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Kerker und Ketten

Электронная книга - «Kerker und Ketten». Краткое содержание книги:

Der Pfeifer und seine Freunde quälen sich in den Steinbrüchen von El Mengub. Schon haben sie den sicheren Tod vor Augen, da dürfen sie neue Hoffnung schöpfen: die Piratin Marina, in schmerzlicher Haßliebe an Michel Baum gekettet, versucht, die Gefangenen zu befreien. Doch bald wird sie selbst von Sklavenhändlern verschleppt, und nun ist es an Michel, sie zu suchen. Aber der Bej von Tunis hält ihn fest, und erst eine Palastrevolution schafft ganz neue Verhältnisse. Doch Marina bleibt verschwunden.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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»Wer Ihr auch sein möget, Senorita, nehmt meinen vollen Dank von ganzem Herzen an. Gott hat Euch zum Werkzeug der Befreiung ausgesucht. Ohne Zweifel verdanken wir seiner Gnade und Euerm Mut unsere Rettung.«

Er drückte der Frau, in deren Innern Vulkane aufbrachen, wenn sie Michel in seiner kühlen Gelassenheit ansah, die Hand.

»Ihr seid ein Mönch?« fragte Marina mit ungewollter Schärfe.

»Pater Geronimo nennen mich meine Soldaten. Ich bin ihr Seelsorger, ja. Nehmt meinen Dank für sie alle.«

Der nächste, der aus seiner Starrheit erwachte, war der Leutnant, den Michel bei dem Überfall auf das Lager niedergeschlagen hatte. Er besann sich auf seine Kavaliersmanieren, stieg ebenfalls vom Pferd und näherte sich mit einer galanten Verbeugung der Frau, die immer nur auf Michel starrte.

»Auch ich möchte nochmals unseren Dank abstatten, schöne Senorita. Ich bin der Führer dieser spanischen Soldaten, denen es mit Eurer Hilfe gelang, die Ketten zu durchbrechen. Diego de Bajantes ist mein Name.« Er küßte der schönen Frau andächtig die Hand.

Deste, Ojo, Porquez und Jardin hatten sich um Michel geschart. Sie fühlten die Spannung, die in der Luft lag. Wie immer verließen sie sich ganz auf ihren Pfeifer. Die beiden Araber hielten sich abseits. Sie mochten spüren, daß sie hier in diesem Augenblick nicht dazugehörten.

Michel hatte sich inzwischen wiedergefunden. Auf irgendeine Weise mußte er zumindest der Höflichkeit Genüge tun; denn die an den früheren Erlebhissen Unbeteiligten konnten seine Art der Retterin gegenüber selbstverständlich nicht verstehen.

»Ihr habt viel gewagt, Gräfin«, sagte er leichthin. »Niemand wird Euch Mut absprechen wollen. Bien, Ihr seid ja bekannt dafür, daß Ihr stets viel wagt. Meistens gewinnt Ihr den Einsatz. Habt Ihr Pläne, wie die Sache weitergehen soll?«

Marina wäre ihm am liebsten ins Gesicht gesprungen. Alle ihren guten Vorsätze stürzten in dieser Minute in Nichts zusammen. Bevor sie jedoch antwortete, hatte sie sich wieder in der Gewalt.

»Ohne meine treuen Begleiter wäre ich wohl der Aufgabe nicht gewachsen gewesen.« »Ah, Ihr seid nicht allein?«

In diesem Augenblick traten zwei Männer hervor, die ebenfalls arabisch gekleidet waren. Den einen hätte man für echt halten können. Das war Guillermo. Dem anderen sah man den Europäer schon von weitem an.

»Guillermo kennen die Senores ja von der »Trueno«, nicht wahr?« fragte jetzt Marina mit blitzenden Augen. »Dieser caballero hier ist aus England und zufällig auf mein Schiff verschlagen worden.«

»Welche Unverschämtheit!« fuhr der alte Porquez dazwischen. »Sagtet Ihr »mein« Schiff? Ihr scheint ein schlechtes Gedächtnis zu haben, zumindest was Mein und Dein anbetrifft.« Die spanischen Soldaten staunten. Sie wußten ja nicht, worum es eigentlich ging.Der Pater sah verblüfft drein.

»Ich muß schon sagen, sehr höflich sind die caballeros nicht zu jemandem, der ihnen gerade das Leben gerettet hat. Ich hätte mehr von Euch erwartet, Doktor«, wandte er sich an Michel. Michel verzog spöttisch das Gesicht.

»Oh, Padre, macht Euch nichts draus. Ihr werdet vermutlich noch mehr Überraschungen erleben, wenn Ihr erst Pfarrer auf einer Seeräubergaleone seid.« Michel lachte auf.

Die Kontroverse wollte schärfere Formen annehmen. Da rief einer der etwas zurückgebliebenen Reiter, der erst jetzt herankam:

»Adelante, companeros! Macht euch fertig zum Gefecht. Die Verfolger aus der Stadt müssen gleich heransein!«

Michel ritt ein paar Meter zurück, bis er freie Sicht hatte.

Tatsächlich. Dort wälzte sich eine Staubwolke heran. Fliehen? Unmöglich. Dann würde man die schlecht reitenden Kameraden dem eigenen Schicksal überlassen müssen. Kämpfen? War nicht ratsam. Man mußte die Leute so verblüffen, daß sie von selbst wieder umkehrten.

Michels Überlegungen wurden von der Stimme des Leutnants unterbrochen.

»Absitzen!« kommandierte er mit scharfer, befehlsgewohnter Stimme, wobei sein Blick noch immer auf dem Gesicht der schönsten Frau hing, die er je gesehen hatte.

»Im Karree formiert!« kommandierte er weiter.

Die Soldaten gehorchten automatisch.

»Erste Reihe knien!«

Kasernenhofmäßig formierte er die Leute in zwei Linien, von denen die erste kniete, die zweite stand.

Michel stand dabei und schüttelte den Kopf. Diese Leute stellten sich einfach auf dem freien Gelände auf, ohne die reichlich vorhandene Deckung auszunutzen. Michel wußte von militärischen Dingen nur eben so viel, wie er zu Hause gelernt hatte.

Dennoch erschien ihm unter diesen Verhältnissen eine derartige Kampfart irrsinnig. Es würde auf alle Fälle viel Blut fließen, Blut, das wieder Blut forderte. Man hätte sie anders davonjagen können.

Nun, im Augenblick war nichts zu machen. Die Leute befolgten gewohnheitsgemäß die vertrauten Befehle ihres Vorgesetzten. Eine Flinte hatte jeder erbeutet. Aber was waren das schon für Gewehre? Alte Steinschloßflinten, die die Spanier nur noch vom Hörensagen kannten. Michel gab seinen Freunden ein Zeichen und zog sich mit ihnen in die Felsspalte zurück, die Deckung gewährte. Hinter Gebüsch verborgen erwarteten sie das Eintreffen der Verfolger. Auch sie hatten ihre Gewehre angelegt.

Zufällig ergab es sich, daß Marina neben Michel stand. Sie hielt gleichfalls ein Gewehr im Anschlag.

Dann tauchten die ersten aus der Talsenkung auf. In wildem Galopp stürmten sie heran, ein regelloser, schreiender Haufen.

»Legt an!« schrie der Leutnant, der in voller Größe am rechten Flügel seiner etwa fünfunddreißig Mann starken Doppellinie stand. »Erstes Glied--Feuer!«

Die Reiter waren auf hundert Schritt heran. So hatte man es früher tausendmal geübt: Als die schlecht sitzende Salve aufklang, stutzten die Angreifer. Eine militärisch aufgebaute Abwehrfront hatten sie nicht erwartet. Da kam der nächste Befehclass="underline"

»Zweites Glied--Feuer!«Das erste Glied hatte inzwischen geladen, was allerdings nicht so rasch wie auf dem Exerzierplatz ging. Die nächste Salve war gleichfalls ein ausgesprochener Mißerfolg; denn höchstens acht Gewehre gingen los.

Die Araber, deren vorderste Reiter sich am Boden wälzten, nutzten den Augenblick und stürmten gegen die wehrlosen Linien der Spanier an. »Los!« rief da Michel seinen Freunden zu.

Es kam zwar keine Salve zustande, aber jeder einzelne der unregelmäßig abgefeuerten Schüsse saß. Sie hatten mehr Verheerung angerichtet, als die gegliederte Schlachtordnung. Sie luden in fieberhafter Eile.

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