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Unendlichkeit [Revelation Space - de]

Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:

Vor Urzeiten lebte auf dem Planeten Resurgam das Volk der Amarantin. An der Schwelle zum Raumfahrtzeitalter jedoch wurde ihre blühende Kultur durch eine kosmische Katastrophe völlig vernichtet und so daran gehindert, in den Weltraum vorzudringen. Ein unglückliches Zusammenspiel physikalischer Gesetze? Oder alles andere als ein Zufall? Eine Millionen Jahre später will sich die Menschheit auf Resurgam ansiedeln. Die Kolonisten stoßen dort auf das Vermächtnis des außerirdischen Volkes: eine verschüttete Stadt und die riesige Statue eines geflügelten Amarantin. Es ist eine archäologische Sensation, und ihrem Entdecker, dem genialen Wissenschaftler Dan Sylveste, ist großer Ruhm gewiss. Sylveste aber bedeuten die Funde noch viel mehr: Er will die Wahrheit über das Schicksal der Amarantin herausfinden und ist bereit, dafür nicht nur sein eigenes, sondern auch das Leben anderer aufs Spiel zu setzen. Gemeinsam mit einer Gruppe von Cyborgs und ausgestattet mit einem Waffenarsenal, das ein ganzes Sonnensystem vernichten könnte, beginnt er seine Nachforschungen. Bald schon muss er allerdings erkennen, dass jemand — oder etwas — mit allen Mitteln verhindern will, dass er erfährt, was tatsächlich mit den Amarantin geschah…
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»Wie konnten Sie Volyova so viel Vertrauen schenken?«, grollte er. »Sie hatte viel zu viel Macht, und sie hat alles ruiniert. Das war ein schwerer Fehler, Sajaki.«

Sajakis Flüstern war nur ein Hauch. »Wir mussten ihr doch vertrauen, Dummkopf. Sie war eine von uns! Teil des Triumvirats!« Heiser fuhr er fort: »Was wissen Sie über Khouri?«

»Sie war ein Infiltrator«, sagte Sylveste. »Man hatte sie eingeschleust. Sie sollte mich suchen und töten.«

Damit entlockte er Sajaki nur ein Lächeln. »Das ist alles?«

»Alles, was ich von ihrer Geschichte glaube. Ich weiß nicht, wer sie geschickt hat und warum — aber sie präsentierte eine absurde Rechtfertigung, die Volyova und meine Frau offenbar für die reine Wahrheit halten.«

»Es ist noch nicht vorbei«, sagte Sajaki. Seine Augen waren weit aufgerissen und gelblich verfärbt. »Was meinen Sie, es ist noch nicht vorbei?«

»Ich weiß es einfach«, sagte Sajaki, dann schloss er die Augen und ließ sich zurücksinken. »Noch ist alles offen.«

Sylveste betrat die Brücke. »Er wird überleben«, sagte er. Er hatte ganz offensichtlich keine Ahnung, was hier soeben vorgefallen war.

Er sah sich um. Volyova konnte sich seine Verwirrung vorstellen. Oberflächlich betrachtet hatte sich nichts verändert, während er Sajaki auf die Krankenstation brachte — die Waffen befanden sich noch immer in den Händen derselben Personen, aber die Stimmung war eine völlig andere. Zum Beispiel stand Hegazi am falschen Ende von Khouris Nadler, aber er wirkte nicht wie ein Besiegter. Allerdings auch nicht wie ein strahlender Held.

Die Sache liegt nicht mehr in unserer Hand, dachte Volyova. Und Hegazi weiß es.

»Etwas ist schief gegangen, nicht wahr?«, fragte Sylveste. Er hatte inzwischen das Bild von Cerberus auf dem Display bemerkt, die blutende Wunde in der Kruste des Planeten. »Ihre Geschütze haben nun doch das Feuer eröffnet, genau wie wir es wollten.«

»Bedauere.« Volyova schüttelte den Kopf. »Ich hatte damit nichts zu tun.«

»Hör auf sie«, mahnte Pascale. »Was immer hier gespielt wird, wir sollten uns nicht einmischen. Es ist stärker als wir, Dan. Auf jeden Fall stärker als du — auch wenn du das nur schwer akzeptieren kannst.«

Er sah sie verächtlich an. »Begreifst du immer noch nicht? Genau das wollte Volyova erreichen.«

»Sie sind verrückt«, sagte Volyova.

»So eine Chance bekommen Sie niemals wieder«, sagte Sylveste. »Sie können Ihren Planetenzertrümmerer in Aktion sehen, nachdem Sie mit Ihrem leider erfolglosen Rückzieher in letzter Minute Ihr Gewissen beruhigt haben.« Er klatschte in die Hände. »Nein, wirklich — ich bin aufrichtig beeindruckt.«

»Sie werden bald aufrichtig tot sein.«

Sie hasste ihn für seine Bemerkung, fühlte sich aber doch irgendwie betroffen. Sie hätte alles getan, was in ihrer Macht stand, um zu verhindern, dass die Waffen ihren Auftrag erfüllten — verdammt; sie hatte alles in ihrer Macht Stehende getan, aber es hatte nichts genutzt. Selbst wenn sie dem Schiff nicht befohlen hätte, sie abzusetzen, Sonnendieb hätte sicher eine andere Möglichkeit gefunden, davon war sie überzeugt. Doch seit der Angriff erfolgt war, spürte sie nur noch Neugier, gepaart mit Fatalismus. Der Brückenkopf würde einschlagen wie geplant, es sei denn, sie fände noch einen Weg, ihn aufzuhalten, und sie wusste nicht, was sie noch versuchen sollte. Da es also keine Möglichkeit mehr gab, das Schlimmste zu verhindern, keimte klammheimlich so etwas wie Vorfreude in ihr auf. Verlockend war nicht nur, was die Aktion an neuen Erkenntnissen bringen mochte, sie wollte auch wissen, wie gut ihr Kind die Probe bestand. Wie immer es ausging — wie schrecklich die Folgen auch sein mochten —, dies würde zwangsläufig das faszinierendste Schauspiel werden, das sie jemals erlebt hatte. Und vielleicht das schrecklichste.

Jetzt konnte sie nur noch warten.

Die Zeit verging weder langsam noch schnell, denn Vorfreude und Angst hielten sich die Waage. Tausend Kilometer über Cerberus leitete der Brückenkopf die letzte Bremsphase ein. Die beiden Synthetiker-Triebwerke flammten auf wie zwei Miniatursonnen und verliehen der Landschaft darunter eine messerscharfe Klarheit. Krater und Schluchten zeichneten sich in ihrem gnadenlos grellen Schein so überdeutlich ab, dass die Kruste für einen Moment so künstlich wirkte, wie sie tatsächlich war; als hätten Cerberus’ Schöpfer sich zu sehr bemüht, die Verwitterungsspuren uralter Kometeneinschläge zu imitieren.

Auf ihrem Armband sah sie jetzt Bilder der nach unten gerichteten Kameras, die den Brückenkopf umrahmten.

Alle hundert Meter war ein Kameraring um den vier Kilometer langen Konus gelegt, so dass sich immer einige Kameras über- und unterhalb der Kruste befänden, wie tief er auch eindrang. Nun konnte sie auch durch die Kruste sehen; die Weltraumgeschütze hatten eine Wunde geschlagen, die noch nicht verheilt war.

Sylveste hatte nicht gelogen.

Darunter verbarg sich ein Schlangennest von riesigen organischen Gebilden. Die Hitze des Einschlags hatte sich verteilt, der schwarze Rauch, der immer noch aus dem Loch quoll, stammte vermutlich eher von brennenden Maschinen als von verkohlter Krustensubstanz. Die schlangenartigen Röhren bewegten sich nicht. Ihre segmentierte, silbrig glänzende Außenhaut war von schwarzen Flecken und hundert Meter breiten Schrammen gezeichnet, aus denen kleinere Schlangen herausgeschleudert worden waren wie explodierende Eingeweide.

Volyova hatte Cerberus verletzt.

Sie wusste nicht, ob die Wunde tödlich war oder nur ein Kratzer, der in wenigen Tagen heilen würde, jedenfalls hatte sie Schaden angerichtet, und die Erkenntnis ließ sie frösteln. Sie hatte ein fremdes Wesen verwundet…

Und dieses Wesen schlug nun zurück.

Als der Schlag erfolgte, zuckte sie zusammen. Sie hatte zwar damit gerechnet, aber nur mit dem Verstand. Der Brückenkopf war noch zwei Kilometer von der Oberfläche entfernt — die Hälfte seiner eigenen Länge.

Es ging fast zu schnell. Innerhalb eines Lidschlags veränderte sich die Kruste in erschreckender Weise. Um die kilometergroße Wunde waren mehrere Reihen von konzentrischen grauen Erhebungen entstanden. Sie sahen aus wie steinerne Brandblasen. Bevor Volyova sie noch richtig zur Kenntnis nehmen konnte, explodierten sie auch schon und entließen etwas wie blitzende Sporen oder Silberflitter, die wie Schwärme von Glühwürmchen auf den Brückenkopf zustrebten. Ob es Antimateriesplitter, winzige Sprengköpfe, Virenkapseln oder kleine Geschützbatterien waren, konnte sie nicht erkennen. Sie wusste nur, dass sie ihr Geschöpf angreifen wollten.

»Jetzt«, flüsterte sie. »Jetzt!«

Sie wurde nicht enttäuscht. Vielleicht wäre es aus irgendeiner Sicht besser gewesen, wenn der Brückenkopf in diesem Moment zerstört worden wäre, aber dann hätte sie nicht so atemlos zusehen können, wie er sich mit allem zur Wehr setzte, was sie ihm gegeben hatte. Die Waffen in seiner kreisförmigen Randeinfassung reagierten prompt. Sie spürten die Fünkchen auf und konnten die meisten mit Laser- und Boserstrahlen abschießen, bevor sie den Hyperdiamantpanzer erreichten.

Der Brückenkopf beschleunigte und legte die letzten zweitausend Meter in zwanzig Sekunden zurück. Um die Wunde in der Kruste bildeten sich immer neue Blasen, die immer neue Flitterschwärme entließen. Der Brückenkopf parierte alle Angriffe. Wo einige der rosa glitzernden Sporen blitzend in den Rumpf eingeschlagen hatten, waren Krater entstanden, aber das konnte die Funktion der Waffe nicht beeinträchtigen. Ihre nadelfeine Spitze bohrte sich genau in der Mitte der Öffnung in die Kruste.

Sekunden später berührte die Waffe mit dem breiten Ende die gezackten Wundränder. Der Untergrund bekam Risse, die sich nach allen Seiten ausbreiteten. Immer noch schossen neue Blasen aus dem Boden, aber jetzt in größerem Abstand, so als wären die Maschinen unter der Kruste in unmittelbarer Umgebung der Wunde beschädigt oder erschöpft. Der Brückenkopf war mehrere hundert Meter tief eingedrungen. Stoßwellen breiteten sich kreisförmig nach allen Seiten aus und rasten am Rumpf entlang nach oben. Die piezoelektrischen Kristallpuffer, die Volyova in den Hyperdiamant eingebaut hatte, würden die Stöße dämpfen und ihre Energie in Wärme umwandeln, die in die Verteidigungswaffen geleitet wurde.

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