In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
»Sie waren alle in einem Wandschrank, zusammen mit Prinz Beslans Kinderspielzeug, mein Lord«, warf Lopin lachend ein und zupfte an den Aufschlägen eines dunklen Mantels von der Art, wie Juilin sie trug. Der langsam kahl werdende Mann war das genaue Gegenteil von Nerim, stämmig statt knochig, dunkel statt blass, und sein Kugelbauch hüpfte ständig vor Lachen. Nach Naleseans Tod hatte es so ausgesehen, als wollte er mit Nerim im Seufzen wetteifern, so wie sie um alles wetteiferten, aber die vergangenen Wochen hatten ihn wieder zu seinem alten Selbst gemacht. Zumindest so lange keiner seinen ehemaligen Herrn erwähnte. »Sie sind aber verstaubt, mein Lord. Ich bezweifle, dass jemand an dem Wandschrank war, seit der Prinz seine Spielzeugsoldaten weggeräumt hat.«
Mit dem Gefühl, dass er endlich eine Glückssträhne hatte, befahl Mat ihnen, seine Kleidung rüber in die Wanderin zu schaffen, immer nur ein paar Stücke auf einmal, und bei jedem Transport einen Beutel Gold mitzunehmen. Sein Speer mit dem schwarzen Schaft, der zusammen mit dem entspannten Bogen von den Zwei Flüssen in einer Ecke von Tylins Schlafgemach stand, würde bis zuletzt warten müssen. Die Waffen herauszubekommen würde vielleicht genauso schwierig werden wie selbst herauszuschaffen. Einen Bogen konnte er immer wieder neu herstellen, aber er würde auf keinen Fall den Ashandarei zurücklassen.
Ich habe für das verdammte Ding einen zu hohen Preis bezahlt, um ihn hierzulassen, dachte er und fuhr über die Narbe, die das Tuch um seinen Hals verbarg. Eine der ersten von viel zu vielen. Beim Licht, es wäre nett gewesen, sich vorstellen zu können, dass ihn mehr erwartete als weitere Narben und Schlachten. Und eine Frau, die er nicht wollte oder gar kannte. Da musste es doch mehr als das geben. Aber zuerst ging es darum, mit heiler Haut aus Ebou Dar herauszukommen. Das stand an oberster Stelle.
Lopin und Nerim verließen ihn unter ständigen Verbeugungen und mit dem Gegenwert zweier fetter Geldbeutel in der Kleidung verborgen, um keine verräterischen Ausbuchtungen hervorzurufen, aber sie waren kaum weg, als Tylin erschien und wissen wollte, warum seine Leibdiener durch die Korridore stürmten, als wollten sie ein Wettrennen veranstalten. Wäre er lebensmüde gewesen, hätte er ihr sagen können, dass das Wettrennen entscheiden sollte, wer das Gasthaus als Erster mit seinem Gold erreichen würde, oder vielleicht auch nur, wer als Erster anfangen würde, seine Kleidung zu reinigen. Stattdessen beschäftigte er sich damit, sie abzulenken, und bald verjagte das auch alle anderen Gedanken aus seinem Kopf, mal abgesehen von dem Eindruck, dass sein Glück endlich auch für etwas anderes als Glücksspiele gut war. Um das Maß voll zu machen, hätte Aludra ihm vor seinem Aufbruch nur noch das geben müssen, was er wollte. Tylin steigerte sich regelrecht in das hinein, was sie gerade tat, und eine Zeit lang vergaß er Feuerwerk und Aludra und die Flucht. Eine Zeit lang.
Nach einigem Suchen fand er in der Stadt schließlich einen Glockengießer. In Ebou Dar gab es einige Gongmacher, aber nur einen Glockengießer, der eine Gießerei außerhalb der Westmauer hatte. Der Glockenmacher, ein kadaverhafter, ungeduldiger Kerl, schwitzte in der Hitze seines gewaltigen Schmelzofens. Der lange Raum, aus dem die Gießerei bestand, hätte durchaus eine Folterkammer sein können. Ketten baumelten von den Dachbalken, aus dem Schmelzofen schössen unvermutet Flammen hervor, die flackernde Schatten an die Wände warfen und Mat halb blind machten. Und sobald er das Bild des lodernden Feuers fortblinzelte, ließ ihn die nächste Eruption die Augen zusammenkneifen. Schweißgebadete Arbeiter gössen flüssige Bronze aus dem Kessel des Schmelzofens in eine rechteckige Form von der halben Größe eines Mannes, die auf Rädern in Position gebracht wurde. Überall standen andere große Gussformen zwischen einer Vielzahl kleinerer Gussformen herum.
»Mein Lord belieben zu scherzen.« Meister Sutoma rang sich ein Kichern ab, aber er sah nicht amüsiert aus mit seinem feuchten schwarzen Haar, das in seinem Gesicht klebte. Sein Kichern klang so hohl, wie seine Wangen aussahen, und er bedachte seine Arbeiter mit misstrauischen Blicken, als befürchtete er, sie würden sich hinlegen und schlafen, wenn er sie nicht streng im Auge behielt. In dieser Hitze hätte nicht einmal ein Toter schlafen können. Mats Hemd klebte feucht auf seiner Haut und er fing an, seinen Mantel an einigen Stellen durchzuschwitzen. »Ich weiß nichts über Illuminatoren, mein Lord, und ich will auch nichts davon wissen. Feuerwerk, überflüssiger Unsinn. Nicht wie Glocken. Wenn mich mein Lord jetzt entschuldigen würde? Ich bin sehr beschäftigt. Die Hochlady Suroth hat dreizehn Glocken für einen Siegessatz bestellt, die größten Glocken, die je gegossen wurden. Und Calwyn Sutoma wird sie gießen!« Dass es sich um den Sieg über seine Heimatstadt handelte, schien Sutoma dabei nicht im Mindesten zu stören. Seine letzten Worte ließen ihn grinsen und die Hände reiben.
Mat versuchte, Aludra umzustimmen, aber die Frau hätte genauso gut ebenfalls aus Bronze gegossen sein können. Nun ja, sie fühlte sich beträchtlich weicher als Bronze an, als sie ihm endlich erlaubte, einen Arm um sie zu legen, aber die Küsse, die sie erbeben ließen, brachten ihre Entschlossenheit nicht ins Wanken.
»Also, soweit es mich angeht, ich halte nichts davon, einem Mann mehr zu sagen, als er wissen muss«, sagte sie atemlos neben ihm auf der gepolsterten Bank in ihrem Wagen. Mehr als Küsse ließ sie nicht zu, aber darin war sie dann doch sehr enthusiastisch. Die dünnen, mit Perlen versehenen Zöpfe, die sie wieder trug, waren alle durcheinander. »Männer klatschen, nicht wahr? Bla, bla, bla, und du weißt auch nicht, was du als Nächstes sagst. Und vielleicht habe ich dir ja dieses Rätsel nur gestellt, damit du zurückkommst, hm?« Und sie machte sich daran, ihr Haar noch weiter in Unordnung zu bringen, und seines gleich mit.
Nachdem er ihr vom Schicksal des Gildehauses in Tanchico erzählt hatte, stellte sie keine Nachtblumen mehr her. Er stattete Meister Sutoma noch zwei Besuche ab, aber beim zweiten ließ der Glockengießer vor ihm die Tür verrammeln. Er goss die größten Glocken, die er je hergestellt hatte, und er würde nicht zulassen, dass ein dämlicher Ausländer mit dämlichen Fragen ihm dabei in die Quere kam.
Tylin fing an, die ersten beiden Fingernägel einer jeden Hand Grün zu lackieren, allerdings verzichtete sie darauf, sich die Seiten des Kopfes zu rasieren. Irgendwann würde sie auch das tun, vertraute sie ihm an und strich ihr wogendes Haar mit beiden Händen zurück, um sich im Spiegel an der Wand ihres Schlafgemachs zu betrachten. Aber zuerst wollte sie sich mit der Vorstellung anfreunden. Sie passte sich an die Seanchaner an und er konnte ihr das nicht zum Vorwurf machen, ganz egal, wie viele finstere Blicke Beslan seiner Mutter zuwarf.
Es war unmöglich, dass sie wegen Aludra einen Verdacht haben konnte, aber am Tag nachdem er die Illuminatorin geküsst hatte, verschwanden die großmütterlichen Dienerinnen aus ihren Gemächern und wurden durch weißhaarige, dem Greisenalter nahe Frauen ersetzt. Tylin rammte nachts ihren Gürteldolch mit der gebogenen Klinge in einen ihrer Bettpfosten, wo sie ihn griffbereit hatte, und dachte in seiner Hörweite laut darüber nach, wie er wohl in dem durchsichtigen Gewand eines Da'covale aussehen würde. Grinsende Dienerinnen sagten ihm lediglich, Tylin hätte den Dolch in den Bettpfosten gerammt, wenn sie ihm mitteilen sollten, dass die Königin seine Anwesenheit in ihren Gemächern wünschte, und bald ging er jeder Frau in einer Livree, die ihm mit einem Lächeln auf dem Gesicht entgegenkam, aus dem Weg. Es konnte keine Rede davon sein, dass er es verabscheute, von Tylin ins Bett gezogen zu werden; einmal davon abgesehen, dass sie eine Königin und damit genauso arrogant wie jede andere Adlige war. Und der Tatsache, dass sie ihn sich wie eine Maus fühlen ließ, die von einer Katze zum Schoßtier auserkoren worden war. Aber es gab nur eine gewisse Anzahl von Stunden mit Tageslicht, allerdings mehr, als er es im Winter von zu Hause gewöhnt war, und eine Zeit lang musste er sich fragen, ob sie alle davon ausnutzen wollte.