Unendlichkeit [Revelation Space - de]
- Автор: Рейнольдс Аластер
- Серия: Revelation Space (de) #1
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 3-453-18787-3
- Переводчик: Irene Holicki
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:
»So lange du aufpasst, wo du herumstocherst.«
Alicia Keller-Sylveste war Sylvestes letzte Frau vor Pascale gewesen. Sie hatten irgendwann in den langen Jahren der Planung und Vorbereitung der Resurgam-Expedition auf Yellowstone geheiratet. Bei der Gründung von Cuvier und zu Anfang der Ausgrabungen hatten sie harmonisch zusammengearbeitet. Sie war eine hochintelligente Frau, zu brillant vielleicht, um sich in seinem Dunstkreis wohl zu fühlen. Auf Unabhängigkeit bedacht, war sie zu Beginn des dritten Jahrzehnts nach der Ankunft auf Resurgam beruflich und persönlich zunehmend auf Abstand gegangen. Sie war nicht als Einzige der Überzeugung, man habe über die Amarantin genug erfahren; jetzt könne man die Expedition — eine feste Kolonie war nie geplant gewesen — beenden und ins Epsilon Eridani-System zurückkehren. Wenn man in dreißig Jahren nichts Weltbewegendes gefunden habe, sei schließlich nicht gewährleistet, dass die nächsten dreißig oder auch hundert Jahre überwältigendere Erkenntnisse brächten. Alicia und ihre Anhänger hielten ein eingehenderes Studium der Amarantin nicht für angebracht; das Ereignis sei ein Unglück ohne greifbare kosmische Auswirkungen gewesen. Eine Ansicht, die durchaus einleuchtete. Immerhin waren die Amarantin nicht die erste ausgestorbene Kultur, die der Menschheit bekannt war. In den sich ständig weitenden Räumen des erforschten Alls mochten noch andere Spezies mit einer reichen Ausbeute an archäologischen Schätzen auf ihre Entdeckung warten. Alicias Partei wollte, dass Resurgam aufgegeben würde, die besten Köpfe der Kolonie nach Yellowstone zurückkehrten und sich neuen Forschungsprojekten widmeten.
Sylvestes Partei war natürlich aufs Schärfste dagegen. Alicia und Sylveste hatten sich auseinander gelebt, sich jedoch selbst in Zeiten tiefster Feindschaft einen kühlen Respekt für ihre gegenseitigen Fähigkeiten bewahrt. Die Liebe mochte verwelkt sein, aber eine distanzierte Bewunderung blieb.
Dann kam die Meuterei. Alicia und ihre Anhänger taten genau das, womit sie immer gedroht hatten: sie verließen Resurgam. Als sich der Rest der Kolonie nicht von ihren Anschauungen überzeugen ließ, hatten sie die Lorean aus ihrer Parkbahn gestohlen. Die Meuterei war unblutig verlaufen, aber mit der Entführung des Schiffes hatte Alicias Partei der Kolonie indirekt doch sehr geschadet. Die Lorean hatte alle Schiffe und Shuttles für den interplanetaren Verkehr an Bord gehabt. Nun saßen die Kolonisten auf Resurgam fest. Bis zu Remilliods Ankunft Jahrzehnte später hatten sie keine Möglichkeit, ihre Nachrichtensatelliten zu reparieren oder zu modernisieren. Nach Alicias Abreise herrschte ein schmerzlicher Mangel an Servomaten, Replikatoren aller Art und Implantaten.
Dennoch hatte Sylvestes Partei offenbar den besseren Teil erwählt.
Alicias Geisterbild erschien auf der Brücke. »Logbuch«, sagte sie. »Fünfundzwanzig Tage nach Abflug von Resurgam. Wir haben — gegen meinen Einspruch — entschieden, vor Verlassen des Systems den Neutronenstern anzufliegen. Die Position ist günstig; die Abweichung vom geplanten Kurs nach Eridani ist gering, und die Reise verlängert sich in Anbetracht der vielen Jahre an Bord, die vor uns liegen, nur unwesentlich.«
Sie sah etwas anders aus, als Sylveste sie in Erinnerung hatte. Aber er hatte sie sehr lange nicht gesehen. Er hasste sie nicht mehr, sie hatte sich nur verrannt. Ihre dunkelgrüne Kleidung war von einem Schnitt, wie ihn seit der Meuterei in Cuvier niemand mehr trug, und ihre Frisur war so altmodisch, dass er sich vorkam wie im Theater.
»Dan war überzeugt, dass da draußen etwas Wichtiges zu finden sei, aber er konnte nie Beweise dafür liefern.«
Das überraschte ihn. Die Aufzeichnung war lange vor der Freilegung des Obelisken mit seinen sonderbaren Sternenbahnzeichnungen entstanden. Hatte er diese fixe Idee am Ende schon damals gehabt? Die Möglichkeit war nicht von der Hand zu weisen, aber er war nicht davon angetan. Alicia hatte Recht. Er hatte keine Beweise gehabt.
»Wir haben eine ungewöhnliche Beobachtung gemacht«, fuhr Alicia fort. »Cerberus, der Planet um den Neutronenstern, wurde von einem Kometen getroffen. Solche Einschläge dürften so weit von der Hauptmasse des Kuipergürtels entfernt ziemlich selten sein. Natürlich waren wir neugierig. Doch als wir uns Cerberus so weit genähert hatten, dass wir die Oberfläche untersuchen konnten, war von einem frischen Krater nichts zu sehen.«
Sylveste spürte ein Kribbeln im Nacken. »Und?«, flüsterte er fast lautlos, als stünde wirklich Alicia auf der Brücke und nicht eine holografische Projektion aus den Datenspeichern des zerstörten Schiffes.
»So etwas können wir nicht einfach ignorieren«, sagte sie. »Auch wenn es Dans Theorie, wonach das Hades/Cerberus-System etwas Besonderes sei, im Grunde bestätigt. Also ändern wir den Kurs und fliegen noch näher heran.« Sie hielt inne. »Wenn wir etwas von Bedeutung finden — etwas, das wir uns nicht erklären können —, dann sind wir wohl ethisch verpflichtet, Cuvier davon zu informieren. Sonst müssten wir uns als Wissenschaftler ewig schämen. Morgen wissen wir mehr. Bis dahin sind wir so nahe, dass wir Sonden absetzen können.«
Sylveste wandte sich an Volyova. »Wie viel davon gibt es?«, fragte er. »Wie lange hat sie das Logbuch weitergeführt?«
»Noch etwa einen Tag«, sagte Volyova.
Sie waren im Spinnenraum und damit vor den neugierigen Blicken Sajakis und der anderen geschützt — jedenfalls wollte Volyova das gerne glauben. Sie hatten sich noch immer nicht alles angehört, was Alicia zu sagen hatte, denn die Sichtung der gesprochenen Aufzeichnungen war zeitraubend und gefühlsmäßig belastend. Dennoch wurde die Wahrheit allmählich in ersten Umrissen erkennbar, und sie war alles andere als ermutigend. Alicia und ihre Besatzung waren unweit von Cerberus unvermutet und mit wilder Entschlossenheit von unbekannter Seite angegriffen worden. Bald sollten Volyova und ihre Mannschaft mehr über die Gefahren wissen, denen sie entgegenflogen.
»Du solltest dir darüber im Klaren sein«, sagte Volyova, »dass ich dich vielleicht in den Leitstand schicken muss, wenn es Ärger geben sollte.«
»Ich glaube nicht, dass das unbedingt die beste Lösung wäre«, sagte Khouri. »Wir wissen beide«, fuhr sie fort, um sich zu rechtfertigen, »dass es in Zusammenhang mit dem Leitstand in jüngster Zeit mehrere bedrohliche Zwischenfälle gegeben hat.«
»Gewiss. Um ehrlich zu sein… während meiner Genesung bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass du mehr weißt, als du zugibst.« Volyova ließ sich in ihren braunen Plüschsessel zurücksinken und spielte mit den Messingschaltern vor sich. »Ich denke, du hast die Wahrheit gesagt, als du dich als Infiltrator bezeichnet hast. Aber nur bis dahin. Der Rest war eine Lüge, dazu gedacht, meine Neugier zu stillen und mich zugleich abzuhalten, die Sache vor das Triumvirat zu bringen… und das hat natürlich auch funktioniert. Aber es bleiben viele Fragen, die du mir nicht zu meiner Zufriedenheit beantworten konntest. Das Weltraumgeschütz zum Beispiel. Warum hatte es vor seiner Explosion ausgerechnet Resurgam anvisiert?«
»Es war das nächste Ziel.«
»Bedaure, zu glatt. Es hatte etwas mit Resurgam zu tun, nicht wahr? Außerdem hast du dich erst auf dieses Schiff geschleust, als du unser Ziel kanntest… ja; eine so abgelegene Welt wäre sicher ein guter Ausgangspunkt für jemanden, der versuchen wollte, die Geschütze an sich zu bringen — aber das stand doch nie auf dem Programm. So erfinderisch du auch gewesen sein magst, Khouri, du hattest keine Aussicht, mir und dem Triumvirat diese Waffen zu entreißen.« Sie stützte den Kopf in die Hand. »Damit stellt sich natürlich die Frage: Wenn deine erste Geschichte nicht stimmte, was willst du dann auf diesem Schiff?« Sie sah Khouri erwartungsvoll an. »Vielleicht gestehst du es besser mir, denn eins kann ich dir versichern: Sajaki wird der Nächste sein, der dir diese Frage stellt. Es ist deiner Aufmerksamkeit sicher nicht entgangen, dass er Verdacht geschöpft hat, Khouri — besonders seit Kjarval und Sudjic ums Leben gekommen sind.«