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Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]

Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:

Der große Kritiker- und Publikumserfolg aus den USA! Connie Willis, preisgekrönt als beste SF-Autorin der 90er Jahre, schickt in diesem Buch Zeitreisende aus der Zukunft in das viktorianische England — ein unvergessliches Abenteuer …
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Die beiden überlegten. »Oben in der Gosford Street ist noch einer«, sagte der Kleine. »Aber dorthin schaffen Sie’s nicht mehr. Eine Luftmine. Sie blockiert die ganze Straße.«

»Vielleicht ist sie in der Krypta«, meinte der Größere und setzte, als er meinen Gesichtsausdruck bemerkte, hinzu: »Die Krypta der Kathedrale. Dort unten ist auch ein Schutzraum.«

Die Krypta — natürlich! Dutzende von Menschen hatten in der Bombennacht dort Schutz gesucht. Sie waren bis elf Uhr dort geblieben, bis die Kathedrale über ihren Köpfen lichterloh brannte, und waren dann über die Außentreppe hinausgebracht worden.

Ich raste an den Gaffern vorbei zum Südportal und die Stufen hoch. »Sie können dort nicht rein!« rief die Frau mit dem Taschentuch.

»Rettungstrupp!« rief ich und rannte hinein.

Der westliche Teil der Kirche war immer noch dunkel, dafür war es im hohen Chor und dem Allerheiligsten mehr als hell. Die Sakristeien standen in Flammen, ebenso die Girdlersche Kapelle, und darüber quoll bronzefarbener Rauch aus den Bögen der Lichtgaden. In der Capperschen Kapelle leckten Flammen an dem Ölgemälde von Christus mit dem verlorenen Lamm auf dem Arm. Brennende Blätter aus der Gottesdienstordnung trieben durch das Kirchenschiff, wehten ascherieselnd herum.

Ich versuchte, mich an das Layout von Lady Schrapnells Entwürfen zu erinnern. Die Krypta lag unter der St. Lawrence-Kapelle im Nordgang, genau westlich der Draperschen Kapelle.

Ich lief den Hauptgang hoch, der feurigen Gottesdienstordnung ausweichend, und versuchte mich zu entsinnen, wo die Stufen waren. Links neben dem Lesepult.

Weit vorn im Chor fing mein Blick etwas Weißes ein.

»Verity!« schrie ich und rannte den Gang hoch.

Die Gestalt flitzte durch den Chor in Richtung Allerheiligstes. Zwischen den Chorbänken blitzte es weiß auf.

Brandbomben prasselten auf das Dach, und ich schaute hoch, dann wieder zum Chor zurück. Die Gestalt, falls es eine gewesen war, war verschwunden. Über dem Eingang zur Draperschen Kapelle wurde ein Blatt der Gottesdienstordnung vom Aufwind gepackt, tanzte auf und nieder.

»Ned!«

Ich wirbelte herum. Veritys schwaches Rufen schien von weit hinter mir zu kommen, oder trog mich das Geräusch der überhitzten Luft in der Kathedrale? Ich rannte weiter zum Chor, der aber, genau wie das Allerheiligste, verlassen war. Die Gottesdienstordnung trudelte im Aufwind von der Draperschen Kapelle herüber, loderte auf und sank brennend auf den Altar.

»Ned!« schrie Verity und dieses Mal konnte ich sie nicht verfehlen. Sie war draußen, vor der Kirche. Vor dem Südportal.

Ich rannte hinaus, die Stufen hinunter, ihren Namen schreiend, an den Dachbeobachtern und den Laternenstehern vorbei. »Verity!«

Fast gleichzeitig sah ich sie. Sie war halbwegs unten auf der Little Park Street, in einem erregten Gespräch mit dem untersetzten Luftschutzhelfer. Der hintere Teil ihres zerrissenen langen weißen Kleides schleifte auf dem Pflaster.

»Verity«, brüllte ich, aber das Getöse war zu laut.

»Nein, Sie haben mich falsch verstanden«, schrie sie dem Helfer zu. »Ich suche keinen öffentlichen Schutzraum. Ich suche einen jungen Mann mit Schnurrbart…«

»Miss, mein Befehl lautet, dieses Areal von Zivilisten zu räumen«, sagte der Mann.

»Verity!« rief ich ihr praktisch ins Ohr und packte sie am Arm.

Sie wandte sich um. »Ned!« sagte sie und warf sich in meine Arme. »Ich habe dich überall gesucht.«

»Gleichfalls«, sagte ich.

»Sie haben hier draußen nichts verloren«, meinte der Luftschutzwart grimmig. Eine Pfeife schrillte, gefolgt von einem langgezogenen Kreischen, während dem ich nicht hören konnte, was er sagte. »Dieses Gebiet ist nur für Einsatzfahrzeuge und Rettungsdienste. Zivilisten haben…« Ein ohrenbetäubender Schlag erfolgte, und der Mann verschwand in einem herabstürzenden Schauer aus Staub und Mauersteinen.

»He!« rief ich. »Luftschutzwart! Wo sind Sie?«

»Oh, nein!« Verity wedelte mit den Händen, wie um den aufwirbelnden Staub zu beseitigen. »Wo ist er?«

»Hier drunter.« Ich wühlte fieberhaft zwischen den Steinen.

»Ich find’ ihn nicht!« Verity schleuderte Steine beiseite. »Nein, warte, hier ist seine Hand! Und sein Arm!«

Der Luftschutzwart schüttelte wütend ihren Arm ab und erhob sich.

»Alles in Ordnung mit Ihnen?« fragten wir beide wie aus einem Mund.

»Natürlich ist mit mir alles in Ordnung«, sagte er hustend und klopfte den Staub von der Brust seines Overalls. »Aber nicht dank Ihnen! Zivilisten! Habt wohl keine Ahnung, was ihr tut! Das ist lebensgefährlich. Angehörige des Luftschutzes bei der Arbeit zu behindern ist eine unter Strafe stehende…«

Über uns dröhnte erneut Flugzeuglärm. Ich schaute hoch. Der Himmel wurde durch scharfe Blitze erleuchtet, und wieder hörte man das schrille Gekreisch einer Pfeife, diesmal näher.

»Wir machen besser, daß wir hier wegkommen«, sagte ich. »Hier runter!« Ich stieß Verity vor mir her eine Kellertreppe hinab, in den schmalen Schutz einer Türöffnung hinein.

»Geht’s dir gut?« rief ich und schaute sie an. Auf der einen Seite hatten sich ihre Haare gelöst, und ihr zerrissenes Kleid zeigte rußige Streifen. Ebenso ihr Gesicht. Auf ihrer linken Hand sah ich Blut. »Bist du verletzt?« fragte ich und hob ihre Hand hoch.

»Nein«, sagte sie. »Ich habe mir nur die Hand an einem Pfeiler in der Kirche angeschlagen. Es war so finster, und ich k-k-konnte nicht s-s-sehen, wo ich hinlief.« Sie klapperte mit den Zähnen. »Wie kann es so k-k-kalt sein, wenn die ganze Stadt b-b-brennt?«

»Hier«, sagte ich. »Zieh das an.« Ich zog den Regenmantel aus und legte ihn um ihre Schultern. »Gefälligkeit von T. J.«

»Danke«, sagte sie zitternd.

Wieder tat es einen Schlag, Staub und Mörtel rieselte auf uns herab. Ich zog sie tiefer in die Türöffnung und legte die Arme um sie. »Wir warten hier, bis sich alles etwas beruhigt hat und gehen dann zur Kathedrale zurück, und dann fort von hier, dorthin, wo’s etwas wärmer ist«, sagte ich obenhin, um sie zum Lächeln zu bringen. »Wir haben noch ein Tagebuch zu stehlen und einen Ehemann für Tossie zu finden. Oder glaubst du, es gibt hier jemanden, der bereit ist, all das…« — ich schwenkte den Arm zu dem vom Feuer erhellten Himmel — »für Babysprache und Prinzessin Arjumand aufzugeben? Also, ich glaube nicht.«

Der Effekt war nicht so, wie ich ihn mir gewünscht hätte. »Oh, Ned!« sagte Verity und brach in Tränen aus.

»Was ist denn?« fragte ich. »Ich weiß ja, ich sollte keine Witze mitten in einem Luftangriff machen. Ich…«

Sie schüttelte den Kopf. »Das ist es nicht. Oh, Ned, wir können nicht nach Muchings End zurück. Wir stecken hier fest.« Sie verbarg ihr Gesicht an meiner Brust.

»Meinst du, wie Carruthers? Sie haben ihn rausbekommen. Sie werden uns auch rauskriegen.«

»Nein, du verstehst mich nicht.« Sie schaute mit tränenverschleiertem Blick zu mir auf. »Wir können nicht zum Netz zurück. Das Feuer…«

»Was meinst du damit?« wollte ich wissen. »Der Turm brannte nicht. Er und der Spitzturm ist das einzige, was stehenblieb. Und ich weiß, daß dieser Drache vom Blumenausschuß das Westportal bewacht, aber wir können durch das Südportal…«

»Der Turm?« fragte sie verständnislos. »Was meinst du damit?«

»Bist du nicht im Turm angekommen?«

»Nein. Im Allerheiligsten. Ich blieb dort beinahe eine Stunde lang und hoffte, das Netz würde sich wieder öffnen, doch dann begann es ringsum zu brennen, und ich hatte Angst, daß die Brandwache mich erwischen würde, also ging ich ins Freie und suchte nach dir.«

»Woher wußtest du, daß ich hier bin?«

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