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Feuer und Stein: 1 (German Edition)

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Feuer und Stein: 1 (German Edition)
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Das Chaos fasste nach mir.

Irgendwann hörte die Sonne auf, sich hinter meinen Augen zu drehen, und das Kreischen verschwand aus meinen Ohren. Ein anderes Geräusch jedoch blieb; Jamie, der meinen Namen rief.

Mir war zu übel, um mich hinzusetzen oder die Augen zu öffnen, aber ich schlug schwach mit der Hand, um ihn wissen zu lassen, dass ich noch lebte.

»Mir fehlt nichts«, sagte ich.

»Wirklich? O Gott, Claire!« Er hob mich an seine Brust und hielt mich fest. »Himmel, Claire, ich war mir sicher, dass du tot bist. Du … du … hast irgendwie … angefangen zu gehen. Deine Miene war schrecklich, als hättest du Todesangst. Ich … ich habe dich von dem Stein zurückgerissen. Ich habe dich aufgehalten. Das hätte ich nicht tun sollen – entschuldige, Claire.«

Meine Augen waren jetzt so weit offen, dass ich sein Gesicht über mir sah, erschrocken und voller Angst.

»Schon gut.« Es kostete mich immer noch Mühe, zu sprechen, und ich fühlte mich schwer und desorientiert, doch allmählich wurde alles wieder klarer. Ich versuchte zu lächeln, spürte aber nicht mehr als ein Zucken.

»Wenigstens … wissen wir … dass es noch geht.«

»O Gott. Aye, es geht.« Er warf einen Blick voll Angst und Ekel auf den Stein.

Dann ließ er mich kurz allein, um ein Taschentuch in einer Regenpfütze anzufeuchten, die sich in einer Steinmulde gesammelt hatte. Er wischte mir damit sanft über das Gesicht und murmelte dabei immer noch beruhigende und entschuldigende Worte. Schließlich fühlte ich mich stark genug, um mich zu setzen.

»Du hast es mir trotz allem nicht geglaubt, oder?« Ich war zwar furchtbar benommen, empfand jedoch irgendwie Bestätigung. »Aber es stimmt.«

»Aye, es stimmt.« Er setzte sich neben mich und starrte den Stein ein paar Minuten an. Ich rieb mir das Gesicht mit dem feuchten Tuch. Mir war immer noch schwindelig. Plötzlich sprang er auf, ging zu dem Stein hinüber und schlug die Hand dagegen.

Es geschah nicht das Geringste, und nach einer Minute ließ er ratlos die Schultern hängen und kam zu mir zurück.

»Vielleicht geht es ja nur bei Frauen«, brachte ich verschwommen heraus. »In den Legenden sind es immer Frauen. Oder vielleicht geht es nur bei mir.«

»Bei mir geht es jedenfalls nicht«, sagte er. »Aber ich überzeuge mich am besten noch einmal.«

»Jamie! Sei vorsichtig!«, rief ich, doch es war zwecklos. Er marschierte zu dem Stein hinüber, schlug erneut darauf ein, warf sich dagegen, schritt durch den Spalt und wieder zurück, doch es war und blieb nicht mehr als ein massiver Monolith. Was mich betraf, so erschauerte ich bei dem bloßen Gedanken, mich diesem Tor zum Irrsinn noch einmal zu nähern.

Und doch. Doch hatte ich an Frank gedacht, als ich diesmal in das Chaos eintauchte. Und ich hatte ihn gespürt, dessen war ich mir sicher. Irgendwo in der Leere war ein winziges Fleckchen Licht gewesen, und darin war er gewesen. Das wusste ich. Ich wusste aber auch, dass es einen anderen Lichtpunkt gab, einen, der immer noch neben mir saß und den Stein anstarrte, während ihm trotz der Kälte der Schweiß auf den Wangen glänzte.

Schließlich wandte er sich mir zu und ergriff meine Hände. Er hob sie an seine Lippen und küsste sie beide förmlich.

»A nighean donn«, sagte er leise. »Meine … Claire. Es ist zwecklos zu warten. Ich muss mich jetzt von dir trennen.«

Meine Lippen waren zu steif, um zu sprechen, doch meine Miene muss genauso leicht zu lesen gewesen sein wie sonst auch.

»Claire«, sagte er drängend, »es ist deine Zeit auf der … anderen Seite. Du hast dort dein Zuhause, deinen Platz. Die Dinge, an die du gewöhnt bist. Und … und Frank.«

»Ja«, sagte ich, »Frank.«

Jamie nahm mich bei den Schultern, zog mich hoch und schüttelte mich flehend.

»Auf dieser Seite gibt es nichts für dich, Claire! Nichts als Gewalt und Gefahr. Geh!« Er schob mich sacht von sich und drehte mich dem Steinkreis zu. Ich wandte mich wieder zu ihm um und nahm seine Hände.

»Gibt es hier wirklich nichts für mich, Jamie?« Mein Blick hielt seine Augen fest und ließ nicht zu, dass er mich erneut von sich fortdrehte.

Behutsam entzog er mir ohne zu antworten seine Hände und trat zurück, plötzlich eine Gestalt aus einer anderen Zeit vor einem Hintergrund dunstiger Hügel, das Leben in seinem Gesicht eine optische Täuschung, als wäre es unter Farbschichten begraben, mit denen ein Maler vergessener Orte gedachte, einer Leidenschaft, die zu Staub geworden war.

Ich sah ihm in die Augen, die voller Schmerz und Sehnsucht waren, und er war wieder Fleisch und Blut, ganz nah, ganz real, Geliebter, Ehemann, Mann.

Mein Gesicht muss meine Pein deutlich widergespiegelt haben, denn er zögerte. Dann drehte er sich nach Osten und zeigte bergab. »Siehst du dort, hinter dem Eichenwäldchen? Ungefähr auf halbem Weg bergab?«

Ich sah die Bäume und sah auch die halb verfallene Bauernkate, auf die er zeigte, verlassen auf dem Geisterhügel.

»Ich gehe hinunter in das Haus und warte bis heute Abend dort. Um sicherzugehen, dass du … außer Gefahr bist.« Er schaute mich zwar gerade an, machte aber keine Anstalten, mich zu berühren. Dann schloss er die Augen, als könnte er es nicht mehr ertragen, mich anzusehen.

»Leb wohl«, sagte er und wandte sich zum Gehen.

Ich beobachtete ihn betäubt, dann fiel es mir ein. Es gab etwas, das ich ihm sagen musste. Ich rief ihm hinterher.

»Jamie!«

Er hielt an und blieb einen Moment reglos stehen, während er darum kämpfte, die Kontrolle über seine Züge zu behalten. Sein Gesicht war weiß und angespannt, und seine Lippen waren blutleer, als er sich wieder zu mir umdrehte.

»Aye?«

»Da ist etwas … ich meine, ich muss dir etwas sagen, ehe … ehe ich gehe.«

Er schloss die Augen, und ich hatte das Gefühl, dass er wankte, doch vielleicht war es auch nur der Wind, der an seinem Kilt zupfte.

»Das brauchst du nicht«, sagte er. »Nein. Geh, Kleine. Du solltest dich nicht aufhalten. Geh.« Er machte Anstalten, sich abzuwenden, doch ich war mit einem Schritt bei ihm und hielt ihn am Ärmel fest.

»Jamie, hör mir zu! Du musst mir zuhören!« Er schüttelte hilflos den Kopf und hob die Hand, als wollte er mich von sich schieben.

»Claire … nein. Ich kann es nicht.« Der Wind trieb ihm die Feuchtigkeit in die Augen.

»Es ist der Aufstand«, sagte ich drängend und schüttelte seinen Arm. »Jamie, hör zu. Prince Charlie – seine Armee. Colum hat recht! Hörst du mich, Jamie? Colum hat recht, nicht Dougal.«

»Was? Wie meinst du das?« Jetzt war er ganz Ohr. Er rieb sich mit dem Ärmel über das Gesicht, und sein Blick war wieder scharf und klar. Der Wind sang mir in den Ohren.

»Prince Charlie. Es wird einen Aufstand geben, da hat Dougal recht, aber er wird fehlschlagen. Charlies Armee wird eine Zeitlang Erfolg haben, doch es wird in einem Gemetzel enden. In Culloden, dort wird es enden. Die … die Clans …« Vor meinem inneren Auge tauchten die Male der Clans auf, die grauen Steine, die verstreut auf dem Feld liegen würden, ein jeder mit dem Namen des Clans beschriftet, dessen Gefallene darunterlagen. Ich holte Luft und nahm seine Hand, um mich zu stützen. Sie war kalt wie die eines Toten. Ich erschauerte und schloss die Augen, um mich auf meine Worte zu konzentrieren.

»Die Highlander – sämtliche Clans, die Charlie folgen – werden ausgelöscht werden. Hunderte und Aberhunderte ihrer Männer werden in Culloden sterben, und die Überlebenden wird man jagen und umbringen. Die Clans werden vernichtet werden … und sie werden sich nicht mehr erheben. Nicht in deiner Zeit – selbst in der meinen nicht.«

Ich öffnete die Augen. Er sah mich ausdruckslos an.

»Jamie, halt dich davon fern!«, flehte ich ihn an. »Halte deine Männer davon fern, wenn du kannst, aber in Gottes Namen … Jamie, wenn du …« Ich verstummte. Fast hätte ich gesagt: »Jamie, wenn du mich liebst.« Doch das konnte ich nicht. Ich war im Begriff, ihn für immer zu verlieren, und wenn ich bis jetzt vor ihm nicht von Liebe sprechen konnte, so konnte ich es in diesem Moment erst recht nicht.

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