Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Ja, erwiderte Herr Danglars, ich glaube sogar, daß es der Sohn des ehemaligen Reeders ist.
Wirklich? versetzte Maximilian; und was antwortete Ihr Vater, Valentine?
Oh! etwas Abscheuliches, das ich nicht wiederholen kann.
Sagen Sie es immerhin! sagte Maximilian lächelnd.
Ihr Kaiser wußte alle diese Fanatiker an ihren Platz zu stellen, fuhr er mit immer düstererer Stirn fort, er nannte sie Kanonenfutter, und das war der einzige Name, den sie verdienen; ich freue mich, daß die gegenwärtige Regierung dieses heilsame Prinzip wieder zur Ausübungbringt. Behielte sie Algerien auch nur aus diesem einzigen Grunde, so würde ich ihr Glück wünschen, obgleich es uns etwas viel kostet.
Das ist in der Tat eine ziemlich rohe Politik, sagte Maximilian; doch, meine teure Freundin, erröten Sie nicht über das, was Herr von Villefort gesagt hat. Meinbraver Vater gabinBezug auf diesen Punkt dem Ihrigen in keinerBeziehung nach, denn er wiederholte unablässig: Warumbildet der Kaiser, der so viel Schönes tut, nicht ein Regiment aus lauter Richtern und Advokaten und schickt sie immer ins erste Feuer? Sie sehen, die Parteien geben sich in der Wahl des Ausdrucks und der Feinheit des Gefühls nichts nach. Doch was sagte Herr Danglars zu diesem Ausfalle des Staatsanwaltes?
Oh! erbrach in jenes ihm eigentümliche, widerwärtige Gelächter aus; einen Augenblick nachher standen sie auf und gingen weg. Mein Großvater war sehr ergriffen. Ich muß Ihnen sagen, Maximilian, daß ich allein dieBewegungen im Innern dieses armen Gelähmten errate, und ich vermute, daß das Gespräch einen sehr starken Eindruck auf ihn hervorgebracht hatte, da er ein fanatischer Anhänger des Kaisers gewesen zu sein scheint.
Er ist wirklich einer derbekanntestenbonapartistischen Parteigänger, sagte Maximilian; er ist Senator gewesen und hat, wie Sie wissen, oder wie Sie nicht wissen, Valentine, fast an allen Verschwörungen unter der Restauration teilgenommen.
Ja, ich höre zuweilen ganz leise von diesen Dingen sprechen, die mir seltsam vorkommen; der GroßvaterBonapartist, der Vater Royalist… Kurz, ich wandte mich also zu ihm. Er deutete mit demBlicke auf die Zeitung.
Was haben Sie, guter Papa? sagte ich. Sind Sie zufrieden? — Er machte mit dem Kopfe einbejahendes Zeichen. — Mit dem, was mein Vater soeben gesagt hat? — Er machte ein verneinendes Zeichen. — Mit dem, was Herr Danglars gesagt hat? — Er machte abermals ein verneinendes Zeichen. — Damit also, daß Herr Morel zum Offizier der Ehrenlegion ernannt worden ist? — Er machte einbejahendes Zeichen.
Sollten Sie es glauben, Maximilian? Er freute sich darüber, daß Sie zum Offizier der Ehrenlegion ernannt wurden, er, der Sie nicht kennt; es ist vielleicht etwas Narrheitbei ihm, denn er fängt an kindisch zu werden, wie man sagt; doch ich liebe ihn wegen dieserBejahung.
Das ist seltsam, sagte Maximilian; Ihr Vater würde mich also hassen, während Ihr Großvater… Es ist doch etwas Sonderbares um die Liebe und den Haß der Parteien!
Still! rief plötzlich Valentine. Verbergen Sie sich, fliehen Sie, man kommt!
Maximilian eilte nach seinem Spaten und fing an, die Luzernen unbarmherzig umzugraben.
Mein Fräulein! mein Fräulein! rief eine Stimme hinter denBäumen; Frau von Villefort ruft und sucht sie überall, es istBesuch im Salon. Ein vornehmer Herr, ein Prinz, wie ich höre, der Graf von Monte Christo.
Ich komme, rief Valentine.
Sieh da! sagte Maximilian, nachdenkend auf seinen Spaten gestützt, zu sich selbst, woher kennt der Graf von Monte Christo Herrn von Villefort?
Giftkunde
Es war wirklich der Graf von Monte Christo, derbei Frau von Villefort in der Absicht erschien, denBesuch des Staatsanwalts zu erwidern, und es wurde, wie sich leicht denken läßt, durch seinen Namen das ganze Haus inBewegung gesetzt.
Frau von Villefortbefand sich allein im Salon, als man den Grafen meldete, und sie ließ sogleich ihren Sohn kommen, damit das Kind seine Danksagungbei Monte Christo wiederhole. Eduard, der seit zwei Tagen unablässig von dieser hohen Person hatte sprechen hören, lief eilig herbei, nicht aus Gehorsam gegen die Mutter und ebensowenig, um dem Grafen zu danken, sondern aus Neugierde und um irgend eine Wahrnehmung zu machen, mit deren Hilfe er einen Streich ausführen könnte, der seine Mutter stets zu der Äußerung veranlaßte: Oh! dasböse Kind; doch ich muß ihm verzeihen, es hat so viel Witz!
Nach dem ersten Austausche der gewöhnlichen Höflichkeiten erkundigte sich der Graf nach Herrn von Villefort.
Mein Gatte speistbeim Herrn Kanzler, antwortete die junge Frau; er ist soeben weggefahren und wird gewiß sehrbedauern, nicht das Glück zu haben, Sie zu sehen. Wo ist denn deine Schwester Valentine! sagte Frau von Villefort zu Eduard; manbenachrichtige sie, damit ich die Ehre haben kann, sie dem Herrn Grafen vorzustellen.
Sie haben eine Tochter, gnädige Frau? fragte der Graf; das muß noch ein Kind sein?
Es ist die Tochter des Herrn von Villefort, erwiderte die junge Frau; eine Tochter aus erster Ehe, eine hübsche, große Person.
Aber schwermütig, unterbrach sie Eduard.
Dieser junge Naseweis hat ziemlich recht und wiederholt nur, was er mich sehr oft mit Kummer hat sagen hören; denn Fräulein von Villefort ist, trotz allem, was wir zu ihrer Zerstreuung tun, von einem traurigen Charakter und von einer Schweigsamkeit, die häufig der Wirkung ihrer Schönheit Eintrag tut. In diesem Augenblick trat Valentine ein. Sie schien in der Tat traurig zu sein, undbei aufmerksamerBetrachtung hätte man in ihren Augen Spuren von Tränen wahrnehmen können.
Valentine war groß, schlank, achtzehn Jahre alt, hatte hell kastanienbraune Haare, dunkelblaue Augen und zeichnete sich durch den würdevollen Gang und durch die Haltung aus, die auch ihrer Mutter eigen gewesen war. Ihre weißen, zarten Hände, ihr Perlmutterhals, ihre rosig gefärbten Wangen verliehen ihrbeim ersten Anblick das Aussehen einer von den schönen Engländerinnen, die man so poetisch mit Schwänen verglichen hat, welche sich auf der Fläche des Wassers spiegeln.
Sie trat also ein und grüßte, als siebei ihrer Mutter den Fremden erblickte, von dem sie so viel hatte sprechen hören, ohne mädchenhafte Ziererei und ohne die Augen niederzuschlagen, mit einer Anmut, welche die Aufmerksamkeit des Grafen verdoppelte.
Fräulein von Villefort, meine Stieftochter, stellte Frau von Villefort vor.
Und der Herr Graf von Monte Christo, König von China, Kaiser von Cochinchina, rief der Knabe, seiner Schwester einen verstecktenBlick zuwerfend.
Diesmal erbleichte Frau von Villefort und war nahe daran, auf diese häusliche Geißel wirklich ärgerlich zu werden. Doch der Graf lächelte im Gegenteil und schien das Kind mit Wohlgefallen zubetrachten, was die Freude undBegeisterung seiner Mutter auf den höchsten Grad steigerte.
Aber, gnädige Frau, sagte der Graf, das Gespräch wieder anknüpfend und abwechselnd Frau von Villefort und Valentine anschauend, habe ich nichtbereits die Ehre gehabt, Sie irgendwo zu sehen, Sie und das Fräulein? Ich dachte soeben daran, und als das Fräulein eintrat, warf sein Anblick einen neuen Schimmer auf eine verworrene Erinnerung… verzeihen Sie mir diesen Ausdruck.
Es ist nicht sehr wahrscheinlich, Fräulein von Villefort liebt die Gesellschaft nur wenig, und wir gehen selten aus, sagte die junge Frau.
Auch habe ich das Fräulein, sowie Sie, gnädige Frau, und diesen reizenden Jungen nicht in der Gesellschaft gesehen. Die Pariser Gesellschaft ist mir übrigens völlig unbekannt, denn ich habe, wie ich glaube, bereits die Ehre gehabt, Ihnen zubemerken, daß ich erst seit ein paar Tagen in Parisbin. Nein, wenn Sie mir erlauben, einen Augenblick nachzudenken… Warten Sie…
Der Graf legte seine Hand an seine Stirn, als wollte er seine Erinnerungen zusammendrängen: Nein, es ist außerhalb… es ist… ich weiß nicht… aber es scheint mir, diese Erinnerung ist unzertrennlich von einer schönen Sonne und einem religiösen Feste… Das Fräulein hieltBlumen in der Hand; das Kind lief im Garten einem prächtigen Pfau nach, und Sie, gnädige Frau, saßen unter einer Weinlaube. Helfen Sie mir doch, gnädige Frau! Erinnern Sie sich an nichts?