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Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.

Электронная книга - «Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.». Краткое содержание книги:

Sommer 2008. Hundert Jahre sind vergangen, seit in Sibirien eine verheerende Explosion stattgefunden hat. Viktoria Vandenberg versucht mit zwei anderen deutschen Forschern dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Hat es sich um den Einschlag eines Meteoriten gehandelt? Leo, ein junger Hirte, erzählt Viktoria von seiner neunzigjährigen Großmutter, deren Vater zu den ersten Wissenschaftlern vor Ort gehörte. Die Alte beschwört Viktoria, ihre Nachforschungen einzustellen: Geister, böse Schamanen seien am Werk. Als sämtliche Stromgeneratoren ausfallen, scheinen die Prophezeiungen in Erfüllung zu gehen, erst recht als eine Serie von geheimnisvollen Todesfällen über die Forschergruppe hereinbricht. Doch Viktoria gibt nicht auf. Sie begreift, dass Leo den Schlüssel zu einer Wahrheit besitzt, die weitaus unglaublicher erscheint als ein Meteoriteneinschlag.
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Herz im gleichen Takt dahinraste. Den Hund dirigierte er zwischen seine Beine, wo er ganz ruhig sitzen blieb.

»Sie werden uns finden, nicht wahr?« Ihr Flüstern war atemlos.

»Sei ganz still und vertrau mir«, sagte er leise. »Ich muss mich nur konzentrieren.«

Was er genau tat, wusste sie nicht, aber es war wie damals in dem Bunker. Plötzlich fühlte sie sich seltsam körperlos, und als der Trupp von Polizisten vorbeimarschierte, war es, als würden die Männer sie nicht sehen. Selbst als sie Fotos herumzeigten, auf denen ihre Gesichter eindeutig zu erkennen waren, reagierten die übrigen Fahrgäste nicht. Viktoria erschien es, als ob sie für die Umgebung unsichtbar geworden wären.

»Was war das?«, flüsterte sie, als die Polizisten den Zug wieder verlassen hatten. »Warum wollten sie nichts von uns wissen?«

»Ein Geheimnis der alten Schamanen«, raunte Leonid lächelnd.

Sie küsste ihn sanft, und für einen Moment gewann sie die Überzeugung, in seinen Armen in absoluter Sicherheit zu sein.

Erst als sie an der Kiewskaja ausstiegen, richtete sich die Aufmerksamkeit der übrigen Fahrgäste wieder auf sie, doch bevor jemand auf die Idee kommen konnte, in ihnen den flüchtenden Terroristen und seine Geisel zu erkennen, waren sie bereits ausgestiegen.

»Ganz in der Nähe fließt die Moskwa«, erklärte Leonid, als sie sich aus einem Gewirr von Tunneln und Treppen an die Oberfläche kämpften. Immer wieder schaute er sich um. »Lass uns ein Wassertaxi nehmen. Nicht weit von der Metrostation gibt es einen Bootsanleger.«

»Sie sind an der Kiewskaja-Metrostation ausgestiegen«, rief Fjodor in sein Mobiltelefon. Er saß im Lagezentrum von Bashtiris eigener Sicherheitszentrale, im Keller des Stadthauses.

»Mischa hat's erwischt«, erwiderte Jurji atemlos. »Aldanov hat ihn zusammengeschlagen, und er wurde vom Hund gebissen.« Der drahtige Bodyguard aus Bashtiris Team war der Metro gefolgt, hatte aber auf Höhe der Station Ochotny Rjad den Anschluss verloren.

»Du kannst dich beruhigen«, rief Fjodor ins Telefon. »Mischa war so schlau und hat dem Mädchen einen Sender verpasst. Ich habe die anderen Jungs runter zur Kiewskaja geschickt. Wir sind an ihnen dran.«

»Sag ihnen, sie sollen vorsichtig sein. Aldanov hat Mischas Pistole.«

Viktoria und Leonid liefen Hand in Hand die Berezhkovskaya Nabe-rezhnaya entlang, um zur Bootsanlegestelle zu kommen. Mehrere weiße Schnellboote schaukelten friedlich auf der Moskwa.

»Wohin soll's gehen?«, fragte der weißhaarige Schiffer arglos und rückte seine Mütze zurecht, bevor er Viktoria bereitwillig an Bord half.

»Deutsche Botschaft«, antwortete Leonid an ihrer Stelle.

»Die haben aber keinen Anleger«, erklärte der Kapitän. »Das Gebäude liegt ein ganzes Stück weit vom Ufer entfernt.«

»Dann lassen sie uns so nahe wie möglich aussteigen. Den Rest erledigen wir zu Fuß.«

Mit einem Seitenblick auf Viktorias Füße, die schwarze Tritte auf dem hellen Schiffsboden hinterließen, begab sich der Schiffer auf die kleine Brücke. Das Boot war vielleicht zehn Meter lang und bot Platz für etwa dreißig Passagiere, doch außer einem älteren Pärchen, das unentwegt fotografierte, war niemand an Bord.

»Fahren Sie los!«, rief Leonid ungeduldig.

»Wir wollen noch einen Moment warten«, entgegnete ihm der Schiffer mit einem um Verständnis heischenden Lächeln. »Vielleicht kommen noch weitere Passagiere.«

Vier Männer fesselten Leonids Aufmerksamkeit. In etwa dreihundert Meter Entfernung kamen sie heran und hielten im Laufschritt auf das Boot zu.

»Fahren Sie!«, befahl Leonid streng. Als der Mann ihn verwirrt anschaute, hob er Mischas Pistole und richtete sie auf die Brust des Kapitäns. »Jetzt!«

Der Mann eilte zum Steuer. Wenig später heulten die Motoren auf, das Schiff machte einen gewaltigen Satz, so dass nicht nur Viktoria den Halt verlor. Auch die beiden Touristen, die anscheinend aus Frankreich kamen, wären beinahe über Bord gegangen. Selbst Ajaci rutschte quer durch die Stuhlreihen. Einzig Leonid konnte sich rechtzeitig halten.

Mit der Waffe in der Hand trieb er den Schiffer zu einer wahren Höchstleistung an, aber auch ihre Verfolger hatten sich ein Boot beschafft. Es war kleiner und schien wesentlich schneller zu sein. In rasendem Tempo pflügte die elegante Spitze des Bootes die tiefblaue Moskwa auf.

Den ersten Schuss hätte Viktoria überhört, wenn die Französin nicht lauthals um Hilfe geschrien hätte. Die Kugel schlug in einen kleinen Tisch ein, der auf Deck installiert war. Der Fahrtwind fegte Viktoria für einen Moment den Geruch von verbranntem Plastik entgegen. Dann pfiff ihr der zweite Schuss um die Ohren.

Das Boot ihrer Verfolger schob sich immer näher an sie heran. Viktoria konnte vier schwarze Gestalten mit Sonnenbrillen sehen - sie hatten Maschinenpistolen gezückt und begannen gnadenlos zu feuern.

»Runter!« brüllte Leonid, und Viktoria warf sich instinktiv auf den Bauch. Die Geschosse zerschnitten die Luft. Ein weißer Kakadu, der touristengerecht in einem schwingenden Käfig neben dem Steuerrad gehockt hatte, war das erste Opfer. Federn stoben auf, als der blutige Kadaver mit Macht aus seinem Käfig auf das mittlere Bootsdeck gesprengt wurde. Ein Biss, und Ajaci hatte das zerfetzte Tier trotz der Schießerei verschlungen.

Leonid hatte das Steuer in dem offenen Führerhaus übernommen.

Der Kapitän lag am Boden und rührte sich nicht. Er hatte sich den Kopf angeschlagen und das Bewusstsein verloren. Leonid erwiderte aus der Deckung heraus das Feuer auf die Angreifer, doch es sah nicht so aus, als ob sich die Verfolger dadurch einschüchtern ließen.

»Komm her!«, brüllte er Viktoria zu. »Aber bleib unten!«

Robbend kämpfte sie sich zu Leonid hin. Dabei war das andere Schiff so nahe gekommen, dass man glauben konnte, es wären feindliche Piraten, die sich zum Entern bereit machten.

Leonid drückte Viktoria zu ihrem Entsetzen das Steuer in die Hand. Das Boot hüpfte und schlingerte, als sie eine winzige Bewegung nach links machte. »Gerade halten«, befahl Leonid und korrigierte sie rasch. »Ganz gleich, was geschieht.«

»Wo willst du hin?«, rief sie verzweifelt, als er sich auf das vordere Sonnendeck zurückzog. Das Schiff mit den schwarzen Männern an Bord war für einen Moment zurückgefallen. Schüsse hallten erneut und trafen die Aufbauten. Einer schlug dicht neben Ajaci ein. Mit einem winselnden Aufjaulen flüchtete der Hund unter eine Sitzbank.

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