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Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.

Электронная книга - «Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.». Краткое содержание книги:

Sommer 2008. Hundert Jahre sind vergangen, seit in Sibirien eine verheerende Explosion stattgefunden hat. Viktoria Vandenberg versucht mit zwei anderen deutschen Forschern dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Hat es sich um den Einschlag eines Meteoriten gehandelt? Leo, ein junger Hirte, erzählt Viktoria von seiner neunzigjährigen Großmutter, deren Vater zu den ersten Wissenschaftlern vor Ort gehörte. Die Alte beschwört Viktoria, ihre Nachforschungen einzustellen: Geister, böse Schamanen seien am Werk. Als sämtliche Stromgeneratoren ausfallen, scheinen die Prophezeiungen in Erfüllung zu gehen, erst recht als eine Serie von geheimnisvollen Todesfällen über die Forschergruppe hereinbricht. Doch Viktoria gibt nicht auf. Sie begreift, dass Leo den Schlüssel zu einer Wahrheit besitzt, die weitaus unglaublicher erscheint als ein Meteoriteneinschlag.
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Das Klingeln seines Mobiltelefons störte Oberst Pokrovskij in einer wichtigen Besprechung. Seit dem frühen Morgen waren die Kameras in den Metrostationen ausgefallen, so dass verstärkt Sicherheitskontrollen auf Plätzen und Bahnhöfen durchgeführt werden mussten.

»Die Deutsche hat telefoniert«, sagte die Stimme. Pokrovskij wusste sofort, wer gemeint war. »Vor ungefähr fünf Minuten. Mit der deutschen Botschaft. Es sieht ganz danach aus, als wollte sie dorthin. Es war in der Metrostation am Komsomolskaja-Platz. Allem Anschein nach ist sie in die Metro eingestiegen und fährt Richtung Moskwa. «

»Ist Aldanov bei ihr?«

»Keine Ahnung. Wir hatten noch keinen Sichtkontakt.«

»Ihr müsst sie vorher erwischen. Sie ist eine wertvolle Zeugin. Wenn es ihr gelingt, auf das Botschaftsgelände zu fliehen, kriegen wir sie nicht mehr. Verstanden?«

»Zu Befehl, Bogdan Bogdanowitsch. Die Jungs werden dich nicht enttäuschen.«

Unweit des Kremls überbrachte ein weiß behandschuhter Butler das Telefon an Sergej Bashtiri, der sich in diesem Moment zwischen den willigen Schenkeln einer zwanzigjährigen Edelhure vergnügte. Nach seinem spartanischen Aufenthalt in den sibirischen Wäldern hatte er einiges nachzuholen. Zumal seine drei Gespielinnen, die er für den vermeintlichen Abenteuerurlaub im besten Etablissement Moskaus gebucht hatte, sich nicht an die Vereinbarungen gehalten hatten und nach der Flut im Camp abgereist waren. Als Angebot zur Güte hatte ihm die Managerin des berüchtigten »Moskwa-Doll-House« die feurige Tatjana geschickt. Gleich eine ganze Woche und dazu kostenfrei sollte ihm die junge, schwarzhaarige Dirne mit den riesigen Naturbrüsten rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

Da Antonov immer noch nicht auf den Beinen war, hatte er für seinen Butler einen Ersatz engagieren müssen. Josephowitsch, ein älterer Mann mit schütterem Haar, zögerte; er war es nicht gewohnt, seinen Chef beim Vögeln zu stören.

Schwer atmend nahm Bashtiri den Telefonhörer entgegen, während er mit nicht nachlassender Intensität in Tatjana stieß.

»Wir haben sie aufgespürt«, erklärte ihm Jurij mit freudiger Stimme. »Sie sind in die Metro gestiegen. Ich bin mit Mischa an ihnen dran und habe bei Fjodor Verstärkung angefordert, falls sie zur deutschen Botschaft wollen.«

»Ich sagte doch«, brüllte Bashtiri mit keuchendem Atem, »sobald ihr sie habt, zögert nicht. Gebt ihnen den Rest, bevor es ihnen gelingt, sicheres Terrain zu erreichen. Und - macht eure Sache diesmal ordentlich!«

Missmutig warf Bashtiri dem Butler das Telefon zu, bevor er bei der laut stöhnenden Frau zum Endspurt ansetzte.

Menschen an Menschen drängten sich in der Metro. Mittlerweile hatte Leonid herausgefunden, dass sie zum Ochotny Rjad mussten und dann über die Stationen Arbatskaja und Smolenskaja unter der Moskwa hindurch bis zur Kiewskaja.

Die Fahrgäste saßen in Längsreihen im Zug, junge und alte, ein buntes Völkergemisch, und auch die Gänge waren so voll, dass man sich kaum rühren konnte. Leonid hatte Jurij längst gesehen, bevor der massige Russe sie suchenden Auges entdeckte.

»Verfluchte Scheiße«, murmelte Leonid und drängte Viktoria an einer Frau mit einem Kinderwagen vorbei zum nächsten Ausgang hin.

»Was ist?«

»Du hättest nicht telefonieren dürfen.«

»Warum sagst du das?« Ihr Blick war ängstlich. Leonid stellte sich schützend vor sie.

Würden Bashtiris Männer es wagen zu schießen, obwohl die Metro voll besetzt war? Er wusste es nicht.

»Nächster Halt - Tschechovskaja«, tönte die blecherne Stimme aus dem Lautsprecher.

»Lass uns aussteigen«, murmelte Leonid.

»Aussteigen? Sind wir schon da?«

»Nein! Tu, was ich dir sage!« Mit Kraft schob Leonid sie durch die schimpfenden Menschen. Plötzlich sah sie, warum er es tat. Jurij hatte sie entdeckt und seine kalten Husky-Augen auf sie gerichtet. Am ganzen Leib zitternd trat sie vor den Zug und rannte mit Leonid und Ajaci über den Bahnsteig nach vorne zum Führerhaus. Mit einem hastigen Sprung zog er sie und den Hund durch die offene Waggontür und stieß einen erlösenden Seufzer aus, als die Tür sich hinter den beiden schloss. Auch hier war es jedoch nicht besser. Jurij blieb ihnen auf den Fersen, aber er war einen Waggon zu früh wieder zugestiegen.

Plötzlich spürte Viktoria einen harten Gegenstand in ihrem Rücken, und eine dunkle Stimme raunte Leonid zu. »Bei der nächsten Station bitte aussteigen, oder ich erschieße das Mäuschen. Wäre doch schade um sie!«

Viktoria drehte sich langsam um. Es war Mischa. Einer von Bashti-ris Männern, den sie im Camp - ähnlich wie Kolja - fälschlicherweise für einen harmlosen Burschen gehalten hatte. Leonid starrte ihm einen langen Moment in die eng zusammenstehenden Augen, und zu Viktorias grenzenloser Überraschung ließ Mischa plötzlich die Waffe sinken. Blitzschnell hatte Leonid ihn entwaffnet. Ajaci biss den Killer obendrein in die Wade. Frauen schrien, als sie die Pistole sahen, und Männer wichen entsetzt zur Seite, als Leonid dem keifenden, viel kleineren Kerl den Pistolenknauf über den Schädel zog. Während Ajaci mit steigender Begeisterung dessen Bein traktierte, schlug Leonid noch einmal zu, um ganz sicherzugehen, dass Mischa bewusstlos am Boden des Zuges liegen blieb.

»Sie haben ihn umgebracht!«, kreischte eine Frau.

»Moment mal!«, rief ein älterer Fahrgast und riss seine Zeitung hoch. »Das sind doch die, nach denen hier gesucht wird!«

»Halt's Maul, Alterchen!« Leonid bedrohte ihn halb verdeckt mit Mischas Waffe. Jegliche Freundlichkeit war aus seinem Gesicht gewichen, und für einen Moment fragte sich Viktoria, ob es tatsächlich der Leonid war, den sie zu kennen glaubte.

»Ochotny Rjad«, erklärte die mechanische Stimme aus dem Lautsprecher.

Leonid reagierte blitzschnell. Er riss Viktoria mit sich, gab dem Hund einen Stoß und sprang aus dem Zug. Dann rannte er mit ihr an der Hand auf den nächsten Bahnsteig, der ein Stockwerk tiefer lag. Hier jedoch schien ein Heer von Polizisten alarmiert worden zu sein, das geradewegs auf sie zusteuerte.

Leonid sprang mit Viktoria von der Plattform und lief mit ihr über die Gleise. Niemand traute sich, ihnen zu folgen. Viktoria verlor erneut ihre Schuhe. Barfuß folgte sie Leonid in die Dunkelheit. Dass die Sache lebensgefährlich war, begriff sie spätestens, als ihnen aus einem stockfinsteren Tunnel eine Metro mit riesigen Scheinwerfern entgegenraste. Im letzten Moment wurde Viktoria von Leonid gepackt und zusammen mit Ajaci in eine Nische gestoßen. Schwer atmend und mit ausgebreiteten Armen blieb er vor ihnen stehen, während im Abstand von einem halben Meter der Zug an ihnen vorbeiraste. Zitternd folgte Viktoria ihm im Schutz des letzten Waggons auf den Bahnsteig. Hunderte von Menschen stiegen aus und wechselten die Züge. Leonid schob Viktoria und den völlig verstörten Hund in das letzte Abteil. Dort fanden sie sogar einen Sitzplatz. Er zog Viktoria auf seinen Schoß und umarmte sie fest. Sie klammerte sich regelrecht an ihn und verbarg ihr Gesicht an seiner pulsierenden Halsbeuge, während ihr

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