Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Aye.« Mr. Crombie schien die Beileidsbekundung nicht zu interessieren. »Murdo Lindsay sagt, Ihr kennt Euch ein wenig in der Schrift aus, für die Beerdigung. Meine Frau fragt, ob Ihr vielleicht herauskommen und ein paar Worte am Grab sprechen würdet?«
»Murdo sagt … oh!« Die holländische Familie, das war es. Jamie hatte ihn damals genötigt, die Grabrede zu halten. »Aye, natürlich.« Er räusperte sich automatisch; er war furchtbar heiser – wie jeden Morgen, solange er noch nichts Heißes getrunken hatte. Kein Wunder, dass Crombie ein skeptisches Gesicht zog.
»Natürlich«, wiederholte er kräftiger. »Können wir … äh … irgendwie helfen?«
Crombie verneinte mit einer kleinen Geste.
»Die Frauen dürften sie inzwischen aufgebahrt haben«, sagte er mit einem verächtlichen Seitenblick auf den Hügel im Bett, unter dem Brianna steckte. »Nach dem Frühstück fangen wir an, das Grab auszuheben. Mit etwas Glück haben wir sie unter der Erde, bevor es schneit.« Er hob sein spitzes Kinn zum bewölkten Himmel, der die sanftgraue Farbe von Adsos Bauchpelz hatte. Dann nickte er, machte kehrt und ging ohne weitere Höflichkeiten.
»Papa, guck!« Roger blickte zu Boden und sah, dass Jem die Finger in seine Mundwinkel gehakt hatte und sie heruntergezogen hatte, um das umgekehrte »U« nachzuahmen, das Hiram Crombies üblicher Gesichtsausdruck war. Seine kleinen roten Augenbrauen waren zu einem finsteren Stirnrunzeln verzogen, so dass die Ähnlichkeit verblüffend war. Roger lachte überrascht, dann schnappte er nach Luft und verschluckte sich, bis er sich schließlich hustend vornüberfallen ließ.
»Alles in Ordnung?« Brianna hatte sich an die Oberfläche begeben und saß im Bett. Sie hatte die Augen schlaftrunken zusammengekniffen, machte aber ein besorgtes Gesicht.
»Aye, gut.« Die Worte kamen als dünnes, beinahe tonloses Keuchen heraus. Er holte Luft und hustete einen widerwärtigen Schleimklecks in seine Hand, weil er kein Taschentuch hatte.
»Igitt!«, sagte seine zartfühlende Frau und fuhr zurück.
»Lass sehen, Papa!«, sagte sein Sohn und Erbe und bemühte sich angestrengt, einen Blick darauf zu werfen. »Igitt!«
Roger trat ins Freie und wischte sich die Hand im nassen Gras an der Tür ab. So früh am Morgen war es kalt draußen, doch Crombie hatte zweifellos recht; der Schnee war nicht mehr weit. Etwas Weiches, Gedämpftes lag in der Luft.
»Dann ist die alte Mrs. Wilson also tot?« Brianna hatte sich ein Schultertuch umgelegt und war ihm gefolgt. »Wie schade. Stell dir vor, so weit zu kommen und dann an einem fremden Ort zu sterben, bevor man Zeit hatte, dort richtig heimisch zu werden.«
»Na ja, wenigstens war ihre Familie dabei. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie gern allein zum Sterben in Schottland geblieben wäre.«
»Mm.« Brianna strich sich ein paar Haarsträhnen von den Wangen; sie hatte ihr Haar vor dem Einschlafen zu einem dicken Zopf geflochten, doch es war der Gefangenschaft zum Großteil entflohen und ringelte sich in der kalten feuchten Luft um ihr Gesicht. »Meinst du, ich sollte hingehen?«
»Ihr die letzte Ehre erweisen? Er sagt, sie haben die alte Dame schon aufgebahrt.«
Sie schnaubte, und die weißen Atemwölkchen, die aus ihren Nasenlöchern aufstiegen, erinnerten ihn an Drachen.
»Es kann noch nicht später als sieben Uhr sein; draußen ist es stockfinster! Und ich glaube nicht eine Sekunde lang, dass seine Frau und seine Schwester die Alte bei Kerzenlicht aufgebahrt haben. Schon, weil Hiram die Kosten für die zusätzliche Kerze scheuen würde. Nein, es ist ihm gegen den Strich gegangen, dass er dich um einen Gefallen bitten musste. Also hat er versucht, dir nahezulegen, dass deine Frau eine faule Schlampe ist.«
Gut beobachtet, dachte Roger belustigt – vor allem, weil sie Crombies vielsagenden Blick auf ihre liegende Gestalt ja nicht gesehen hatte.
»Was ist eine Schlampe?«, erkundigte sich Jemmy, der sich sofort auf jedes halbwegs verboten klingende Wort stürzte.
»Das ist eine Dame, die keine ist«, klärte ihn Roger auf. »Und eine schlechte Hausfrau dazu.«
»Das ist eins von den Wörtern, die dir Mrs. Bug mit Seife aus dem Mund wäscht, wenn sie es dich sagen hört«, verbesserte seine Frau scharf.
Roger war immer noch im Nachthemd, und seine Beine und Füße froren langsam ein. Auch Jem hüpfte barfuß herum, jedoch ohne das leiseste Anzeichen, dass ihm kalt war. »Mami ist keine«, sagte Roger bestimmt und nahm Jemmys Hand. »Komm, Kumpel, wir gehen pinkeln, während Mami Frühstück macht.«
»Danke für den Vertrauensbeweis«, sagte Brianna und gähnte. »Ich bringe den Crombies nachher ein Glas Honig oder so etwas.«
»Ich komme mit«, verkündete Jemmy prompt.
Brianna zögerte einen Moment und sah Roger mit hochgezogenen Augenbrauen an. Jem hatte noch nie einen Toten gesehen.
Roger zuckte mit einer Schulter. Es war ein friedlicher Tod gewesen, und der Tod gehörte nun einmal zum Leben. Er ging nicht davon aus, dass der Anblick von Mrs. Wilsons Leiche dem Kind Alpträume verursachen würde – obwohl es, so wie er Jem kannte, sehr wahrscheinlich eine ganze Reihe lauter und peinlicher Fragen in aller Öffentlichkeit nach sich ziehen würde. Einige vorbereitende Erklärungen würden wohl angebracht sein, dachte er.
»Sicher«, sagte er zu Jem. »Aber erst müssen wir nach dem Frühstück zu Opa gehen und uns von ihm eine Bibel leihen.«
Er traf Jamie beim Frühstück an, und der warme Haferduft des frischen Porridges umhüllte ihn wie eine Decke, als er in die Küche trat. Bevor er sein Anliegen vortragen konnte, hatte ihn Mrs. Bug schon mit seinem eigenen Schüsselchen an den Tisch gesetzt, dazu ein Gefäß mit Honig, einen Teller mit gebratenem Schinken, heißen Toast, von dem Butter triefte, und eine frische Tasse mit etwas Dunklem, Duftendem, das wie Kaffee aussah. Jem saß neben ihm und war schon bis zu den Ohren mit Honig und Butter beschmiert. Eine verräterische Sekunde lang fragte er sich, ob Brianna vielleicht doch etwas von einem Faulpelz hatte, wenn sie auch im Leben keine Schlampe war.
Dann richtete er den Blick über den Tisch hinweg auf Claire, deren ungekämmtes Haar in alle Richtungen abstand und die ihn über ihren Toast hinweg verschlafen anblinzelte, und er kam großzügig zu dem Schluss, dass es wahrscheinlich keine Entscheidung war, die Brianna bewusst getroffen hatte, sondern vielmehr ein genetischer Einfluss.
Allerdings erwachte Claire prompt, als er bei Schinken und Toast erklärte, warum er hier war.
»Die alte Mrs. Wilson?«, fragte sie interessiert. »Woran ist sie gestorben, hat Mr. Crombie das gesagt?«
Roger schüttelte den Kopf und schluckte einen Löffel Porridge.
»Nur, dass sie in der Nacht gestorben ist. Ich nehme an, sie haben sie tot gefunden. Eventuell das Herz – sie muss doch mindestens achtzig gewesen sein.«
»Sie war ungefähr fünf Jahre älter als ich«, sagte Claire trocken. »Sie hat es mir erzählt.«
»Oh. Mmpfm.« Sich zu räuspern schmerzte, und er trank einen Schluck des heißen, dunklen Getränks. Es war aus gerösteten Zichorien und Eicheln gebrüht, aber gar nicht so schlecht.
»Ich hoffe, du hast ihr nicht gesagt, wie alt du bist, Sassenach.« Jamie langte über den Tisch und schnappte sich das letzte Stück Toast. Wachsam wie immer, entführte Mrs. Bug den Teller, um ihn nachzufüllen.
»So unvorsichtig bin ich nicht«, sagte Claire. Sie tupfte mit dem Zeigefinger in einen Honigtropfen und leckte ihn ab. »Bis jetzt glauben sie nur, dass ich im Pakt mit dem Teufel bin; wenn ich ihnen mein Alter verraten würde, hätten sie Gewissheit.«
Roger gluckste, dachte aber insgeheim, dass sie recht hatte. Die Spuren ihrer Misshandlung waren fast verschwunden, die blauen Flecken verblasst und ihr Nasenrücken gerade und sauber verheilt. Selbst ungekämmt und mit aufgedunsenen Schlafaugen sah sie noch verdammt gut aus. Sie hatte zarte Haut, dichte Locken und feine Gesichtszüge, von denen die Fischersleute aus den Highlands nur träumen konnten. Ganz zu schweigen von ihren Augen, die golden wie Sherry waren und denen nichts entging.