Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
Oblomow seufzte.
»Ach, das Leben!« sagte er.
»Was ist mit dem Leben?«
»Es greift überall an, man hat keine Ruhe! Ich möchte mich hinlegen ... und für immer einschlafen ...«
»Das heißt, du würdest das Licht auslöschen und im Dunkeln bleiben! Ein schönes Leben! Ach, Ilja! wenn du doch wenigstens ein wenig philosophieren würdest, wirklich! Das Leben wird wie ein Augenblick dahineilen, und du möchtest dich noch hinlegen und einschlafen. Es soll ein ewiges Flammen sein! Ach, wenn man zwei-, dreihundert Jahre leben könnte!« schloß er. »Was man da alles leisten könnte!«
»Du bist etwas anders, Andrej!« entgegnete Oblomow. »Du hast Flügel, du lebst nicht, du fliegst, du bist begabt und ehrgeizig. Du bist nicht dick, leidest nicht an Gerstenkörnern und an Nackenjucken. Du bist ganz anders ...«
»Aber laß das! Der Mensch ist so erschaffen, daß er sich selbst lenken und selbst seine Natur verändern kann, und du hast dir einen Bauch wachsen lassen und glaubst, daß die Natur dir diese Last auferlegt hat! Du hattest Flügel, du hast sie dir aber gestutzt.«
»Wo sind denn die Flügel?« fragte Oblomow traurig. »Ich kann nichts ...«
»Das heißt, du willst nichts können!« unterbrach ihn Stolz. »Es gibt keinen Menschen, der nicht irgend etwas versteht; das gibt es wirklich nicht!«
»Ich kann aber nichts!« sagte Oblomow.
»Wenn man dir zuhört, müßte man glauben, du könntest nicht einmal ein Papier an die Polizeiverwaltung und einen Brief an den Hausherrn schreiben. Du hast aber doch an Oljga geschrieben? Du hast darin ›welches‹ und ›daß‹ immer an richtiger Stelle angewendet. Da hat sich bei dir auch Atlaspapier und Tinte aus dem englischen Geschäft gefunden, und deine Handschrift ist darin so energisch, nicht wahr?«
Oblomow errötete.
»Als du es gebraucht hast, sind dir Gedanken und Ausdrücke eingefallen, wie man sie irgendwo in einem Roman drucken lassen könnte. Wenn aber keine Notwendigkeit vorliegt, kann man nichts, dann sehen die Augen nicht und sind die Hände schwach! Du hast dein Können schon in der Kindheit in Oblomowka, inmitten von Tanten, Kinderfrauen und Dienern eingebüßt. Du hast zuerst die Strümpfe nicht anzuziehen verstanden und hast damit geendet, daß du nicht zu leben verstehst.«
»Das alles mag wahr sein, Andrej. Man kann aber nichts dagegen tun und das Leben nicht von vorne beginnen!« sagte Ilja, entschlossen aufseufzend.
»Wieso kann man es nicht wieder beginnen!« entgegnete Stolz ärgerlich. »Welch ein Unsinn! Höre mir zu und tue, was ich sage, dann kannst du wieder zu leben beginnen!«
Aber Stolz fuhr allein aufs Gut, und Oblomow blieb da und versprach, im Herbste hinzukommen.
»Was soll ich Oljga sagen?« fragte Stolz Oblomow vor der Abreise.
Oblomow senkte den Kopf und schwieg traurig; dann seufzte er.
»Sag ihr nichts von mir!« antwortete er endlich verlegen. »Sag, daß du mich nicht gesehen und von mir nichts gehört hast ...«
»Sie glaubt es nicht.«
»Nun, dann sag ihr, daß ich zugrunde gegangen, gestorben und verschwunden bin ...«
»Dann wird sie weinen und lange nicht zu trösten sein. Warum sollte man sie denn traurig machen?«
Oblomow dachte gerührt nach; seine Augen waren feucht.
»Nein, gut; ich werde lügen und ihr sagen, daß du in der Erinnerung an sie lebst«, schloß Stolz, »und nach einem ernsten, wahren Lebensziel suchst. Merke dir, daß das Leben selbst und die Arbeit das Ziel des Lebens ist, nicht aber ein Weib. Darin habt ihr euch beide geirrt. Wie froh sie sein wird!«
Sie verabschiedeten sich voneinander.
Drittes Kapitel
Tarantjew und Iwan Matwejewitsch trafen sich nach dem Iljatage wieder in der Kneipe.
»Tee!« bestellte Iwan Matwejewitsch düster, und als der Kellner Tee und Rum brachte, schob er ihm ärgerlich die Flasche hin. »Das ist kein Rum, sondern es sind Nelken!« sagte er, nahm aus der Manteltasche seinen eigenen Rum heraus und ließ den Kellner diesen riechen.
»Komm mir also nicht mehr mit deiner Flasche!« bemerkte er.
»Was, Gevatter, es steht schlecht!« sagte er, als der Kellner fort war.
»Ja, der Teufel hat ihn hergebracht!« entgegnete Tarantjew wütend. »Was für ein Schurke dieser Deutsche ist! Er hat die Vollmacht vernichtet und das Gut gepachtet! Das ist unerhört! Er wird sein Schäfchen aber gehörig ins trockene bringen.«
»Ich fürchte, Gevatter, daß, wenn er sich in der Sache auskennt, dabei etwas herauskommen kann. Wenn er erfährt, daß die Abgaben eingesammelt sind und daß wir das Geld erhalten haben, kann er womöglich noch einen Prozeß anfangen ...«
»Gleich einen Prozeß! Bist du aber ängstlich geworden, Gevatter! Es ist nicht das erstemal, daß Satjortij seine Finger nach fremdem Gelde ausstreckt, er versteht es, seine Spuren zu verwischen. Ich glaube, er gibt den Bauern keine Quittungen; er nimmt ihnen das Geld wohl unter vier Augen ab. Der Deutsche wird sich ärgern, wird schimpfen, und damit basta. Und du denkst gleich an einen Prozeß!«
»Glaubst du wirklich?« fragte Muchojarow, Mut fassend, »nun wollen wir trinken.«
Er schenkte sich und Tarantjew Rum ein.
»Manchmal glaubt man, daß man auf der Welt gar nicht leben kann, wenn man aber trinkt, geht es doch noch weiter!« tröstete er sich.
»Mache unterdessen Folgendes, Gevatter«, fuhr Tarantjew fort, »stelle irgendwelche Rechnungen auf, welche du willst, für Holz, für Kraut, nur für irgend etwas, Oblomow hat ja jetzt die Wirtschaft deiner Schwester übergeben, und füge die Summe den übrigen Ausgaben an. Und wenn Satjortij kommt, werden wir sagen, daß er so und so viel Abgabegelder gebraucht hat und daß wir damit die Ausgaben für Oblomow gedeckt haben.«
»Wenn er aber die Rechnungen nimmt und sie dem Deutschen zeigt, dann könnte die Sache doch ans Licht kommen ...«
»Aber nein! Er steckt sie irgendwohin, und der Teufel selbst findet sie dann nicht. Und bis der Deutsche kommt, ist alles längst vergessen ...«
»Wirklich? Trinken wir, Gevatter«, sagte Iwan Matwejewitsch, den Rum in Weingläser einschenkend, »es ist schade, das mit Tee zu verdünnen. Rieche einmal; drei Rubel. Wollen wir uns nicht etwas zu essen bestellen?«
»Das könnte man.«
»Kellner!«
»Aber was das für ein Schurke ist! ›Ich nehm's in Pacht‹, sagt er«, begann Tarantjew wieder wütend, »uns Russen würde so etwas nie einfallen! Diese Einrichtung riecht gleich nach etwas Deutschem. Dort haben sie lauter Farmen und Pachtgüter. Wart nur, er wird ihm dann noch mit Aktien heimleuchten.«
»Was sind denn das, Aktien? Ich kenne mich damit gar nicht aus«, fragte Iwan Matwejewitsch.
»Eine deutsche Erfindung!« sagte Tarantjew zornig, »das ist so: Ein Schwindler erfindet, wie man feuersichere Häuser baut, und übernimmt es, eine Stadt zu bauen; er braucht Geld, da läßt er Papiere, sagen wir zu je fünfhundert Rubel, erscheinen, und die Dummköpfe kaufen und verkaufen sie einander. Wenn Gerüchte entstehen, daß das Unternehmen gut geht, steigen die Papiere im Preise, wenn es schlecht geht, kracht das Ganze. Man behält dann die Papiere, aber kein Geld. Wenn man frägt, wo die Stadt ist, bekommt man zur Antwort, daß sie verbrannt ist und nicht fertig gebaut wurde, und der Erfinder hat sich unterdessen mit dem Geld aus dem Staube gemacht. Das sind Aktien! Der Deutsche wird ihn schon hineinverwickeln! Ich wundere mich nur, daß er das noch bis jetzt nicht getan hat! Ich hab' ihn immer daran gehindert und habe dem Landsmann Wohltaten erwiesen!«
»Ja, jetzt ist's aus; die Sache ist zu Ende und dem Archiv übergeben worden, jetzt haben wir zum letztenmal Geld aus Oblomowka bekommen ...« sagte Muchojarow ein wenig benebelt.
»Daß ihn der Teufel hol! Du hast ja so viel Geld, daß man darin mit einer Schaufel wühlen kann«, entgegnete Tarantjew, auch ein wenig im Dusel; »du hast eine sichere Quelle, schöpfe daraus, solange du nicht müde bist. Trinken wir!«