Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
»Denisow, wir sind da! Er schläft!« sagte er und bog sich mit dem ganzen Leib nach vorn, wie wenn er durch diese Haltung die Bewegung des Schlittens zu beschleunigen hoffte.
Denisow antwortete nicht.
»Da ist die Straßenecke, wo immer der Droschkenkutscher Sachar seinen Stand hatte. Und da ist auch Sachar selbst, und er hat immer noch dasselbe Pferd! Und da ist auch der Laden, wo wir uns Pfefferkuchen zu kaufen pflegten. Nur schnell, nur schnell!«
»Nach welchem Haus?« fragte der Postkutscher.
»Da ganz am Ende, nach dem großen Haus, siehst du es? Das ist unser Haus«, sagte Rostow. »Ja, das ist unser Haus! Denisow! Denisow! Wir sind gleich da!«
Denisow hob den Kopf in die Höhe und räusperte sich, gab aber keine Antwort.
»Dmitri«, wandte sich Rostow an den Diener, der auf dem Schlittenrand saß. »Da ist ja bei uns Licht?«
»Jawohl, gewiß; auch der Herr Papa hat Licht in seinem Zimmer.«
»Sie haben sich also wohl noch nicht hingelegt? Was meinst du? Daß du mir ja nicht vergißt, mir gleich meinen neuen Dolman auszupacken«, fügte Rostow hinzu und befühlte seinen neuen Schnurrbart.
»Na, nun fahr doch tüchtig zu!« trieb er den Kutscher an. »Aber so wach doch auf, Waska!« rief er seinem Reisegefährten zu, der schon wieder den Kopf sinken ließ. »Fahr schnell, du bekommst drei Rubel Trinkgeld, schnell!« rief Rostow, als der Schlitten nur noch drei Häuser weit von der Tür seines elterlichen Hauses entfernt war. Es kam ihm vor, als ob die Pferde nicht vom Fleck kämen. Endlich bog der Schlitten nach rechts zur Haustür ab; Rostow erblickte über seinem Kopf das bekannte Gesims mit dem abgebröckelten Stuck; er erblickte die Stufen vor der Haustür und den Prellpfahl beim Trottoir. Noch im Fahren sprang er aus dem Schlitten und lief in den Hausflur hinein. Das Haus blieb ohne ein Zeichen freundlicher Bewillkommnung steif und starr stehen, als machte es sich gar nichts aus seiner Ankunft. Im Flur war niemand. »Mein Gott, es wird doch nichts Schlimmes passiert sein?« dachte Rostow, machte mit beklommenem Herzen einen Augenblick halt, lief dann aber sofort weiter durch den Flur und die ihm so wohlbekannten schiefgewordenen Stufen hinan. Die Türklinke, über deren Unsauberkeit die Gräfin so oft schalt, war noch unverändert und bewegte sich beim Öffnen der Tür noch ebenso lautlos wie früher. Im Vorzimmer brannte ein einziges Talglicht.
Der alte Michail lag auf dem Schlafkasten und schlief. Prokofi, der Wagenlakai, der so stark war, daß er die Kutsche am Hintergestell aufheben konnte, saß und flocht Schuhe aus Tuchkanten. Er blickte nach der sich öffnenden Tür hin, und seine gleichgültige, schläfrige Miene verwandelte sich auf einmal in eine erschrockene und entzückte.
»Alle lieben Heiligen! Der junge Graf!« rief er, den jungen Herrn erkennend. »Wie geht das denn zu? Liebster, bester Herr!« Und Prokofi stürzte, vor Aufregung zitternd, nach der Tür zu den inneren Räumen, offenbar um im Salon Meldung zu machen; aber dann wurde er, wie es schien, anderen Sinnes, kehrte wieder um und küßte seinem jungen Herrn die Schulter und die Hand.
»Sind sie alle gesund?« fragte Rostow und entzog ihm seine Hand.
»Jawohl, Gott sei Dank; alle gesund, Gott sei Dank! Sie haben eben Abendbrot gegessen. Lassen Sie sich doch einmal ansehen, Euer Erlaucht!«
»Und alles im gewohnten Gleise?«
»Jawohl, Gott sei Dank, Gott sei Dank!«
Seinen Freund Denisow hatte Rostow völlig vergessen; er wollte nicht, daß seine Ankunft den Seinigen vorher gemeldet würde, warf daher seinen Pelz hin und lief auf den Zehen in den großen Saal, in welchem kein Licht war. Alles war unverändert: dieselben Lombertische, derselbe Kronleuchter in seiner Umhüllung. Aber offenbar hatte doch jemand den jungen Herrn gesehen; denn er war noch nicht durch den Saal bis zum Salon gelaufen, als ungestüm wie ein Sturmwind etwas aus einer Seitentür herausgeflogen kam, ihn umarmte und sein Gesicht mit Küssen bedeckte. Noch ein zweites, ein drittes derartiges Wesen sprang aus einer andern und einer dritten Tür heraus; noch mehr Umarmungen, noch mehr Küsse, noch mehr Freudenrufe und Freudentränen! Er konnte nicht unterscheiden, wo und wer der Papa war, wer Natascha war, wer Petja. Alle schrien, redeten und küßten ihn gleichzeitig. Nur die Mutter war nicht darunter; dessen war er sich bewußt.
»Und ich wußte gar nicht … Lieber Nikolai … Mein Bester!«
»Da haben wir ihn wieder … unsern lieben Nikolai …! Du Guter, Lieber …! Aber wie hast du dich verändert! Aber es ist ja kein Licht da! Bringt doch Licht! Und sorgt auch für Tee!«
»Küß mich doch!«
»Mein Herzensnikolai … mich auch!«
Sonja, Natascha, Petja, Anna Michailowna, Wjera und der alte Graf umarmten ihn; auch die Diener und die Stubenmädchen hatten sich im Saal und in den Nebenzimmern eingefunden und gaben durch Worte und Interjektionen ihrer Freude Ausdruck.
Petja hängte sich an die Beine seines Bruders.
»Mich auch!« schrie er.
Natascha zog seinen Kopf zu sich herunter und küßte ihn herzlich ab; dann sprang sie von ihm zurück und hüpfte, sich an einem Schoß seines Dolmans haltend, wie eine Ziege immer auf demselben Fleck und kreischte durchdringend.
Ringsum sah er Augen voller Liebe, von Freudentränen glänzend, ringsum Lippen, die ihn zu küssen verlangten.
Sonja, rot wie eine Mohnblume, hielt ebenfalls eine seiner Hände gefaßt, richtete ihren von Glückseligkeit strahlenden Blick nach seinen Augen hin und wartete darauf, daß er sie ansehen werde. Sonja war jetzt bereits sechzehn Jahre alt geworden und war sehr hübsch, namentlich in diesem Augenblick glückseliger, entzückter Erregung. Sie schaute zu ihm hin, ohne die Augen von ihm abzuwenden, lächelnd und mit angehaltenem Atem. Er sah sie dankbar an; aber er wartete immer noch auf jemand und sah sich um. Die alte Gräfin war noch nicht hereingekommen. Aber da ließen sich hinter einer Tür Schritte hören. Indes waren diese Schritte so schnell, daß es nicht die Schritte seiner Mutter sein konnten.
Aber doch war sie es, in einem neuen, dem Sohn unbekannten Kleid, das sie sich während seiner Abwesenheit hatte machen lassen. Alle ließen von ihm ab, und er eilte zu seiner Mutter hin. Als sie beieinander waren, sank sie schluchzend an seine Brust. Sie war nicht imstande, ihr Gesicht in die Höhe zu heben, und drückte es nur gegen das kalte Schnurwerk seines Dolmans. Denisow, der, von niemand bemerkt, ins Zimmer getreten war, stand nicht weit davon und wischte sich bei dem Anblick der beiden die Augen.
»Wasili Denisow, ein Freund Ihres Sohnes«, sagte er, sich dem Grafen vorstellend, der ihn fragend anblickte.
»Seien Sie uns willkommen! Ich kenne Sie bereits«, sagte der Graf, indem er Denisow umarmte und küßte. »Nikolai hat uns viel von Ihnen geschrieben … Natascha, Wjera, das ist er, Nikolais Freund Denisow.«
Dieselben glückseligen, entzückten Gesichter wandten sich jetzt Denisow zu, und alle umringten ihn.
»Liebster, bester Denisow!« schrie Natascha, die vor Freude gar nicht wußte, was sie tat, sprang zu ihm, umarmte ihn und gab ihm einen Kuß. Alle waren über ein solches Benehmen Nataschas äußerst verlegen. Auch Denisow errötete; aber er lächelte, ergriff Nataschas Hand und küßte sie.
Denisow wurde in ein schnell für ihn zurechtgemachtes Zimmer geleitet; die ganze Familie Rostow aber versammelte sich im Sofazimmer um Nikolai.
Die alte Gräfin saß neben ihm und ließ seine Hand nicht los, die sie alle Augenblicke küßte; die übrigen drängten sich um die beiden, ließen sich nichts von Nikolais Bewegungen, Worten und Blicken entgehen und wandten ihre liebevollen, entzückten Augen nicht von ihm ab. Sein Bruder und seine Schwestern machten sich die Plätze in seiner nächsten Nähe streitig und suchten sie einander wegzukapern; sie zankten sich darum, wer ihm seinen Tee, sein Taschentuch und seine Pfeife bringen solle.