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Unendlichkeit [Revelation Space - de]

Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:

Vor Urzeiten lebte auf dem Planeten Resurgam das Volk der Amarantin. An der Schwelle zum Raumfahrtzeitalter jedoch wurde ihre blühende Kultur durch eine kosmische Katastrophe völlig vernichtet und so daran gehindert, in den Weltraum vorzudringen. Ein unglückliches Zusammenspiel physikalischer Gesetze? Oder alles andere als ein Zufall? Eine Millionen Jahre später will sich die Menschheit auf Resurgam ansiedeln. Die Kolonisten stoßen dort auf das Vermächtnis des außerirdischen Volkes: eine verschüttete Stadt und die riesige Statue eines geflügelten Amarantin. Es ist eine archäologische Sensation, und ihrem Entdecker, dem genialen Wissenschaftler Dan Sylveste, ist großer Ruhm gewiss. Sylveste aber bedeuten die Funde noch viel mehr: Er will die Wahrheit über das Schicksal der Amarantin herausfinden und ist bereit, dafür nicht nur sein eigenes, sondern auch das Leben anderer aufs Spiel zu setzen. Gemeinsam mit einer Gruppe von Cyborgs und ausgestattet mit einem Waffenarsenal, das ein ganzes Sonnensystem vernichten könnte, beginnt er seine Nachforschungen. Bald schon muss er allerdings erkennen, dass jemand — oder etwas — mit allen Mitteln verhindern will, dass er erfährt, was tatsächlich mit den Amarantin geschah…
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Also hatte sie sich an die Datenbank der Waffenkammer gewandt. Sie wusste aus zuverlässiger Quelle, dass dort mehr als vier Millionen verschiedener Handfeuerwaffen gespeichert waren, Exemplare aus zwölfhundert Jahren Büchsenmacherkunst, von einfachen Donnerbüchsen mit Funkenzündung bis zu den grausamsten Todesmaschinen im Taschenformat, die man sich ausmalen konnte.

Doch selbst dieses Riesensortiment war verschwindend klein, verglichen mit dem Gesamtpotenzial. Die Waffenkammer konnte nämlich auch kreativ sein. Wenn sie genaue Vorgaben bekam, sichtete sie ihre Pläne und mischte die optimalen Eigenschaften bereits existierender Waffen so lange, bis sie eine neue und genau auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittene Lösung gefunden hatte. Die ließ sich dann in wenigen Minuten realisieren.

Wenn das Werk vollendet war — wie jetzt die kleine Pistole, die sich Khouri für Pascale ausgedacht hatte —, öffnete sich mit leisem Schwirren ein Schlitz in der Theke und die fertige Waffe schob sich, ultrasteril glänzend und noch warm von der Herstellung, auf einer kleinen filzbezogenen Platte heraus.

Khouri nahm Pascales Pistole in die Hand, visierte am Lauf entlang, testete ihre Ausgewogenheit und probierte die Einstellungen für den Strahl durch, der über einen in den Griff eingelassenen Knopf zu regulieren war.

»Passt gut zu Ihnen, Madame«, sagte die Ausgabepersönlichkeit.

»Ist aber nicht für mich bestimmt«, sagte Khouri und steckte die Waffe in die Tasche.

Die sechs Weltraumgeschütze schalteten ihre Triebwerke ein, entfernten sich rasch vom Schiff und schlugen einen komplizierten Kurs ein, der sie auf Umwegen in Angriffsposition brachte. Währenddessen bremste der Brückenkopf weiterhin ab und kam der Oberfläche immer näher. Die Welt musste inzwischen bemerkt haben, dass ein künstliches Flugobjekt von beachtlicher Größe auf sie zukam, dachte Volyova, vielleicht erkannte sie in dem Objekt sogar die ehemalige Lorean. Irgendwo in den Tiefen der von Maschinen durchsetzten Kruste tobte jetzt wohl ein Streit. Einige Komponenten waren dafür, sofort anzugreifen; am besten zerstörte man das Ding, bevor es ernsthaft Schwierigkeiten machte. Andere Komponenten mahnten zur Vorsicht und wiesen darauf hin, dass das Objekt noch weit von Cerberus entfernt sei und ein Angriff sehr massiv ausfallen müsse, um es auch wirklich zu vernichten, bevor es zurückschlagen könne. Eine derart offene Machtdemonstration könnte anderswo unerwünschte Aufmerksamkeit erregen. Außerdem, so der Einwand der pazifistischen Systeme, habe das Objekt bisher keine feindlichen Absichten erkennen lassen. Vielleicht ahne es gar nicht, dass Cerberus eine künstliche Welt sei. Vielleicht wolle es nur daran schnuppern, um dann wieder abzuziehen.

Volyova wollte nicht, dass die Pazifisten siegten. Durchsetzen sollten sich vielmehr die Vertreter eines massiven Präventivschlags, und zwar sofort, noch in dieser Minute. Sie wollte sehen, wie Cerberus zuschlug und den Brückenkopf auslöschte. Damit wären alle Probleme gelöst und man wäre — nachdem Sylvestes Sonden bereits einem ähnlichen Schicksal zum Opfer gefallen waren — nicht schlechter dran als jetzt. Wenn man Cerberus lediglich zur Gegenwehr provozierte, war das vielleicht nicht die Art von Einmischung, vor der die Mademoiselle so eindringlich gewarnt hatte. Immerhin hätte niemand die Welt betreten. Danach konnte man sich geschlagen geben und nach Hause fliegen.

Doch das sollte nicht sein.

»Diese Weltraumgeschütze…« Sajaki wies mit dem Kinn aufs Display. »Hatten Sie vor, sie von hier aus scharf zu machen und abzufeuern, Ilia?«

»Ich wüsste nicht, was dagegen spräche.«

»Ich dachte, Khouri sollte sie vom Leitstand aus steuern. Dazu ist sie schließlich da.« Er wandte sich an Hegazi und flüsterte so laut, dass alle es hören konnten: »Allmählich fragt man sich, warum wir sie überhaupt angeworben haben — oder warum ich Volyova erlaubt habe, den Trawl zu unterbrechen.«

»Sie hat sicher ihre Qualitäten«, begütigte der Chimäre.

»Khouri ist natürlich im Leitstand«, log Volyova. »Vorsichtshalber. Aber ich möchte erst auf sie zurückgreifen, wenn es unbedingt nötig ist. Ich finde, das ist nur fair. Es sind schließlich auch meine Waffen — Sie können mir nicht verwehren, sie in einer so kontrollierten Situation auch selbst einzusetzen.«

Den Anzeigen auf ihrem Armband — die zum Teil auch auf dem Display in der Mitte der Brücke zu sehen waren — ließ sich entnehmen, dass die Geschütze in dreißig Minuten planmäßig ihre fast eine Viertelmillion Kilometer vom Schiff entfernten Positionen erreichen würden. Dann gäbe es keinen plausiblen Grund mehr, sie nicht auch abzufeuern.

»Gut«, sagte Sajaki. »Ich hatte schon an Ihrer bedingungslosen Hingabe an unsere gemeinsame Sache gezweifelt. Aber das hört sich doch verdächtig nach der alten Volyova an.«

»Wie ungemein erfreulich«, bemerkte Sylveste.

Siebenundzwanzig

Cerberus/Hades,

an der Heliopause von Delta Pavonis

2566

Die schwarzen Totenköpfe, Symbol für die Weltraumgeschütze, bewegten sich dem Abschuss entgegen, um ihre schreckliche Zerstörungskraft auf Cerberus loszulassen. Die Welt hatte bisher keine Reaktion gezeigt; nichts wies darauf hin, dass sie anders war, als sie sich darstellte. Die graue Kugel mit den Nahtstellen hing im All wie ein kahler, zum Gebet gesenkter Schädel.

Als es endlich so weit war, meldete sich die Projektionssphäre mit einem leisen Glockenton, der Countdown erreichte die Null und begann den langen Weg nach oben.

Sylveste sprach als Erster. Er wandte sich an Volyova, die sich seit Minuten nicht mehr bewegt hatte. »Müsste nicht etwas geschehen? Oder sind Ihre verdammten Geschütze nicht losgegangen?«

Volyova blickte auf wie in Trance. Sie hatte nur auf das Armband gestarrt.

»Ich habe den Befehl nicht gegeben«, sagte sie so leise, dass man sich anstrengen musste, um die Worte zu hören. »Ich habe die Zündung nicht ausgelöst.«

»Wie bitte?«, fragte Sajaki.

»Sie haben richtig verstanden«, antwortete sie etwas lauter. »Ich habe es nicht getan.«

Wieder bewahrte Sajaki eine Ruhe, die in ihrer Entschlossenheit bedrohlicher wirkte als alle Dramatik. »Noch bleiben uns einige Minuten, um den Angriff nachzuholen«, sagte er. »Nützen Sie die Zeit, bevor nichts mehr zu retten ist.«

»Ich glaube«, sagte Sylveste, »hier ist schon seit längerem nichts mehr zu retten.«

»Das ist eine interne Angelegenheit des Triumvirats«, sagte Hegazi. Seine stählernen Finger lagen blitzend auf den Armlehnen seines Sessels. »Ilia, wenn Sie den Befehl jetzt geben, können wir vielleicht…«

»Ich denke nicht daran«, sagte sie. »Sie können mir Meuterei vorwerfen, wenn Sie wollen, oder auch Verrat; das ist mir egal. Aber ich werde mich an diesem Wahnsinn nicht beteiligen.« Sie sah Sylveste mit unvermuteter Gehässigkeit an. »Sie kennen meine Gründe, also spielen Sie uns nichts vor.«

»Sie hat Recht, Dan.«

Pascale hatte sich eingeschaltet und zog für einen Moment alle Aufmerksamkeit auf sich.

»Du weißt, dass sie die Wahrheit sagt; wir können dieses Risiko einfach nicht eingehen, auch wenn du es dir noch so sehr wünschst.«

»Du hörst also auch auf diese Khouri«, sagte Sylveste. Aber es überraschte ihn kaum, dass seine Frau auf Volyovas Seite übergewechselt war, und er war weniger verbittert als erwartet. Ja, seine Gefühle waren so hoffnungslos durcheinander, dass er sie sogar dafür bewunderte.

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