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Die Goldhändlerin

Электронная книга - «Die Goldhändlerin». Краткое содержание книги:

Deutschland im Jahre 1485 - Für die junge Jüdin Lea endet ein Jahr der Katastrophen: Ihr Vater und ihr jüngerer Bruder Samuel kamen bei einem Pogrom ums Leben. Um das Erbe ihres Vaters und damit ihr Überleben und das ihrer Geschwister zu sichern, muss Lea sich fortan als Samuel ausgeben. In ihrer Doppelrolle drohen ihr viele Gefahren, nicht nur von christlicher Seite, sondern auch von ihren Glaubensbrüdern, die »Samuel« unbedingt verheiraten wollen. Und dann verliebt sie sich ausgerechnet in den mysteriösen Roland, der sie zu einer mehr als abenteuerlichen Mission verleitet ...

Autorin

Iny Lorentz wurde in Köln geboren. Sie arbeitet heute als Programmiererin in einer Münchner Versicherung. Seit den frühen achtziger Jahren hat sie mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht. Die Kastratin, ihr erster Roman, war ein großer Erfolg, ebenso wie ihre anderen Bücher.
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Der Bulle blieb stehen, als wäre er gegen eine Wand gerannt, schrie noch einmal klagend auf und stürzte dann wie ein gefällter Baum zu Boden. Don Raul ritt um das tote Tier herum und lenkte sein Pferd dabei nur mit den Schenkeln. »So feiert man die Corrida de Toros in Kastilien«, rief er den Anwesenden triumphierend zu.

Lea erinnerte sich an Jose Albanez' Ausspruch, dass man Gott in diesem Land nach der Art der Karthager Menschenopfer darbringen würde. Das blutige Gemetzel, dessen Zeuge sie eben geworden war, kam ihr auch so vor wie ein heidnisches Ritual.

Don Esteban schüttelte angewidert den Kopf. »Einem Bullen die Quasten von den Hörnern zu holen, ist ein fröhlicher Spaß für mutige Burschen, aber einen guten Stier sinnlos abzuschlachten, halte ich für Verschwendung.«

Ihm war anzusehen, wie sehr ihn die Entfremdung seines Sohnes schmerzte. Auch einige andere ältere Gäste murrten über diese neuen kastilischen Sitten, die Jungen waren jedoch begeistert und ließen Don Raul hochleben. Leas Freunde de Poleur, de la Massoulet und von Kan-dern wirkten hingegen verstört. Sie waren die Jagd in den dichten Wäldern der Ardennen und des Schwarzwalds gewöhnt, und diese Art von Stierhatz war nicht nach ihrem Sinn. An diesem Abend sprachen sie denn auch zum ersten Mal davon, bald nach Granada zurückzukehren. Lea hatte nichts dagegen einzuwenden.

So schnell, wie sie es beabsichtigt hatten, konnten Lea und ihre Freunde nicht aufbrechen, denn nach Weihnachten schlug das Wetter erneut um. Wieder regnete es heftig, und die Wege wurden für Reiter und Wagen unpassierbar. Ein Mann trotzte jedoch den Elementen - Pablo, der Mönch aus San Juan de Bereja. Er kam an einem späten Vormittag zum Gut, um mit Leon de Saint Jacques zu sprechen, was zum Glück niemanden zu Fragen veran-lasste. Sein Bericht war kurz, aber zufriedenstellend. Ro-drigo Varjentes de Baramosta und seine Begleitung hatten Ristellis Schiff Aquilone unbehelligt erreicht und waren bereits auf dem Weg nach Genua.

Lea dankte Pablo für die Botschaft, bat ihn, Albanez die besten Grüße zu übermitteln, und verabschiedete sich erleichtert von ihm. Lange sah sie ihm noch nach, während er durch den Regen stapfte, dabei immer kleiner wurde und sich schließlich im Grau eines neuen Schauers auflöste. Ihr war um einiges leichter ums Herz, und sie hätte sich am liebsten in den Sattel geschwungen, um zu der Delegation der Burgunder zurückzukehren und damit dem Ende der Reise ein wenig näher zu kommen. Neujahr und Dreikönigstag vergingen jedoch mit starken Unwettern, und es dauerte noch eine weitere Woche, bis der Himmel aufklarte und die Erde trocknete.

Den Rückweg mussten sie ohne Raul de Llorza antreten, denn der junge Edelmann hatte andere Pläne, als in die Schlacht um Granada zurückzukehren. Sein kühler Abschied zeigte, wie froh er war, die vier burgundischen Gäste loszuwerden, und die drei jungen Männer rätselten noch eine Weile, warum er sie überhaupt eingeladen hat-te. Lea erfuhr von Thibaut de Poleur, dass Don Raul in den Diensten Luis de Santangels stand, des Verwalters der Privatschatulle König Fernandos von Aragon. Santangel gehörte zum Kreis um Medicaneli, das bestätigte Leas Vermutung, der Herzog habe seine Fäden gezogen, um ihr eine längere Abwesenheit von der burgundischen Gesandtschaft zu ermöglichen.

Das unwirtlich kühle Wetter weckte in keinem von Leas Begleitern besonderes Interesse an der Landschaft, darüber war sie froh, denn ihr Kopf schwirrte zu sehr, um sich für bizarre Felsformationen oder malerische Herrensitze zu begeistern. Die Städte auf ihrem Weg blieben hinter ihnen zurück wie Schatten. Nur in Murcia verweilten sie einen Tag, damit de Poleur das Schwert kaufen konnte, nach dem er sich so sehr gesehnt hatte. Danach ging ihre Reise ohne Unterbrechung weiter.

Als die kleine Gruppe sich bis auf zwanzig Leguas der Stadt Granada genähert hatte, kam ihnen eine andere Reisegesellschaft entgegen. Sie bestand aus zwei Männern, die zu Fuß gingen, und einem Knaben von vielleicht drei oder vier Jahren auf einem alten Maulesel, der auch das Gepäck der Leute trug. Leas Begleiter ritten an den Reisenden vorbei, ohne sich um sie zu kümmern. Sie selbst zügelte ihre Stute und starrte die Leute, die sich gegen die winterliche Kühle und den gelegentlichen Regen mit festen Mänteln gewappnet hatten, verwundert an.

»Buenos dias, Senor Colombo. Das ist aber eine unerwartete Begegnung.«

Der Genuese hielt das Maultier an und sah zu ihr hoch. »Ihr seid es, de Saint Jacques! Es freut mich, Euch zu sehen, auch wenn ich Euch adios sagen muss, statt Euch einen guten Tag zu wünschen.«

»Es sieht aus, als kehrtet Ihr dem Hof den Rücken. So hattet Ihr keinen Erfolg?«

Colombo lachte bitter auf. »Die Herren der ehrenwerten Universität von Salamanca lehnten meinen Plan wie erwartet ab, und Königin Isabella war nicht bereit, Luis de Santangels Angebot anzunehmen, mir die Fahrt im Gegenzug für die Gewährung einiger Privilegien zu finanzieren. Wahrscheinlich deshalb, weil er ein Mann aus Aragon ist und keiner ihrer eigenen kastilischen Edelleu-te.«

Das glaubte Lea weniger. Wie sie die Königin einschätzte, waren ihr Santangels Forderungen zu hoch gewesen. Ihr tat der Genuese Leid; er hatte sein Herz und sein ganzes Schicksal an die Fahrt nach Indien gehängt und war, nachdem er zuerst in Portugal, das seine Kapitäne auf den Weg um Afrika herum schickte, keinen Erfolg gehabt hatte, nun auch in Spanien abgewiesen worden.

»Was wollt Ihr jetzt tun, Senor Colombo?«

Der Genuese stocherte mit der Stiefelspitze im Straßenschlamm und zuckte mit den Schultern. »Ich verlasse Spanien, wo ich so viele nutzlose Jahre vergeudet habe, und reise nach Frankreich, in der Hoffnung, dass Karl VIII. mir gewogener ist, als es die spanischen Majestäten waren.«

»Ich wünsche Euch dafür sehr viel Glück.« Lea beugte sich im Sattel nieder, um Colombo die Hand zu reichen. Ein letzter Wink noch, dann musste sie Cereza antreiben, um ihre Gefährten einzuholen. Als sie aufgeschlossen hatte, drehte sie sich noch einmal um und blickte auf die immer kleiner werdende Gestalt eines Mannes, der nicht bereit war, sich dem Schicksal zu beugen, und der viele Jahre seines Lebens opferte, um einen einzigen großen Plan Wirklichkeit werden zu lassen.

10.

Manuel Alonzo de Coronera, der Herzog von Montoya, war wütender als ein verwundeter Stier. Gerade hatte er sich noch in dem Triumph gesonnt, Orlando Terasa endlich gefangen zu haben, da erreichte ihn die Nachricht von Baramostas Flucht aus dem Kloster von San Juan de Bereja. Montoyas rechte Hand Diego de Arandela schlich um ihn herum wie ein geprügelter Hund und überlegte verzweifelt, wem er die Schuld an diesem Desaster in die Schuhe schieben konnte, um den Zorn des Herzogs von sich und seinem Bruder Alvaro abzulenken.

»Dahinter stecken gewiss diese Marranos, die getauften Judenschweine, die sich um die Majestäten geschart haben«, wisperte er seinem Herrn ins Ohr.

Montoya maß ihn mit einem vernichtenden Blick. »Was Ihr nicht sagt! Natürlich hatten Medicaneli, San-tangel und deren heuchlerische Judenbrut ihre Hand im Spiel. Doch solange ich keine hieb- und stichfesten Beweise in den Händen halte, wird die Königin weiterhin ihre Hand über dem gotteslästerlichen Gesindel halten.«

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