In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
Sie rauschte mit Tuon und Suroth aus dem Raum, gefolgt von Anath und der So'jhin und den Da'covale, und ließ Mat mit der großmütterlichen Dienerin zurück, die anfing, den Weintisch aufzuräumen. Er ließ sich auf einen der Bambusstühle sinken und verbarg den Kopf in den Händen.
Zu jeder anderen Zeit hätten ihn die rosafarbenen Schleifen erschaudern lassen. Er hätte niemals versuchen sollen, ihr die Meinung zu sagen. Selbst der Gholam nahm nur einen kleinen Teil seiner Gedanken ein. Die Würfel waren verstummt und... Was? Er war drei Leuten von Angesicht zu Angesicht — oder zumindest so gut wie — begegnet, die er nie zuvor getroffen hatte, aber das konnte es nicht sein. Vielleicht hatte es etwas damit zu tun, dass Tylin zu einer Angehörigen des Blutes gemacht werden sollte. Aber wenn die Würfel zuvor innegehalten hatten, war immer ihm persönlich etwas zugestoßen.
Er saß da und machte sich deswegen Sorgen, während die Dienerin anderes Personal hereinrief, um alles wegzubringen. Mat saß da, bis Tylin zurückkehrte. Sie hatte das mit den rosafarbenen Schleifen nicht vergessen und das ließ wiederum ihn alles andere für eine ziemlich lange Zeit vergessen.
18
Ein Angebot
Die Tage, nachdem der Gholam versucht hatte, ihn zu töten, nahmen einen Rhythmus an, der Mat fast in den Wahnsinn trieb.
In den Straßen sprach man von einem Mann, der nicht weit außerhalb der Stadt von einem Wolf getötet worden war, man hatte ihm die Kehle herausgerissen. Niemand war deswegen besorgt, sondern lediglich neugierig, man hatte schon jahrelang keine Wölfe mehr in der Nähe von Ebou Dar gesehen. Mat machte sich Sorgen. Die Stadtleute mochten ja glauben, dass sich ein Wolf so nahe an die Stadtmauern heranwagen würde, aber er wusste es besser. Der Gholam war nicht verschwunden. Harnan und die anderen Rotwaffen weigerten sich stur abzureisen; sie behaupteten, ihm den Rücken decken zu können, und Vanin weigerte sich, ohne überhaupt einen Grund anzugeben, es sei denn, man würde die gemurmelte Bemerkung, dass Mat ein gutes Auge für schnelle Pferde habe, als solchen verstehen. Allerdings hatte er ausgespuckt, nachdem er es gesagt hatte.
Riselle, deren olivfarbenes Gesicht hübsch genug war, um einen Mann schlucken zu lassen, und deren große feuchte Augen wissend genug waren, um seinen Mund auszutrocknen, erkundigte sich nach Olvers Alter. Als Mat ihr daraufhin antwortete, er sei fast zehn, wirkte sie überrascht und klopfte sich nachdenklich gegen die vollen Lippen, aber falls sie etwas an dem Unterricht des Jungen änderte, so kam er trotzdem jedes Mal zurück und ließ sich gleichermaßen aufgeregt über ihren Busen und die Bücher aus, die sie ihm vorlas. Mat war der festen Überzeugung, dass Olver sogar seine abendliche Partie Schlangen und Füchse für Riselle und die Bücher aufgegeben hätte. Und wenn der Junge aus den Gemächern stürmte, die einst Mat gehört hatten, schlüpfte oft Thom mit der Harfe unter dem Arm hinein. Das allein reichte schon aus, um Mat mit den Zähnen knirschen zu lassen, aber das war nicht einmal die Hälfte davon.
Thom und Beslan gingen häufig zusammen aus, ohne ihn zum Mitkommen einzuladen, und waren dann den halben Tag oder die halbe Nacht weg. Keiner von ihnen verlor noch ein weiteres Wort über ihre Pläne, obwohl Thom immerhin den Anstand hatte, verlegen auszusehen. Mat hoffte, dass sie keine Leute für nichts und wieder nichts in den Tod schickten, aber sie zeigten nur wenig Interesse an seiner Meinung. Beslan starrte ihn nur finster an, wenn er ihn sah. Juilin schlich sich weiterhin in die oberen Etagen und wurde von Suroth erwischt, was ihm eine Prügelstrafe einbrachte; sie banden ihn im Stall mit den Handgelenken an einen Querpfosten und züchtigten ihn mit Riemen. Mat sorgte dafür, dass Vanin seine Striemen behandelte — der Mann behauptete, die Behandlung von Menschen sei dieselbe wie bei Pferden —, und warnte ihn, dass es das nächste Mal schlimmer ausgehen konnte, aber der Narr trieb sich noch am selben Abend wieder in den oberen Stockwerken herum, obwohl ihn das Gewicht seines Hemdes auf dem Rücken schmerzvoll zusammenzucken ließ. Es konnte sich nur um eine Frau handeln, obgleich sich der Diebefänger beharrlich weigerte, etwas zu sagen. Mat vermutete, dass es sich um eine der seanchanischen Adligen handelte. Eine der Palastdienerinnen hätte ihn in seinem Gemach besuchen können, da Thom so oft weg war.
Natürlich nicht Suroth oder Tuon, aber sie waren nicht die einzigen Seanchaner im Palast, die dem hochrangigen Blut angehörten. Die meisten Adligen hatten in der Stadt Zimmer oder ganze Häuser gemietet, aber einige hatten Suroth als Gefolge begleitet, und das Mädchen hatte ebenfalls eine Hand voll mitgebracht. Trotz ihrer Frisuren und der Art und Weise, wie sie auf alle herabsahen, die keine rasierten Schläfen hatten, sah mehr als nur eine der Frauen nach einem netten Arm voll aus. Immer vorausgesetzt, dass sie den Männern mehr Beachtung schenkten als den Möbeln. Auch wenn es unwahrscheinlich erschien, dass eine jener hochmütigen Frauen einen Mann, der im Dienstbotenquartier schlief, auch nur eines zweiten Blickes würdigen würde, nun, das Licht wusste, dass Frauen einen seltsamen Geschmack hatten, was Männer anging. Ihm blieb keine Wahl, als Juilin in Ruhe zu lassen. Wer auch immer die Frau war, sie würde möglicherweise dafür sorgen, dass er doch noch den Kopf verlor, aber diese Art Fieber musste sich erst ausbrennen, bevor ein Mann wieder vernünftig denken konnte. Frauen taten dem Verstand eines Mannes seltsame Dinge an.
Die neu eintreffenden Schiffe spien tagelang einen schier endlosen Strom aus Menschen, Tieren und Fracht aus; wären sie alle geblieben, hätte er ausgereicht, um die mächtigen Stadtmauern von innen heraus zu sprengen, aber sie flössen mit ihren Familien und ihrem Handwerkszeug und Viehbestand durch die Stadt hinaus ins Landesinnere, dazu bereit, Wurzeln zu schlagen. Soldaten wurden ebenfalls durchgeschleust, Tausende von ihnen, wohlgeordnete Reihen aus Infanterie und Kavallerie mit dem Benehmen von Veteranen, die in mit hellen Farben lackierten Rüstungen nach Norden und nach Osten über den Fluss weitermarschierten. Mat gab es auf, sie zu zählen. Manchmal sah er auch seltsame Kreaturen, allerdings wurden die meisten von ihnen oberhalb der Stadt ausgeladen, um die Straßen zu meiden. Torrn, dreiäugige, bronzegeschuppte Katzen in der Größe von Pferden, die richtige Pferde allein schon durch ihre Anwesenheit durchgehen ließen, und Corlm, die wie haarige, flügellose Vögel von Mannsgröße aussahen, deren lange Ohren ständig zuckten und deren gebogene Schnäbel sich nach frisch gerissenem Menschenfleisch zu verzehren schienen, und gewaltige S'redit mit ihren langen Nasen und noch längeren Stoßzähnen.
Raken und die größeren To'raken starteten von ihren Landeplätzen unterhalb des Rahad, gewaltige Echsen, die fledermausähnliche Flügel spreizten und Männer auf den Rücken transportierten. Die Namen waren mühelos aufzuschnappen; jeder seanchanische Soldat diskutierte begeistert über die Notwendigkeit, Späher auf Raken auszusenden oder über die Fähigkeiten der Corlm bei der Spurensuche, ob S'redit für mehr als den Transport schwerer Lasten zu gebrauchen und Torrn zu intelligent waren, um vertrauenswürdig zu sein. Er erfuhr viele interessante Dinge von Männern, die das wollten, was alle Soldaten wollen, einen Schluck zu trinken und eine Frau und ein Spiel, nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Diese Soldaten waren tatsächlich Veteranen. Seanchan war ein Imperium, das größer als alle Nationen zwischen dem Aryth-Meer und dem Rückgrat der Welt zusammen war, und das alles unter einer Kaiserin vereint, aber mit einer Geschichte beinahe ständiger Revolten und Rebellionen, die die Soldaten in Übung hielten. Die Bauern würde man schwerer loswerden.