Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
»Wenn es keinen Bagration gäbe, müßte man ihn erfinden«, sagte der Witzbold Schinschin, ein Wort Voltaires parodierend. Über Kutusow redete niemand; einige schimpften sogar flüsternd auf ihn und nannten ihn einen höfischen Mantelträger und einen alten Satyr.
In ganz Moskau war ein Ausdruck Dolgorukis in Umlauf: »Wer viel leimt, wird schließlich selbst voll Leim«; man tröstete sich eben mit der Erinnerung an die Siege über so viele frühere Gegner darüber, daß man nun auch selbst einmal besiegt worden war. Auch wiederholte man eine Bemerkung Rastoptschins: der französische Soldat müsse durch hochtönende Phrasen zum Kampf angefeuert werden; dem deutschen Soldaten müsse man eine logische Auseinandersetzung vortragen und ihn zu der Überzeugung bringen, daß es gefährlicher sei, davonzulaufen als vorwärtszugehen; aber den russischen Soldaten müsse man immer nur zurückhalten und ihn ermahnen: »Nicht zu hitzig!« Überall hörte man neue und wieder andere neue Erzählungen von besonderen Beweisen von Tapferkeit, die unsere Soldaten und Offiziere bei Austerlitz gegeben hätten. Der eine hatte eine Fahne gerettet; ein anderer fünf Franzosen getötet; ein dritter ganz allein fünf Kanonen geladen. Auch von Berg erzählten Leute, die ihn gar nicht kannten, daß er, an der rechten Hand verwundet, den Degen in die linke genommen habe und weiter vorwärts gegangen sei. Von Bolkonski war nicht die Rede, und nur nahe Bekannte von ihm äußerten ihr Bedauern, daß er, mit Hinterlassung einer schwangeren Frau und eines wunderlichen Kauzes von Vater, so früh habe sterben müssen.
III
Am 3. März herrschte in allen Räumen des Englischen Klubs ein lautes Stimmengetöse, und wie wenn Bienen im Frühling schwärmten, wanderten die Mitglieder und Gäste des Klubs hin und her, saßen, standen, traten zusammen und gingen wieder auseinander, die meisten in Uniform oder im Frack, einzelne auch noch im langschößigen Rock und mit gepudertem Kopf. Gepuderte Livreediener in Schuhen und Strümpfen standen an jeder Tür und achteten mit gespannter Aufmerksamkeit auf jede Bewegung der Gäste und Klubmitglieder, um ihre Dienste anzubieten. Die Mehrzahl der Anwesenden waren ältere, angesehene Herren, mit breiten, selbstzufriedenen Gesichtern, dicken Fingern, sicheren Bewegungen und festen Stimmen. Diejenigen Gäste und Mitglieder, welche zu dieser Gattung gehörten, saßen auf ihren bekannten, gewohnten Plätzen und vereinigten sich zu den bekannten, gewohnten Gruppen. Ein kleiner Teil der Anwesenden bestand aus Gästen, deren Erscheinen nur durch diesen besonderen Anlaß herbeigeführt war; dies waren vorwiegend jüngere Leute, darunter Denisow, Rostow und Dolochow, welcher letztere wieder Offizier im Semjonower Regiment war. Auf den Gesichtern der jüngeren Leute, namentlich der Militärs, lag jener Ausdruck geringschätziger Ehrerbietung gegen die älteren Herren, der zu der älteren Generation gewissermaßen sagt: »Wir sind bereit, euch zu achten und zu respektieren; aber vergeßt nicht, daß die Zukunft uns gehört.«
Auch Neswizki war da, als altes Mitglied des Klubs. Pierre, der auf Verlangen seiner Frau sich das Haar hatte wachsen lassen, keine Brille mehr trug und sich modern kleidete, wandelte mit trüber, niedergeschlagener Miene durch die Säle. Auch hier umgab ihn dieselbe gesellschaftliche Atmosphäre wie überalclass="underline" die Menschen beugten sich vor seinem Reichtum, und er, schon gewohnt zu herrschen, behandelte sie in zerstreuter, geringschätziger Manier.
Seinen Jahren nach hätte er sich zu den jungen Männern halten müssen; aber aufgrund seines Reichtums und seiner persönlichen Beziehungen gehörte er zu den Kreisen der älteren, vornehmen Herren, und so ging er denn von der einen derartigen Gruppe zur andern. Besonders hochangesehene alte Herren bildeten die Mittelpunkte einzelner Gruppen, und zu solchen Gruppen traten respektvoll auch Unbekannte heran, um jene hervorragenden Persönlichkeiten reden zu hören. Die größten Gruppen hatten sich um den Grafen Rastoptschin, um Walujew und um Naryschkin gebildet. Rastoptschin erzählte, wie die Russen von den fliehenden Österreichern zusammengepreßt worden seien und sich mit dem Bajonett einen Weg durch die Flüchtlinge hätten bahnen müssen.
Walujew teilte vertraulich mit, Uwarow sei aus Petersburg nach Moskau geschickt, um die Meinung der Moskauer über Austerlitz in Erfahrung zu bringen.
In einer dritten Gruppe sprach Naryschkin von einer Sitzung des österreichischen Kriegsrats, in welcher Suworow auf die von den österreichischen Generalen vorgebrachten Dummheiten nur damit geantwortet hätte, daß er wie ein Hahn gekräht habe. Der dabeistehende Schinschin wollte einen Witz daran anknüpfen und bemerkte, Kutusow scheine nicht einmal diese leichte Kunst, wie ein Hahn zu krähen, von Suworow gelernt zu haben; aber die alten Herren blickten den Witzling streng an und gaben ihm damit zu verstehen, daß es an diesem Ort und am heutigen Tag unschicklich sei, in dieser Art über Kutusow zu sprechen.
Graf Ilja Andrejewitsch Rostow kam fortwährend eiligen Ganges und mit geschäftiger Miene in seinen weichen Stiefeln aus dem Speisesaal in den Salon und begrüßte hastig und stets mit der gleichen Redewendung hochgestellte und unbedeutende Persönlichkeiten, die er sämtlich kannte; ab und zu suchte er mit den Augen seinen hübschen, schlanken Sohn, ließ seinen Blick mit stolzer Vaterfreude auf ihm ruhen und nickte ihm zu. Der junge Rostow stand an einem Fenster mit Dolochow zusammen, den er vor kurzem kennengelernt hatte, eine Bekanntschaft, auf die er großen Wert legte. Der alte Graf trat zu ihnen heran und drückte Dolochow die Hand.
»Besuche uns doch einmal in unserm Haus; du bist ja mit meinem Jungen bekannt; ihr seid ja doch zusammen da unten gewesen und habt gemeinsam eure Heldentaten vollführt … Ah, Wasili Ignatjewitsch, guten Tag, lieber Alter …«, redete er einen vorbeigehenden alten Herrn an; aber er kam nicht dazu, seine Begrüßung zu Ende zu sprechen, da in diesem Augenblick alles in Bewegung geriet und ein herbeilaufender Lakai mit erschrockenem Gesicht meldete: »Sie sind gekommen!«