Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Alle Blicke richteten sich nun auf Surcouf; ein Lied von ihm wäre die Krönung seiner Gastfreundschaft, und da er wohl begriff, was man von ihm erwartete, sagte er lächelnd: »Wohlan, sei’s drum! Ich werde euch das Lied vortragen, das ich früher sang, wenn ich die Schiffsjungen unterwies.«
Gemurmel erhob sich, indes andere Stimmen riefen: »Psst! Leise!«, und dann trat Stille ein.
Surcouf räuspert sich und beginnt:
Junge, nimm das Tau dort am Mast
Und zeig mir, wie du den Palstek machst
Eins und zwei, so recht? … Sapperlot!
Meister, weder Bürger bin ich noch Soldat
Und ich weiß, wie man den Palstek schlingt und löst
Denn ich lerne meinen Dienst...
Surcouf sang alle Strophen, und sein Lied wurde ebenso begeistert aufgenommen wie Kernochs Darbietung. Die schöne Dame des Hauses jedoch konnte ihre Neugier darauf nicht verhehlen, ob Renés Gelassenheit ungekünstelt war oder sich einer übermächtigen Willensanstrengung verdankte, und deshalb sprach sie ihn an und sagte: »Monsieur René, wollen Sie der Einzige sein, der uns kein Lied aus seiner Heimat zu Gehör bringt?«
»Ach, Madame!«, sagte René, »ich habe keine Heimat; ich bin in Frankreich geboren, an mehr darf ich mich nicht erinnern, und ich weiß nicht, ob ich in meinem Gedächtnis, suchte ich darin, noch ein einziges Lied wiederfinden würde; alle Freuden meiner Kindheit, alle Blumen meiner Jugend wurden durch drei Jahre des Kummers und des Winters abgetötet; doch ich werde mich zu erinnern suchen, und wenn ich ein paar Schneeglöckchen finde, werde ich sie pflücken. Madame, Sie und Ihre Gäste werden entschuldigen, dass ich keine Lieder zu singen verstehe, die den Seemannsstand preisen; nach der ersten Kampagne werde auch ich mich darauf verstehen, wie ich hoffe, doch bis dahin muss ich mich mit dem begnügen, was Sie nun hören werden.«
Und mit einer hellen und klaren Stimme wie der eines Mädchens sang er folgendes Lied:
Wär ich ein Sonnenstrahl
Schien ich als Liebespfeil
Hüllte dich in mein Licht
Doch meine Kraft versiegt
An deinem Augenlid
Wär ich das Spiegelein
In deinem Kämmerlein
Sähst du dein Bild darin
An meines Herzens Grund
Dies schöne Traumgespinst.[4]
Und alle Couplets dieses Liedes wurden von den Gästen mit großem Beifall bedacht.
»Meine Herren«, sagte Madame Surcouf, »wenn die Nachtigall gesungen hat, schweigen alle Vögel. Gehen wir in den Salon, wo der Kaffee wartet.«
René erhob sich, reichte Madame Surcouf den Arm und ging mit ihr in den Salon; kaum hatte er sich dort mit einer Verbeugung zurückgezogen, als Surcouf auf ihn zukam, ihn nun am Arm nahm und mit ihm an ein Fenster trat. René begleitete ihn mit der Ehrerbietung eines Untergebenen für seinen Vorgesetzten.
»Mein lieber René, ich glaube, dass es langsam an der Zeit ist«, sagte Surcouf, »diese Komödie zu beenden. Sagen Sie mir, was Sie von mir wünschen und zu welchem Zweck Sie mich aufgesucht haben; Sie sind so liebenswert, dass ich alles tun werde, was in meiner Macht steht, um mich Ihnen gefällig zu zeigen.«
»Ich hatte und habe keinen anderen Wunsch als den, bei Ihnen anzuheuern, mein Kommandant, und als einfacher Matrose in Ihre Mannschaft aufgenommen zu werden.«
»Aber wie kommt es, dass Sie sich solche Flausen in den Kopf gesetzt haben? Sie versuchen vergebens zu verbergen, dass Sie einer vornehmen Familie entstammen; Ihre Erziehung ist die eines Mannes, der höchste Staatsämter anstreben kann. Ist Ihnen denn nicht bewusst, in welche Gesellschaft Sie sich begeben und welche Arbeiten Sie dort zu verrichten haben?«
»Monsieur Surcouf, jemand wie ich, der sich allen Stolzes entschlagen hat, kennt keine Gesellschaft, die seiner unwürdig wäre. Meine Arbeit wird mühsam sein, das weiß ich, doch Sie wissen, dass ich stark bin, und Sie haben gesehen, dass ich geschickt sein kann; ich trinke nur Wasser, und wenn man mich zwingt, Wein zu trinken, viel Wein sogar, bewahre ich trotzdem einen klaren Kopf, wie Sie sahen. Was die Gefahr betrifft, glaube ich das Gleiche behaupten zu können wie vom Wein: Ich habe so lange Tag für Tag mit dem Tod gerechnet, dass ich zuletzt mit ihm vertraut wurde; da man mir die Wahl der Waffengattung und des Mannes, bei dem ich dienen wollte, überließ, beschloss ich, Matrose zu werden, und da Sie einer der tapfersten und loyalsten Offiziere sind, die ich kenne, wählte ich Sie als meinen Anführer.«
»Ich mache Sie darauf aufmerksam, Monsieur«, sagte Surcouf, »jeder Matrose, auch jeder einfache Matrose, der bei uns anheuert, kann seine Wünsche äußern, und sobald sie in die Musterrolle eingetragen sind, werden sie berücksichtigt.«
»Ich will Dienst und Lebensweise meiner Kameraden teilen; ich habe keinerlei Anspruch darauf, dass man mir irgendeine Tätigkeit erspart, die ich als einfacher Matrose zu verrichten hätte; das Einzige, was mir widerstrebte, wie Sie sich denken können, wäre, die Hängematte mit einem anderen teilen zu müssen.«
»Was Sie verlangen, ist so lächerlich wenig, dass ich es Ihnen schwerlich verweigern kann, aber ich will Ihnen mehr anbieten: Wollen Sie mein Sekretär sein? Dann hätten Sie nicht nur eine eigene Hängematte, sondern auch eine eigene Kajüte.«
»Ich nehme Ihr Angebot dankend an, vorausgesetzt, diese Tätigkeit lässt mir genug Zeit für die übrigen Arbeiten eines Matrosen und die Teilnahme am Kampf, wenn sich die Möglichkeit ergeben sollte.«
»Ihre Arbeit als Matrose könnte ich getrost entbehren«, sagte Surcouf lachend, »aber ich müsste ein rechter Tor sein, wollte ich auf Ihre Unterstützung im Kampf verzichten.«
»Darf ich Sie um einen weiteren Gefallen bitten? Ich möchte mit meinen eigenen Waffen kämpfen, mit den Waffen, die ich gewohnt bin.«
»Bevor der Kampf beginnt, werden die Waffen an Deck gebracht, und jeder nimmt, was ihm zusagt; Sie werden sich in Ihrer Kajüte bewaffnen; dieser Gefallen ist also denkbar gering.«
»Eine letzte Bitte: Sollten wir an der Küste Koromandels oder Bengalens an Land gehen, gestatten Sie mir, an einer Tiger- oder Pantherjagd teilzunehmen – auf eigene Kosten, wohlverstanden -, denn davon habe ich so oft gehört; und wenn Sie eine Expedition unternehmen müssen, bei der Sie das Leben Ihrer Offiziere nicht gefährden wollen, dann beauftragen Sie mich damit; mein Leben ist für niemanden von Bedeutung, und niemand muss um mich trauern.«
»Dann erlauben Sie mir«, sagte Surcouf, »dass ich Sie bei der Verteilung der Prisen als Offizier behandle. Die Prisen werden folgendermaßen aufgeteilt: ein Drittel für mich, ein Drittel für die Offiziere, ein Drittel für die Soldaten.«
»Und ich darf mit meinem Anteil anfangen, was mich gut dünkt?«, fragte René.
»Selbstverständlich«, erwiderte Surcouf.
»Mein Kommandant, jetzt möchte ich Sie etwas fragen«, sagte René. »Haben Sie Waffen, auf die Sie sich verlassen können?«
4
Diese drei Lieder voller Lokalkolorit, Patriotismus und Verve wurden mir liebenswürdigerweise von meinem Freund La Landelle zum Gebrauch nach eigenem Gutdünken überlassen, und ich konnte nicht widerstehen, sie an dieser Stelle einzufügen, auch wenn dies zu Lasten der historischen Glaubwürdigkeit geschieht. Der interessierte Leser findet sie ganz in dem bei Buchhändler Dentu im Palais-Royal erschienenen Band.