Unendlichkeit [Revelation Space - de]
- Автор: Рейнольдс Аластер
- Серия: Revelation Space (de) #1
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 3-453-18787-3
- Переводчик: Irene Holicki
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:
»Warum auch nicht? Es ist ein elegantes System. Ich kann natürlich ebenfalls daraus lernen, aber das ist nicht das Gleiche. Was da unten passiert, ist ein systematischer, unendlicher Prozess — ohne das kleinste Körnchen Empfindungsfähigkeit.«
Ihre Bewunderung war aufrichtig.
»Sehr eindrucksvoll«, versetzte Khouri. »Blinde Replikation — ein Prozess ohne einen Funken Intelligenz, der aber an unzähligen Stellen gleichzeitig passiert, so dass wir schon zahlenmäßig erdrückt werden. So wird es doch kommen? Du wirst hier sitzen und dir das Gehirn zermartern, aber du wirst am Ausgang nichts ändern können. Früher oder später wird dir jeder Trick abgeschaut.«
»Aber so weit sind wir noch nicht.« Volyova schaute mit schief gelegtem Kopf auf ihre Schemazeichnungen. »Glaubst du, ich wäre so dumm gewesen, ihnen gleich unsere ausgeklügeltsten Gegenmaßnahmen entgegenzuwerfen? So führt man keinen Krieg, Khouri. Man verschwendet auf den Feind niemals mehr Energie — oder Intelligenz — als in der aktuellen Situation unbedingt erforderlich. Man spielt doch auch beim Pokern nie die beste Karte zuerst aus, sondern wartet, bis der Einsatz hoch genug ist.« Und dann erklärte sie, die Gegenmaßnahmen, die ihre Waffe derzeit einsetze, seien eigentlich archaisch und nicht besonders raffiniert. Sie habe sie uralten Einträgen im holografisch verteilten Datenspeicher der Waffenkammer entnommen und auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten. »Aktuell wären sie vor etwa dreihundert Jahren gewesen«, schloss sie.
»Aber Cerberus holt auf.«
»Richtig, allerdings ist die Zuwachsrate an technischer Kompetenz derzeit ziemlich stabil — wahrscheinlich, weil unsere Geheimnisse so mechanisch verarbeitet werden. Intuitive Sprünge sind nicht möglich, deshalb entwickeln sich die amarantinischen Systeme linear. Es ist, als würde jemand versuchen, einen Code nur mit simpler Rechenkapazität zu knacken. Deshalb weiß ich ziemlich genau, wie lange Cerberus brauchen wird, um unseren derzeitigen Stand zu überschreiten. Im Moment verringert sich unser Vorsprung alle drei bis vier Stunden Schiffszeit um etwa zehn Jahre. Damit haben wir knapp eine Woche Zeit, bis es wirklich spannend wird.«
»Und das hier findest du nicht spannend?« Khouri schüttelte den Kopf. Nicht zum ersten Mal war ihr Volyovas Reaktion unbegreiflich. »Wie werden diese Steigerungen erreicht? Enthält deine Waffe auch eine Kopie der Waffenkammer?«
»Nein. Zu gefährlich.«
»Richtig; das wäre so, als schickte man einen Soldaten mit allen militärischen Geheimnissen hinter die feindlichen Linien. Wie gehst du also vor? Sendest du die Geheimnisse erst dann an die Waffe, wenn sie gebraucht werden? Ist das nicht ebenso riskant?«
»So ist es tatsächlich, aber es ist viel sicherer, als du denkst. Die Sendungen werden mit einer Stromchiffre, einem so genannten One-time-Pad verschlüsselt; diese per Zufallsgenerator erzeugte Ziffernfolge gibt die Veränderungen an, die an jedem Bit im Rohsignal vorzunehmen sind; ob man eine Null hinzufügt oder eine Eins. Wenn man das Signal so verschlüsselt, kann der Feind die Urfassung nur wiederherstellen, wenn er eine Kopie des Codes besitzt. Die Waffe braucht natürlich eine solche Kopie — aber sie ist tief in ihrem Innern gespeichert, unter zehn Meter dicken massiven Diamantschichten mit hypergesicherten optischen Verbindungen zu den Kontrollsystemen für den Assembler. Nur bei einem schweren Angriff auf die Waffe bestünde die Gefahr, dass der Code erbeutet wird — und in diesem Fall würde ich einfach nichts mehr senden.«
Khouri aß den Apfel mitsamt dem kernlosen Gehäuse auf. »Es gibt also eine Möglichkeit«, sagte sie nach kurzem Überlegen.
»Eine Möglichkeit wofür?«
»Ein Ende zu machen. Das wollen wir doch immer noch, oder nicht?«
»Meinst du nicht, dass das Kind schon in den Brunnen gefallen ist?«
»Das wissen wir nicht mit Sicherheit. Was ist, wenn doch noch etwas zu machen wäre? Bisher haben wir noch nicht viel gesehen, nur die Tarnschicht und darunter eine Schicht von Verteidigungsanlagen zu ihrem Schutz. Beides ganz erstaunlich, gewiss — und man könnte wahrscheinlich schon deshalb eine Menge daraus lernen, weil es sich um eine fremde Technik handelt —, aber was sich noch weiter unten verbirgt, wissen wir nicht.« Sie schlug auf ihren Stuhl, um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, und sah mit Genugtuung, wie Volyova erschauerte. »So weit sind wir nicht gekommen, wir haben nicht einmal einen Blick darauf geworfen — und dabei wird es so lange bleiben, bis Sylveste tatsächlich hinuntergeht.«
»Das werden wir nicht zulassen.« Volyova klopfte auf den Nadler, den sie in den Gürtel gesteckt hatte. »Jetzt haben wir hier das Sagen.«
»Willst du riskieren, dass er die Bombe in seinen Augen zündet und uns alle tötet?«
»Pascale sagt, die Bombe sei nur ein Bluff.«
»Und das glaubt sie sicher auch selbst.« Khouri brauchte nicht weiterzusprechen. Volyova nickte bedächtig, sie hatte verstanden. »Es gibt eine bessere Möglichkeit«, fuhr Khouri fort. »Lass Sylveste ruhig gehen, wenn er will, aber lass uns dafür sorgen, dass es ihm nicht leicht fällt, ins Innere des Planeten zu kommen.«
»Womit du sagen willst…«
»Wenn du es nicht aussprechen willst, tue ich es. Wir müssen deine Waffe sterben lassen, Volyova. Wir müssen Cerberus den Sieg überlassen.«
Neunundzwanzig
Cerberus/Hades,
an der Heliopause von Delta Pavonis
2566
»Wir wissen nur«, sagte Sylveste, »dass Volyovas Waffe in die äußere Haut des Planeten eingedrungen ist; vielleicht bis hinunter zu den Maschinen, die ich bei meiner ersten Erkundung gesehen habe.«
Seit der Verankerung des Brückenkopfes waren etwa fünfzehn Stunden vergangen. Volyova war die ganze Zeit untätig geblieben und hatte sich bis jetzt geweigert, den ersten ihrer mechanischen Spione loszuschicken.
»Diese Maschinen haben offenbar die Aufgabe, die Kruste zu warten, Reparaturen durchzuführen, wenn sie durchstoßen wird, die Illusion von Echtheit aufrechtzuerhalten und Rohmaterial zu sammeln, wenn ein geeignetes Objekt vorbeikommt. Außerdem bilden sie die vorderste Verteidigungslinie.«
»Aber was liegt darunter?«, fragte Pascale. »In der Nacht, als du angegriffen wurdest, war die Sicht schlecht. Ich glaube nicht, dass sie einfach auf dem Grundgestein stehen, dass sich unter der künstlichen Fassade ein echter Felsenplanet befindet.«
»Wir werden es bald erfahren«, sagte Volyova und presste die Lippen zusammen.
Ihre Spione waren von geradezu lächerlicher Einfachheit; primitiver noch als die Roboter, die Sylveste und Calvin zu Beginn ihrer Arbeit am Captain eingesetzt hatten. Auch das war Teil ihrer Philosophie, wonach Cerberus keine fortgeschrittenere Technik zu sehen bekommen sollte, als im jeweiligen Stadium unbedingt nötig war. Die Drohnen konnten in großer Zahl vom Brückenkopf produziert werden, die Masse sollte den Mangel an allgemeiner Intelligenz aufwiegen. Sie waren faustgroß und hatten nur so viele Gliedmaßen, um sich eigenständig fortbewegen zu können, und nur so viele Augen, um ihre Existenz zu rechtfertigen. Gehirne hatten sie nicht; nicht einmal einfache Netze mit ein paar tausend Neuronen; nicht einmal Systeme, neben denen durchschnittliche Insekten wie wahre Intelligenzbestien erschienen wären. Dafür hatten sie kleine Spinndüsen, die isolierte Optikfasern auspressten. Die Drohnen wurden von Volyovas Brückenkopf gesteuert; alle Befehle und alles, was sie sahen, wurde durch diese Kabel hin und her geschickt. Dadurch war ein gewisses Maß an Abhörsicherheit gewährleistet.
»Ich glaube, wir werden noch eine zweite Maschinenebene finden«, sagte Sylveste. »Vielleicht auch eine zweite Schicht mit Verteidigungsanlagen. Aber darunter muss irgendetwas liegen, was diesen Aufwand rechtfertigt.«
»Tatsächlich?«, fragte Khouri. Sie hielt ihr Plasmagewehr seit Beginn der Besprechung drohend auf ihn gerichtet. »Gehen Sie damit nicht vielleicht von unzulässigen Voraussetzungen aus? Sie tun so, als gäbe es da drin einen kostbaren Schatz, der vor unseren schmutzigen Fingern geschützt werden soll. Nur dazu sei die ganze Tarnung da: um uns Affen fern zu halten. Aber wenn es nun gar nicht so wäre? Wenn nun unter der Kruste ein Ungeheuer lauerte?«