In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
Die guten Düfte, die sich in dem Schankraum mit süßem Pfeifenrauch vermengten, durchdrangen die Küche — bratender Fisch, hackendes Brot, brutzelndes Fleisch auf den Spießen. Die Eisenherde und Backöfen und das Feuer in dem langen Ziegelkamin hatten den Raum erhitzt und die sechs schwitzenden Frauen und drei Kesseljungen flitzten unter der Aufsicht der Köchin umher. Enid trug die schneeweiße Schürze, als wäre sie der Wappenrock ihres Amtes, und sie beherrschte ihr Königreich mit dem langstieligen Löffel, den sie schwang; sie war die dickste Frau, die Mat je gesehen hatte. Er glaubte nicht, dass er es geschafft hätte, sie mit beiden Armen zu umfassen, wenn er gewollt hätte. Sie erkannte ihn sofort und ein durchtriebenes Grinsen teilte ihr breites, olivfarbenes Gesicht.
»Also habt Ihr herausgefunden, dass ich Recht hatte«, sagte sie und zeigte mit dem Löffel auf ihn. »Ihr habt die falsche Melone gedrückt, und es stellte sich heraus, dass die Melone ein getarnter Drachenfisch und Ihr bloß ein dickes Schwein wart.« Sie warf den Kopf in den Nacken und quietschte, vor Lachen.
Mat zwang sich ein Grinsen ab. Blut und verfluchte Asche noch mal! Es wusste tatsächlich jeder! Ich muss aus dieser verdammten Stadt raus, dachte er grimmig, oder ich muss mir für den Rest meines Lebens anhören, wie sie über mich lachen!
Plötzlich erschienen seine Sorgen wegen des Goldes lächerlich. Die grauen Bodenfliesen vor den Herden erschienen völlig in Ordnung und unterschieden sich durch nichts von den anderen in der Küche. Man musste den richtigen Trick kennen, um sie anzuheben. Lopin und Nerim hätten ihm gesagt, wenn auch nur eine Münze zwischen ihren Besuchen verschwunden wäre. Falls jemand in ihrem Gasthaus zu stehlen versucht hätte, hätte Frau Anan den Schuldigen gejagt und ihm die Haut abgezogen. Er konnte sich genauso gut auf den Weg machen. Vielleicht würde Aludras Willenskraft zu dieser Stunde weniger standhaft sein. Vielleicht würde sie ihm ein Frühstück zubereiten. Er hatte sich aus dem Palast gestohlen, ohne vorher zu frühstücken.
Um keine Neugier wegen seines Besuchs zu erwecken, erzählte er Enid, wie sehr er ihren Bratfisch genossen hatte, um wie vieles er doch besser war als der, den man im Tarasin-Palast servierte, und dabei musste er nicht einmal übertreiben. Enid war ein wahres Wunder. Die Frau strahlte förmlich und zu seiner Überraschung holte sie einen Fisch aus einem Ofen und reichte ihm diesen auf einem Teller. Jemand im Schankraum würde warten können, sagte sie und stellte den Teller ans Ende des langen Arbeitstisches der Küche. Eine Bewegung ihres Löffels veranlasste einen Kesseljungen, einen Hocker zu bringen.
Als Mat den mit goldener Kruste versehenen Plattfisch ansah, lief ihm das Wasser im Mund zusammen. Aludra würde vermutlich jetzt genauso wenig schwach sein wie zu jeder anderen Zeit. Und wenn sie sich über die frühe Störung ärgerte, würde sie ihm vielleicht kein Frühstück machen. Sein Magen knurrte laut. Er hängte den Umhang auf einen Haken neben der Tür zum Stall, stellte seinen Wanderstab darunter, verstaute den Hut unter dem Hocker und strich die Spitze zurück, um sie vom Teller fern zu halten.
Als Frau Anan durch die Tür zum Stall kam, den Umhang abnahm und Regentropfen auf den Boden schüttelte, war nichts mehr übrig außer einem scharfen Geschmack auf seiner Zunge und weißen Gräten auf dem Teller. Seit er nach Ebou Dar gekommen war, hatte er gelernt, eine Reihe seltsamer Dinge zu genießen, aber die Augen ließ er liegen. Sie befanden sich beide auf derselben Seite des Fischkopfs!
Noch während er sich den Mund mit der Leinenserviette abtupfte, schlüpfte hinter Frau Anan eine weitere Frau in den Raum. Sie schloss schnell die Tür hinter sich und ließ den feuchten Umhang an und die Kapuze hochgeschlagen. Im Aufstehen konnte er einen Blick auf das von der Kapuze verborgene Gesicht erhäschen und stieß beinahe den Hocker um. Allerdings überspielte er das ganz gut, wie er fand, da er vor den Frauen einen Kratzfuß machte, aber in seinem Kopf drehte sich alles.
»Es ist schön, dass Ihr da seid«, sagte Frau Anan energisch und gab ihren Umhang einem Kesseljungen.
»Sonst hätte ich nach Euch geschickt. Enid, bitte räum die Küche und pass an der Tür auf. Ich muss mit dem jungen Lord allein sprechen.«
Die Küchenchefin scheuchte die Köche und Kesseljungen raus auf den Stallhof, und trotz der gemurmelten Proteste wegen des Regens und des Stöhnens über das anbrennende Essen war es augenscheinlich, dass sie genauso daran gewöhnt waren wie Enid. Sie warf Frau Anan und ihrer Begleiterin nicht mal einen Blick zu, bevor sie durch die Tür in den Schankraum eilte und dabei den langen Löffel wie ein Schwert hielt.
»Welch eine Überraschung«, sagte Joline Maza und schlug die Kapuze zurück. Ihr dunkles Wollgewand mit dem tiefen Ausschnitt nach der örtlichen Mode saß schlecht und sah abgetragen und mitgenommen aus. Aber ihr selbst war davon nichts anzumerken; sie wirkte, als hätte sie nicht eine Sorge auf der ganzen Welt. »Als Frau Anan mir erzählte, sie würde einen Mann kennen, der mich möglicherweise mitnimmt, wenn er Ebou Dar verlässt, hätte ich nie gedacht, dass sie Euch damit meint.« Hübsch und mit braunen Augen versehen war ihr Lächeln fast so warm wie das von Caira. Und ihr altersloses Gesicht schrie förmlich Aes Sedai. Während auf der anderen Seite einer Tür, die von einer Köchin mit ihrem Löffel verteidigt wurde, Dutzende Seanchaner lauerten.
Joline zog den Umhang aus und hängte ihn an einen der Haken und Frau Anan gab einen gereizten Laut von sich. »Hier ist es noch nicht sicher, Joline«, sagte sie und hörte sich an, als würde sie eher mit einer ihrer Töchter reden als mit einer Aes Sedai. »Bis ich Euch...«
Plötzlich ertönte Lärm vor der Tür zum Schankraum. Enid protestierte lauthals, niemand dürfe eintreten, und eine beinahe genauso laute Stimme mit seanchanischem Akzent verlangte, sie solle den Weg frei machen.
Mat ignorierte den Protest seines Beins, bewegte sich schneller, als er jemals sich im Leben bewegt zu haben glaubte, packte Joline an der Taille, ließ sich auf die Bank neben der Tür zum Stallhof fallen und zerrte die Aes Sedai auf seinen Schoss. Er zog sie dicht an sich und tat so, als würde er sie küssen. Es war eine idiotische Weise, um ihr Gesicht verbergen zu wollen, aber ihm fiel nichts Besseres ein, wenn er ihr keinen Umhang über den Kopf werfen wollte. Sie keuchte indigniert auf, aber als sie endlich die seanchanische Stimme bemerkte, weiteten sich ihre Augen vor Furcht, und sie schlang die Arme um ihn. Mat betete, dass sein Glück anhielt, und sah zu, wie sich die Tür öffnete.
Mit lauten Protesten und wildem Herumgefuchtel ihres Löffels wich Enid rücklings vor einem So'jhin mit nassem Umhang zurück. Der schwergewichtige Mann, dessen kurzer Haarschopf nicht einmal annähernd bis zu seinen Schultern reichte, wehrte die meisten Schläge stirnrunzelnd mit einer Hand ab und ignorierte die wenigen, bei denen ihm das nicht gelang. Er war der erste So'jhin, den Mat je mit Bart gesehen hatte; er verlieh ihm ein schiefes Aussehen, da er von der rechten Kinnseite die linke hinaufwucherte, bevor am Ohr die rasierte Haut begann. Eine hoch gewachsene Frau mit durchdringenden blauen Augen in einem blassen Gesicht folgte ihm. Sie warf einen aufwendig bestickten blauen Umhang zurück, der an ihrer Kehle von einer großen, wie ein Silberschwert geformten Nadel gehalten wurde, und enthüllte ein Faltengewand aus einem helleren Blau. Ihr kurzes dunkles Haar bestand nur aus einem kreisrunden Schöpf, der Rest um ihre Ohren war rasiert. Immerhin war sie besser als eine Sul'dam mit einer Damane. Eine winzige Kleinigkeit zumindest. Enid begriff, dass die Schlacht verloren war, und wich vor dem Mann zurück, aber nach der Art und Weise zu urteilen, wie sie ihren Löffel gepackt hielt, war klar, dass sie bereit war, ihn sofort anzuspringen, sollte Frau Anan den Befehl dazu geben.