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READ-E-BOOK » Научная фантастика » Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]
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Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]

Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:

Der große Kritiker- und Publikumserfolg aus den USA! Connie Willis, preisgekrönt als beste SF-Autorin der 90er Jahre, schickt in diesem Buch Zeitreisende aus der Zukunft in das viktorianische England — ein unvergessliches Abenteuer …
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Das Dröhnen der Flugzeuge wurde zum wütenden Röhren. »Verity!« schrie ich durch das Getöse. Auf dem Dach hörte man Getrappel, wie Hagelschauer, dann ein Klopfen und erstickte Rufe. Die Brandwache, die oben auf dem Dach Brandbomben löschte. Hatte Verity sie gehört und sich irgendwo versteckt, damit man sie nicht sah?

Über mir krachte es. Ein scharfes Zischen folgte, und ich schaute hoch, glücklicherweise, denn dadurch entging ich dem Schicksal, von einer Brandbombe getroffen zu werden. Sie fiel auf eine der Kirchenbänke, zischend und bronzene Funken auf das Holz sprühend. Ich schnappte ein Gesangbuch vom Rückenteil der nächsten Bank und schleuderte damit die Bombe auf den Boden. Sie rollte in den Gang, an die Bank auf der gegenüberliegenden Seite.

Ich kickte sie fort, aber das Holz qualmte bereits. Die Bombe spuckte und sprühte, wand sich wie ein Lebewesen. Sie traf auf die Balustrade vor dem Altar und loderte feurigweiß auf.

Eine Handpumpe, dachte ich und schaute mich aufgeregt um, aber man hatte offenbar alle aufs Dach geschafft. In der Südtür hing ein Eimer. Ich rannte zurück, schnappte ihn mir und hoffte, daß Sand darin war. Ich hatte Glück. Wieder bei der Balustrade, kippte ich den Sand auf die Bombe und das bereits brennende Geländer, dann trat ich zurück und wartete, ob sie weiter Feuer spie.

Ich hatte wieder Glück. Mit dem Fuß kickte ich die Bombe in die Mitte des Hauptgangs und vergewisserte mich, daß das Feuer an der Balustrade gelöscht war. Den Sandeimer hatte ich fallenlassen, und er war unter eine der Bänke gerollt, wo ihn morgen der Kirchendiener finden und in Tränen ausbrechen würde.

Ich stand da und schaute ihn an. Was hatte ich getan? Ich hatte ohne nachzudenken gehandelt, genau wie Verity, als sie der Katze hinterher ins Wasser watete. Aber hier gab es keine Chance, den Lauf der Geschichte zu verändern. Die Luftwaffe war gerade dabei, alle möglichen Inkonsequenzen zu korrigieren.

Ich schaute hoch zu der Mercerschen Kapelle. Flammen züngelten bereits durch ihre geschnitzte Holzdecke, und kein noch so großes Aufgebot an Sandeimern würde sie ersticken können. In zwei Stunden würde die ganze Kathedrale in Flammen stehen.

Draußen vor der Girdlerschen Kapelle hörte man einen dumpfen Laut, als dort etwas aufschlug, was für einen Moment die Kapelle erhellte. In dem Augenblick, bevor das Licht wieder erlosch, konnte ich das Holzkreuz aus dem fünfzehnten Jahrhundert erkennen, zu dessen Füßen die geschnitzte Figur eines Kindes kniete. In einer halben Stunde würde Probst Howard es sehen, hinter einer Feuerwand, und der gesamte östliche Teil der Kathedrale würde lichterloh brennen.

»Verity!« rief ich, und meine Stimme hallte durch die sich wieder verdunkelnde Kirche. »Verity!«

»Ned!«

Ich wirbelte herum. »Verity!« schrie ich und hastete den Hauptgang hinunter. Am Ende des Kirchenschiffs hielt ich schlitternd an. »Verity?« Ich blieb lauschend stehen.

»Ned!«

Die Stimme kam von draußen. Das Südportal… Ich rannte quer durch die Bänke, über die Einfassungen stolpernd, und aus dem Portal heraus.

Draußen hatte sich eine Gruppe Menschen versammelt, die beklommen zum Dach hochschaute. An einem Laternenpfahl lehnten, die Hände lässig in den Hosentaschen vergraben, zwei flegelhaft aussehende Halbwüchsige und diskutierten über ein Feuer im Westen. »Riecht wie Zigarrenqualm«, sagte der größere der beiden, so gelassen, als sprächen sie übers Wetter. »Komisch.«

»Der Tabakladen an der Ecke Broadgate«, erwiderte der kleinere. »Wären wir bloß hin und hätten uns ein paar von den Zigarren untern Nagel gerissen, bevor der Laden futsch ist.«

»Haben Sie ein Mädchen aus der Kirche herauskommen sehen?« fragte ich den Nächststehenden, eine Frau mittleren Alters mit einem Taschentuch.

»Sie wird doch kein Feuer fangen, oder?« fragte sie.

O doch, dachte ich. »Die Brandwache ist oben«, erwiderte ich. »Haben Sie ein Mädchen aus der Kirche rausrennen sehen?«

»Nein«, sagte sie, ihren Blick sofort wieder zum Dach hoch wendend.

Ich rannte die Bayley Lane hinunter und dann wieder zurück, an der Seite der Kirche entlang, aber Verity war nirgends zu sehen. Sie mußte aus einer der anderen Türen gekommen sein. Nicht aus der Sakristei. Dort ging die Brandwache ein und aus. Das Westportal.

Ich rannte um die Kirche herum. Vor dem Westportal stand ebenfalls eine Gruppe Menschen, in der Vorhalle zusammengedrängt, eine Frau mit drei kleinen Mädchen, ein alter, in eine Decke gehüllter Mann, ein Mädchen in einer Dienstmädchenuniform. Eine grauhaarige Frau mit einer scharfen Nase und einer WAS-Armbinde stand vorm Portal, die Arme verschränkt.

»Haben Sie irgend jemanden in den letzten Minuten aus der Kirche kommen sehen?« fragte ich sie.

»In die Kirche darf niemand außer der Brandwache hinein«, erwiderte die Frau anschuldigend, und ihre Stimme erinnerte mich ebenfalls an jemanden, aber ich hatte keine Zeit, darüber nachzudenken, an wen.

»Sie hat rote Haare«, sagte ich. »Sie trägt ein langes weißes… sie trägt ein Nachthemd.«

»Ein Nachthemd?« fragte die Frau mißfällig.

Ein untersetzter Luftschutzhelfer kam herbei. »Ich habe den Befehl, dieses Gebiet hier zu räumen«, sagte er. »Sämtliche Zufahrten zur Kathedrale müssen für die Feuerwehr frei sein. Beeilen Sie sich bitte.«

Die Frau mit den drei kleinen Mädchen hob das kleinste auf und verließ die Vorhalle. Der alte Mann schlurfte hinter ihr her.

»Kommen Sie«, sagte der Luftschutzhelfer zu dem Dienstmädchen, das vor Furcht paralysiert schien. »Sie auch, Miss Sharpe.« Er winkte der grauhaarigen Frau.

»Ich habe nicht vor, irgendwo anders hinzugehen«, sagte sie, ihre Arme noch energischer verschränkend. »Ich bin die Vizevorsitzende der Frauengemeinschaft der Kathedrale und Vorsitzende des Blumenausschusses.«

»Es ist mir egal, wer Sie sind«, sagte der Mann. »Ich habe den Befehl, diese Türen für die Feuerwehr freizumachen. Ich habe bereits das Südportal freibekommen, und nun sind Sie dran.«

»Haben Sie eine junge Frau mit rotem Haar gesehen?« unterbrach ich ihn.

»Mein Auftrag ist es, dieses Portal gegen Plünderer zu verteidigen«, sagte die Frau und richtete sich zu voller Lebensgröße auf. »Ich stehe hier, seitdem der Angriff begann, und ich beabsichtige, die ganze Nacht hier zu stehen, falls es nötig ist, um die Kathedrale zu schützen.«

»Und ich beabsichtige, die Türen freizumachen«, entgegnete der Luftschutzhelfer und richtete sich auf.

Ich hatte keine Zeit für so was, also trat ich zwischen die beiden. »Ich suche ein Mädchen«, sagte ich und richtete mich auf. »Rotes Haar. Weißes Nachthemd.«

»Fragen Sie auf der Polizeiwache«, sagte der Mann. Er deutete in die Richtung, aus der ich gekommen war. »Unten auf der St. Mary’s Street.«

Ich machte mich im Laufschritt auf, überlegend, wer von den beiden wohl gewinnen würde. Ich persönlich setzte auf die Vorsitzende des Blumenausschusses. An wen erinnerte sie mich? Mary Botoner? Lady Schrapnell? Eine der pelztragenden Damen bei Blackwell’s?

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