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Unendlichkeit [Revelation Space - de]

Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:

Vor Urzeiten lebte auf dem Planeten Resurgam das Volk der Amarantin. An der Schwelle zum Raumfahrtzeitalter jedoch wurde ihre blühende Kultur durch eine kosmische Katastrophe völlig vernichtet und so daran gehindert, in den Weltraum vorzudringen. Ein unglückliches Zusammenspiel physikalischer Gesetze? Oder alles andere als ein Zufall? Eine Millionen Jahre später will sich die Menschheit auf Resurgam ansiedeln. Die Kolonisten stoßen dort auf das Vermächtnis des außerirdischen Volkes: eine verschüttete Stadt und die riesige Statue eines geflügelten Amarantin. Es ist eine archäologische Sensation, und ihrem Entdecker, dem genialen Wissenschaftler Dan Sylveste, ist großer Ruhm gewiss. Sylveste aber bedeuten die Funde noch viel mehr: Er will die Wahrheit über das Schicksal der Amarantin herausfinden und ist bereit, dafür nicht nur sein eigenes, sondern auch das Leben anderer aufs Spiel zu setzen. Gemeinsam mit einer Gruppe von Cyborgs und ausgestattet mit einem Waffenarsenal, das ein ganzes Sonnensystem vernichten könnte, beginnt er seine Nachforschungen. Bald schon muss er allerdings erkennen, dass jemand — oder etwas — mit allen Mitteln verhindern will, dass er erfährt, was tatsächlich mit den Amarantin geschah…
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Jetzt holte sie es näher heran. Anfangs war es nur ein leicht ovaler, weißlich-grauer Fleck vor einem Hintergrund von Sternen. An einer Seite ragte ein Stück von Cerberus ins Bild. So hatte es bereits vor Tagen ausgesehen, bevor das Schiff alle seine Radioteleskope ausgefahren hatte. Schon damals hatte sich ihr Verdacht nur schwer von der Hand weisen lassen. Und mit jedem neuen Detail wurde es noch schwieriger.

Die Umrisse des Flecks wurden jetzt klarer; er entpuppte sich als festes Gebilde. Von der Form her war er annähernd konisch wie ein Glassplitter. Volyova legte ein Dimensionsraster um das Objekt, um seine Größe ungefähr zu bestimmen. Es war von einem Ende zum anderen auf jeden Fall drei bis vier Kilometer lang.

»Bei dieser Auflösung«, sagte Volyova, »lassen sich deutlich zwei Quellen für die Neutrino-Emission unterscheiden.« Sie zeigte auf zwei graugrüne Flecken zu beiden Seiten des dickeren Konus-Endes. Bei detailgenauer Abbildung sah man, dass die Flecken beidseitig des eigentlichen Splitters an eleganten rückwärts gepfeilten Tragholmen angebracht waren.

»Ein Lichtschiff«, sagte Hegazi. Und so war es; selbst bei dieser vergleichsweise groben Auflösung konnte daran kein Zweifel bestehen. Sie hatten ein Schiff vor sich, das ihrem eigenen sehr ähnlich war. Die Neutrino-Emissionen gingen von den Synthetiker-Triebwerken zu beiden Seiten des Rumpfes aus.

»Die Triebwerke arbeiten nicht«, sagte Volyova. »Aber sie geben auch dann einen stetigen Neutrino-Strom ab, wenn das Schiff nicht unter Schub steht.«

»Können Sie das Schiff identifizieren?«, fragte Sajaki.

»Das ist nicht nötig«, sagte Sylveste. Alle waren überrascht von der tiefen Ruhe in seiner Stimme. »Ich weiß, um welches Schiff es sich handelt.«

Eine letzte Vergrößerungswelle flimmerte über die Projektion. Nun füllte sie fast die ganze Sphäre, und man sah, was vorher nicht so deutlich gewesen war. Das Schiff war beschädigt, zerstört, von großen, kugelförmigen Einschlägen entstellt. Weite Flächen des Rumpfes waren aufgerissen, und darunter kamen in Ekel erregender Komplexität die vielen tieferen Schichten zum Vorschein, die nie dem Vakuum hätten preisgegeben werden dürfen.

»Nun«?, fragte Sajaki.

»Es ist das Wrack der Lorean«, antwortete Sylveste.

Zwanzig

Im Anflug auf Cerberus/Hades

2566

Calvin manifestierte, unpassenderweise immer noch in seinem Lehnstuhl mit dem Baldachin, in der Krankenstation des Lichtschiffs.

»Wo sind wir?«, fragte er und rieb sich ein Auge, als sei er soeben aus wohltuend tiefem Schlaf erwacht. »Kreisen wir immer noch um dieses Dreckloch von einem Planeten?«

»Wir haben Resurgam verlassen«, sagte Pascale. Sie saß neben Sylveste, der wiederum voll bekleidet und bei vollem Bewusstsein auf dem Operationstisch lag. »Wir befinden uns am Rand der Heliosphäre von Delta Pavonis, unweit des Cerberus/Hades-Systems. Sie haben die Lorean gefunden.«

»Verzeihung; ich habe mich wohl verhört.«

»Nein; du hast ganz richtig verstanden. Volyova hat sie uns gezeigt — es ist eindeutig dasselbe Schiff.«

Calvin runzelte die Stirn. Wie Pascale — wie Sylveste hatte er angenommen, dass die Lorean, die Alicia und die anderen Meuterer in der Frühzeit der Kolonie gestohlen hatten, um damit nach Yellowstone zurückzukehren, sich längst nicht mehr in der Nähe des Resurgam-Systems befand. »Wie kann es die Lorean sein?«

»Das wissen wir nicht«, sagte Sylveste. »Wir wissen nur, was wir dir erzählt haben. Du tappst ebenso im Dunkeln wie wir.« An solchen Stellen im Gespräch wäre normalerweise eine Spitze gegen Calvin fällig gewesen, aber irgendetwas bewog ihn, darauf zu verzichten.

»Ist sie heil?«

»Sie muss angegriffen worden sein.«

»Überlebende?«

»Wohl kaum. Das Schiff wurde schwer beschädigt… was immer es war, es muss sehr plötzlich gekommen sein, sonst hätte es wohl versucht, sich außer Reichweite zu bringen.«

Calvin schwieg eine Weile, dann antwortete er: »Demnach ist Alicia tot. Das tut mir Leid.«

»Wir wissen nicht, was es war, oder wie es zu dem Angriff kam«, sagte Sylveste. »Aber vielleicht erfahren wir bald mehr.«

»Volyova hat eine Sonde abgesetzt«, erklärte Pascale. »Einen Roboter, der die Lorean sehr schnell erreichen kann. Er müsste inzwischen dort eingetroffen sein. Sie sagte, er würde in das Schiff eindringen und nach eventuell noch vorhandenen elektronischen Aufzeichnungen suchen.«

»Und dann?«

»Werden wir erfahren, wodurch sie umgekommen sind.«

»Aber das genügt nicht, oder? Nichts, was du von der Lorean in Erfahrung bringst, wird dich zur Umkehr bewegen, Dan. Dazu kenne ich dich zu gut.«

»Das meinst du nur«, sagte Sylveste.

Pascale räusperte sich und stand auf. »Könnten wir das auf später verschieben? Wenn ihr nicht zusammenarbeiten könnt, seid ihr für Sajaki beide nicht zu gebrauchen.«

»Was er von mir hält, spielt keine Rolle«, erklärte Sylveste. »Er muss trotzdem tun, was ich sage.«

»Da hat er Recht«, sagte Calvin.

Pascale bat den Raum, ein Schreibpult mit Schaltern und Anzeigen auszufahren, wie sie es von Resurgam gewohnt war. Dann verlangte sie einen Sitz, ließ sich vor der geschwungenen Elfenbeinkonsole nieder und rief eine Karte der Datenverbindungen in der Station auf, um die erforderlichen Links zwischen Calvins Modul und den medizinischen Systemen einzurichten. Wie eine kunstvolle Fadengrafik schwebten die Verbindungen durch die Luft. Calvin kontrollierte jeden Schritt, sagte ihr, auf welchen Bahnen sie die Frequenz erhöhen oder verringern sollte oder verlangte nach zusätzlichen Strukturen. Der Vorgang war nach wenigen Minuten abgeschlossen, nun konnte Calvin alle servo-mechanischen Geräte der Krankenstation bedienen. Ein ganzes Bündel von Metallarmen senkte sich wie ein Medusenhaupt kopfüber von der Decke.

»Niemand kann sich vorstellen, was das für ein Gefühl ist«, schwärmte Calvin. »Zum ersten Mal seit Jahren kann ich auf das physische Universum einwirken — die letzte derartige Gelegenheit war die Reparatur deiner Augen.« Während er sprach, begannen die funkelnden Gelenkarme zu tanzen. All die scharfen Skalpelle, Laser, Krallen, Molekular-Manipulatoren und Sensoren durchschnitten die Luft wie silbrige Blitze.

»Sehr eindrucksvoll«, sagte Sylveste. Er spürte den Luftzug im Gesicht. »Sei bloß vorsichtig.«

»In einem Tag könnte ich dir neue Augen machen«, sagte Calvin. »Sie wären besser als je zuvor. Ich könnte sie so machen, dass sie aussehen wie Menschenaugen — verdammt; mit dem, was hier an Geräten zur Verfügung steht, könnte ich dir ohne weiteres auch biologische Augen implantieren.«

»Ich will aber meine alten Augen behalten«, wehrte Sylveste ab. »Sie sind im Moment meine einzige Waffe gegen Sajaki. Es genügt, wenn du Falkenders Pfusch reparierst.«

»Ach ja — das hatte ich vergessen.« Calvin hatte sich bisher kaum bewegt, jetzt zog er eine Augenbraue hoch. »Bist du sicher, dass das ein kluger Plan ist?«

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