlebt, um sich dessen nicht bewusst zu sein.
»Hier.« Er beugte sich vor, gab dem Jungen den Becher und fragte sich, ob auch ihn der Duft des Lavendels von jetzt an für immer beunruhigen würde oder ob er darin eine tröstende Erinnerung finden würde. Das, so glaubte er, konnte sehr wohl davon abhängen, ob John Grey überlebte oder starb.
Durch die Atempause hatte Willie äußerlich seine Fassung wiedergefunden, doch der Schmerz war ihm immer noch ins Gesicht geschrieben. Jamie lächelte dem Jungen zu und verbarg seine eigene Sorge. So, wie er John und Claire kannte, hatte er weniger Angst als der Junge – doch die Furcht war nach wie vor da, hartnäckig wie ein Dorn in seiner Fußsohle.
»Das wird Euch helfen«, sagte er und wies mit einem Kopfnicken auf den Becher. »Meine Frau hat ihn gemacht, sie ist eine große Heilerin.«
»Ja?« Der Junge atmete den Dampf tief und zitternd ein und berührte die heiße Flüssigkeit vorsichtig mit der Zunge. »Ich habe gesehen, wie sie – etwas gemacht hat. Mit dem Indianer, der gestorben ist.« Die Anklage war deutlich; sie hatte etwas gemacht, und der Mann war dennoch gestorben.
Weder Claire noch Ian hatten viele Worte darüber verloren, und er hatte keine Gelegenheit gehabt, sie zu fragen, was geschehen war – sie hatte die Augenbraue hochgezogen und ihm einen kurzen, goldenen Blick zugeworfen, der ihn beschwor, nicht vor Willie davon zu reden, der blassgesichtig und kalt mit ihr aus dem Maisspeicher zurückgekehrt war.
»Aye?«, sagte er neugierig. »Was hat sie denn gemacht?«
Was zum Teufel hatte sie getan?, fragte er sich. Sicher nichts, was den Tod den Mannes herbeigeführt hatte; das hätte er ihr sofort angesehen. Sie fühlte sich auch nicht schuldig oder hilflos – er hatte sie schon oft in den Armen gehalten und sie getröstet, während sie um jene weinte, die sie nicht retten konnte. Diesmal war sie still und niedergeschlagen gewesen – genau wie Ian –, aber nicht sehr verstört. Sie war ihm nur etwas verwirrt vorgekommen.
»Sie hatte Schlamm im Gesicht. Und sie hat ihm etwas vorgesungen. Ich glaube, es war ein Papistenlied; es war auf Lateinisch, und es hatte irgendetwas mit Sakramenten zu tun.«
»Wirklich?« Jamie unterdrückte sein eigenes Erstaunen über diese Beschreibung. »Aye, na ja. Vielleicht wollte sie dem Mann nur etwas Trost spenden, weil sie gesehen hat, dass sie ihm nicht helfen konnte. Die Indianer sind viel anfälliger für die Nebenwirkungen der Masern, wisst Ihr; manche Infektionen, die für sie tödlich sind, entlocken einem Weißen nicht einmal ein Stirnrunzeln. Ich habe selbst als kleiner Junge die Masern gehabt, und sie haben mir überhaupt nicht geschadet.« Er lächelte und richtete sich auf, als wollte er seine offenkundige Gesundheit demonstrieren.
Die Linien der Anspannung im Gesicht des Jungen lockerten sich ein wenig, und er trank vorsichtig einen Schluck von dem heißen Tee.
»Das ist es auch, was Mrs. Fraser gesagt hat. Sie hat gesagt, dass Papa nichts passiert. Sie – sie hat mir ihr Wort darauf gegeben.«
»Dann kannst du dich auch darauf verlassen«, sagte Jamie bestimmt. »Mrs. Fraser ist eine Frau von Ehre.« Er hustete und zog sich das Plaid höher über die Schultern; die Nacht war nicht kalt, doch es wehte ein Luftzug vom Hügel herab. »Hilft der Tee denn etwas?«
Willie machte ein verständnisloses Gesicht und blickte dann auf den Becher in seiner Hand.
»Oh! Ja. Ja, danke; er ist sehr gut. Mir geht es schon viel besser. Vielleicht waren es doch nicht die getrockneten Äpfel.«
»Vielleicht nicht«, stimmte Jamie zu und senkte den Kopf, um sein Lächeln zu verbergen. »Aber ich glaube, dass wir morgen etwas Besseres zum Abendessen bekommen; wenn wir Glück haben, gibt es Forelle.«
Der Ablenkungsversuch gelang; Willies Kopf zuckte von seinem Becher hoch, und in seinem Gesicht lag großes Interesse.
»Forelle? Wir können angeln?«
»Habt Ihr in England schon viel geangelt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass man die Forellengewässer mit diesen hier vergleichen kann, aber ich weiß, dass man im Lake District gut angeln kann – sagt jedenfalls Euer Vater.«
Er hielt den Atem an. Warum in Gottes Namen hatte er das gefragt? Er selbst hatte mit dem fünfjährigen Willie auf dem See in der Nähe von Ellesmere Rotforellen geangelt, als er dort seine Zwangsarbeit ableistete. Wollte er, dass sich der Junge daran erinnerte?
»Oh … ja. Sicher, es ist ganz nett auf den Seen – aber ganz anders als das.« Willie schwenkte den Arm in die ungefähre Richtung des Baches. Die Falten im Gesicht des Jungen hatten sich geglättet, und es war wieder ein leichtes, lebendiges Flackern in seine Augen zurückgekehrt. »So etwas habe ich noch nie gesehen. Es ist ganz anders als England.«
»Das stimmt«, pflichtete Jamie ihm belustigt bei. »Aber werdet Ihr England nicht vermissen?«
Willie dachte einen Augenblick lang darüber nach, während er den restlichen Tee schlürfte.
»Ich glaube nicht«, sagte er und schüttelte entschlossen den Kopf. »Manchmal vermisse ich Großmama und meine Pferde, aber das ist alles. Da hatte ich nur Tutoren und Tanzstunden und Latein und Griechisch – igitt!« Er zog die Nase kraus, und Jamie lachte.
»Dann hat Euch das Tanzen also keinen Spaß gemacht?«
»Nein. Das muss man ja mit Mädchen machen.« Er warf Jamie einen Blick unter seinen feinen, dunklen Augenbrauen hervor zu. »Mögt Ihr Musik, Mr. Fraser?«
»Nein«, sagte Jamie lächelnd. »Aber ich mag Mädchen.« Und die Mädchen würden diesen Jungen auch mögen, dachte er und nahm unauffällig Notiz von dessen breiten Schultern, seinen langen Schenkeln und den langen, dunklen Wimpern, die seine schönen blauen Augen verbargen.
»Ja. Mrs. Fraser ist aber auch sehr hübsch«, sagte der Graf höflich. Sein Mundwinkel krümmte sich plötzlich. »Obwohl sie schon komisch ausgesehen hat mit dem Schlamm im Gesicht.«
»Das glaube ich. Wollt Ihr noch eine Tasse, Milord?«
Claire hatte gesagt, die Mixtur sei beruhigend; sie schien ihre Wirkung zu tun. Während sie eine belanglose Unterhaltung über die Indianer und ihren seltsamen Glauben führten, wurden Williams Augenlider schwerer, und er gähnte mehrfach. Schließlich beugte sich Jamie vor und nahm ihm den Becher aus der erschlafften Hand.
»Die Nacht ist kalt, Milord«, sagte er. »Möchtet Ihr Euch vielleicht neben mich legen und die Decke mit mir teilen?«
Die Nacht war kühl, aber alles andere als kalt. Dennoch hatte er richtig geraten; Willie akzeptierte den Vorwand begierig. Er konnte keinen Adligen in seine Arme nehmen, um ihm Trost zu spenden, und der junge Graf konnte seinerseits nicht zugeben, dass er sich diesen Trost wünschte. Doch zwei Männer konnten ohne Scham nah beieinanderliegen, um sich gegenseitig zu wärmen.
Willie schlief sofort ein, eng an seine Seite geschmiegt. Jamie lag noch lange wach, einen Arm leicht über den Körper seines schlafenden Sohnes gelegt.
»Jetzt die kleine Gefleckte. Nur an der Spitze, und mit dem Finger festhalten, aye?« Er wickelte den Faden fest um die kleine Rolle aus weißer Wolle, gerade eben an Willies Finger vorbei, aber so, dass er das Ende der Spechtdaune mitumwickelte und die flaumigen Härchen der Feder spitz abstanden und in der hellen Luft zitterten.
»Seht Ihr? Es sieht aus wie ein kleines Insekt, das gerade losfliegt.«
Willie nickte, ohne den Blick von der Fliege abzuwenden. Zwei winzige, gelbe Schwanzfedern lagen glatt unter der Daunenfeder und ahmten die gespreizten Deckflügel eines Käfers nach.
»Ich verstehe. Ist es die Farbe, die zählt, oder nur die Form?«
»Beides, aber die Form ist wichtiger, glaube ich.« Jamie lächelte den Jungen an. »Am meisten zählt, wie hungrig die Fische sind. Wenn man den richtigen Zeitpunkt wählt, dann beißen sie auf alles an – sogar auf einen nackten Haken. Wählt man den falschen, dann ist es, als würde man mit Nabelschmalz angeln. Das dürft Ihr aber keinem Fliegenfischer erzählen; er nimmt die ganze Ehre für sich in Anspruch und lässt den Fischen nichts.«