In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
Natürlich rückten nicht alle Soldaten wieder ab. Eine starke Garnison blieb, nicht nur Seanchaner, sondern auch stahlverschleierte tarabonische Lanzenreiter und amadicianische Pikenträger, die ihre Brustpanzer bemalt hatten, damit sie seanchanischen Rüstungen ähnelten. Und neben Waffenmännern aus Tylins Haus auch Altaraner. Gemäß den Verlautbarungen der Seanchaner war Tylin genauso die Herrscherin über die Altaraner aus dem Landesinneren mit den roten Strichen kreuz und quer über den Brustpanzern wie über die Männer, die den Tarasin-Palast bewachten, was die Königin aber seltsamerweise nicht zu erfreuen schien. Die Leute aus dem Landesinneren waren darüber auch nicht besonders begeistert. Sie und die Männer in Mitsobars Grün und Weiß belauerten sich wie fremde Kater in einem kleinen Zimmer. Man tauschte überhaupt viele finstere Blicke aus, Taraboner und Amadicianer, Amadicianer und Altaraner und umgekehrt; seit langer Zeit gereifte, langjährige Animositäten brodelten an die Oberfläche, aber es ging nie weiter als drohend geschwungene Fäuste und ein paar Flüche.
Fünfhundert Mann der Totenwache waren von den Schiffen gekommen und aus einem bestimmten Grund in Ebou Dar geblieben. Die üblichen Verbrechen, mit denen man in jeder großen Stadt rechnen musste, hatten unter den Seanchanern einen dramatischen Rückgang erlebt, aber die Totenwächter patrouillierten die Straßen, als erwarteten sie, dass Beutelschneider, Schläger und vielleicht schwer bewaffnete Banden von Briganten aus den Bürgersteigen in die Höhe schnellten. Die Altaraner und Amadicianer und Taraboner hielten ihr Temperament unter Kontrolle. Nur ein Narr diskutierte mit der Totenwache, und das auch nur einmal. Und ein weiteres Kontingent der Wache hatte in der Stadt Quartier bezogen, ausgerechnet einhundert Ogier in Rot und Schwarz. Manchmal patrouillierten sie zusammen mit den anderen und manchmal wanderten sie mit den langschäftigen Äxten auf den Schultern einfach nur umher. Sie waren nicht wie Mats Freund Loial. Oh, sie hatten die gleichen breiten Nasen und die mit Haarbüscheln bewachsenen Ohren und langen Brauen, die neben Augen von der Größe von Teetassen herabhingen, aber die Gärtner sahen einen Mann an, als würden sie darüber nachdenken, ob er nicht an ein paar Gliedmaßen beschnitten werden musste. Keiner war so närrisch, auch nur einmal den Versuch zu unternehmen, mit den Gärtnern ins Gespräch zu kommen. Seanchaner strömten aus Ebou Dar hinaus und Nachrichten hinein. Selbst wenn sie auf dem Dachboden schlafen mussten, produzierten sich die Kaufleute in den Schankräumen der Gasthäuser, rauchten ihre Pfeifen und erzählten die Dinge, die nur sie wussten. Solange es nicht ihre Profite beeinträchtigte. Die Leibwächter der Kaufleute interessierten sich nur wenig für Profite, von denen sie nichts abbekamen, und erzählten alles, und einiges davon entsprach sogar der Wahrheit. Matrosen erzählten ihre Geschichten allen, die ihnen einen Krug Ale bezahlten oder, noch besser, heißen gewürzten Wein, und wenn sie genug getrunken hatten, erzählten sie noch mehr, über Häfen, in denen sie angelegt hatten, und Geschehnisse, von denen sie Zeugen geworden waren, und später dann von den Träumen, die sie das letzte Mal gehabt hatten, nachdem sie ihren benebelten Kopf ausgelüftet hatten. Doch es war unverkennbar, dass es in der Welt außerhalb von Ebou Dar brodelte wie auf dem Meer der Stürme. Von überall kamen Geschichten über sengende und plündernde Aiel und marschierende Heere in Tear und Murandy, in Arad Doman und Andor, und in Amadicia, das noch immer nicht völlig unter seanchanischer Kontrolle stand, während es im Herzen von Altara Dutzende bewaffneter Gruppen gab, die zu klein waren, um als Heer bezeichnet zu werden. Keiner schien sich sicher zu sein, wer gegen wen kämpfen wollte — mal abgesehen von den Männern in Altara und Amadicia. Und es gab einigen Zweifel, was Altara betraf. Altaraner hatten die Gabe, sich Schwierigkeiten zunutze zu machen, um Stetigkeiten mit Nachbarn zu regeln.
Die Nachrichten, die die Stadt am meisten erschütterten, waren jene über Rand. Mat versuchte sein Bestes, nicht an ihn oder Perrin zu denken, aber es fiel schwer, diese seltsamen Farbwirbel in seinem Kopf zu vermeiden, wenn der Wiedergeborene Drache in aller Munde war. Der Wiedergeborene Drache war tot, behaupteten einige, ermordet von Aes Sedai, von der ganzen Weißen Burg, die sich in Cairhien auf ihn gestürzt hatte, oder war es in Illian geschehen oder in Tear? Nein, sie hatten ihn entführt und er wurde in der Weißen Burg gefangen gehalten. Nein, er war aus freiem Willen zur Weißen Burg gegangen und hatte dem Amyrlin-Sitz die Treue geschworen. Dem Letzteren wurde oft Glauben geschenkt, weil eine große Zahl von Männern behauptete, eine von Elaida höchstpersönlich unterzeichnete Proklamation gesehen zu haben, die genau das verkündete. Mat hatte da seine Zweifel, dass Rand tot sein oder zumindest die Lehnstreue geschworen haben sollte. Aus irgendeinem nicht näher zu bestimmenden Grund war er davon überzeugt, zu wissen, falls Rand den Tod fand, und was das andere anging, so konnte er sich nicht vorstellen, dass sich der Mann der Weißen Burg auch nur freiwillig auf hundert Meilen näherte. Wiedergeborener Drache oder nicht, er hatte mehr Verstand.
Diese Nachrichten — und zwar sie alle — brachten Unruhe unter die Seanchaner wie ein in einen Ameisenhaufen gestoßener Stock. Hochrangige Offiziere eilten zu jeder Tages- und Nachtzeit durch die Korridore des Tarasin-Palasts; sie hatten die seltsamen Helme unter die Arme geklemmt, ihre Stiefel knallten laut auf die Bodenfliesen, und ihre Gesichter waren ernst. Kuriere rasten aus Ebou Dar, auf Pferden und To'mken. Sul'dam und Damane fingen an, in den Straßen zu patrouillieren, statt nur an den Toren Wache zu stehen, und nahmen die Jagd auf Frauen, welche die Macht lenken konnten, wieder auf. Mat ging den Offizieren aus dem Weg und nickte den Sul'dam höflich zu, wenn er ihnen auf den Straßen begegnete. Wie auch immer Rands Situation aussah, in Ebou Dar konnte er nichts daran ändern. Zuerst musste er aus der Stadt hinaus.
Am Morgen nach dem Tag, an dem der Gholam ihn hatte töten wollen, verbrannte Mat jede einzelne der langen rosafarbenen Schleifen im Kamin, sobald Tylin ihre Gemächer verlassen hatte. Er verbrannte auch einen pinkfarbenen Mantel, den sie für ihn hatte anfertigen lassen, sowie zwei Paar rosafarbene Hosen und einen Umhang in derselben Farbe. Der Gestank brennender Wolle und Seide erfüllte die Räume, und er öffnete ein paar Fenster, um ihn hinauszulassen, aber eigentlich war es ihm egal. Er verspürte große Erleichterung, hellblaue Kniebundhosen und einen bestickten grünen Mantel und einen blauen Umhang mit wahrhaft überladener Verzierung zu tragen. Nicht einmal die ganze Spitze störte ihn. Wenigstens war sie nicht rosa. Er wollte nie wieder etwas mit dieser Farbe auch nursehen.
Er stülpte sich den Hut auf den Kopf und hinkte aus dem Tarasin-Palast, fest entschlossen, das Loch zu finden, in dem er all das verstecken konnte, was er für eine Flucht benötigte, und wenn er jede Schenke, Seemannskneipe und jedes Gasthaus der Stadt zehnmal besuchen musste. Selbst im Rahad. Hundert Mal! Graue Möwen und schwarzflügelige Scherenschnäbel wirbelten durch einen bleiernen Himmel, der mehr Regen versprach; ein eiskalter Wind, der den Geruch von Salzwasser mit sich trug, peitschte über den Mol Hara und wirbelte Umhänge nach oben. Er stapfte auf die Pflastersteine, als wollte er jeden einzelnen spalten. Licht, wenn es sein musste, würde er Luca in dem begleiten, was er am Leib trug. Vielleicht würde Luca ihn seine Passage als Possenreißer abarbeiten lassen! Vermutlich würde der Mann sogar darauf bestehen. Aber wenigstens würde er so in der Nähe von Aludra und ihren Geheimnissen bleiben können.