Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Die Goldhändlerin - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Die Goldhändlerin

Электронная книга - «Die Goldhändlerin». Краткое содержание книги:

Deutschland im Jahre 1485 - Für die junge Jüdin Lea endet ein Jahr der Katastrophen: Ihr Vater und ihr jüngerer Bruder Samuel kamen bei einem Pogrom ums Leben. Um das Erbe ihres Vaters und damit ihr Überleben und das ihrer Geschwister zu sichern, muss Lea sich fortan als Samuel ausgeben. In ihrer Doppelrolle drohen ihr viele Gefahren, nicht nur von christlicher Seite, sondern auch von ihren Glaubensbrüdern, die »Samuel« unbedingt verheiraten wollen. Und dann verliebt sie sich ausgerechnet in den mysteriösen Roland, der sie zu einer mehr als abenteuerlichen Mission verleitet ...

Autorin

Iny Lorentz wurde in Köln geboren. Sie arbeitet heute als Programmiererin in einer Münchner Versicherung. Seit den frühen achtziger Jahren hat sie mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht. Die Kastratin, ihr erster Roman, war ein großer Erfolg, ebenso wie ihre anderen Bücher.
1 ... 123 124 125 126 127 128 129 130 131 ... 146
Перейти на страницу:

Er ist trotz allem ein Schuft, sagte sie sich, ein Mann, der den Glauben seiner Väter verraten hatte, ein ... Es half ihr nicht, ihn schlechter darzustellen, als er war, denn sosehr sie sich auch dagegen wehrte, sie konnte sich nicht mehr vor der Erkenntnis verschließen, dass sie Orlando liebte.

Es musste schon an jenem Tag passiert sein, an dem er sie vor Medardus Holzinger gerettet hatte. Seitdem hatte sie immer wieder an ihn denken müssen, ihre Gefühle für ihn aber als Hass und Verachtung interpretiert. Nun gesellte sich zu der Angst um sein Leben eine tiefe Traurig-keit. Selbst wenn es ihr gelingen sollte, Orlando zu befreien, würde sie ihre Liebe zu ihm tief im Innern begraben müssen, denn nie, niemals würde sie ihm gestehen dürfen, wer sie in Wirklichkeit war. Erfuhr er, dass sie eine Frau war, musste er sie für eine Verworfene halten, ein Weib, das alle Scham und alle seinem Geschlecht gebotene Zurückhaltung vergessen hatte, und sich von ihr abwenden wie von einer Hure - und das mit Recht, hatte sie doch schon mit Männern im selben Bett gelegen, wie neulich mit dem Abt eines christlichen Klosters.

Als de Poleur und die anderen kurz nach Mitternacht zurückkehrten, stellte Lea sich schlafend, denn sie wollte sich weder das betrunkene Gerede ihrer Freunde anhören noch deren Fragen beantworten. Aber sie konnte nur ihre Augen schließen und ruhen, denn die quälenden Bilder ihrer Phantasie ließen sie keinen Schlaf finden.

Am nächsten Morgen verließ Lea ihr Quartier nur für die Morgenmesse, an der sie teilnehmen musste, und für das Frühstück, das sie mit den anderen in einem mit bunten Säulen und Bögen geschmückten Saal einnahm, denn die Angst, Medicanelis Boten zu versäumen, trieb ihr trotz der Kühle in den Räumen den Schweiß auf die Stirn. Um die Mittagszeit brachte ihr ein Bote in den Farben der Königin ein Gewand, damit Don Santiago, wie er sagte, Ihrer Majestät in angemessener Kleidung gegenübertreten konnte. Es handelte sich um die höfische Gewandung eines kastilischen Edelmanns, die aus dunkelgrünen Strumpfhosen, einem schwarzen, silberbestickten Samtwams, einem passenden Hut und einem hellbraunen, bis zu den Knien reichenden Umhang aus feinster Merinowolle bestand. Dazu bekam sie Schuhe mit großen, silbernen Schnallen, die ihr jedoch etwas zu groß waren.

Lea zerschnitt eines ihrer Hemden, um die Schuhe auszupolstern, und zog sich um. Als sie sich in dem Spiegel betrachtete, den seine frühere Besitzerin, die Haremsdame eines hohen maurischen Edelmanns, zurückgelassen hatte, erkannte sie sich im ersten Augenblick selbst nicht, so prächtig sah sie aus. Während sie auf den Ruf der Königin wartete, zählte sie noch einmal alle Argumente auf, mit denen sie die Herrin Kastiliens überzeugen wollte.

Dann ging alles sehr schnell. Ein Diener mit dem Wappen der Königin auf seinem Wams klopfte an die Tür und überreichte ihr die mit goldener Tinte geschriebene Einladung zur Audienz, und die diskrete Haltung seiner Hand wies darauf hin, dass er Lohn für sein Erscheinen erwartete. Lea reichte ihm mehrere Münzen, ohne auf ihren Wert zu achten. Der zufriedenen Miene des Mannes zufolge mussten es goldene Reales gewesen sein. Der Diener verbeugte sich so tief wie vor einem Herzog und bat sie geradezu devot, ihm zu folgen. Trotz ihrer Sorgen und ihrer Anspannung freute Lea sich ein wenig darauf, den ehemaligen Palast des Emirs, die Alhambra, betreten zu dürfen, in dem nun das Königspaar residierte. Das, was sie sah, übertraf ihre Erwartungen bei weitem. Sie schritt durch einen Traum aus filigranen Mauern, schlanken Säulen und zierlichen Innenhöfen mit Wasserspielen, Palmen und kunstvollen Mosaiken, und es gelang ihr, das phantastische Bild einer versinkenden Epoche in sich aufzunehmen. Während der Diener sie an den Wachen vorbei durch luftige Korridore führte, wurde ihr klar, dass sie diesen Tag, ganz gleich wie er enden mochte, niemals vergessen würde.

Die Tür zu den Gemächern der Königin wurde von vier Gardisten bewacht, die das Wappen Kastiliens auf ihren Harnischen trugen. Auf einen Wink des Dieners öffneten sie die Türflügel und ließen Lea eintreten. Der Diener eilte ihr voraus, und sie hörte, wie er sie bei Isabellas Kammerfrau ankündigte. »Don Leon de Saint Jac-ques, Mitglied der Gesandtschaft des Herzogs von Burgund.«

Die Dame winkte dem Diener zu gehen und trat auf Lea zu.

»Kommt! Doch was auch immer Ihr von Ihrer Majestät begehrt, fasst Euch kurz. Ihre Majestät hat viel zu tun.«

Lea verbeugte sich und spähte dabei in den hinteren Teil des Raumes, in dem die Königin auf einem bequemen Sessel vor dem Fenster saß und Akten studierte. Isabella war eine schöne Frau mit frischen, gesunden Farben, blauen Augen und langem, nussbraunem Haar. Sie trug ein einfaches, dunkelrotes Kleid und als einzigen Schmuck eine dünne Goldkette mit einer großen Perle. Lea erinnerte sich daran, dass es hieß, die Königin habe den größten Teil ihres Schmucks bei ihren Bankiers für die Finanzierung des Feldzugs gegen Granada verpfändet. Natürlich hatten diese Herren die Juwelen nicht an sich genommen, sondern sie in den Schatzkammern der Königin gelassen. Trotzdem verzichtete Isabella darauf, Schmuck zu tragen, der nach Recht und Gesetz nicht mehr ihr gehörte. Die Kammerfrau führte Lea zu Isabella, die jedoch nicht von ihrer Akte aufsah, bis sie sie durchgesehen und zur Seite gelegt hatte. Als sie sich endlich dem Neuankömmling zuwandte, verbeugte Lea sich so tief, wie sie nur konnte. Ihr Blut rauschte so laut in ihren Ohren, dass sie beinahe überhörte, wie die Königin sie aufforderte zu sprechen. Mit gebeugtem Rücken blieb Lea stehen und kämpfte gegen ihre Schwäche an.

»Ich bin Eurer Majestät sehr dankbar, vor Euch erscheinen zu dürfen.«

»Ihr seht verstört aus, Saint Jacques.« Es war nicht zu erkennen, ob die Königin sich darüber amüsierte oder sich ärgerte, weil man ihr die Zeit stahl.

»Als ich von meiner Reise zurückkehrte, traf ich kurz vor Granada auf Senor Colombo. Er sagte mir, dass er auf dem Weg nach Frankreich sei, um Karl VIII. um Schiffe zu bitten.« Das war keine sehr diplomatische Einleitung, aber Lea hatte keine bessere gefunden.

Die Königin wirkte leicht verärgert. »Wie kommt Ihr gerade auf ihn?«

»Ich weiß, dass Eure Majestät ihn gerne nach Indien geschickt hätte, aber . « Lea brach ab und prüfte die Wirkung ihrer Worte.

Isabellas Lippen wurden schmal wie ein Strich. »Ich habe nicht das Geld, um seine Fahrt bezahlen zu können, und das Angebot Luis de Santangels war nicht mit der Ehre Kastiliens vereinbar.«

Es klang ablehnend, ja sogar feindselig. Jeder andere wäre nun mit einer Verbeugung gegangen und hätte mit seinem Begehren gewartet, bis die Königin besserer Laune wäre. Lea glaubte jedoch, die Königin genau dort zu haben, wo sie es wünschte. »Was forderte Don Luis denn von Euch?«

Diese Frage zu stellen grenzte an Unverschämtheit, doch die Königin wirkte eher verwirrt als wütend. Sie musterte Lea, die in ihrer Tracht wie ein hübscher Bursche von achtzehn Jahren wirkte, und entschied sich für ein nachsichtiges Lächeln. »Santangel wollte Rechte am Handel und an Land, die nur der Krone zustehen. Da war unakzeptabel.«

1 ... 123 124 125 126 127 128 129 130 131 ... 146
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)